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Staatshomophobie

China schneidet schwule Küsse aus "Bohemian Rhapsody"

Der vier Mal mit dem Oscar ausgezeichnete Biografiefilm wird überraschend auch in der Volksrepublik gezeigt – allerdings machten sich wieder die Zensoren ans Werk.


Die Chinesen kriegen nur einen "heterosexuellen" Freddie Mercury zu Gesicht… (Bild: 20th Century Fox)

"Bohemian Rhapsody" soll nach einem Bericht des US-Branchenmagazins "Hollywood Reporter" auch in chinesischen Kinos gezeigt werden. Eine Minute des Films soll aber herausgeschnitten werden – nach Angaben des Magazins handelt es sich dabei um Szenen mit Drogengebrauch sowie mit Küssen zwischen Freddie Mercury (Rami Malek) und anderen Männern.

Dass der Film über einen bisexuellen Sänger, der an den Folgen von Aids verstarb, überhaupt im diktatorisch regierten China freigegeben wurde, ist für Insider eine Überraschung. Das 1,4 Milliarden Einwohner zählende Land gestattet lediglich, dass rund drei Dutzend ausländische Filme pro Jahr in chinesischen Kinos gezeigt werden. Der britisch-amerikanische Biografiefilm – der vergangene Woche bei der Oscar-Verleihung mit vier Auszeichnungen als erfolgreichster Film hervorging – wird voraussichtlich ab Mitte März in der Volksrepublik zu sehen sein, allerdings nur in 1.200 der mehr als 50.000 Kinosäle.

Zensur von LGBTI-Inhalten in China weit verbreitet

Die Zensur in China ist bei gleichgeschlechtlicher Liebe sehr streng: 2016 wurde etwa jegliche Darstellung gleichgeschlechtlicher Paare im Fernsehen verboten (queer.de berichtete). Ein Jahr später ordnete die Kommunistische Partei auch die Zensur von Homosexualität im Internet an (queer.de berichtete). Vergangenes Jahr wurden bei der Übertragung des Eurovision Song Contest sogar Regenbogenfahnen herausgeschnitten, woraufhin die Europäische Rundfunkunion die Zusammenarbeit mit dem verantwortlichen Sender beendete (queer.de berichtete). Auch bei der Übertragung der Oscar-Verleihung legten die Zensoren die Schnittschere an, als Rami Malek Freddie Mercury in seiner Siegesrede als "gay man" bezeichnete.

Hin und wieder lässt die Zensur LGBTI-Themen passieren, wie etwa das französisch-chinesische Liebesdrama "Seek McCartney" (queer.de berichtete). Allerdings wurde die sexuelle Orientierung der beiden Hauptdarsteller laut Kritikern so subtil angedeutet, "dass heterosexuelle Kinobesucher sie möglicherweise übersehen".

Auch "Bohemian Rhapsody" war von manchen LGBTI-Aktivisten kritisiert worden, weil der Film die Bisexualität der Hauptfigur Freddie Mercury nur andeutet. Allerdings führten selbst diese Andeutungen neben China auch in anderen homophoben Ländern zu Problemen. In Malaysia entfernten die Zensoren etwa fast eine halbe Stunde des Films (queer.de berichtete). In dem südostasiatischen Land stehen auf Homosexualität bis zu 20 Jahre Haft. (dk)



#1 Simon HAnonym
  • 01.03.2019, 14:29h
  • Die Verantwortlichen der Filmverleiher sollten generell (nicht nur bei schwul-lesbischen Szenen) darauf bestehen, dass Filme genauso gezeigt werden, wie sie veröffentlicht wurden.

    Ein Film ist ein Gesamtkunstwerk, das nicht verstümmelt werden sollte.

    Entweder wird er so gezeigt, wie er veröffentlicht wurde oder eben gar nicht. Es wird ja niemand gezwungen, einen Film zu zeigen, aber wenn er gezeigt wird, dann bitte auch unverstümmelt.
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#2 YannickAnonym
  • 01.03.2019, 18:16h
  • Freddie Mercury war schwul. Punkt. Er stand auf Schwänze.

