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Forum "Alles Glaubenssache?"

Steinmeier: Auch Christen haben Homosexualität "buchstäblich verteufelt"

Die Freiheit des Glaubens hat nach den Worten von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dort ihre Grenzen, wo sie nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes steht.


Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seiner Rede am Dienstag in seinem Amtssitz Schloss Bellevue (Bild: Bertelsmann Stiftung)

Bei der Eröffnung des Forums "Alles Glaubenssache? Über das Verhältnis von Religion und Demokratie" am Dienstag in Berlin würdigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) die Entwicklungsfähigkeit von Religionen – und erwähnte in diesem Zusammenhang auch die Homosexuellenverfolgung im Namen des Christentums.

"Es steht uns Christen gut an, uns daran zu erinnern, wie lange es gebraucht hat, bis die Kirchen ein positives Verhältnis zum modernen Verfassungsstaat gefunden haben", sagte Steinmeier in seiner Rede im Schloss Bellevue. "Wie sehr viele Protestanten in der Weimarer Republik der Monarchie nachgetrauert haben, mit wenigen rühmlichen Ausnahmen, um nur Karl Barth und Paul Tillich zu nennen. Wie lange Homosexualität buchstäblich verteufelt wurde. Ja, und auch die ersten Frauenordinationen in den evangelischen Kirchen liegen noch nicht so lange zurück."

Bundespräsident nennt Grenzen der Religionsfreiheit

Die Freiheit des Glaubens hat nach den Worten des Bundespräsidenten dort ihre Grenzen, wo sie nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes steht. "Unser Grundgesetz ist der feste Grund, auf dem wir uns als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger begegnen und unsere Konflikte austragen können, ganz gleich, wes Geistes Kind wir sind", erklärte Steinmeier. Die Grundprinzipien der Verfassung selbst, die individuellen Grund- und Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, stünden in keiner Weise zur Disposition.

Angesichts von Millionen von Muslimen, die in Deutschland leben, sei es nicht mehr die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, sagte der Bundespräsident. "Die eigentliche Frage lautet: Welcher Islam gehört zu Deutschland?" Wie sehe ein Islam aus, der mit dem Leben in einer pluralistischen Gesellschaft im Einklang steht? "Die Förderung von Kinderehen oder die Missachtung von Frauenrechten tun es sicher nicht."

Schäuble: Gesellschaftlicher Wandel braucht Zeit

Ähnlich wie Steinmeier hatte sich bereits Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) am vergangenen Donnerstag geäußert. "Muslime müssen sich klar machen, dass sie in einem Land leben, das von christlichen Traditionen und den Freiheitswerten der Aufklärung geprägt ist", sagte er bei der Vorstellung eines Sammelbandes seines Parteifreunds Carsten Linnemann zum Thema politischer Islam in Berlin.

Allerdings sei auch Deutschland nicht immer so offen wie heute gewesen, betonte Schäuble. Gesellschaftlicher Wandel brauche Zeit: "Nicht alle Werte und Normen, die wir heute zu Recht von den zu uns Kommenden fordern, gehören seit 70 Jahren zur unbestrittenen deutschen Leitkultur. Gelebte Homosexualität war mal ein Straftatbestand. Und erst in den Siebzigerjahren wurden Frauen ihren Ehemännern rechtlich gleichgestellt." (cw/dpa)



