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Debatte zu Länder-Initiative

Kieler Landtag: Bundesregierung soll Homo-"Heilungen" verbieten

Bis auf die AfD stimmten alle Parteien für einen Entschließungsantrag zum Verbot von sogenannten Konversionstherapien – diese seien gefährliche "Scharlatanerie".


Ein bald nicht mehr benötigtes Symbolbild?

Der schleswig-holsteinische Landtag hat am Donnerstag nahezu einmütig ein Verbot von "Therapien" gegen Homosexualität gefordert. Nur die vier AfD-Abgeordneten stimmten gegen einen entsprechenden gemeinsamen Antrag der Jamaika-Regierungsfraktionen CDU, Grüne, FDP und der Oppositionsfraktionen SPD und SSW.

Die Landesregierung soll sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, Angebote zur "Behandlung" von Homosexualität zu untersagen, heißt es in dem Antrag (PDF) . In ihm stellt der Landtag fest, dass "Homosexualität keine Erkrankung ist und nicht behandelt werden muss": "Nicht Homosexualität, sondern Zurückweisung, Diskriminierung, Stigmatisierung und Mobbing führen zu Erkrankungen." Nachgewiesene Folgen von Homo-"Heilungen" seien Depressionen und eine erhöhte Suizidalität. Sogenannte Reparations- und Konversionstherapien hätten "keine wissenschaftliche, medizinische oder therapeutische Berechtigung" und gehörten "in den Bereich der Scharlatanerie und fehlgeleiteten Ideologie".

Große Einigkeit im Plenum

Bereits die Gleichsetzung von Homosexualität und Krankheit sei "eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, die in aller Schärfe bekämpft werden muss", sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) in der Debatte. Er wies darauf hin, dass es die höchste Selbstmordrate unter jungen Homosexuellen gebe. Der Grünen-Abgeordnete Rasmus Andresen kritisierte, dass es Gesprächs- und sogar Elektroschock-Therapien gebe. "Dass diese Pseudo-Therapien auch noch über Krankenkassen abgerechnet werden können, ist inakzeptabel und muss gestoppt werden", sagte Andresen.

Die CDU-Abgeordnete Katja Rathje-Hoffmann verurteilte, dass fundamentalistische Christen vermeintliche Therapien propagierten: "Sexualität ist weder Geisteskrankheit noch moralisch verwerflich". Mediziner oder Kirchenleute, die eine solche Ideologie vertreten und derartige Behandlungen anbieten, gehörten "bestraft und weggesperrt", damit sie "kein weiteres Unheil anrichten" könnten, meinte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Serpil Midyatli.

"Krank sind nicht die Homosexuellen, sondern die, die das vermeintlich heilen wollen", betonte Dennys Bornhöft (FDP). Flemming Meyer (SSW) meinte, gerade bei Minderjährigen gelte es, sie vor einem "fundamentalistischem und menschenfeindlichem Bild" zu schützen.

AfD gegen Verbot

Dagegen lehnte der AfD-Abgeordnete Frank Brodehl den Vorstoß ab. So zitierte er Redebeiträge aus einer Bundestagsdebatte 2013, in der Vertreter von Union und FDP einen Verbots-Vorstoß der Grünen abgelehnt hatten. Es habe sich nichts daran geändert, dass inakzeptable Methoden auch heute schon strafrechtlich geahndet oder beruflich sanktioniert werden könnten, so Brodehl.

Der AfD-Politiker betonte, Toleranz müsse auch für jene gelten, die ihre Homosexualität behandeln lassen wollen. Der Bürger sei mündig genug, für sich selbst zu entscheiden. Daher sollte man es bei der aktuellen Rechtslage belassen. Auch gehe es den anderen Parteien um reine Schaufenster- und Symbolpolitik, um schneller zu sein als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Der CDU-Politiker hatte vor wenigen Wochen in der "taz" angekündigt, möglichst bis zum Sommer in der Regierung eine tragbare und umfassende Verbotslösung zu finden (queer.de berichtete). Wie Schleswig-Holstein haben auch Hessen und Bremen eine ausdrückliche Unterstützung für ein Verbot auf Bundesebene beschlossen oder vorgesehen – Bayern will sich einem Bericht der Zeitung "Main-Echo" zufolge der Initiative Hessens anschließen. Im Bundestag selbst hatten die Grünen vor wenigen Tagen einen eigenen Entwurf vorgestellt (queer.de berichtete). (dpa/pm/nb)



#1 PeerAnonym
  • 07.03.2019, 18:47h
  • Da die Gefährlichkeit dieser Scharlatanerie wissenschaftlich belegt ist und das schwerste psychische Schäden verursacht, die bis zum Tod führen können, muss das schnellstmöglich verboten werden.

    Und zwar nicht nur für Minderjährige, sondern generell. Denn es schadet jedem Menschen und nicht nur Jugendlichen.
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#2 Julian SAnonym
#3 Ralph
  • 07.03.2019, 20:11h
  • Ich warte schon gespannt auf die erste Äußerung von AKK zu diesem Thema. Sie wird vermutlich mehr oder weniger wörtlich mit den Aussagen der AfD übereinstimmen.
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#4 AnonymAnonym
  • 07.03.2019, 21:34h
  • Wenn CDU, SPD, Bündnis 90 / Die Grünen, FDP und SSW im Norden dafür eintreten.
    Bremen (B) einen Antrag mit Die Linke dazu verabschiedet hat.
    Laut dem Beitrag mit Verweis auf die Zeitung "Main-Echo", Bayern und damit die CSU und Freie Wähler die Initiative Hessens mit unterstützen.

