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Studie

Kenia: LGBTI-Diskriminierung kostet bis zu 1,1 Milliarden Euro pro Jahr

Ein Forschungsbericht zeigt, dass Verfolgung oder Diskriminierung queerer Menschen aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn ergibt – im Gegenteil.


Die Studie "Das wirtschaftliche Plädoyer für die LGBT-Integration in Kenia" zeigt auf, dass Diskriminierung teuer ist

Die staatliche Verfolgung und Diskriminierung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten schadet der Wirtschaft in Kenia. Die Kosten betragen laut eines neuen Forschungsberichts pro Jahr zwischen 18 und 130 Milliarden Schilling (160 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro). Das entspricht zwischen 0,2 und 1,7 Prozent des Bruttosozialproduktes des ostafrikanischen Landes.

Der Forschungsbericht wurde von Wissenschaftlern aus mehreren Ländern erstellt. Auftraggeber war "Open For Business", eine Koalition von Konzernen, die sich für die LGBTI-Gleichbehandlung engagieren. Zur Koalition gehören unter anderem Tech-Riesen wie Microsoft, Google und IBM, Alkoholproduzent Diageo (Smirnoff, Baileys, Captain Morgan) oder die Kreditkartenfirma Mastercard. Als einzige deutsche Firma ist die Deutsche Bank Mitglied.

Größter Kostenpunkt Gesundheit

Zu den höheren Kosten trügen drei Faktoren bei: Den größten Anteil machten die höheren Gesundheitskosten aus, die laut den Experten pro Jahr bis zu 900 Millionen Euro betragen würden – das ist mehr als die gesamten staatlichen Ausgaben für Gesundheitsvorsorge. Grund für die höheren Kosten ist vor allem, dass die Kriminalisierung von Homosexualität den Kampf gegen HIV viel schwieriger mache. Die HIV-Rate liegt in der Gesamtbevölkerung bei rund sechs Prozent, bei schwulen und bisexuellen Männern sowie Transpersonen aber bei über 18 Prozent. In dieser Gruppe gibt es auch mehr Probleme mit Depressionen.

Zudem verliere Kenia 100 Millionen Euro pro Jahr, weil LGBTI-Touristen das Land meiden würden. Die LGBTI-Diskriminierung führe außerdem dazu, dass queere Kenianer niedrigere Gehälter erhielten und eine niedrigere Produktivität aufwiesen. Das koste jährlich noch einmal bis zu 100 Millionen Euro.

In Kenia stehen auf Homosexualität nach britischem Kolonialrecht langjährige Haftstrafen, im Extremfall bis zu 21 Jahren. In den letzten Jahren nahm die Polizei hunderte Menschen wegen Homosexualität fest. Dabei wurden auch Anal-Untersuchungen eingesetzt, die von Menschenrechtlern als Foltermethode eingestuft werden – das höchste Gericht des Landes erklärte diese Methode noch 2016 für legal (queer.de berichtete).

LGBTI-Organisationen haben bereits Klage gegen das Homo-Verbot im Land eingelegt. Das mit Spannung erwartete Urteil des Höchstgerichts hätte eigentlich schon in diesem Monat fallen sollen, wurde aber auf Mai verschoben (queer.de berichtete). (dk)



#1 Simon HAnonym
  • 26.02.2019, 16:06h
  • Da sieht man wieder mal, dass Diskriminierung auch wirtschaftlich schadet.

    Je größer die rechtliche Gleichstellung und die gesellschaftliche Akzeptanz ist, desto besser ist es auch für die ganze Volkswirtschaft. Davon profitieren auch Heteros. Das zeigen alle Studien und das zeigt sich immer wieder überall auf der Welt.
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#2 Alexander_FAnonym
  • 26.02.2019, 16:16h
  • Eigentlich hätte ein Blick in den "Gay-Travel-Index" auch gereicht, um das herauszufinden. Die Staaten, die dort ganz unten aufgeführt werden, sind schließlich nur solche Wirtschaftswunder wie Somalia zu finden. Kenia landet da ja auch nur auf Platz 146 von 197.

    Es ist natürlich ein wenig kapitalistisch, das anzuführen, aber ein Appell an den Eigennutz kann zuweilen eben doch erstaunlich viel bewirken.
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#3 KetzerEhemaliges Profil
  • 27.02.2019, 05:43h
  • Es ist ja gut und schön, das jetzt auch noch zu dokumentieren.

    Jedoch sollte eine Menschenrechtsfrage nie von wirtschaftlichen Auswirkungen abhängig sein - so nach dem Motto "Na, wenn es uns sogar wirtschaftlich schadet, müssen wir wohl doch mal was daran ändern".

    Vielmehr haben Menschenrechte eine Grundsatzfrage zu sein. Und zwar selbstverständlich nicht nur in Kenia, sondern weltweit.

    Aber natürlich typisch neoliberal-kapitalistisch, alles vom finanziellen Standpunkt aus zu sehen. Nur eben alles andere als humanistisch.
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#4 ad oeconomiamAnonym
  • 27.02.2019, 08:03h
  • Antwort auf #3 von Ketzer
  • Sehe ich weniger kritisch:

    Die Erkenntnis, dass Homophobie volkswirtschaftlich nicht sinnvoll ist, ist einfach ein zusätzliches Argument. Und zwr ein äußerst valides.

