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Staatshomophobie

ITB-Partnerland Malaysia: Bei uns gibt es keine Homosexuellen

Eklat bei der Tourismusmesse in Berlin: Ein Regierungsvertreter des Partnerlandes Malaysia behauptet, dass sein Land schwulen- und lesbenfrei sei – dabei ließ ein Gericht erst vor wenigen Monaten zwei Frauen wegen Homosexualität foltern.


Tourismusminister Datuk Mohamaddin bin Ketapi wandelt auf den Spuren von Mahmud Ahmadinedschad

Der malaysische Tourismusminister hat laut der Zeitung "Morgenpost" am Dienstag auf der Eröffnungspressekonferenz der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin behauptet, in seinem Land existierten keine Schwulen und Lesben. Der 32 Millionen Einwohner zählende südostasiatische Staat ist dieses Jahr Partner der weltgrößten Reisemesse, die vom 6. bis zum 10. März stattfinden wird.

Minister Datuk Mohamaddin bin Ketapi reagierte irritiert auf Journalistenfragen, ob es für Juden und Homosexuelle in seinem Heimatland sicher sei. "Dazu sage ich nichts", erklärte er dazu zunächst. Auf Nachfrage ergänzte der 61-Jährige: "Homosexualität? Ich glaube, wir haben so etwas nicht in unserem Land. Ob es sicher ist oder nicht, kann ich nicht beantworten."

Die Äußerung des Ministers erinnert an einen Auftritt des damaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad vor zwölf Jahren: Der Scharfmacher hatte damals bei einem Vortrag an einer amerikanischen Universität behauptet, dass es in seinem Land keine Homosexuellen gebe (queer.de berichtete).

Malaysia bestraft Homosexualität mit Folter oder Haft

Die Partnerschaft zwischen Malaysia und der ITB wurde bereits im Vorfeld der Tourismusmesse kritisiert, unter anderem weil das Land aktiv Homosexuelle verfolgen lässt (queer.de berichtete). Im mehrheitlich muslimischen Malaysia, in dem der Islam Staatsreligion ist, werden LGBTI nach Strafrecht und "islamischem Recht" verfolgt. Auf einvernehmliche Homosexualität steht derzeit eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren oder Auspeitschung – das ist das gleiche Strafmaß wie für Vergewaltigung. Transsexuelle können zudem wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet werden. Homo- oder Transsexuellen ist es auch verboten, im staatlichen Fernsehen aufzutreten.

Trotzdem gibt es in der relativ liberalen Hauptstadt Kuala Lumpur eine lebhafte LGBTI-Szene, allerdings sind in den letzten Jahren immer wieder Polizeieinsätze gegen Szene-Einrichtungen durchgeführt und LGBTI-Veranstaltungen verboten worden. Letzten Herbst sorgte das Land international für Empörung, weil es zwei Frauen wegen Homosexualität nach "islamischem Recht" mit Stockschlägen vor 100 Schaulustigen foltern ließ (queer.de berichtete).

Kritisiert wurde Malaysia auch wegen seiner antisemitischen Haltung: Erst Mitte Januar weigerte sich Malaysias Regierungschef Mahathir Mohamad, israelische Sportler zur paralympischen Schwimm-Weltmeisterschaft ins Land zu lassen, woraufhin dem Land die WM entzogen wurde. Mahathir hatte Juden als "hakennasig" bezeichnet und Verschwörungstheorien über eine angebliche jüdische Weltherrschaft verbreitet. So machte er die Juden für die asiatische Finanzkrise 1997 verantwortlich.

Malaysia ist nicht das erste Partnerland der ITB, das Homosexuelle verfolgt. 2016 wurden die Malediven beworben (bis zu vier Jahre Haft plus maximal hundert Stockschläge), 2017 folgte Botswana (bis zu sieben Jahre Haft) und für das Jahr 2020 wurde bereits Oman ausgewählt (bis zu drei Jahre Haft). Andererseits ist bei der Messe das Segment "Gay & Lesbian Travel" stark vertreten. In diesem Jahr richtet die ITB zudem erstmals einen "LGBT+ Leadership Summit" aus (queer.de berichtete). (dk)

Nicht die Messe soll also Verantwortung übernehmen, nicht das Land Berlin, dass mit zumindest ein bisschen Druck die…

Gepostet von Nollendorfblog am Dienstag, 5. März 2019
Facebook / Nollendorfblog | Kommentar des Nollendorfblogs: Die ITB "als Propagandahelfer eines Folterstaates"



#1 goddamn liberalAnonym
  • 05.03.2019, 15:46h
  • Da sieht man mal wieder:

    Antisemitismus und Homophobie sind Zwillinge!

    Ich wundere mich im Jahr 2019 auch darüber, weshalb die halbe Welt anscheinend ganz wild darauf ist, unzilivilisierte Länder zu besuchen, obwohl man/frau doch in der halben Welt arme und reiche Länder fast aller Kulturen besuchen kann, in denen es einigermaßen zivilisiert und human zugeht.

    Nicht nur für unsereinen.
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#2 Simon HAnonym
  • 05.03.2019, 16:18h
  • Befremdlich bis skandalös, dass die Internationale Tourismus-Börse Länder zu Partnerländern macht, wo LGBTI mindestens gefoltert werden.

    Wenn die Kohle stimmt, vergessen viele Leute ihr Gewissen.
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#3 LarsAnonym
  • 05.03.2019, 16:36h
  • Antwort auf #1 von goddamn liberal
  • Sehr überheblich formuliert.

