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Karnevalsdebatte

Sigmar Gabriel warnt vor "Humorpolizei"

Der ehemalige SPD-Chef fällt seiner Partei in den Rücken und verteidigt AKKs diskriminierende Fastnachtsrede. Der Streit um ihren "Scherz" auf Kosten intergeschlechtlicher Menschen sei elitär.


Der ehemalige Vizekanzler, Außen-, Wirtschafts- und Umweltminister Sigmar Gabriel war zwischen November 2009 und März 2017 Vorsitzender der SPD (Bild: JWHBerlin / wikipedia)

Nach Politikern von Union und AfD hat nun auch der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer gegen Kritik an ihrem Karnevals-"Witz" auf Kosten intergeschlechtlicher Menschen verteidigt. "Ich frage mich, ob wir vergessen haben, was der Begriff Narrenfreiheit heißt", sagte der SPD-Politiker der "Augsburger Allgemeinen" (Freitagsausgabe). "Wenn wir jetzt anfangen im Fasching jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, dann wäre vor zehn, zwanzig Jahren die Hälfte der Politiker in Haft genommen worden."

Ob man den Witz gut oder schlecht finde, darüber könne man immer streiten, sagte der frühere Wirtschafts- und Außenminister. Er sei aber gegen eine öffentliche "Humorpolizei".

Der Streit um Kramp-Karrenbauers Bemerkung sei eine typische elitäre Debatte zwischen Politik und Medien, die weit entfernt von der Lebenswirklichkeit der normalen Menschen sei und damit zur Entfremdung zwischen Parteien und Wählern beitrage, sagte Gabriel weiter. "Wir müssen ein superglückliches Land sein, dass wir uns über so etwas aufregen."

SPD-General Klingbeil kritisierte "erzkonservativen Wind" in der Union

Die CDU-Chefin hatte bei ihrem Auftritt vor dem Stockacher Narrengericht vergangene Woche gesagt, Toiletten für intergeschlechtliche Menschen seien "für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette" (queer.de berichtete als erstes Medium).

Von SPD, FDP, Linken und Grünen sowie von zahlreichen Kommentatoren war Kramp-Karrenbauer für den "Scherz" scharf kritisiert worden. Die CDU-Chefin zeige, "welcher erzkonservative Wind jetzt wieder in der Union weht", kritisierte etwa SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. "Solche Äußerungen – auch an Karneval – sind absolut respektlos." AKK fehle "in Diskriminierungsfragen eine dem Amt und der Funktion angemessene Haltung", meinte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (queer.de berichtete).

Kramp-Karrenbauer selbst wies die "künstliche Aufregung" in ihrer Aschermittwochsrede energisch zurück. Es sei nicht um ein drittes Geschlecht gegangen, sondern "um die Frage von Emanzen", Machos und das Verhältnis von Mann und Frau. Sie habe inzwischen das Gefühl, "wir sind das verkrampfteste Volk, das auf der Welt rumläuft" (queer.de berichtete).

LGBTI-Rechte kein Thema für Sigmar Gabriel

Sigmar Gabriel hatte in seiner Zeit als SPD-Vorsitzender von November 2009 und März 2017 LGBTI-Rechte fast komplett ignoriert. Schon 2015 warnte er auf einem Parteitag davor, dass eine Politik für Minderheiten keine Mehrheit ergebe (queer.de berichtete). In einem Gastbeitrag für den "Spiegel" warf Gabriel im Dezember 2017 seiner Partei vor, beim Jubel über die Ehe für alle die Kernwählerschaft der Arbeiter vergessen zu haben (queer.de berichtete). (cw/dpa)

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» Kommt die Union nach AKKs LGBTI-feindlicher Rhetorik noch als Koalitionspartner infrage?
    Ergebnis der Umfrage vom 04.03.2019 bis 11.03.2019


#1 goddamn liberalAnonym
  • 08.03.2019, 08:12h
  • Auch Arbeiter/innen nutzen die Ehe für alle, Goslar ist keine Humorhochburg und homophobe Polit-Rentner sollten Ruhe geben.

    Zumal andere in der SPD das anders sehen:

    www.spiegel.de/

    Man muss übrigens kein fanatischer Gendersternchen-Fan sein, um eine finstere Gestalt mit Inzest- und Urinfantasien nicht für kanzlertauglich zu halten.

    Das kann dann die 'christliche Nächstenliebe' von Frau Göring-Eckardt eher erledigen.

    Die kennt ja "keine Obergrenze".
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#2 Ith__Ehemaliges Profil
  • 08.03.2019, 08:19h
  • Der Mensch sitzt halt dieser Idee auf, dass es sich bei LGBT*QIA ausschließlich um Menschen auf seiner eigenen Einkommensstufe oder der darüber handelt.

    Dass Dinge wie Ehe für alle überhaupt irgendwen betreffen könnten, der*die seit Jahren unter anderem aufgrund gesellschaftlicher Vorurteile keinen Job findet und/oder am Aufstieg im Job behindert wird, findet auf seinem Radar nicht statt. Genausowenig wie auf dem einer Wagenknecht.

    Aber was soll's. Das ist halt immer noch dieselbe SPD, die mit HartzIV den Weg freigemacht hat für den deutschen Niedriglohnsektor. Dass eine zweite CDU kein Arbeiter in diesem Staat braucht, ist jemandem mit einem Einkommen von 10k im Monat aber halt nur schwer zu vermitteln.
    Politiker sind es, die nicht mehr anders als elitär denken können, aus gegebenem Anlass. Von sich auf andere zu schließen und stets zu glauben, dass andere das automatisch auch so machen, also vorgeben, Rechte zu wollen, die sie selbst längst genießen, ist aber dann halt schon einigermaßen dreist.
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#3 Ith__Ehemaliges Profil
  • 08.03.2019, 08:30h
  • Antwort auf #1 von goddamn liberal
  • "Man muss übrigens kein fanatischer Gendersternchen-Fan sein, um eine finstere Gestalt mit Inzest- und Urinfantasien nicht für kanzlertauglich zu halten."

