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Nach "Witz" über Drittes Geschlecht

CDU-Vize nennt AKK-Kritiker "Kulturbanausen"

Thomas Strobl hält den "Witz" der CDU-Parteichefin über Intersexuelle für guten schwäbisch-alemannischen Humor. Ein schwuler Christdemokrat lobt die AKK-Aussage sogar als positive Attacke auf "linksgrünen Genderwahnsinn".


Strobl ist CDU-Landeschef in Baden Württemberg (Bild: Deutscher Bundestag / Raphael Huenerfauth / photothek.net)

Innerhalb der CDU gibt es auch nach Karnevalsende noch Auseinandersetzungen, wie man mit den umstrittenen "Witz" von Bundesparteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer umgehen soll. Die 56-jährige Saarländerin hatte sich in der letzten Woche beim Stockacher Narrengericht im Landkreis Konstanz über intersexuelle Menschen lustig gemacht (queer.de berichtete).

Nach anhaltender Kritik in Medien und sozialen Netzwerken verteidigte nun der baden-württembergische CDU-Landeschef und Bundesvize Thomas Strobl Kramp-Karrenbauer. Es erstaune einen schon, was in Berlin für ein "Bohei" über einen Fastnachtswitz in Stockach gemacht werde, sagte er am politischen Aschermittwoch in Fellbach (Rems-Murr-Kreis).

Allen, die von Kramp-Karrenbauer eine Entschuldigung forderten, warf er entgegen: "Das ist der wahre Witz. Keine Ahnung habt ihr von der Fasnet (Fastnacht) in Baden-Württemberg, ihr Kulturbanausen in Berlin." Eine Bütt, die nicht anecke, sei keine richtige Bütt. Er sei selbst beim Stockacher Narrengericht gewesen – und er habe gelacht. "Das muss bei einer Fastnacht auch mal drin sein", sagte Strobl, der auch Landesinnenminister und Stellvertreter von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist.

Video (14 MB) | Ausschnitt aus der Rede Strobls. Quelle: CDU BaWü / FB

LSVD wirft CDU Verharmlosung vor

Derweil übte der Lesben- und Schwulenverband am Mittwoch erneut Kritik an den Aussagen der CDU-Bundeschefin. Der CDU-Landesvorsitzende Thüringens Mike Mohring und der dortige Chef der Jungen Union, Stefan Gruhner, hätten diskriminierende Äußerungen Kramp-Karrenbauers verharmlost, erklärte Jenny Renner vom Vorstand der Organisation.

Mohring hatte der "Thüringer Allgemeinen" gesagt, er bezweifele, dass Kramp-Karrenbauer damit die Geschlechtervielfalt kritisieren wollte. Gruhner meinte, sie habe ein wichtiges Thema angesprochen, "nämlich, dass das Land andere Probleme hat als diesen ganzen linksgrünen Genderwahnsinn." Der Landtagsabgeordnete hatte sich 2016 als schwul geoutet (queer.de berichtete).


Stefan Gruhner ist seit 2010 Landesvorsitzender der Jungen Union in Thüringen und seit 2014 Landtagsabgeordneter im Parlament von Erfurt

Zu den Äußerungen der CDU-Landespolitiker erklärte Renner, es stelle sich die Frage, was Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen mit der CDU als potenzielle Regierungspartei nach der Landtagswahl in Thüringen erwarte, wenn die Verharmlosung von Diskriminierungserfahrungen als Bagatelle dargestellt werde. Im Freistaat wird Ende Oktober gewählt – laut Umfragen ist völlig unklar, ob Rot-Rot-Grün seine Mehrheit halten kann.

Bosbach: Witz war nicht gegen Inter- oder Transsexuelle gerichtet

Der frühere CDU-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach deutete den AKK-"Witz" in einem am Mittwoch auf T-Online veröffentlichten Meinungsbeitrag um: "Nimmt man den Text exakt so, wie er gesagt wurde und ganz sicher auch gemeint war, dann hat sich 'AKK' nicht über Inter- oder Transsexuelle, sondern über (verunsicherte) Männer lustig gemacht. Über Männer, die angeblich nicht mehr wüssten, was sie noch dürften – und was nicht."

Konkret hatte Kramp-Karrenbauer in ihrer Rede von einer Berliner Latte-Macchiato-Fraktion gesprochen, die die "Toiletten für das dritte Geschlecht" einführe. "Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette."