    Wenn man mal im Netz schaut, gibt es eine ganze Menge von Berichten und Reflexionen von LGBT-Aktivisten aus Malaysia selbst. Was diese Menschen und ihre Unterstützer zu sagen haben, ist selbstbewusst, zivilisiert und überlegt.

    Wenn man über traditionelle und islamische Länder spricht, finde ich es wichtig, diese nicht aus dem Blickwinkel eines wohlhabenen westlichen Touristen zu messen, der dort ein paar Tage zubringt und nicht dort lebt, sondern aus der Perspektive von Menschen zu betrachten, die in dieser Gesellschaft leben und sowohl die dortigen Traditionen
    und Veränderungsmöglichkeiten besser einschätzen können.

    Nach diesen Berichten gibt es auch Entwicklungen zum Positiven, aber diese sind stiller, respektvoller und auch bewusst kritisch, etwa gegenüber dem kolonialistischen Erbe, das erst die Prüderie nach angelsächsischem Muster dorthin gebracht hat.

    Hier ein Beispiel (auf englisch), indem auf eine sehr kluge Weise zwischen malayischer, islamischer Tradition und politisch-agressivem Islamismus unterscheiden wird:

    www.youtube.com/watch?v=84gRCt9MFt0

    P.S. Auch die iranische Bevölkerung ist hochzivilisiert. Man muss hier zwischen Mensch und Regime unterscheiden.
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#4 AlbrechtAnonym
  • 05.03.2019, 16:49h
  • Antwort auf #3 von Lars
  • Was ist an der Kritik von Folter und LGBT-Verfolgung "aus dem Blickwinkel eines wohlhabenen westlichen Touristen"? Sind Grundrechte nicht universell?

    Und wenn das Volk angeblich so viel fortschrittlicher ist, wieso wählen die dann immer solche Leute?
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#5 Sven100Anonym
  • 05.03.2019, 16:49h
  • Homophobie ist in Malaysia ein Erbe der britischen Kolonialzeit. Das Nachbarland Indonesien, in dem die -fast- gleiche Sprache gesprochen wird wie in Malaysia, war dagegen eine niederländische Kolonie. Da die Niederländer gerade auch, was das Thema Homosexualität betrifft, auf die Indonesier einwirkten, konnten die Schwulen und Lesben in den letzten Jahrzehnten ein eher offenes Leben leben. Erst in den letzten Jahren gewann der Islam immer größeren Einfluss auch in Indonesien und in Malaysia. Es hat wenig Sinn, von den USA und Europa aus auf diese zwei Länder Druck ausüben zu wollen, denn dies würde als Einmischung des Westens verstanden und wäre eher kontraproduktiv.
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#6 AlbrechtAnonym
  • 05.03.2019, 16:50h
  • Schon wieder so ein Trottel, der sich die Welt so zusammenphantasieren will, wie sie ihm passt. Und der noch dazu lügt...
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#7 Ralph
  • 05.03.2019, 16:57h
  • Der Skandal ist doch -wie Johannes Kram gerade wieder in seinem Blog sehr richtig schreibt-, dass das Land Berlin, dem diese Veranstaltung gehört, solch einen Staat als Partner würdigt.
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#8 TimonAnonym
  • 05.03.2019, 17:15h
  • Antwort auf #5 von Sven100
  • 1. Aber Großbritannien hat sich weiter entwickelt. Die nicht.

    2. Bei Menschenrechtsverletzungen MUSS man sich einmischen. Das jedes Land das nicht toll findet ist klar und nicht nur hier so. Aber deshalb darf man doch nicht wegsehen.

    3. Selbst wenn man sich nicht einmischen will, heißt das noch lange nicht, dass man auch noch mit denen kooperieren und Geschäfte machen muss.
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#9 LarsAnonym
  • 05.03.2019, 17:35h
  • Antwort auf #8 von Timon
  • "1. Aber Großbritannien hat sich weiter entwickelt. Die nicht."

    Zu Recht haben Malayische Rechtsaktivisten darauf hingewiesen, dass das hat auch ca. 500 Jahre gedauert hat.

    "2. Bei Menschenrechtsverletzungen MUSS man sich einmischen. Das jedes Land das nicht toll findet ist klar und nicht nur hier so. Aber deshalb darf man doch nicht wegsehen. "

    Wegesehen ist keine Option, aber wenn man hinsieht, dann soll man es genau tun. Es gibt in Malaysia z.B. gegenläufige Entwicklungen, wobei die sozialen, ökonomischen Unterschiede zwischen Stadt und Land gravierend sind. Zu generalisieren und nur einen Teil der Entwicklung darzustellen, ist sicher zu kurz gegriffen.

    "3. Selbst wenn man sich nicht einmischen will, heißt das noch lange nicht, dass man auch noch mit denen kooperieren und Geschäfte machen muss."

    Im goldenen europäischen Käfig zu sitzen, ist aber auch keine Alternative.

    Ohne die Beteiligung Malaysias an der Tourismusmesse wäre das Thema so nicht angesprochen worden. Begegnungen, egal wie unangenehm und belastend sie für alle Seiten sind, bieten immer die Chance zu Veränderung.

    Wer sich für Menschenrechte interessiert, wird auch dahin reisen müssen, wo er oder sie es nicht so einfach hat wie hier in Europa.
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#10 JadugharProfil
  • 05.03.2019, 17:42hHamburg
  • Antwort auf #1 von goddamn liberal
  • Ich bin in diese Welt hinein geboren worden und man hat das Recht, sich überall frei auf der Erde bewegen zu dürfen. Niemand sollte jemanden in der Bewegungsfreiheit einschränken und in eng begrenzte Mauern unschuldig verweisen! Das wäre Gefangenschaft!
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