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Prüderie

"Verbotene Produkte": Amazon löscht Dutzende schwule DVDs

Am Freitag entfernte Amazon.de zahlreiche Filme, die von der FSK ab 12 oder 16 Jahren freigegeben sind, wegen angeblich "pornographischer" Inhalte aus seinem Angebot.


Zu heiß für Amazon.de: Szene aus der Komödie "Coming Out mit Hindernissen", die von der FSK ab zwölf Jahren freigegeben wurde (Bild: cmv-Laservision)

Zu Update springen: Amazon räumt "technischen Fehler" ein

Großreinemachen bei Amazon.de: Am Freitag sind mindestens einhundert DVDs und Blu-rays aus dem Angebot des Onlinehändlers verschwunden, darunter nicht nur, aber überwiegend schwule Titel. "Die eingegebene Webadresse ist keine funktionsfähige Seite auf unserer Website", bekommt nun zu lesen, wer auf frühere Direktlinks zu den Produkten klickt.

Angeblicher Hintergrund der Löschaktion ist der Jugendschutz. Ein Händler, der offenbar unerwünschte Filme auf Amazon.de angeboten hatte, bekam per E-Mail eine "Mitteilung über die Entfernung von verbotenen Produkten". In der Nachricht, die queer.de vorliegt, heißt es wörtlich: "Der Verkauf von pornographischen Titeln ist auf Amazon.de nicht gestattet." Bei weiteren "Verstößen" drohte Amazon.de gar mit der "Sperrung oder Schliessung Ihres Verkäuferkontos".

Alle gelöschten Filme wurden als jugendfrei eingestuft

Bei den gelöschten Filme handelt es sich allerdings keinesfalls um Sexvideos. Alle Titel wurden von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) als jugendfrei eingestuft, meistens ab 16 Jahren, teilweise sogar schon ab 12 Jahren. Rechtsgrundlage der FSK ist das deutsche Jugendschutzgesetz.

Betroffen von der Amazon.de-Zensur sind alle bekannten Labels, die queere Filme anbieten. Darunter die Edition Salzgeber etwa mit der schwulen Kurzfilmsammlung "Sechs mal verliebt!" (FSK 16), Pro-Fun-Media mit dem Drama "Boy Culture" (FSK 16) sowie cmv-Laservision mit der Komödie "Coming Out mit Hindernissen" (FSK 12). Gelöscht wurde selbst die "Short Films Collection" des berühmten Filmemachers François Ozon (FSK 16).

Das Vorgehen von Amazon.de mache ihn "gleich in mehrerer Hinsicht fassungslos", erklärte Andreas Strassmann von cmv-Laservision gegenüber queer.de. Der Pornografie-Vorwurf sei zum einen komplett falsch – er selbst habe die FSK-Prüfungen persönlich beauftragt. Zum anderen biete der Versandriese weiterhin inhaltsgleiche Importfassungen der Filme an, die in Deutschland nicht geprüft wurden. "Ich vermute, dass hier unter dem Vorwand der 'Pornografie' gezielt gegen schwule Inhalte vorgegangen werden soll."

Amazon.de hat auf eine Anfrage von queer.de zur Löschaktion bislang nicht reagiert. (mize)

 Update  25.02., 16.25 Uhr: Amazon räumt "technischen Fehler" ein

Am Montagnachmittag hat Amazon.de doch noch auf unsere Anfrage reagiert – mit einer nicht sehr konkreten Ausrede aus zwei Sätzen: "Es gab einen technischen Fehler, durch den einige Angebote im Bereich DVD & Blu-ray am Wochenende nicht verfügbar waren", erklärte das Unternehmen in seiner per E-Mail übermittelten schriftlichen Stellungnahme. "Alle betreffenden Angebote, die unseren Richtlinien entsprechen, werden wieder erhältlich sein."