    Sollte es wohl darum gehen, für die notwendigen politischen Mehrheiten zu werben, so daß die weiteren Landesparlamente und Landesregierungen im Bundesrat ein Verbot mit unterstützen.
    Und, das ferner eine Mehrheit der Mitglieder im Bundestag ebenfalls Ihr Stimmrecht dafür einsetzt und dafür gewonnen wird.

    Die Stände der Parteien zur Eurowahl sind ein guter Anlass mit vielen Volksvertretern ins Gespräch zu kommen.

    (B) www.queer.de/detail.php?article_id=31831
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#5 Gerlinde24Profil
  • 07.03.2019, 23:02hBerlin
  • Kann mal jemand die Alternative für Deppen von ihrer ober peinlichen Homophobie heilen?
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#6 Klaus LeberhartingerAnonym
  • 08.03.2019, 00:06h
  • Ich bin sehr wütend darüber, dass auch hier wieder das Thema Konversionstherapien so behandelt wird, als würde es ausschließlich homosexuelle Menschen betreffen.

    Nicht nur, dass Bisexualität wieder komplett unsichtbar gemacht wird (ein weiterer Beweis für die Berechtigung des Bisexual Visibility Day), nein, auch über Todesopfer durch Konversionstherapien, die an transsexuellen Menschen und Transgendern verübt wurden, wird geschwiegen.

    Ein weiterer wichtiger Punkt, der vergessen wird:
    Zwangstherapie durch Psychiatrie, Psychotherapie und Sexologie, denen sich trans- und teilweise auch intersexuelle Menschen unterwerfen müssen, wenn sie körperliche (!) medizinische Behandlung dringend benötigen.

    Entweder kämpft man allgemein und inklusiv gegen deratige Menschenrechtsverbrechen oder man lässt es bleiben!
    Bei diesem Thema ausschließlich von "Homo-Heilung" zu sprechen ist von großer Ignoranz (und Egoismus der "LG-Community") geprägt.
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#7 FinnAnonym
  • 08.03.2019, 10:20h
  • Jetzt haben sich schon so viele Landesverbände fast aller Parteien auf die Seite des Verbots gestellt. Jetzt erwarte ich auch, dass dieser längst überfällige Schritt, wie versprochen, spätestens zum Sommer umgesetzt wird.

    Daran werden sich alle Parteien messen lassen müssen. Denn hier geht es nicht um Gleichstellung o.ä., sondern hier geht es um Menschenleben.
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#8 kuesschen11Profil
  • 08.03.2019, 10:47hFrankfurt/Main
  • Die Bundesregierung sollte sich verstärkt gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit einsetzen.

    Diese "Heilungen" sind nun mal erfolglos und gefährlich. Daher sollten sie aus dem Katalog der "religiösen" Therapien gestrichen werden.
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#9 Ralph
  • 08.03.2019, 11:55h
  • Antwort auf #6 von Klaus Leberhartinger
  • Transidentität ist keine sexuelle Orientierung (deshalb habe ich mir auch angewöhnt, die Wörter "sexuell" und "Sexualität" in diesem Zusammenhang nicht mehr zu verwenden). Darum ist sie auch nicht betroffen, wenn es -wie hier- um eine vermeintliche Veränderbarkeit der sexuellen Orientierung geht. Dass selbstverständlich auch Experimente, mit denen die Geschlechtsidentität verändert werden soll (insoweit besitze ich leider keine Informationen), zutiefst verwerflich sind, bedarf keiner Diskussion. Ein Mann ist ein Mann und eine Frau eine Frau. Maßgeblich ist allein das eigene Empfinden und nicht die physische Gestalt, aus der das Gegenteil abgeleitet werden soll. - Was Bisexuelle angeht, wird kein "Heiler" deren heterosexuellen Persönlichkeitsanteil ändern wollen. Es geht also auch dort gegen (anteilige) Homosexualität.
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#10 TheDadProfil
  • 08.03.2019, 12:10hHannover
  • Antwort auf #6 von Klaus Leberhartinger
  • ""Ein weiterer wichtiger Punkt, der vergessen wird:""..

    Das sind aber unterschiedliche Sachen !

    Denn die eine, die "Konversiontherapie" ist nur nicht verboten..

    Die andere "Therapie" ist dagegen sogar Teil eines staatlich, gesetzlichen Konzeptes im Umgang des Staates mit einer Minderheit..

    Deshalb ist es hier auch notwendig mit jeweils angepaßten Strategien gegen beides vorzugehen, denn der Kampf gegen die "Umpolungs-Versuche" von zumeist "Religiösen" Eltern in einer Struktur des organisierten Homo-Hasses erhält inzwischen Unterstützung aus der Politik, während die Abschaffung von Zwangs-Begutachtung von genau der gleichen Politik mindestens in Teilen trotz eines anders lautenden Urteiles des BVerfG einfach ignoriert wird..
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