#1 SehrGutAnonym
  • 27.02.2019, 11:43h
  • Danke, Herr Steinmeier.
    Das sind klare Worte und zeigen auf, wie sehr neben dem Grundgesetz Homophobie und Transphobie sind, und: wie sehr neben dem Grundgesetz auch Kirchen argumentieren.
    Deshalb muss nun dringend die sexuelle Identität im GG verankert und das AGG erweitert werden.
    Wenn Sie sich dafür bitte einsetzen, dann wird das Vertrauen in Ihre Partei um iniges größer und Sie hätten mehr Fans :-)
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#2 Patrick SAnonym
  • 27.02.2019, 12:11h
  • Vielen Dank Herr Steinmeier. Ein Signal, wenn das endlich mal vom höchsten Amt der Bundesrepublik an- und ausgesprochen wird.
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#3 andreAnonym
#4 ZenkimausAnonym
  • 27.02.2019, 12:31h
  • Ein nicht geringer Teil der heutigen Christen verteufelt homosexualität heute noch. Ist echt der Hammer was so manche da von sich geben.
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#5 Alexander_FAnonym
  • 27.02.2019, 12:44h
  • Antwort auf #3 von andre
  • Da bist du nicht allein. Und sein ständiges Reden von "wir Christen" zeigt, wie weit es in Deutschland mit der Trennung von Staat und Religion her ist. Als Präsident der Bundesrepublik Deutschland stünde es ihm mit Recht lediglich zu, von "wir Deutschen" zu sprechen. Dass er stattdessen seine Religionszugehörigkeit vor der Staatsangehörigkeit setzt, zeugt von einer Geisteshaltung, angesichts der ein Glückwunschschreiben an das Mullah-Regime nicht mehr allzu verwunderlich ist.

    Und lieber Frank, nochmal zum Mitschreiben: das Christentum kann sich lediglich deshalb mit den Segnungen der Demokratie leichter abfinden, weil es, je nach Nomination, nicht mehr so viel politische Macht besitzt wie früher oder sie nie hatte. Wie wäre es deshalb mal damit, endlich mit diesem Geschwätz aufzuhören, unser Staat sei auf christliche Werte gegründet? Demokratie und Menschenrechte sind nicht christlich begründet und mussten sich im Gegenteil gegen die "christlichen Werte" des Obrigkeitsstaats durchsetzen, und das zumeist gewaltsam.

    Die Frage, welcher Islam zu Deutschland gehöre, ist deshalb auch müßig. Im Idealfall sollte es gar keiner sein, weil sich im Idealfall eigentlich überhaupt keine Pfaffen, Popen, Mullahs, Schamanen oder oder sonstige in Sachen Gesetzgebung einzumischen haben, sondern sich Menschen allen Glaubens oder Nichtglaubens auf Grundlage einer Ethik zusammenfinden sollten, die nicht durch fliegende Spaghettimonster begründet ist.

    Bei einer solchen Rede weiß ich, warum ich die Partei der Humanisten wähle. Kann ich übrigens jedem empfehlen, dem das aufstößt.
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#6 Norbert230Anonym
#7 vollkommen richtigAnonym
#8 GayofcultureAnonym
  • 27.02.2019, 16:09h
  • Der Mann wird mir immer sympathischer, ein Glücksfall für Deutschland und wie wir seit seiner Entschuldigung gegenüber uns wissen, auch für unsere Community. Das mit dem Iran haben alle seine Vorgänger auch gemacht, hat sich nur damals niemand aufgeregt, heute nur, weil er in der falschen Partei ist! Hätte man sich bei Köhler, Wulff oder Gauck auch so aufgeregt? Nein. Steinmeier setzt kluge Akzente für unsere Demokratie und hilft uns Schwulen damit auch ein stückweit gesellschaftliche Präsenz und Akzeptanz zu haben. Und das auf höchster staatlicher Ebene. Was die religiöse Frage angeht, plädiert er ja für eine Aufarbeitung von Seiten der Kirche. Das ist eine hohe Aufforderung und zeigt eher, dass sich das Verhältnis Staat- Kirche gewandelt hat. Geben wir ihm einfach die Zeit, noch mehr für uns reden zu können.
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#9 Simon HAnonym
  • 27.02.2019, 16:18h
  • "Schäuble: Gesellschaftlicher Wandel braucht Zeit"

    Das hören wir seit Jahrzehnten. Wie lange sollen wir uns denn noch vertrösten lassen?

    Man kann doch nicht Diskriminierung beibehalten, nur weil deren Abschaffung manche Menschen überfordert.

    Wenn man erkannt hat, dass irgendwo Diskriminierung besteht, muss man die sofort abschaffen und sollte nicht warten, bis das wirklich auch der letzte Ewiggestrige erkannt hat. Zumal einige das nie erkennen werden.

    Es sind nicht die unschuldig Diskriminierten, die sich den Ewiggestrigen anpassen müssen, sondern die Ewiggestrigen müssen eben lernen, damit klar zu kommen, dass die Zeiten sich ändern.
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#10 SehrGutAnonym