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#1 PeerAnonym
  • 24.02.2019, 09:48h
  • Egal ob Amazon, Facebook, Google, Apple, Microsoft, etc. Diese ganzen US-Konzerne, die die Technik-Welt beherrschen, wollen der ganzen Welt die prüde, bigotte US-Moral aufzwingen.

    Wenn Europa nicht endlich gegensteuert, sind lange erkämpfte Freiheiten bald verschwunden.
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#2 Carsten ACAnonym
  • 24.02.2019, 09:58h
  • Was soll bitteschön an Filmen, die ab 12 oder 16 Jahren freigegeben sind, "pornografisch" sein? Pornografie ist grundsätzlich erst ab 18 freigegeben. Also kann das gar nicht sein.

    Das wird wohl eher vorgeschoben sein. Vermutlich ist es eher so, dass Amazon auf den Druck der immer stärker werdenden Homohasser-Lobby reagiert, die bestens vernetzt sind und die ihre ganze Freizeit damit vergeuden, Unternehmen mit Briefen und Mails zu bombardieren.

    Wir müssen endlich auch mal unsere Marktmacht nutzen, die noch viel größer ist. Wir müssten nur mal an einem Strang ziehen. Dass wir dann jeden Konzern in die Knie bekommen, haben wir damals bei Barilla gezeigt...
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#3 andreAnonym
  • 24.02.2019, 10:10h
  • Antwort auf #1 von Peer
  • Stimmt nicht ganz in diesem Fall. Auch wenn Amazon eine US Firma ist, sind die FSK, die dort einen anderen Namen haben, viel, sehr viel lockerer. Deshalb wundert mich das Ganze etwas.
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#4 GerritAnonym
  • 24.02.2019, 10:37h
  • Mal ganz abgesehen von diesen neuerlichen Zensur-Versuchen kann ich eh nicht verstehen, wie jemand bei Amazon einkaufen kann.

    Diese ganzen US-Konzerne wenden jeden nur erdenklichen Steuertrick an, um ihre Steuern klein zu rechnen. Die schaffen nur schlechte Arbeitsplätze (teilweise noch steuerlich subventioniert). Datenschutz ist für die ein Fremdwort und die haben genaue Profile ihrer Kunden. Etc. etc. etc.

    Und die Innenstädte bluten immer mehr aus und verlieren ihren Flair. Die Händler, die dann von Amazon kaputt gemacht werden, sind diejenigen, die brav ihre Steuern zahlen und nicht als internationaler Konzern ihre Gewinne zur Steuervermeidung durch die ganze Welt schicken können. Diejenigen, die Tariflöhne bezahlen und Ausbildungsplätze schaffen. Diejenigen, die die Städte lebenswert machen.

    Und spätestens wenn Amazon die über jahrzehnte aufgebauten Handelsstrukturen komplett zerstört hat, werden die völlig frei die Preise diktieren können. Und auch alleine entscheiden können, welche Filme, welche Musik und welche anderen Produkte veröffentlicht werden und welche nicht.
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#5 GerritAnonym
  • 24.02.2019, 10:39h
  • Antwort auf #3 von andre
  • Wir reden aber hier von Amazon Deutschland und da sind die deutchen FSK-Angaben relevant. So sollte es zumindest sein. Aber stattdessen versuchen die, auch in Europa die prüden US-Regeln durchzusetzen.

    In den USA gilt es ja schon als pornografisch, wenn ein nackter Busen oder ein Arsch zu sehen ist.
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#6 Freiheit EUAnonym
  • 24.02.2019, 10:45h
  • Das erinnert mich an eine Meldung, die ich vor ein paar Wochen gelesen habe.

    Apple setzt jetzt auch schwulen Dating-Apps die Pistole auf die Brust. Die müssen jetzt sogar Unterwäsche-Fotos entfernen. Tun sie das nicht, werden sie aus Apples App-Store rausgeschmissen. Und da es bei Apple nur den einen App-Store gibt und Apple alle Alternativen verbietet, würde da faktisch das Ende auf iPhone & Co bedeuten.