    Es überzeugt daher vielleicht auch diejenigen Politiker, die bisher aus irgendwelchen inneren Ansichten heraus die Diskrimininierung von LGBTIQ befürwortet haben.
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#5 KetzerEhemaliges Profil
  • 27.02.2019, 10:58h
  • Antwort auf #4 von ad oeconomiam
  • Und wenn demnächst eine Studie herauskommt, die "belegt", dass Homophobie wirtschaftlich einträglich ist, werden genau diese Politiker_innen sofort freudig umschwenken und tönen "Wir haben ja schon immer gesagt, dass die der Gesellschaft schaden".

    Deshalb steht eine Argumentation zum Thema Menschenrechte, die auf wirtschaftlichem Nutzen aufbaut, auf extrem tönernen Füßen.

    Und genau deshalb habe ich geschrieben, was ich geschrieben habe.

    Ganz abgesehen davon, darf es in Menschenrechtsfragen grundsätzlich nicht darum gehen, ob ein Mensch (wirtschaftlich) "zu irgendetwas nütze" ist. Es sind eben schlicht ALLE MENSCHEN gleich viel wert, mit GLEICH VIEL Würde ausgestattet. Das sagt im übrigen auch unser Grundgesetz.
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#6 BonzenAnonym
  • 27.02.2019, 11:12h
  • Die CDU hat das noch nie interessiert. Und die werden von Bozen-Konzernen unterstützt,.die meinen, es sei das Geld wert.

    :-(
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#7 ad oeconomiamAnonym
  • 27.02.2019, 11:55h
  • Antwort auf #5 von Ketzer
  • Es sind dennoch zwei Paar Schuhe.

    Es geht also nicht darum, mit ökonomischen Argumenten die Menschenrechte zu unterfüttern. Denn die sind ein universaler Wert an sich.

    Sondern es geht darum, dass für diejenigen, denen die Menschenrechte als solche sonstwo vorbeigehen, zumindest der ökonomische Aspekt ein Argument sein könnte, das mit der Diskriminierung künftig lieber sein zu lassen.

    Die Menschenrechte selbst werden durch eine solche Betrachtungsweise nicht tangiert (oder gar entwertet).
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#8 KetzerEhemaliges Profil
  • 27.02.2019, 12:20h
  • Antwort auf #7 von ad oeconomiam
  • Ich wiederhole gern:

    Und wenn demnächst eine Studie herauskommt, die "belegt", dass Homophobie wirtschaftlich einträglich ist, werden genau diese Politiker_innen sofort freudig umschwenken.

    Auf derartige Argumentationen ist also kein Verlass. Aber für jemanden, der rein vom Wirtschaftssystem her denkt, ohne die grundsätzliche Frage der Menschenrechte als Basis bzw. Schwerpunkt im Kopf zu haben, natürlich logisch.

    Ich wiederhole: solche wirtschaftsbasierten Argumentationen sind opportunistisch. Sprich: sie können - je nach Studie - so oder genau andersherum ausgelegt und verwendet werden.

    Eine auf grundsätzlicher Ethik basierte Argumentation, die die Menschenrechte als unverhandelbare Basis hat, ist mir da doch deutlich näher.
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#9 ad oeconomiamAnonym
  • 27.02.2019, 12:40h
  • Antwort auf #8 von Ketzer
  • "Und wenn demnächst eine Studie herauskommt, die "belegt", dass Homophobie wirtschaftlich einträglich ist, werden genau diese Politiker_innen sofort freudig umschwenken."

    Das wird sich allerdings nicht belegen lassen. Jedenfalls nicht anhand seriöser wissenschaftlicher Methodik.

    Und auch ich wiederhole es gern noch mal: Die ethische und auch rechtsdogmatische Basis der allgemeinen Menschenrechte steht für sich und wird von solchen Betrachtungsweisen nicht berührt.
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#10 Alexander_FAnonym
  • 27.02.2019, 14:15h
  • Antwort auf #8 von Ketzer
  • Dass Diskriminierung aller Art, auch gegen unsereinen, immer mehr bekämpft wird, hat seine Ursache vor allem darin, dass diese Diskriminierung den Diskriminierern ebenfalls schadet.
    Das ist auch nur logisch: wenn ich einen bestimmten Kundenkreis aufgrund willkürlicher Kriterien ausschließe, mache ich weniger Kasse und schade mir damit selbst.

    Es wird immer wieder angeführt, wirklich ethisch könne nur der handeln, der uneigennützig handelt. Es zeigt sich aber, dass das so einfach nicht stimmt. Tatsächlich zeigt es sich, dass die schlimmsten Verbrechen immer aus Uneigennützigkeit geschehen. Alle Hassverbrechen zählen dazu, denn sie nützen dem Verbrecher rein gar nichts, schaden ihm sogar, und um sie zu rechtfertigen, muss immer irgendein höheres, imaginäres Gut angeführt werden, das man zu schützen vorgibt, meist der Glaube, oder eben die Natur oder das Vaterland.
    Nichts Böses geschieht schließlich so gründlich, wie wenn man es mit gutem Gewissen tut.
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