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Karneval

AKK macht sich über intergeschlechtliche Menschen lustig

Beim "Stockacher Narrengericht" witzelte die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer über "Toiletten für das dritte Geschlecht".


AKK bei der "Verhandlung" am 28. Februar in der Stockacher Jahnhalle

Kein Karneval ohne Witze auf Kosten von Minderheiten: Bei ihrem Auftritt am Donnerstag vor dem "Stockacher Narrengericht" machte sich die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer über intergeschlechtliche Menschen lustig – oder über Menschen, die sie für solche hält. Die traditionelle Sitzung aus dem Landkreis Konstanz im Süden Baden-Württembergs wurde vom SWR zur Primetime ausgestrahlt.

"Guckt euch doch mal die Männer von heute an", sagte die "angeklagte" Parteichefin in der Karnevals-"Verhandlung". "Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin, da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen." AKK weiter: "Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette."

In sozialen Netzwerken wurde Kramp-Karrenbauer für den Witz kritisiert. "Was für eine widerliche Person. Gott schütze dieses Land!", schrieb Nollendorfblogger Johannes Kram auf Facebook. "Ich hab das traditionelle Narrengericht bei meinen Eltern im Saarland live im TV verfolgt und fand dies[en] Auftritt als sehr kränkend", kommentierte Jörg Litwinschuh, geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, den Post.

Video (20 MB) | Ausschnitte aus der Sitzung. Quelle: SWR

In ihrem fast halbstündigen Auftritt hatte sich die 56-Jährige auch über die europäische Antidiskriminierungsrichtlinie und "Gender-Gesetzgebungen" lustig gemacht: Angesichts der Besetzung des Narrengerichts fragte sie, ob darin "bemitleidenswerte Minderheiten" vertreten wären.

AKK zur "Miss Homophobia 2018" gekürt

Im vergangenen Dezember war AKK wegen ihrer unveränderten Ablehnung der Ehe für alle von Anhängern der Facebook-Gruppe "Enough is Enough" zur "Miss Homophobia 2018" gewählt worden (queer.de berichtete). Die Politikerin hatte 2015 als saarländische Ministerpräsidentin für Empörung gesorgt, als sie die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare mit folgenden Worten ablehnte: "Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen" (queer.de berichtete). Sie lehnte auch das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ab und behielt ihre Haltung auch nach einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit dem LSVD bei.

Video (15 MB) | AKK wurde in der "Narrengerichts"-Sitzung von ihrem "Verteidiger" für ihre "klare, katholische, unterschiedliche Meinung" zur Ehe für alle gelobt: "Ehe gleich Ehe von Mann und Frau. Punkt", betonte er zu Tusch und gemischten Reaktionen des Publikums. AKK habe Rückgrat und "kann konservativ" und "kann Kanzler", so der "Fürsprech". Quelle: SWR

Den Inzest- und Polygamie-Vergleich hatte sie unter anderem im November 2018, also über ein Jahr nach der erfolgten Ehe-Öffnung, in einer Talkshow indirekt wiederholt: Die Ehe sei bislang "durch die Geschlechtlichkeit und die Anzahl der Personen" definiert worden, meinte sie, und: "Wenn man die Geschlechtlichkeit wegnimmt, nimmt man weitere Möglichkeiten in Kauf" (queer.de berichtete). Erst vor wenigen Wochen weigerte sich AKK bei "Menschen bei Maischberger", den Vergleich oder ihre Ablehnung der Ehe-Öffnung zurückzunehmen: "Ich bin nicht bereit, meine Position zu räumen, wenn ich spüre, dass ich keine große Zustimmung dafür bekomme", sagte die CDU-Vorsitzende in der Talkshow (queer.de berichtete) (cw/nb)