Innerhalb der CDU hatte es in den letzten Tagen aber auch Kritik an der AKK-Aussage gegeben. Die Lesben und Schwule in der Union forderten etwa in einer Presseerklärung und in Interviews eine Entschuldigung Kramp-Karrenbauers (queer.de berichtete). Die Parteichefin hat aber bislang nicht auf diese Forderung reagiert. AKK wird ihre nächste mit Spannung erwartete Rede am frühen Mittwochabend beim politischen Aschermittwoch in Demmin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) halten. (dpa/dk)

Wöchentliche Umfrage

» Kommt die Union nach AKKs LGBTI-feindlicher Rhetorik noch als Koalitionspartner infrage?
    Ergebnis der Umfrage vom 04.03.2019 bis 11.03.2019


#1 LorenProfil
  • 06.03.2019, 15:23hGreifswald
  • Wer vom "linksgrünen Genderwahnsinn" faselt, hält sich zumindest sprachlich bereits im Raum des organisierten Rechtsradikalismus auf. Manche Scherze haben zumindest den Effekt, dass man in der Auseinandersetzung damit erkennt, wer wessen Geistes Kind ist.
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#2 RubinsAnonym
  • 06.03.2019, 15:41h
  • Also verstehe ich das richtig. Witze gegen Minderheiten ist in Ordnung und wer das anders sieht ist ein Kulturbanause?
    Dann sind für die CDU Judenwitze, Ausländerwitze und Witze über Schwarze also völlig in Ordnung? Vielleicht bittet ja mal ein Journalist den Herren darum, einen ordentlichen Judenwitz zu erzählen, damit wir alle was zu lachen haben. Ist ja alles in Ordnung zukünftig.
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#3 AlbrechtAnonym
  • 06.03.2019, 15:49h
  • "AKK wird ihre nächste mit Spannung erwartete Rede am frühen Mittwochabend beim politischen Aschermittwoch in Demmin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) halten."

    Da bin ich aber gespannt, ob Annegret Kramp-Karrenbauer dort ein paar launige Zoten über vergaste Juden, AIDS-Tote oder muslimische Opfer des NSU macht...

    Denn wenn laut CDU Humor "anecken" muss und Hetze gegen LGBTI lustig ist, dann sind das die logischen nächsten "Witze".

    Ich frage mich nur eines:
    Wo sind die Zeiten, als Karneval nicht anecken, provozieren, beleidigen, spalten, hetzen, o.ä. sollte, sondern wo es noch um Humor, Feiern und "Spaß an der Freud" ging? In ihrem Korpsgeist zur Verteidigung ihrer Führerin hat die CDU wohl jeden Realitätssinn verloren....
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#4 TomDarkProfil
  • 06.03.2019, 15:57hHamburg
  • "Gruhner meinte, sie habe ein wichtiges Thema angesprochen, "nämlich, dass das Land andere Probleme hat als diesen ganzen linksgrünen Genderwahnsinn." "

    Ja, und wenn ihr schon nicht in der Lage seid, diese anderen Probleme zu lösen, dann übt euch lieber in Fortschritt und Demut, anstatt eine Vorsitzende zu hofieren, die ihre Unfähigkeit auf Kosten von Minderheiten zelebriert!
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#5 KölnerAnonym
  • 06.03.2019, 16:04h
  • Antwort auf #3 von Albrecht
  • Wenn für Thomas Strobl Beleidigungen OK sind, sobald man sie als "Witz" bezeichnet, versuche ich mich auch mal in der baden-württembergischen / alemannischen Bütt, wo das laut ihm wohl Gang und Gäbe ist.

    (Auch wenn ich als Kölner das aus meiner Stadt nicht kenne und wir ein anderes Verständnis von Karneval als AKK, Thomas Strobl und die CDU haben.)

    "WITZ" ANFANG
    Wenn Thomas Strobl die Eva Braun der CDU (AKK) verteidigt, ist der dann noch Jungvolk? Oder ist er dafür zu alt und aufgrund seiner Position in der Partei schon eher SS-Offizier oder Gestapo-Führer? Und sind diejenigen, die das nicht lustig finden "degeneriert" oder "lebensunwertes Leben"?
    "WITZ" ENDE

    Also mein Freund und ich lachen uns gerade kaputt und ich habe das offiziell als "Witz" bezeichnet. Dann ist das ja für die CDU OK oder?

