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Kölner Duo

Cassy Carrington und ihr Herr Cosler

Witzig, ehrlich und ungekünstelt: Das neue Album "Liebesfinder" ist eine aufregende Reise durch die musikalische Vielfalt der beiden Künstler.


Das neue Album "Liebesfinder" ist eine aufregende Reise durch die musikalische Vielfalt der beiden Künstler (Bild: Ralf Rotterdam)
  • 25. Februar 2019, 10:24h, noch kein Kommentar

Schon das erste per Crowdfundig erfolgreich produzierte Album der berührend ehrlichen Cassy Carrington und dem musikalischen Sidekick Herr Cosler hat gezündet und wurde direkt für den Förderpreis der Liederbestenliste nominiert. So überrascht es nicht, dass nun ein neues Album mit viel Herzblut auf den Markt gebracht wird. Der Name ist "Liebesfinder".

Cassy Carrington und ihr Herr Cosler laden ein, auf einer musikalischen Reise das Leben zu spüren. Sie erzählen in ihren Songs von den kleinen und großen Erlebnissen, die das Leben lebens- und liebenswert machen.

Ihre Songtexte sind überraschend und witzig, dabei aber immer ehrlich und ungekünstelt – auch wenn es mal weh tut. Und sie machen Mut! Mut auf das Leben mit all seinen Tücken. Die Musik ist abwechslungsreich. Das Duo wagt die Reise von Chanson zu Gypsy über Experimentell bis Pop. Eine tolle Weiterentwicklung, bei der die beiden ihren Idealen stets treu bleiben.

Spielerisch durch die dunkle Realität


Das neue Album "Liebesfinder" von Cassy Carrington und ihr Herr Cosler ist am 22. Februar 2019 erschienen

Viele Songs beschäftigen sich mit alltäglichen Konflikten. Eigene vermeintliche Unzulänglichkeiten werden in den Fokus gerückt und mit der nötigen Portion Ironie betrachtet. Perfektes Beispiel dafür ist die Auftaktsingle und Album-Opener "Im Darkroom". Der Titel beschäftigt sich mit der oberflächlichen Scheinwelt und der Erkenntnis, dass im Darkroom die Welt doch noch in Ordnung sei, da dort jedes Entlein Zuneigung finden könne. Musikalisch führt das Lied mit großer Leichtigkeit, Orgelsounds und Background-Chören spielerisch durch die dunkle Realität. Eine kleine Überraschung hält das Album bereit, denn man findet hier ein Darkroom Reprise.

"Ich will Dali sein" kommt musikalisch deutlich erwachsener daher. Leicht fließende Klavierriffs, starke Bässe, gepaart mit Gitarrensounds, rauschen sanft begleitend durch den Song. Cassy warme Stimmfarbe gibt ihm eine deutliche Message: Steh zu dir und deiner Individualität, pass dich genau so wenig an wie Salvador Dali und male dein eigenes Lebensbild.

Eine gehörige Spur melancholischer wird es mit "Dunkelblau". Der Titel beschreibt die Unterschiede zweier Partner und lässt die Frage offen, ob Schwermut auch Antrieb sein kann. Passt Rosa zu Dunkelblau? Die musikalisch angenehme Schwere wird durch Geigenmusik und melodiöse Klavierpassagen in einem tollen Arrangement kreiert.

Luftig leicht wird es bei "Internet Maus". Hier wird die Dating-App-Kultur in einem heiteren, leicht elektronischen Pop-Chanson aufs Korn genommen. Cassy singt über die Liebhaber, die man nach dem Internet-Date nicht mehr los wird. Frech, selbstbewusst und besonders unterhaltsam.

"Jetzt steh ich hier" knüpft am ehesten an den bekannten Carrington/Cosler Sound an. Sehnsüchtig wird eine vergangene Liebe besungen, die man auf einmal wieder trifft. Ein Song voller Wehmut, aber auch Zuversicht auf den Neuanfang – auf leichte Weise interpretiert in einer zurückhaltenden Produktion, die vor allem durch Cosler Klavierspiel glänzt.

Direktlink | Offizielles Video zu "Im Darkroom" von Cassy Carrington & ihr Herr Cosler

Die größte Überraschung des Albums ist wohl der Titelsong "Liebesfinder". Die vollkommen reduzierte Produktion macht den besonders ehrlichen Inhalt des Songs noch bewegender. In sehr direkten Worten beschreibt Cassy ihre eigene Unfähigkeit, die Liebe zu finden, wo es doch bei anderen vermeintlich so leicht erscheint. Hier zeigt sich eine der größten Stärken des Duos. Sie verlieren sich nicht in Floskeln und Klischees. Dieser Titel schmerzt und das tut gut!

Leichte Bossanova-Orgelsounds stehen im Gegensatz zur harten Realität, die uns "Die Cassy-Diät" vor Augen hält. Der Song könnte glatt aus den 60er oder 70er Jahren entsprungen sein. Erfrischend witzig und modern der Text über Schönheits-OPs und den Schlankheits- und Jugendwahn unserer Zeit.

Meer, Echolot, so beginnt "Sieben Meere". Eine sphärische Ballade, die den Besungenen ermutigen will, für sich selbst zu kämpfen und alles Negative im Wasser zurück zu lassen. Mit Sicherheit ein weiteres Highlight auf "Liebesfinder".

"Zaubermedizin" wurde als einziger Titel von Pop-Spezialist U-GO-BOY produziert. Das hört man deutlich – sehr frisch, sehr jung geht der Song an den Start. Tanzbar, fröhlich, mitreißend. Kann der perfekte Partner die ultimative Medizin sein? Das muss jeder selbst herausfinden.

Uptempo vom Feinsten! Das ist "Zimmerservice"! Direkt von Beginn an geht es in die Vollen. Takt und Arrangement kommen gipsy-folklorisch daher und reissen mit! Man will aufstehen und mittanzen. Gerade wegen der hohen Geschwindigkeit und Lebensfreude in Musik und Gesang stimmt es sehr positiv. Der Song strotzt nur so vor Selbstbewusstsein!

Schon auf dem ersten Album war "Eines Tages" in einer Upbeat-Version dabei. Hier ist nun "Eines Tages 2.0" auf dem neuen Album und das neue, sehr gefühlvolle Arrangement, nur begleitet von einer Akustik-Gitarre und sanften Streichern, ist ein absoluter Gewinn. Tiefgründig kommt "Eines Tages 2.0" daher und man möchte Cassy in den Arm nehmen. Cassy Stimme kommt hier am besten zur Geltung. Ein sehr gelungenes Remake in komplett neuem musikalischem Kleid.

Das neue Album "Liebesfinder" ist eine aufregende Reise durch die musikalische Vielfalt der beiden Künstler. Die Texte sind kritisch und lebensbejahend zugleich! Zeitgeist-Phänomene werden analysiert und ironisch hinterfragt und die Liebe wird in unterschiedlichen Farben beleuchtet. "Liebesfinder" zeigt, dass so mancher Stein auf dem Lebensweg hilft, noch höher zu klettern. Das Album startet mit einem Seufzer und endet mit einem Knutscher. Beides steht sinnbildlich perfekt für dieses Werk des unabhängigen Duos. (cw/pm)