Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?33079

Null-Diskriminierung-Tag

Aids-Hilfe: Blutspenden für homosexuelle Männer fast unmöglich

Schwule und bisexuelle Männer durften lange Zeit kein Blut spenden. 2017 wurde dieses Verbot in Deutschland gelockert – die Stigmatisierung jedoch nicht beendet.


Schwule und bisexuelle Männer dürfen in Deutschland nur dann Blut spenden, wenn sie ein Jahr keinen Sex gehabt haben (Bild: DRK-Blutspendedienste)

Die Aids-Hilfe Hessen sieht Männer, die Sex mit Männern haben, trotz einer Lockerung bei der Blutspende nach wie vor diskriminiert. Um Blut spenden zu können, müssen homo- und bisexuelle Männer ein Jahr lang keinen Sex gehabt haben. Die Einschränkung sei "nicht das Hauptproblem, aber eines dieser vielen Mosaiksteinchen, wo es noch Diskriminierung von homosexuellen Männern in unserer Gesellschaft gibt", sagte Florian Beger, Geschäftsführer der hessischen Aids-Hilfe, mit Blick auf den Null-Diskriminierung-Tag am 1. März.

"Die HIV-Tests funktionieren, deshalb ist diese Einjahresfrist aus unserer Sicht sicher übertrieben an dieser Stelle", sagte Beger. Bis vor eineinhalb Jahren waren homo- und bisexuelle Männer in Deutschland komplett von der Blutspende ausgeschlossen gewesen. Im Sommer 2017 hatte die Bundesärztekammer eine neue Richtlinie veröffentlicht, wonach Männer Blut spenden können, wenn sie ein Jahr keinen Sex mit einem Mann hatten. Dabei reicht die Selbstauskunft des potenziellen Spenders (queer.de berichtete).

Unterschiedliche Vorgaben für andere "Risikogruppen"

Einschränkungen gelten auch für heterosexuelle Menschen mit häufig wechselnden Sexpartnern oder Prostituierte. Für andere "Risikogruppen" wie beispielsweise Reisende aus Malariagebieten oder Sexpartner von HIV-positiven Menschen gilt lediglich eine viermonatige Begrenzung.

Für diese unterschiedlichen Vorgaben gebe es keine sachlichen Gründe, kritisierte Beger. "Da könnte wirklich noch die alte diskriminierende Haltung hinter stehen." Man habe offenbar "den Mut nicht aufgebracht, hier zu einer grundlegenden Gleichstellung zu kommen".

Mit Blick auf die Einjahresfrist erklärte der stellvertretende Sprecher des hessischen Gesundheitsministeriums, Markus Büttner: "Inwiefern das realistisch ist, sei dahingestellt." Angesichts der regelmäßigen Knappheit von Blutkonserven lasse sich die Frage stellen, ob der pauschale Ausschluss einer Gruppe sinnvoll sei, "oder nicht vielmehr das individuelle Sexualverhalten – unabhängig von der sexuellen Orientierung – der Maßstab sein sollte".

Auch der Lesben- Schwulenverband (LSVD) hält es für falsch, Männer mit gleichgeschlechtlichem Sex pauschal zu einer Risikogruppe zusammenzuschließen. Der Verband monierte, es werde nicht berücksichtigt, wenn Schwule in einer monogamen Partnerschaft leben. "Die Frage sollte nicht sein, mit wem man Sex hat", sagte LSVD-Sprecher Markus Ulrich. Vielmehr sollte sie darauf abzielen, ob Menschen geschützten Sex haben.

DRK: Es geht um Sicherheit, nicht um Willkür

"Für uns – ebenso wie den Gesetzgeber – haben die Sicherheit der Blutprodukte und des Spenders sowie der Schutz eines meist schwerkranken Blutempfängers allerhöchste Priorität", sagte Stefanie Fritsche vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). "Sobald diese garantiert sind, begrüßen wir generell sämtliche Regelungen, die es mehr Menschen ermöglichen, Blut zu spenden."

Die aktuelle Regelung basiere nicht auf reiner Willkür in Form stereotypischer Wertvorstellungen, wie es bei Diskriminierung der Fall sei, sondern auf medizinisch-wissenschaftlichen Studien und den daraus resultierenden Fakten, sagte Fritsche. Epidemiologische Daten zeigten, dass Sex unter Männern mit einem besonders hohen Übertragungsrisiko für verschiedene Infektionen einhergehe.

Nach Meinung von Beger mystifiziert die derzeitige Regelung HIV zusätzlich. "Alles, was das Thema HIV entstigmatisiert und dazu beiträgt, dass die hauptbetroffenen Gruppen ganz normal in unseren gesellschaftlichen Verhältnissen leben können, unterstützt nach unseren Erfahrungen eher die Präventionsbemühungen", sagte der Geschäftsführer der Aids-Hilfe Hessen.