    Oder gilt das nur bei "witzigen" Aussagen über andere, aber nicht über die CDU?
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#6 goddamn liberalAnonym
  • 06.03.2019, 16:26h
  • "Das ist der wahre Witz. Keine Ahnung habt ihr von der Fasnet (Fastnacht) in Baden-Württemberg, ihr Kulturbanausen in Berlin."

    Nun, da kann man als Rheinländer ja nur lachen, wenn ausgerechnet der Kehrwochen-Spießer in BW den wahren Witz für sich reklamiert.

    Berlin ist wiederum nicht nur die Heimat des besten deutschen Humoristen Loriot, sondern auch des weltbesten Humoristen Ernst Lubitsch.

    Den widerlichen Pipikacka-Humor von AKK kann man ja schon aus Pietät kaum in einem Satz mit 'Ninotschka' oder 'Sein oder Nichtsein' nennen.

    www.youtube.com/watch?v=XqDiC_EsSP8

    www.youtube.com/watch?v=dzkjnPSbxJw

    Nebenbei: Widerlich ist natürlich auch die reaktionäre Überanpassung von Leuten wie Gruhner. Aber darüber kann ich eben dann auch nicht mehr lachen.
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#7 SarkastikerAnonym
  • 06.03.2019, 16:39h
  • Antwort auf #2 von Rubins
  • Fragt doch mal einen anderen BW Man, den weltoffenen und sprachgewandten Oettinger, wie man "gscheid" und "free from the liver" Spässchen macht. Die "schlitzäugigen" Chinesen können Euch davon erzählen.
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#8 Ketzer
  • 06.03.2019, 16:41h
  • Hat es nicht bei der Einführung der Ehe für Alle geheißen, jetzt seien wir endlich gleichberechtigt, es gäbe keine emanzipatorischen Ziele mehr, gar man brauche jetzt keine Community mehr?

    Wie sehr ist Johannes Kram angegangen worden, als er sein Buch über die ganz alltägliche Homophobie veröffentlichte, die immer noch in Deutschland existiert? Er wurde, auch aus der Community heraus, teils als überkandidelter Selbstdarsteller bezeichnet.

    Vielleicht dämmert es solchen Leuten ja mittlerweile doch, dass noch lang nicht alles Gold ist, was "tolerant" schimmert?

    Nach der bodenlos primitiven AKK-Äußerung kommen sie hervorgekrochen, diejenigen, die meinen, "wir sollten uns nicht so anstellen" - "Witze machen dürfe man schließlich über jeden" - gar man sei ein dummer Kulturbanause, wenn man die dümmlich-dreiste Rede einer AKK, die vor Bauernchuzpe nur so strotzt, nicht als hohes Kulturgut wertet.

    Es IST nach wie vor hohe deutsche Leitkultur, auf Minderheiten und Schwache zu spucken. Das hörte mit den Juden nicht auf. Später waren es Gastarbeiter, Schröder baute ein generelles Bild Arbeitsloser als "faules Pack" auf, 2015 kamen die Kriegsflüchtlinge, und jetzt sind es wieder mal Menschen, die sich nicht ins heteronormativ-binäre Primitivschema einordnen lassen, das wissenschaftliche Fakten und die gesellschaftliche Realität schlicht ignoriert und lächerlich macht.

    Wir leben in einem Land, in dem konservative und reaktionäre Politiker die größte Mehrheit haben. In dem 89% der RTL-Zuschauer_innen die Ansicht vertreten, AKK müsse sich nicht entschuldigen. Uns weht ein zutiefst feindlicher Wind entgegen.

    Und zwar nach wie vor und trotz der als Feigenblatt getragenen Ehe für alle.

    Ich kann nicht aufhören, zu wiederholen, dass WIR ALLE mitverantwortlich dafür sind. Keine_r kann sich herausreden. JEDE_R entscheidet bei seiner_ihrer Wahlentscheidung mit, ob wir weiterhin in einem Staat leben sollen, der uns derart massiv unterdrückt.
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#9 SoSoAnonym
  • 06.03.2019, 16:42h
  • Und mit solchen Leuten koalieren die GRÜNEN im Ländle.
    Sofort Koalition beenden, wenn man glaubwürdig bleiben möchte.
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#10 JasperAnonym
  • 06.03.2019, 16:57h
  • "nämlich, dass das Land andere Probleme hat als diesen ganzen linksgrünen Genderwahnsinn."

    Und wieso nimmt sich dann Frau Kramp-Karrenbauer immer dieses Themas an, statt endlich mal die dringenderen Probleme anzugehen?!
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