    Dabei sind Fotos in Unterwäsche (und sogar nackte Penisse ohne Erektion) nach EU-Recht nicht pornographisch.

    Vor ein paar Jahren hat Apple ja auch schon mal ein E-Book rausgeschmissen, weil auf dem Cover ein Busen von der Seite zu sehen war. Glücklicherweise hat der Verlag sich geweigert, das Cover zu ändern und verzichtet stattdessen lieber auf Apples Plattformen. Würden das mehr machen, würde Apple sehr schnell einlenken.

    Es ist sehr bedenklich, wenn nicht mehr demokratisch beschlossene Gesetze bestimmen, was erlaubt ist und was nicht, sondern wenn das multinationale Konzerne diktieren und aufgrund ihrer Marktmacht auch durchsetzen können.
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#7 BobAachenProfil
  • 24.02.2019, 10:46hAachen
  • Antwort auf #5 von Gerrit
  • "Und die Innenstädte bluten immer mehr aus und verlieren ihren Flair. "

    Das liegt nicht nur an Amazon, sondern auch daran, dass "der Einzelhandel" viele Sachen nicht mehr führt. Sogar Computerhändler haben gängiges nicht mehr, sondern sagen: 3 Tage Lieferzeit. Was macht man da? Bestellt zu einem drittel Preis für Lieferung bis morgen bei Amazon.

    Der Einzelhandel beerdigt sich selbst. Bei allen Bedenken gegen Amazon: Dort liefern auch Einzelhändler. Ja, die haben keine Ladenpräsenz und niedrigere Kosten, aber die gewünschten Artikel.
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#8 Julian SAnonym
  • 24.02.2019, 10:48h
  • Die Homohasser schnippen mit den Fingern und Amazon springt brav...

    Oder sitzen die Homohasser sogar direkt bei Amazon?
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#9 Julian SAnonym
  • 24.02.2019, 10:56h
  • Antwort auf #7 von BobAachen
  • 1. Dass die Einzelhändler ihre Sortimente verkleinern, kleinere Ladenlokale mieten, weniger Personal für Service einstellen, etc. liegt ja gerade an Amazon & Co. Wenn der Online-Handel die Margen immer weiter schrumpfen lässt, muss man halt irgendwo sparen. Oder man gibt gleich ganz auf.

    2. Es ist ein Klischee, dass Online-Handel immer günstiger sei. Ich habe schon mehrfach erlebt, dass ein Produkt im Laden günstiger war. Aber wer vergleich schon noch? Und spätestens wenn Amazon den lokalen Handel komplett ruiniert hat, wird Amazon völlig freu alle Preise diktieren. Rat mal, in welche Richtung.

    3. Selbst wenn ein Produkt bei Amazon mal "auf dem Preisschild" preiswerter ist, ist es letztlich doch teurer. Denn wenn dann Amazon Steuern vermeidet, weniger und schlechter bezahlte Arbeitsplätze geschaffen werden, etc. müssen ja andere für die Lücken im Steuersystem und in den Sozialsystemen aufkommen.

    Das was Du dann beim Kauf sparst, zahlst Du an Steuern und Sozialabgaben doppelt und dreifach drauf. Aber leider ist der Preis auf dem Preisschild nun mal einfacher verständlich als die Gesamtkosten einer volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

    Der Kunde zahlt dadurch letztlich (trotz niederigerem Preisschild) mehr als im stationären Handel. Die einzigen Profiteure sind Amazon & Co.
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#10 tchantchesProfil
  • 24.02.2019, 10:58hSonstwo
  • Niemand wird gezwungen, bei diesem Scheißladen zu kaufen. Es gibt immer eine Alternative, und wenn man sich einen regionalen Anbieter bei Ebay heraussucht. Immer noch besser als diese Drecksbude.
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