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Schwuler #MeToo-Moment

Belästigungsvorwürfe: Bürgermeister von West Hollywood tritt ab

Nach mehreren Sex-Skandalen tritt der Bürgermeister von Amerikas schwulster Stadt ab, angeblich aus gesundheitlichen Gründen.


John Duran weist die Vorwürfe empört zurück – und kündigt bereits seine baldige Rückkehr in die Politik an (Bild: Screenshot KNBC)

  • 6. März 2019, 16:29h, noch kein Kommentar

John Duran, der offen schwule Bürgermeister der kalifornischen Stadt West Hollywood, hat am Montag seinen Rücktritt vom Amt angekündigt. Gegen den Kommunalpolitiker hatte es in den letzten Jahren immer wieder Belästigungsvorwürfe gegeben – als Grund für seinen Rücktritt nannte er aber gesundheitliche Probleme. So sei er vergangene Woche wegen Blutgerinnsel im Krankenhaus behandelt worden. Sein Mandat als Stadtratsmitglied, das er bereits seit 2001 inne hat, will er aber behalten. Außerdem kündigte er an, bald "so quirlig wie immer" auf die politische Bühne zurückzukehren.

Nun wird gemunkelt, dass der wirkliche Grund für den Rücktritt die Vorwürfe von drei Mitgliedern des Gay Men's Chorus aus Los Angeles waren, die den Politiker in den letzten Wochen beschuldigt hatten, beleidigende sexuellen Bemerkungen gemacht oder sie unsittlich berührt zu haben. Duran trat am Montag auch als Vorstandsvorsitzender des Schwulen-Chors zurück, wies aber gleichzeitig jegliche Vorwürfe zurück: "Ich habe nach 20 Jahren im Chor ohnehin meinen Ausstieg geplant", so Duran. Schuld für den schnellen Rückzug sei aber auch das "vergiftete Klima", dass durch "falsche Anschuldigungen" entstanden sei.

Duran überlebte bereits "Deputy-Gate"

Bereits vor diesem Skandal musste sich Duran gegen Vorwürfe sexueller Übergriffe wehren. 2015 beschuldigte ihn sein eigener Assistent im Stadtrat zudem des Mobbings. Die beiden hatten sich drei Jahre zuvor auf der App Grindr für einvernehmlichen Sex getroffen, ein paar Monate später wurde der Mann Mitarbeiter Durans. Die Mobbingvorwürfe kamen nie vor Gericht – die Versicherung von West Hollywood zahlte dem Assistenten eine Entschädigung von 500.000 Dollar, um ein Verfahren zu umgehen. Duran wurde damals auch kritisiert, weil er die sexuellen Kontakte bei der Einstellung des Mannes nicht der Personalabteilung des Stadtrats gemeldet hatte. Die Presse berichtete teils belustigt über "Deputy-Gate" (Deputy ist der Name eines Stadtrats-Assistenten).

Auch weitere Männer warfen Duran vor, übergriffig geworden zu sein. 2017 stand Duran zudem in der Kritik, weil er sexuell abwertende Bemerkungen über die Chefin eines Nachbarschaftsverbands in West Hollywood gemacht hatte.

Duran geriet zuletzt auch wegen seiner Nähe zum in West Hollywood lebenden schwulen Parteispender Ed Buck in die Kritik, für den er auch als Anwalt gearbeitet hatte. Buck war in die Schlagzeilen geraten, weil in seinem Anwesen in den letzten zwei Jahren zwei jüngere Männer wegen einer mutmaßlichen Überdosis Drogen tot aufgefunden worden waren (queer.de berichtete).

Der scheidende Bürgermeister war einer der bekanntesten LGBTI-Aktivisten der Region: Er war Mitbegründet der LGBTI-Organisation ANGLE (Access Now for Gay and Lesbian Equality) und saß in Vorständen vieler Verbände wie Equality California, der größten LGBTI-Organisation des Bundesstaates, sowie von Lambda Legal, der National Gay and Lesbian Task Force und der Bürgerrechtsorganisation ACLU. Als Anwalt erzielte er auch mehrere prestigeträchtige Erfolge, insbesondere für HIV-Positive und für die Nutzung von medizinischem Cannabis.

Das rund 37.000 Einwohner zählende West Hollywood liegt vor den Toren von Los Angeles. Seit 1984 ist WeHo eine eigenständige Gemeinde und gilt als "gayest city" der USA. Zwischen einem Drittel und der Hälfte der Bevölkerung identifiziert sich als LGBTI. (dk)

Direktlink | Bericht in den Lokalnachrichten