ergänzt um 17 Uhr um zweites Video

 Update  21.30h: Reaktionen aus der Politik

Die zuerst von Nollendorf-Blogger Johannes Kram in die Öffentlicht gebrachte Karnevals-Äußerung Kramp-Karrenbauers hat am frühen Samstagabend für erste Kritik der Opposition in sozialen Netzwerken gesorgt. So schrieb der grüne Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann bei Twitter: "Hallo Frau Kramp-Karrenbauer, haben Sie es wirklich nötig, für einen billigen Kalauer sich auf Kosten von inter- und transsexuellen Menschen lustig zu machen? Wenn ja, dann wäre das wahnsinnig peinlich." Max Lucks, der Bundessprecher der Grünen Jugend, der 2016 beim CSD in Istanbul an der Seite von LGBTI festgenommen wurde, betonte: "Intersexuelle Menschen begehen doppelt so oft Suizid & Selbstverletzung wie die Gesamtbevölkerung. Manche kämpfen deshalb für die #dritteOption, @akk macht sich lieber über ihren Toilettengang lustig."

Von einem "Trauerspiel" sprach Klaus Lederer: "Die Vorsitzende der größten Bundestagspartei findet es lustig, auf Stammtischniveau am Karneval Menschen zu denunzieren, die nicht der geltenden Machonorm entsprechen. Ein Jammer", so der Berliner Bürgermeister und Kultur- und Europasenator der Linken. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg meinte: "Wieder so ein Tag zum Fremdschämen… Ist es so schwierig, eine humorvolle Narrenrede zu halten, ohne platt auf Minderheiten einzudreschen? Sie muss ihre blanke Ahnungslosigkeit ja nicht ganz so zur Schau stellen".

Wöchentliche Umfrage

» Kommt die Union nach AKKs LGBTI-feindlicher Rhetorik noch als Koalitionspartner infrage?
    Ergebnis der Umfrage vom 04.03.2019 bis 11.03.2019
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#1 KetzerEhemaliges Profil
  • 02.03.2019, 15:49h
  • Diese Frau ist wirklich extrem widerlich. Ich kann mich da Johannes Kram nur anschließen.

    Mir graut davor, dass diese Person voraussichtlich nächste Bundeskanzlerin sein wird. Da war "Mutti Merkel" mit ihren seltsamen "Bauchgefühlen" ja noch "besser".

    Wir haben uns wohl wieder darauf einzustellen, dass die Mainstream-Gesellschaft eine breite Offensive gegen uns fährt. Denn wenn die Frau Künftige-Bundeskanzlerin das sagt, dann wird man es ja wohl sagen dürfen...

    Ich muss weiterhin Johannes Kram zustimmen, der am 8.2. im Nollendorfblog schrieb:
    "Das, was wir erstritten haben, kam nicht von selbst, es ist vor allem das Ergebnis eines langen Kampfes unserer Community. Und noch etwas haben wir in den letzten zehn Jahren gelernt: Wir haben die Sicherheit verloren, dass alles immer besser wird."

    Vor allen Dingen der letzte Satz: ES IST VORBEI MIT DEM BESSER WERDEN. Es kommen wieder WESENTLICH rauhere Zeiten auf uns zu.

    Sag hinterher keine_r, er_sie sei nicht gewarnt worden. Jede_r von uns kann - nein: MUSS mit entscheiden, ob wir unser Land weiterhin in diese Richtung marschieren lassen wollen.

    JEDE_R von uns ist mit verantwortlich.
    Da kann sich keine_r rausreden.
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#2 PiepmatzAnonym
  • 02.03.2019, 16:01h
  • Es ist wohl nicht das erste Mal, dass die "Narrenfreiheit" jemanden dazu verführt, sich die Maske des Menschlichen selbst vom Gesicht zu reißen und eine ekelhaft unmenschliche Fratze zu offenbaren.

    "Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er für sich selbst spricht. Gib ihm eine Maske und er wird dir die Wahrheit sagen." - Oscar Wilde
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#3 GottisttotAnonym
  • 02.03.2019, 16:02h
  • Gott schütze dieses Land!", schrieb Nollendorfblogger Johannes Kram

    Gott? Ist das nicht dieser angeblich homophobe Typ, dessen Jünger, Christen (und Juden) genannt behaupten, es dürfe nicht ein Mann bei einem Mann liegen?!
    Und dieser Gott soll Deutschland vor AKK schützen?
    Um Herrn Krams nicht weiter demütigen zu müssen, verzichte ich auf weitere Kommentierungen! Aber ernst nehmen kann man das alles schon lange nicht mehr ....
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#4 AlexandriaAnonym
  • 02.03.2019, 16:09h
  • Erschreckend!

