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Frankreich

Kindesmissbrauch vertuscht: Homophober Kardinal erhält Bewährungsstrafe

Der französische Kardinal Philippe Barbarin teilt gerne gegen Schwule und Lesben aus, hielt seine Hand aber offenbar schützend über einen Priester, der Minderjährige misshandelt hatte.


Ein Gericht in Lyon sah es als erwiesen an, dass Philippe Kardinal Barbarin einen Missbrauchstäter schützte (Bild: MEDEF / wikipedia)

Gut eine Woche nach der Verurteilung des australischen Erzbischofs George Pell wegen Kindesmissbrauch muss sich ein weiterer homosexuellenfeindlicher Kardinal der katholischen Kirche vor einem weltlichen Gericht verantworten: Ein Gericht in Lyon verurteilte Philippe Kardinal Barbarin am Donnerstagvormittag zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten, weil er Kindesmissbrauch durch einen Priester vertuscht hatte.

Der Priester hatte sich in den Siebziger- und Achtzigerjahren offenbar an dutzenden Minderjährigen, insbesondere Pfadfindern, sexuell vergangen – er gab einige Taten zu, musste sich aber wegen Verjährung nicht mehr vor Gericht verantworten. Das Bistum soll von den Fällen seit mindestens Anfang der Neunzigerjahre gewusst haben. Bis Herbst 2015 durfte er aber weiterarbeiten, ohne dass die Behörden informiert wurden – und kam dabei auch in Kontakt mit Kindern. Zehn mutmaßliche Missbrauchsopfer des Priesters traten im Prozess als Nebenkläger auf.

Laut der Staatsanwaltschaft hatte Barbarin, der seit 2002 Erzbischof von Lyon ist, von diesen und weiteren Missbrauchsfällen gewusst, aber nichts unternommen. Allerdings hatten die Ankläger am Ende des Prozesses Freispruch beantragt, da ein Teil der Tatbestände verjährt gewesen sei und für andere Tatbestände keine Verantwortung des Kardinals nachgewiesen werden könne. Die Verurteilung kommt daher für Beobachter überraschend.

Der 68-jährige Geistliche hatte bei einer Anhörung im Januar beteuert, keinerlei Informationen über Missbrauchsfälle zurückgehalten zu haben. "Ich habe niemals versucht, diese schrecklichen Taten zu verheimlichen und noch weniger, sie zu decken", behauptete der Erzbischof von Lyon. Barbarins Anwälte kündigten sofort nach der Urteilsverkündigung an, in Berufung zu gehen.

Weitere Vorwürfe verjährt

Vorwürfe gegen Barbarin waren bereits 2016 laut geworden (queer.de berichtete). Damals stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aber nach wenigen Monaten ein, weil die Fälle zu weit in der Vergangenheit gelegen hätten. Der Kardinal hatte damals für Empörung unter Opferverbänden gesorgt, als er bei einer Pressekonferenz sagte, dass die Fälle "Gott sei Dank" verjährt seien.

Barbarin zählte in Frankreich zu den lautstärksten Gegnern der Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben – und sorgte mit apokalyptischen Thesen für Kopfschütteln unter LGBTI-Aktivisten: So behauptete er während der Debatte um die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, dass heiratende Schwule und Lesben zum "Zusammenbruch der Gesellschaft" führen könnten (queer.de berichtete). Er führte in Lyon auch eine politische Demonstration der Organisation "Manif pour tous" (Demo für alle) gegen die Ehe für alle an (queer.de berichtete). (dk)



#1 Religioten-WatchAnonym
  • 07.03.2019, 12:03h
  • Und noch ein Land, das Deutschland zeigt, wie es gehen muss. Schade, dass es Bewährung gab, aber immerhin wurde ein Gerichtsurteil gefällt.

    In Deutschland gehen solche Christen ja immer straffrei aus.
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#2 Simon HAnonym
  • 07.03.2019, 12:05h
  • Auch nach dem jüngsten Gipfel der Kirche ändert sich offenbar gar nichts.

    Die werden sich nie ändern...
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#3 LorenProfil
  • 07.03.2019, 12:09hGreifswald
  • Unabhängig von diesem Fall, über den ich zu wenig weiß, bin ich momentan der Auffassung, dass die Verjährungsfristen im Zusammenhang mit pädokriminellen Straftaten bei mindestens 50 Jahren festgeschrieben werden sollten (wegen der erheblichen Folgen für die Opfer und wegen der unter Umständen aus diesen Folgen resultierenden späten Auseinandersetzung mit diesen Straftaten und den Täter*innen seitens der Opfer) und das Bewährungsstrafen eher Ausnahme als Regel sein sollten (da die oft lebenslänglichen Folgen dieser Staftaten aus meiner Sicht für die Täter*innen deutlich spürbare Sanktionen rechtfertigen).
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#4 Patrick SAnonym
  • 07.03.2019, 12:15h
  • Das Gesocks gehört weggesperrt und nicht auf Bewährung freigelassen.
    Und schon gar nicht im Amt behalten und auf die nächsten Kinder losgelassen, wie es ja gängige Praxis ist, bei der Kirche. Einmal zur Beichte und die Sache ist vom Tisch. Wahnsinns Konzept, muss ich sagen.

    Wenigstens werden die außerhalb Deutschlands abgeurteilt, vor einem ordentlichen Gericht. Frage mich nur seit Jahren, weshalb man in Deutschland von der Justiz nicht belangt wird, als Pfarrer oder Würdenträger, beziehungsweise, weshalb dieser Zustand nicht endlich geändert wird. Eine Schande ist das.
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#5 tchantchesProfil
  • 07.03.2019, 12:19hSonstwo
  • Und auch diese Woche gilt: Kardinal ist kein Adelstitel. Ebenso wenig wie Bischof, Hauptkommissar oder Ministerialdirigent.

    Daher: Kunibert Graf Koks, aber Kardinal Gottlieb Weihrauch.

    Es gibt nun wirklich keinen Grund, diese Herrschaften noch zusätzlich zu erhöhen.
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#6 WiebkeAnonym
  • 07.03.2019, 12:27h
  • Diese Sittenwächter und Verhaltensregelprediger werden sich nicht ändern! Es gibt offenbar zu viele Schmierige unter den "Gesalbten"!
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#7 stephan
  • 07.03.2019, 12:54h
  • Antwort auf #5 von tchantches
  • Richtig! Zudem ist der Adel seit just 100 Jahren in Deutschland abgeschafft. Es handelt sich nur noch um ganz gewöhnliche Namen.

    Zum Thema: Die Opfer können sich einfach nur verhöhnt fühlen! Wie kann denn ein Mensch, der Missbrauch duldete, auf seinem Posten bleiben? Nicht zu glauben!
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#8 michael008
  • 07.03.2019, 13:09h
  • Antwort auf #7 von stephan
  • Abgeschafft, ja die Titel, aber leider sind nicht die völlig zu Unrecht erworbenen Vermögenswerte dieser Schmarotzer eingezogen worden.
    Das wurde ebenso wie beim Klerus in Deutschland versäumt.
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#9 TimonAnonym
  • 07.03.2019, 13:45h
  • Ich frage mich wirklich, wie. Menschen, die sich als Christen bezeichnen, noch Mitglied in diesem unchristlichen Verein sein können.
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#10 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 07.03.2019, 16:53h
  • 6 Monate auf Bewährung ist ein Witz für all das Leid, dass er durch Schweigen, wegsehen und vertuschen verursacht hat! So ein Typ gehört lebenslang weggesperrt! Und, wäre ich Opfer, würde ich ihn und die RKK zur Kasse bitten!
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