    Hauptsache, du hast nochmal klargestellt, dass auch du es durchaus für angebracht hältst, Gender-"wahn"sinnige als Fanatiker zu betrachten, aka Anhänger eines Glaubenssystems, bei dem es schon in Ordnung ist, es nicht zu mögen *thumbup

    Dass das derselbe Mechanismus ist, mit dem eine Wagenknecht den AfD-Wählern entgegenkommt, und ihnen erstmal versichert, dass sie schon okay sind und man einfach mal nach Gemeinsamkeiten mit IHR suchen könnte, fällt dir wahrscheinlich nichtmal auf.
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#4 goddamn liberalAnonym
#5 myysteryAnonym
  • 08.03.2019, 08:43h
  • Gabriel hat seit seinem Ende als SPD-Chef und Außenminister wohl zu viel Frust aufgeladen.
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#6 stephan
  • 08.03.2019, 08:58h
  • "Der Streit um Kramp-Karrenbauers Bemerkung sei eine typische elitäre Debatte zwischen Politik und Medien, die weit entfernt von der Lebenswirklichkeit der normalen Menschen sei und damit zur Entfremdung zwischen Parteien und Wählern beitrage, sagte Gabriel weiter."

    Wo lebt denn dieser Mann jetzt? Offenbar hat Gabriel nichts mitbekommen und möchte mit einer dummen Bemerkung nur wieder einmal schnell um Aufmerksamkeit betteln! Keinesfalls ging es hier um Politik und Medien, sondern die Empörung ging durch weite Teile der Bevölkerung und Betroffene fühlten sich beleidigt und - nach der bekundeten Grundeinstellung von AKK - empörten sich viele LGBTIs und solidarische Menschen. Es geht nicht um eine Humorpolizei (oder sonstigem Unsinn, der aus unterbeschäftigten Politikergehirnen quillt), sondern darum Minderheiten, die ohnehin schon einen schweren Weg der Selbstfindung hinter sich haben und vielleicht noch täglich Diskriminierung erleben, nicht von der Narrenbühne aus noch einmal hinterher zu treten! Ist das so schwierig zu verstehen? Man muss völlig abgehoben sein, wenn man das nicht sieht!
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#7 LarsAnonym
  • 08.03.2019, 09:13h
  • Es gibt eine alte Filmszene von Loriot, wo ein Verein in den 80er Jahren die "ganz heißen Eisen" Frauen und Umwelt in den Karnevalsgedanken einbeziehen will.

    Man könnte bei dem Film auch sagen, er sei frauenfeindlich gewesen oder er hätte sich über die Umweltaktivisten lustig gemacht (oder über queere Männer, denn der Name Winkelmann ist eine Anspielung darauf) , aber ich denke nicht, dass das der Fall war. Der Film mokiert sich über eine gescheiterte und in sich selbst kreisende Kommunikation.

    Es ist eine interessante Frage, wie Loriot die gegenwärtige Situation aufgegriffen hätte. Wie beziehen man den Queer- und Gendergedanken in den Karneval ein (unter Nichtauslassung der Umwelt und der Feuchtbiotope)?

    www.youtube.com/watch?v=QJ4bqY9NAq0

    www.youtube.com/watch?v=l475PdFXt6w
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#8 feli491Anonym
#9 marcocharlottenburgAnonym
  • 08.03.2019, 09:19h
  • Und wieder einer, der es nicht verstanden hat. Warum muss man Witze auf Kosten von Minderheiten machen. Gibt es keine anderen Themen?... Ich mag den Vergleich nicht sonderlich, aber dennoch ist er passend. Bei Witzen gegen Juden oder Schwarze, da wäre der Aufschrei aber riesig. Richtig so, aber gegen Queere, völlig in Ordnung...
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#10 Ketzer
  • 08.03.2019, 09:31h
  • Aha. Wenn sich diskriminierte Minderheiten wehren, gerieren sie sich "elitär".

    Die Probleme diskriminierter Minderheiten sind also Luxusprobleme, für die "normale" Menschen natürlich kein Verständnis haben. Die sollen sich jetzt mal nicht so aufregen, wenn man auf sie einschlägt.

    Ist alles genauso folgerichtig, wie dass die SPD eine "sozial-demokratische" Partei sei.

    Die SPD hat spätestens seit Schröder jeglichen Bezug zum "kleinen Mann" verloren. SIE ist es, die sich elitär geriert. Arbeitslose wurden und werden als durchweg faul stigmatisiert, und Minderheiten, auf denen die Mehrheit höhnisch lachend herumtrampelt, sollen sich gefälligst nicht so anstellen.

    Für mich hat die SPD längst ihre Wählbarkeit verloren - und wird sie mit solchem Verhalten auch für weitere Jahrzehnte nicht wieder gewinnen.

    Liebe "S"PD, wenn Ihr immer noch nicht verstanden habt, warum Euch die Wähler_innen in Scharen davonlaufen und Ihr, wenn es so weitergeht, bald unter der 5-Prozent-Hürde landen werdet, ist Euch wirklich nicht mehr zu helfen.

    ICH will Euch auf jeden Fall schon seit sehr langem nicht mehr helfen.

    ***

    P.S. Letztens der SPD-OB meiner Wahlheimatstadt: "Wozu brauchen wir denn überhaupt all die Bezeichnungen wie trans, inter etc.? Das ist doch alles viel zu kompliziert". Gabriel ist also weiß G**t kein Einzelfall.
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