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Debütalbum

Akustisch und sensibel

Der französische Musiker Hugo Barriol legt mit seinem Debüt "Yellow" ein Talent an den Tag, das für die Zukunft noch Größeres erwarten lässt.


Mit seiner akustischen Gitarre und äußerst sensiblen Texten gerüstet gibt Hugo Barriol mit "Yellow" sein Debüt (Bild: Vincent Desailly)
  • 5. März 2019, 06:55h, noch kein Kommentar

2017 haben wir die Folkmusik eines jungen Mannes entdeckt, dessen erste Bühne die Pariser U-Bahn war. Hugo Barriol, der für einen Popmusiker seltene musikalische Einflüsse aufweist, weigert sich an Reality-Shows im Fernsehen teilzunehmen. Mit der Veröffentlichung von "Yellow" tritt er als eines der überraschendsten Talente der französischen Szene ins Rampenlicht.

In Saint-Etienne hatte der junge Hugo sein Debüt als Schlagzeuger unter den Augen seines Vaters, der ein großer Rock-n-Roll-Fan ist. Da die Band seines Vaters im Keller der Großeltern probte, war es ein Kinderspiel für ihn, sich "ein paar Sticks zu schnappen und auf die Toms zu schlagen". Musik zu machen war für ihn etwas instinktives, und sein einziges Ziel war es, die Noten allein hinter verschlossenen Türen zu genießen. Das änderte sich, als er nach dem Schulabschluss nach Lyon zog. Er wurde Schlagzeuger einer französischen Rockband, und nachdem er eines kalten Winters als Teil eines Duos an der englischen Riviera aufgetreten war, beschloss er, nach Paris zu ziehen und die Gitarre in Angriff zu nehmen.

Seine Karriere begann in der U- Bahn von Sydney


Das Debütalbum "Yellow" von Hugo Barriol ist am 22. Februar 2019 erschienen

"Es hat eine Weile gedauert, bis ich mir erlaubt habe, meine eigenen Geschichten zu erzählen, in meinen Liedern intime Gefühle zu teilen, mich selbst durch meine Musik auszudrücken und die englische Sprache zu meistern." Er war ein Fan von Jack Johnson, Bon Iver, Patrick Watson, Coldplay und The Lumineers, daher war es für ihn ganz naheliegend, in der Sprache Shakespeares zu singen. Inspiriert durch die riesigen, existentiellen Weiten von "Into the Wild" (und durch die Akustikgitarre von Eddie Vedder, der den Soundtrack schrieb) beschloss Hugo, mit seinem besten Freund auf Abenteuerreise durch Australien zu gehen. Er blieb für die Dauer mehrerer Jahreszeiten dort, und als er keine Arbeit auftreiben konnte, debütierte er in der U- Bahn von Sydney. Er spielte nur seine eigenen Lieder, ohne Mikrofon oder Verstärker – eine lehrreiche, tägliche Herausforderung.

Zurück in der französischen Hauptstadt wollte er weiter mit dieser Auftrittsform experimentieren. Zuerst zögerte er noch, seine gesamte Zeit darin zu investieren und spielte nur ein paar Stunden pro Woche. Doch nachdem er Benjamin Clementine dabei zugesehen hatte, wie dieser im Fenster gegenüber des Restaurants, in dem er kellnerte, Klavier übte, bewarb er sich um eine Genehmigung, um in der Pariser Metro spielen zu dürfen. 18 Monate lang – fünf Stunden am Tag, fünf Tage die Woche – musizierte er in den U-Bahn-Korridoren. In der Tradition der amerikanischen Troubadours der Nachkriegszeit sang er unermüdlich seine Lieder. Ein Produzent wurde auf ihn aufmerksam und ließ ihn seine erste EP aufnehmen. Eines Tages stand plötzlich der künstlerische Direktor der Plattenfirma Naïve vor ihm. Im Februar 2017 unterzeichnete er seinen ersten Vertrag.

Klingt wie ein Märchen? Ja, doch das war erst der Anfang. Nachdem er Alain Chamfort auf einer Tour unterstützt und einen Abend nach dem anderen das Publikum begeistert hatte, ging Hugo zurück an die Arbeit. Er reiste nach London, um gemeinsam mit Ian Grimble (Daughter, Mumford and Sons, Bear's Den) aufzunehmen.

Direktlink | Offizielles Video zu "Million Years" von Hugo Barriol

Vor dem Treffen verspürte der junge Musiker "starke Angst", aber sie kamen sofort sehr gut miteinander aus. Im Church's Studio, umgeben von den hohen Mauern einer Kirche, in der jeden Sonntag die Messe abgehalten wird, wurde "Yellow" geboren, ein Lied nach dem anderen. Es beginnt mit "Oh My", einem packenden Opener, der von der toxischen Wirkung negativer Begegnungen handelt; weiter geht es mit "Million Years", das auf einem Ausflug in die Natur entstand, und "Always", das durch die Fragilität der Existenz und den Tod eines Freunds inspiriert wurde, der das Reisen liebte. Die 12 Stücke bilden gemeinsam eine herrliche musikalische Sequenz und kultivieren Hugos akustischen Folk-Sound, mit welchem er seiner Melancholie "Licht, Farbe und Wärme" verleihen möchte.

Sein Ziel ist es, seine Lebenserfahrungen auf ehrliche Weise zu vermitteln, ohne dabei das verbindende und lebensbejahende Potenzial des Rhythmus aus den Augen zu verlieren. Genau wie die beinahe greifbare Körnigkeit, die Barriol an analogen Fotografien bewundert, transportieren uns auch seine Lieder in ein Universum, dass dem unseren nahe, jedoch zeitlos ist; sie nehmen uns mit auf eine Reise von einem Kontinent zum anderen, vom Pariser Bürgersteig zum Sand Kaliforniens. Mit ihrer starken visuellen Qualität passen sie zu den musikalischen Anforderungen der Filme von Terrence Malick oder Damien Chazelle, in denen die innere Einkehr alle Farben des Regenbogens annimmt und unsere eigenen Gefühle widerspiegelt. Von U-Bahn-Fluren bis hin zu himmlischen Melodien ist es nur ein Schritt. Mit seiner akustischen Gitarre und äußerst sensiblen Texten gerüstet gibt Hugo Barriol sein Debüt und legt dabei ein Talent an den Tag, das für die Zukunft noch Größeres erwarten lässt. (cw/pm)