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Reisemesse

Homophobes Partnerland Malaysia: Senatorin sagt ITB-Besuch ab

Nach heftiger Kritik zog Berlins grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop die Notbremse und fordert strengere Kriterien für Partnerländer. Malaysias Tourismusminister hatte erklärt, in seinem Land gebe es keine Homosexuellen.


Ganz bestimmt keine Homosexuellen dabei: Performer an Malaysias Messestand auf der ITB (Bild: Messe Berlin)

Nach dem Eklat um das Partnerland Malaysia auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) sagte die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) ihren Besuch auf der Reisemesse ab. Ihre Staatssekretärin verzichtete auf den Eröffnungsempfang.

Vor der Eröffnung der Messe am Dienstagabend hatte das diesjährige Partnerland für Verständnislosigkeit gesorgt. Die Frage eines Journalisten, ob das Reisen in Malaysia für Juden und Homosexuelle sicher sei, wollte Tourismusminister Datuk Mohammaddin bin Ketapi nicht beantworten. Auf eine weitere Nachfrage sagte er zum Thema Homosexualität: "Ich glaube, wir haben so etwas nicht in unserem Land" (queer.de berichtete).

Kritik an der Auswahl Malaysias schon vor einem halben Jahr


Ramona Pop (Grüne) ist seit Dezember 2016 Bürgermeisterin von Berlin sowie Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe (Bild: Sandro Halank, Wikimedia Commons / wikipedia)

Nollendorfblogger Johannes Kram hatte bereits im vergangenen Jahr die Auswahl Malaysias durch die Messe Berlin kritisiert und gefordert, die Entscheidung rückgängig zu machen. "Ausgerechnet die Regenbogenhauptstadt Berlin will im nächsten Jahr einer Homo-Hölle dabei helfen, sich international als Paradies zu inszenieren", schrieb er im September in seinem Blog (queer.de berichtete). Einvernehmlicher Sex zwischen zwei erwachsenen Männern oder Frauen kann in Malaysia mit bis zu zwanzig Jahren Gefängnis und Stockschlägen bestraft werden – erst vor wenigen Monaten wurde ein lesbisches Paar in Kuala Terengganu mit je sechs Hieben gefoltert (queer.de berichtete).

Die Messe Berlin GmbH , die sich sich zu 99,7 Prozent im Besitz des Landes Berlin befindet, hatte mit der Homo-Verfolgung jedoch kein Problem: "Unsere Aussteller präsentieren sich auf der ITB Berlin ausschließlich über die touristischen Vorzüge ihrer Region. Sie betreiben keinerlei politische Werbung", erklärte ein Sprecher gegenüber dem Nollendorfblog. Auch die Senatorin habe damals nur mit Beschwichtigungsformeln reagiert, so Kram.

Andere Grünenpolitiker kritisierten die Auswahl des Partnerlandes hingegen scharf. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Volker Beck sprach in sozialen Netzwerken von einem "ITB-Skandal". Gegenüber der "Jüdischen Allgemeinen" ergänzte der 58-Jährige: "Mit dieser exklusiven Partnerschaft während der weltgrößten Reisemesse wird eine Regierung aufgewertet, […] die Menschenrechte mit Füßen tritt und Israel als Staat ablehnt." Die Messe hofiere damit "eine judenfeindliche und homophobe Regierung". Anja Kofbinger, die queerpolitische Sprecherin der Berliner Grünen, kündigte an, gemeinsam mit SPD und Linken einen Antrag ins Parlament einbringen zu wollen, um "verbindliche Kriterien für die Auswahl der Partnerländer der ITB zu entwickeln" – und die Landesregierung damit zum Handeln zu zwingen.

Pop will künftig Menschenrechtsorganisationen einbeziehen

Am Donnerstag trat Berlins Wirtschaftssenatorin nun die Flucht nach vorn an und forderte selbst öffentlich ein neues Auswahlverfahren. "Trotz kritischer Diskussionen auch im Aufsichtsrat zur Menschenrechtslage und Antisemitismus in Malaysia ist es bei der Auswahl des Partnerlandes geblieben", sagte die Senatorin der "Berliner Zeitung". Sie habe die Geschäftsführung der Messe aufgefordert, den Prozess zur Auswahl der Partnerländer transparent zu machen und das Verfahren neu zu entwickeln, schreibt das Blatt. "Dabei sollte die Expertise von Menschenrechtsorganisationen und der Zivilgesellschaft einbezogen werden", zitiert es die Senatorin.