    Dieser abgrundtiefe Hass, gepaart mit dieser unvorstellbar dumpfen, selbstgerechten hinterwäldlerischen Bigotterie!

    Was für eine verabscheuungswürdige, widerliche Person! Ich empfinde nur Verachtung! Aber keine Worte, um sie auszudrücken.

    " AKK weiter: "Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür dazwischen ist diese Toilette.""

    Das ist offene HATE SPEECH gegenüber Transfrauen. Und Intermenschen, die sie glaubt, zu adressieren, aber hier mit Transfrauen vermischt.

    Und das bei den steigenden Zahlen zu Hass-motivierter Gewalt gegen LGBTIQ...

    Meine Abscheu dreht mir gerade den Magen um. Eine zukünftige deutsche Kanzlerin empfiehlt sich mit offenem Hass und Hohn für ganze Menschengruppen...

    ...eine verabscheuungswürdige entmenschlichte Fratze zeigt sich hier!

    ...Deutschland im Jahr 2019!
    Keine Überraschung für mich.
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#5 goddamn liberalAnonym
  • 02.03.2019, 16:18h
  • Antwort auf #4 von Alexandria
  • "Was für eine verabscheuungswürdige, widerliche Person! Ich empfinde nur Verachtung! Aber keine Worte, um sie auszudrücken."

    Tja, und mit dieser Person will die ebenso widerliche 'Kirchentante' Göring-Eckardt von den Grünen ganz schnell ins Koalitionsboot einsteigen.

    Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.
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#6 AFD-WatchAnonym
  • 02.03.2019, 16:23h
  • Wünschen wir mal, dass Frau Krampf-Krachenbauer bei Blasenprobleme vor einem defekten Damen-WC steht und dann nur noch Herren-WC zu finden ist... wie wird sie sich entscheiden?
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#7 QwertzuiopüAnonym
  • 02.03.2019, 16:31h
  • Beim Anschauen des Videos ist mir aufgefallen, dass das eine ganz normale afd-bundestagsrede sein könnte. Vielleicht haben die einfach das ganze Jahr über Fasching und wir kapieren es nur nicht. :)
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#8 stromboliProfil
  • 02.03.2019, 16:35hberlin
  • die frau ist wie ihre ausfälligkeiten es uns zeigen, eine reaktionäre drecksschleuder...
    mit und ohne "narrenfreiheit"!

    " "Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen."

    Bei der frage nach dem pinkeln nunmehr fest entschlossen, auf akk's "damentoilette nur noch im stehn zu pinkeln...
    ihr so die "brille nass zu spritzen,
    erzeugt bei annegret ein erregtes sitzen...

    Wer schreibt mir vor etwas zu "müssen",
    von doppeldämlichkeiten die nicht wissen,
    das welch schwuler-mann auch immer, sich von der frau lässt nicht betimmen
    wie er sein geschäft verricht.
    So pinkel ich vergnügt der annegret ins dämiche gemüt... narrhallamarsch.

    Aber davon abgesehen positioniert sich da die vorsitzende der cdu im afd modus.
    Und damit die cdu insgesamt!

    www.berliner-zeitung.de/politik/rnd/interview-mit-cdu-chefin
    --wir-wollen-eine-ruestungsindustrie-in-deutschland--3212350
    4


    Wie war das noch mal: "von deutschen boden darf nie mehr ein krieg ausgehen...
    Schamlos und völlig von der leine gelassen!
    Mal sehn was da ihre wasserträger aus der lsu dazu zu sagen haben.
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#9 stromboliProfil
#10 Ralph
  • 02.03.2019, 16:41h
  • Auch hier steht AKK in alter Nazi-Tradition. Auch die Braunen missbrauchten den Karneval zur Propaganda für ihre dreckige Gesinnung - und sie ernteten dafür genauso Beifall wie AKK. Es ist kein Zufall, dass rechte Karnevalisten zuerst Andreas Gaballier hochjubeln und jetzt AKK. Lange war rechtes Gedankengut im Karneval verpönt. Jetzt feiert es fröhliche Urständ.
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