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AKK-Auftritt beim Stockacher Narrengericht

"Billige Kalauer auf Kosten gesellschaftlicher Minderheiten"

Der grüne Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann fordert Annegret Kramp-Karrenbauer zu einer Entschuldigung auf. Wir dokumentieren seinen Offenen Brief an die CDU-Chefin.


Die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer "witzelte" am vergangenen Donnerstag beim "Stockacher Narrengericht" über "Toiletten für das dritte Geschlecht" und "Gender-Gesetzgebungen" (Bild: SWR)

Sehr geehrte Frau Kramp-Karrenbauer,

bei Ihrem Auftritt beim "Stockacher Narrengericht" am 28. Februar haben Sie sich wie folgt geäußert:

"Guckt Euch doch mal die Männer von heute an: Wer war denn von Euch vor kurzem mal in Berlin, da seht Ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion; die, die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür, dazwischen ist diese Toilette" (queer.de berichtete als erstes Medium).


Zugegeben: Überraschend ist das nicht. Von einer Politikerin, die in der Vergangenheit immer wieder die Ehe zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts in die Nähe von "Geschwisterliebe" und damit Inzest gerückt hat, erwartet man keine emanzipatorischen Vorstöße.

Es tut mir auch leid, dass Sie als Vorsitzende der CDU es offenbar für nötig erachten, nach einer Phase der Modernisierung durch Angela Merkel nun wieder eine Stimmung bedienen zu müssen, die nicht ohne billige Kalauer auf Kosten gesellschaftlicher Minderheiten auskommt.

Dass gerade Fasching bzw. Karneval ist, macht es übrigens nicht besser. Im Gegenteil: Denn Fasching und Karneval sind Feste der Toleranz und Lebensfreude; Feste, bei denen alle Menschen zusammenkommen können, um friedlich und unter Gleichen miteinander zu feiern.


Sven Lehmann ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages

Da Sie aber – wie man am unwidersprochenen Applaus nach Ihrer Redepassage sehen kann – möglichweise für eine größere gesellschaftliche Gruppe sprechen, erlaube ich mir, Sie auf zwei Dinge hinzuweisen:

Erstens: Ihre Äußerungen zeugen von Unkenntnis in der Sache.

Es gibt kein "drittes Geschlecht". Es gibt geschlechtliche Vielfalt. Die Spezies Mensch besteht aus mehr als aus Mann und Frau. Sie besteht aus geschlechtlicher Vielfalt – wie übrigens das Bundesverfassungsgericht erst kürzlich in einem wegweisenden Urteil festgehalten hat. Toiletten, die nicht klar als "männlich" oder "weiblich" gekennzeichnet sind, haben den Sinn, eine Option anzubieten für alle, die sich dem binären Geschlechtersystem
entziehen wollen oder müssen.

Entscheidender als die Toiletten-Frage ist aber, dass erst kürzlich, nach Jahrzehnten der Unsichtbarmachung durch Politik und Gesellschaft, Inter- und Transsexuelle sich ein großes Stück ihrer Sichtbarkeit und Anerkennung erkämpft haben. Mit dem Inkrafttreten der "Dritten Option" beim Geschlechtseintrag (dem Ihre Partei im Bundestag zugestimmt hat) ist im deutschen Personenstandsrecht endlich sichtbar, dass es mehr gibt als Mann und Frau.

Twitter / svenlehmann

Zweitens: Ihre Äußerungen sind diskriminierend und verächtlich machend. Gerade Intersexuelle erleben täglich Diskriminierung und Ausgrenzung. Bereits im Kindesalter werden bei völlig gesunden Säuglingen und Kleinkindern "geschlechtszuweisende Operationen" vorgenommen, die sich später oft als traumatisierend herausstellen. Intersexuelle, Transsexuelle und nicht-binäre Menschen erleben täglich Anfeindungen und Gewalt, Ihre Suizidrate ist mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Bevölkerung.

Sie als Vorsitzende der CDU Deutschlands hätten die Möglichkeit und die Verpflichtung, für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft einzutreten. Eine Gesellschaft, in der jeder Mensch sicher und frei leben kann.

Sie haben sich für einen anderen Weg entschieden. Ihre Äußerungen empfinden nicht nur ich, sondern sehr viele Menschen als herablassend, diskriminierend und verächtlich machend.

Sie sollten Sich für Ihre Äußerungen entschuldigen.

Mit freundlichen Grüßen
Sven Lehmann

Wöchentliche Umfrage

» Kommt die Union nach AKKs LGBTI-feindlicher Rhetorik noch als Koalitionspartner infrage?
    Ergebnis der Umfrage vom 04.03.2019 bis 11.03.2019