Das Thema wird Pop so schnell nicht los: Für 2020 hat die Messe Berlin bereits Oman als ITB-Partnerland ausgewählt. Homosexualität wird dort mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft. (mize/dpa)



#1 Carsten ACAnonym
  • 07.03.2019, 08:31h
  • Es genügt nicht, einfach nur den Besuch abzusagen und zu meinen, damit wäre es getan.

    Diesem Land muss sofort der Partnerstatus aberkannt werden. Man kann nicht Urlaubsziele bewerben, wo Menschen gefoltert werden (egal ob es um LGBTI oder um andere Gruppen geht)...
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 07.03.2019, 08:58h
  • "Pop will künftig Menschenrechtsorganisationen einbeziehen"

    Wow! Geniale Idee, auf die sie von selbst wohl nie gekommen wäre. Manchmal reicht aber auch ein Blick in Wikipedia.
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#3 YannickAnonym
  • 07.03.2019, 09:00h
  • "Kritik an der Auswahl Malaysias schon vor einem halben Jahr"

    Und dennoch hat es in dieser Zeit niemand für nötig befunden, mal über dieses Thema nachzudenken.

    Offenbar werden auch SPD, Grüne und Linkspartei erst dann aktiv, wenn die öffentliche Aufmerksamkeit zu groß wird.

    Okay, wenn die Politik mehr Druck braucht, um ihren Job zu machen, können sie das gerne haben: vielleicht sollten wir nochmal die Piraten in die Parlamente bringen...
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#4 Julian SAnonym
  • 07.03.2019, 09:36h
  • Antwort auf #2 von goddamn liberal
  • Ja, Ramona Pop tut gerade so, als sei das jetzt eine riesige Überraschung, wie es dort in diesem Land zugeht.

    Dabei gibt es im Internet mehr als genug Seiten, wo man sich über die Menschenrechtslage in allen Staaten informieren kann. Aber die 5 Minuten waren es ihr wohl nicht wert. Dann lieber wieder irgendwelche Berater nehmen, die die Arbeit für ihnen machen, damit man gar nichts mehr selbst tun muss.

    Und selbst wenn es einem schon nicht wert war, mal 5 Minuten ins Internet zu gucken, dann hätte man ja wenigstens mal auf die seit mindestens einem halben Jahr bekannte Kritik hören können. Spätestens da sollten alle Alarmglocken schrillen. Aber nein, Frau Pop hatte offenbar besseres zu tun.
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#5 Julian SAnonym
#6 PietAnonym
  • 07.03.2019, 10:14h
  • Seit einem halben Jahr wird die Wahl des Partnerlandes kritisiert. Und die desaströse Menschenrechtslage ist ja schon viel länger bekannt; das ist ja nicht erst seit einem halben Jahr so.

    Aber Ramona Pop von den Grünen will das angeblich alles erst jetzt mitbekommen haben.

    Entweder ist die wirklich komplett uninformiert und unfähig sich zu informieren oder sie belügt die Öffentlichkeit vorsätzlich.

    So oder so, ist sie für ihr Amt (und generell für politische Ämter) offenkundig völlig ungeeignet.
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#7 TimonAnonym
  • 07.03.2019, 10:47h
  • Glaubt Frau Pop wirklich, es sei ausreichend, wenn sie nicht dahin geht?

    Die Vogel-Strauß-Taktik, den Kopf in den Sand zu stecken, hat noch nie was gebracht. Zumal das weder etwas an der Menschenrechtslage vor Ort ändert, noch daran, dass die offizielles Partnerland sind.

    Ich erwarte, dass der Status als Partnerland offiziell aberkannt wird. Alles andere ist inakzeptabel.
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#8 UrberlinerAnonym
  • 07.03.2019, 12:09h
  • Antwort auf #7 von Timon
  • Ein Freund der Grünen bin ich nicht, aber in diesem Fall freue ich mich über die Konsequenzen, die Ramona Pop jetzt zieht. Das hätten Regierungsmitglieder von der SPD oder von Parteien wie der CDU und noch weiter rechts nie getan.

    Die Aberkennung als Partnerland wäre schön, ist aber vermutlich nicht so einfach und kann nicht ohne Weiteres von einer Einzelsenatorin entschieden werden. Bis der Vorgang abgeschlossen ist, wäre die ITB wahrscheinlich schon vorbei. Ich hoffe auf bessere Entscheidungen ab der nächsten ITB, wie es Ramona Pop ja offenbar vorhat.
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#9 tchantchesProfil
#10 Na dannAnonym