Der 1. März gilt weltweit als Null-Diskriminierung-Tag. Ziel ist es, Gleichheit vor dem Gesetz und in der Praxis aller Mitgliedsländer der Vereinten Nationen zu fördern. (cw/dpa)



#1 Patroklos
#2 snowAnonym
  • 28.02.2019, 10:23h
  • Antwort auf #1 von Patroklos
  • Ich verstehe die ganze jammerei um das Blutspenden nicht, wenn Sie mein Blut nicht wollen, dann sollen Sie es eben lassen und Punkt. Diabetiker und andere dürfen es ja auch nicht

    Beim Thema Blut haben so und so die Zeugen Jehovas recht aber nur dort
  • Antworten » | Direktlink »
#3 AFD-WatchAnonym
  • 28.02.2019, 10:36h
  • Antwort auf #2 von snow
  • "Beim Thema Blut haben so und so die Zeugen Jehovas recht aber nur dort"

    Also würdest du freiwillig auf eine lebensrettende Blutspende verzichten? Oder schlimmer noch: einem Kind einer solche Blutspende verwehren und es sterben lassen?
  • Antworten » | Direktlink »
#4 mactorProfil
#5 Ralph
  • 28.02.2019, 11:17h
  • Antwort auf #3 von AFD-Watch
  • Entschuldige, aber die Frage richtet sich an den Falschen. Du musst sie der Bundesregierung und dem DRK stellen. Die lassen ein Kind lieber sterben, als ihm das Blut eines Schwulen zu geben.

    In den USA soll es Rassisten geben, die sich vor der Annahme von gespendetem Blut nach der Hautfarbe des Spenders erkundigen. In Deutschland spielt die sexuelle Orientierung des Spenders die selbe Rolle. Die Jahresgrenze bezweckt ja gerade, schwule Männer auszuschließen. Man verlässt sich dabei auf deren Ehrlichkeit oder deren Empörung und erzeilt damit das selbe Ergebnis wie vorher mit dem Totalverbot. Interessant ist allerdings, dass eine entsprechende Regelung für Organspenden nicht besteht.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Eva MariaAnonym
  • 28.02.2019, 13:10h
  • Hat queer.de eine Erklärung dafür, warum es wiederholt immer nur über schwule Männer bezgl. Blutspendeverbot berichtet, wenn Menschengruppen der Community diskriminiert werden? Warum wird die zweite betroffene Gruppe nie erwähnt?

    Das Blutspendeverbot gilt auch für Transfrauen! Aber nicht nur das. Sie werden auch unter "schwule Männer" bzw. MSM von der Ärztekammer subsummiert, wenn sie keine genitalangleichende OP hatten.

    "9.1 Transsexualität
    In Studien zur HIV-Prävention werden Transsexuelle häufig zur Kategorie der Männer gezählt, die Sex mit Männern haben (MSM) [Bockting 2001]. Die AIDS-Aufklärungsprogramme erreichen aber häufig diese Zielgruppe nicht, da sich die Betroffenen als Frau fühlen, auch wenn das Geschlechtsorgan, der Penis, meist noch vorhanden ist [Weeks 1995]. Aus medizinischer Sicht werden dagegen lediglich diejenigen Menschen als transsexuell bezeichnet, die eine Geschlechtsanpassung in allen körperlichen, sozialen und rechtlichen Bereichen vollzogen haben oder noch vollziehen wollen."

    Nicht nur, daß die Bundesärztekammer hier ihre eigene Definition von Trans hat, die jedem mittlerweile bekannten Stand ignoriert, geht sie noch einen weiteren Stigmatisierungsschritt Transfrauen betreffend.

    "Da sich viele Transsexuelle, die eine vollständige Geschlechtsumwandlung anstreben, beruflich ausgegrenzt und gesellschaftlich diskriminiert fühlen "(sic)", arbeiten viele als Prostituierte, um auf diese Weise nicht nur den Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch die Operationskosten zu erwirtschaften. Zur Größenordnung dieser Gruppe liegen international keine Statistiken vor. Eine einschlägige deutsche Erotik-Webseite, auf der Transsexuelle ihre Dienste bundesweit anbieten, enthält ca. 300 Inserate (Stand April 2011).11Dietatsächliche Zahl dürfte höher sein. Unter den hier inserierenden transsexuellen Sexarbeiterinnen befinden sich auffällig viele mit asiatischer oder südamerikanischer Herkunft. Die häufig anzutreffende, häufig vielleicht auch nur temporäre Arbeit im Sexgewerbe führt dazu, dass Transsexuelle ein noch größeres HIV-Risiko haben, nicht nur im Vergleich zu Sexarbeiterinnen, sondern auch im Vergleich zu Männern, die Sex mit Männern haben (siehe Tab. 1)"

    Das Blutspendeverbot für Transfrauen wurde in Deutschland mit der SICHTUNG EINER EROTIK-WEBSIDE BEGRÜNDET.

    Und mit folgenden Studien.