#1 LorenProfil
  • 03.03.2019, 14:00hGreifswald
  • Ein größtenteils gelungener Offener Brief. Aber wenn schon, dann sollte diese in gesellschaftspolitischen Fragen offenbar reaktionär eingestellte Politikerin um Entschuldigung bitten.
    Sich selbst zu entschuldigen ist billig, mir nicht nur in diesem Fall zu billig.
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#2 LauerAnonym
  • 03.03.2019, 14:21h
  • Auch die Nazis haben Karneval missbraucht, um Hass zu schüren und ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten. Und Annegret Kramp-Karrenbauer wendet wieder mal dieselbe Taktik an.
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#3 TrauerweideAnonym
  • 03.03.2019, 15:09h
  • Wie unsäglich traurig und peinlich und empathielos. Was wäre, akk hätte ein Kind, das so fühlt? Würde sie es verstecken, zwangstherapieren, es fallen lassen?? Traurig, dass es diesen rechtsruck ungestraft geben darf in Deutschland.
    Eine Entschuldigung ist das mindeste.
    Karneval ist kein rechtsfreier Raum, meine Meinung!
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#4 JadugharProfil
  • 03.03.2019, 16:08hHamburg
  • Ich befürchte, daß diese Dame wohl sich nicht entschuldigen wird. Wie schon bei früheren gegen die LGBTI gerichteten Aussagen beharrt sie in ihrer Meinung! Ja sogar ihre Kinder teilen nicht ihre Auffassung und sie steht damit alleine da. Offenbar will sie gegen den Strom schwimmen und Recht behalten. Andrerseits entblößt sie sich selbst damit, und stellt ihre extrem niedrig ausgestattete Intelligenz zur Schau ohne daß es ihr peinlich wäre.
    Die Kritiken und Briefe an sie wird sie offenbar nicht begreifen können. Folglich beharrt sie auf ihren Standpunkten und ihr Gang in die Politik dient dem Zweck, ihren sehr engstirnigen Horizont umzusetzen, um für sich eine gemäß ihrer Natur entsprechende Umgebung aufzubauen. Ihr Platz wäre besser in einer Anstalt für Schwachsinnige!
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#5 Bonifatius49Anonym
  • 03.03.2019, 16:19h
  • Antwort auf #3 von Trauerweide
  • Eines steht fest, wenn die Grünen und Sven Lehmann oder Ulle Schauws es Ernst meinen, dann können Sie ab 2021 keine Koalition mit der CDU/CSU eingehen, falls AKK Bundeskanzlerin dadurch werden sollte.

    Ursula von der Leyen, Peter Altmaier, Jens Spahn, Friedrich Merz, Monika Grütters (Berlin), Volker Bouffier (Hessen), Roland Heintze (Hamburg), Ingo Senftleben (Brandenburg), Mike Mohring (Thüringen), Daniel Günther (Schleswig-Holstein), Stefan Kaufmann, Marco Luczak oder auch Peter Tauber wären alle besser als AKK für den CDU-Parteivorsitz und als Kanzlerkandidat geeignet, als es AKK ist. Alle diese CDU-Politiker haben die Ehe für alle befürwortet.

    Das sich ausgerechnet AKK gegen alle diese anderen LSBTI-freundlichen CDU-Politiker durchsetzen konnte, ist sehr bedauerlich bei der CDU.

    ----
    Insbesondere da ich in dieser Legislaturperiode "nur" noch eine Reform des Abstammungsrechtes erwarte, die im GroKo-Koalitionsvertrag vereinbart wurde, sowie eventuell das von Jens Spahn "versprochene" Verbot der Reparativtherapien ("Umpolung"), verbleiben ab 2021 dann für die Grünen folgende Reformen:
    * Moderne Fortpflanzungsmedizin: gleiche finanzielle Unterstützung homosexueller Ehepaare beim Kinderwunsch
    * Reform des Embryonenschutzgesetz (Abschaffung des Leihmutterschaftsverbotes; Zulassung der Eizellspende)
    * Reform des Allgemeinen Gleichbehandlunsgesetz (Abschaffung der Kirchenklausel; längere Fristen)
    * Abschaffung der kirchlichen Staatsleistungen ("verrückt wenn man bedenkt, das dies sich bis auf das Jahr 1803 berufen").

    Ich kann nicht erkennen, wie die Grünen diese Gesellschaftsreformen ab 2021 dann durch den Bundestag bringen wollen, wenn sie AKK zur Bundeskanzlerin machen.
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#6 TomDarkProfil
  • 03.03.2019, 16:51hHamburg
  • "Sie sollten sich für Ihre Äußerungen entschuldigen."

    Besser wäre gewesen:

    ""Sie sollten sich für Ihre Äußerungen schämen und sofort zurücktreten!"

    Ich ersehne den Tag, an dem diese unmögliche Polit-Tussi vom Stuhl gesäbelt wird und verschwindet!

    ---> Hochmut kommt vor dem Fall!

    Vielen Dank an Sven Lehmann für den Brief!
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#7 GormengastAnonym
  • 03.03.2019, 16:54h
  • Ich persönlich distanziere mich von dem Begriff ' gesellschaftliche Minderheiten', diese Äußerungen der Parteivorsitzenden als Nachfolgerin von Frau Merkel sind auf jeden Fall ein ' No Go ' weder in der Narrenzeit noch sonst in der Politik haben sie etwas zu suchen. Diese Frau Karrenbauer hat selbigen derartig an die Wand gefahren, empathielos, dass sie nicht fähig ist, eine leitende Position inne zu halten. Ich wünsche eine öffentliche Entschuldigung mindestens und den Rücktritt, mit dieser Einstellung ist das Volk nicht in gute Zeiten zu leiten. Im Geiste spüle ich sie morgens mit meinem Toilettengang hinunter.
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#8 Homonklin44Profil
  • 03.03.2019, 17:01hTauroa Point
  • Denke auch, dass die sich eher hinter der Bestätigung durch den Applaus aus den Gästen verschanzen wird, als um Entschuldigung zu bitten.
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#9 feli491Anonym
#10 okapiAnonym
  • 03.03.2019, 17:34h
  • unertraegliche ignoranz in der sache und plumpe, unfaire auf kosten von intelligenz gehende waehlerverdummung einer naerrin.
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