    Da können Zensoren noch so viel zensieren, an den Fakten werden sie nichts ändern. Oder glauben die wirklich, dass Homosexualität verschwindet, wenn man sie totschweigt? Das hat nie funktioniert und wird es auch nicht, weil man eben nicht schwul wird, nur weil man Schwule sieht.
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#3 JarJarProfil
  • 01.03.2019, 18:41hKiel
  • Antwort auf #1 von Simon H
  • Die wollen halt mit ihrem Produkt Geld verdienen, den Verleihern und Produzenten geht es in den seltensten Fällen um das künstlerische Produkt, deren Job ist es mit den Filmen Geld zu verdienen.
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#4 Ketzer
  • 01.03.2019, 18:42h
  • Antwort auf #1 von Simon H
  • Das ist ein guter und schöner Gedanke.

    Allein wird er die Chinesen nicht kümmern. Wer hat schon dem autoritären Regime des 1,4-Milliarden-Landes, das sich seit Jahrtausenden als Mitte der Welt betrachtet, irgendwelche Vorschriften zu machen?

    Da wird dann eben "ja, ja" gesagt, und letztlich wird es dann doch anders gemacht. Das Ganze mit einem freundlich-nichtssagenden asiatischen Lächeln.
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#5 Carsten ACAnonym
  • 01.03.2019, 18:47h
  • Antwort auf #2 von Yannick
  • Zensuren zensieren auch nicht, weil sie hoffen, dann würde niemand schwul. Sondern sie zensieren, damit die Leute nicht sehen, dass es sowas wie individuelle Freiheit gibt.

    Wenn es schon Schwule gibt, sollen die schön versteckt leben und sich aus dem öffentlichen Leben raushalten. Denn das wäre der erste Schritt zu Akzeptanz und Gleichstellung.

    Dieselbe Strategie sieht man ja auch hierzlande immer wieder an pseudo-liberalen Aussagen wie: "Ich habe ja nichts gegen die, solange die in ihrem stillen Kämmerlein bleiben." Nein, wir bleiben nicht im stillen Kämmerlein - es soll ruhig jeder sehen, wie viele wir sind und dass wir uns nicht mehr unterdrücken lassen...
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#6 BiSexyAnonym
#7 Patroklos
  • 01.03.2019, 20:20h
  • Ab sofort sollte die Volksrepublik China in Sachen Filmpremiere ausgenommen werden! Warum führt man dort nicht gleich eine Art Hays-Code ein?
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#8 Homonklin44Profil
  • 02.03.2019, 06:39hTauroa Point
  • Wegschneiden der unbeliebten Anteile der Wirklichkeit sorgt aber auch unter den Chinesen nicht für weniger Bisexuelle,

    Diese Verbotspolitik hat noch nie Entfaltung verhindert.
    Spitzfindige Chinesen werden auch die Internetzensur umgehen und sich den ganzen Film eben von da besorgen.
    Crackers unite!
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#9 Gerlinde24Profil
  • 02.03.2019, 07:00hBerlin
  • Als Autorin bin ich prinzipiell gegen Zensur, außer, sie ist gut begründet (bei Sachen etwa, die zu Gewalt aufrufen).
    Das die KPC Probleme mit Homosexualität hat, ist bekannt, wenn auch nicht logisch! Denn er gab in der Vergangenheit schon wundervolle Filme über Homosexualität aus China. Ich denke dabei an "Die Töchter des chinesischen Gärtners", oder an "A dog barking the moon", der dieses Jahr auf der Berlinale lief.
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#10 Gerlinde24Profil
  • 02.03.2019, 07:03hBerlin
  • Antwort auf #1 von Simon H
  • Die Amis haben sogar eine Software (Clean flick), wo man bei DVDs die "schlimmen Szenen" rausschneiden oder kaschieren kann (eine Nackte hat plötzlich ein Kleid an).
    Der Film ist kein normaler erfundener Film, sondern eine Biografie. Und da gehören auch die Szenen, die man vielleicht nicht mag, aber zur Geschichte der Figur gehören, dazu.
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