    "Die meisten dieser epidemiologischen Studien stammen zwar aus Asien und Südamerika, aber auch für Europa liegen immerhin für eine europäische Stadt (Amsterdam) entsprechende Zahlen vor[Roosmalen 1996, National Institute for Public Health and the Environment (RIVM)2007, Maaike 2010].Danach beträgt die HIV-Prävalenz in der Straßenprostitution 12%und bei transsexuellen Prostituierten 20%. Ähnliche Zahlenverhältnisse lassen sich auch hinsichtlich der Syphilis-Prävalenz beobachten. Diese lag 2002 in Jakarta (Indonesien) beispielsweise für Transsexuelle bei 19,3%, während sie sich bei der Gruppe der MSM nur auf 1,1%belief [Pisani 2004].

    "Bundesärztekammer: Erläuterungen und Regelungsoptionen zum Blutspende-Ausschluss bzw. zur Rückstellung von Personen, deren Sexualverhalten ein Risiko für den Empfänger von Blutprodukten birgt"

    www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/Bl
    utspende_24052013.pdf


    Aufgrund dieser "Forschungsergebnisse" sind alle Transfrauen in Deutschland von der Blutspende generell(!!!) ausgenommen. Aufgrund von STUDIEN ZUR PROSTITUTION aus Südamerika, Asien und Amsterdam.

    Transfrauen ohne Genitalangleichung werden von der Bundesärztekammer also nicht nur in ihrer Existenz ausgelöscht und als "schwule Männer" geführt, sondern ALLE Transfrauen in Deutschland (auch nach Genitalangleichung) erfahren ihren Ausschluß, weil die Bundesärztekammer sie ALLE aufgrund von Studien unter Prostituierten in Südamerika, Asien, Amsterdam und der Sichtung einer deutschen Erotik-webside dem Generalverdacht der (ungeschützten) Sexarbeit unterstellt.

    Es wäre schön, wenn queer.de das in Zukunft erwähnen würde, denn es geht hier um die zweite betroffene Gruppe der LGBTIQ-Community. Transfrauen sind aus noch viel hahnebücherenden "Begründungen" und wilder Willkür von der Blutspende ausgeschlossen, nämlich indem die Bundesärztekammer das alte gesellschaftliche Stigmatisierungsmuster "Transfrau=Sexworker" für eine ganze Menschengruppe heranzieht und bemüht.

    Ich halte das in der Community aus Gründen der Solidarität für erwähnenswert, wenn es um das Thema Blutspendeverbot geht, denn es sind eben nicht nur schwule Männer betroffen. Es ist ein Thema, von dem das G und das T gleichermaßen betroffen sind. Es würde mich freuen, wenn das zukünftig bei der Berichterstattung auch Erwähnung findet. Danke!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Rotes GoldAnonym
  • 28.02.2019, 14:02h
  • Die Diskriminierung muss natürlich weg, aber:

    DRK und Konsorten machen jede Menge Geld mit dem Blut, das sie unentgeltlich berkommen. Ich sehe nicht ein, warum ich die sponsern sollte, wenn sie mich diskriminieren.

    Meine schwulen Organe wollen aber alle reißend gerne, weil die noch mehr Knete bringen als Blut, und ich werde immer wieder genötigt einzuwilligen.

    Mich erst diskriminieren und dann gewinnbringend ausschlachten? Nix da, das könnte denen so passen! Etweder oder.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 PiepmatzAnonym
  • 28.02.2019, 14:15h
  • "Der Verband monierte, es werde nicht berücksichtigt, wenn Schwule in einer monogamen Partnerschaft leben. "Die Frage sollte nicht sein, mit wem man Sex hat", sagte LSVD-Sprecher Markus Ulrich. Vielmehr sollte sie darauf abzielen, ob Menschen geschützten Sex haben."

    Wenn es angeblich doch nicht darum gehen soll, mit wem man Sex hat, weshalb wird dann gleichzeitig der Mythos der angeblich sicheren Monogamie gepflegt? Das ist inkonsequent und widersprüchlich.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 PiepmatzAnonym
  • 28.02.2019, 14:20h
  • Antwort auf #6 von Eva Maria
  • Danke für die ergänzenden Informationen.

    Es ist wirklich bedauerlich, dass die Perspektive so selten auf andere diskriminierte Gruppen erweitert wird. Eigentlich sollte das viel selbstverständlicher sein.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Homonklin44Profil
  • 28.02.2019, 15:02hTauroa Point
  • Bei den ganzen weiter so erhaltenen Diskriminierungsregeln gegen Schwule und Transfrauen mussman zu dem Eindruck finden, dass das mit der Blutknappheit so auch nicht stimmen kann.

    Sicher haben die genug Spenderblut, um damit einen festlichen Reibach zu machen, und brauchen nicht noch Zusätzliches.

    Krallen raus : Ich gehe nicht spenden, ein Fuffi pro Röhrchen müsste schon raus springen. Vom Butterbrot kann man die Woche nicht überleben. Krallen wieder rein.
    Ach so, man könnte ja mal Empfänger werden? Dann hat man Pech.
  • Antworten » | Direktlink »