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Internationale Tourismus-Börse

Malaysias Eigentor

Nicht "atemberaubende Natur" und "außergewöhnliche Küche", sondern Homophobie und Antisemitismus bleiben vom ITB-Partnerland in Erinnerung – auch dank der Dummheit des Tourismusministers.


LGBTI-feindliche Demonstration in Malaysia anlässlich eines Konzerts von Adam Lambert im Jahr 2010

Die Entscheidung der landeseigenen Messe Berlin GmbH, den LGBTI-feindlichen Verfolgerstaat Malaysia als offizielles Partnerland der diesjährigen Internationalen Tourismus-Börse (ITB) zu adeln, war falsch und fahrlässig. Im Nachhinein hat der peinliche Eklat in der selbsternannten Regenbogenhauptstadt aber auch seine guten Seiten.

1. Die erfolgreiche Intervention
Dank Nollendorfblogger Johannes Kram wurde erstmals über ethische Mindeststandards für die ITB-Partnerländer debattiert. Anlass dafür hätte es schon viel früher gegeben. Etwa 2016 beim Partnerland Malediven, wo Homosexualität mit bis zu vier Jahren Gefängnis und maximal hundert Stockschlägen bestraft wird, oder 2017 bei Botswana, wo Lesben und Schwulen bis zu sieben Jahre Haft droht.


Mit schönen Kostümen wirbt Malaysia auf der ITB um Touristen (Bild: Messe Berlin)

2. Die Macht der freien Medien
Dass ein Partnerland Malaysia mit dem Versprechen des rot-rot-grünen Senats, die "Belange der LSBTTIQ*-Community national und international engagiert [zu] vertreten", schwer unter einen Hut zu bringen ist, fiel auch einigen Massenmedien auf. Journalisten erinnerten zudem an antisemitische Äußerungen von Malaysias Premierminister Mahathir Mohamad. Und bei den Grünen rumorte es ordentlich hinter den Kulissen, schließlich sitzt die grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop im Aufsichtsrat der Messe Berlin und konnte oder wollte die Entscheidung nicht kippen.

3. Die Selbstentlarvung Malaysias
Wie falsch die Wahl des diesjährigen Partnerlands war, bestätigte schließlich Malaysias Tourismusminister Datuk Mohammaddin bin Ketapi auf der ITB-Eröffnungskonferenz, als er allen Ernstes behauptete, in seinem Land gebe es keine Homosexuellen. Der dumme Satz sorgte für internationale Schlagzeilen weit über queere Medien hinaus


Tourismusminister Datuk Mohammaddin bin Ketapi auf der ITB (Bild: Messe Berlin)

4. Das verlogene Versprechen
Eine am Tag darauf verbreitete offizielle Erklärung des Ministeriums ging erst recht nach hinten los. Während es darin zunächst hieß, der Minister sei ja nur missverstanden worden, forderte Malaysia anschließend Respekt für seine kulturelle Tradition und "eigene Position" zu LGBTI-Themen und Israel. Mit dem eiligen Versprechen, Touristen "niemals unnötige Hindernisse aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, Religion und kulturellen Werte in den Weg [zu] legen", kann man sich also den Hintern abwischen.

5. Was wirklich hängen bleibt
Nicht "Malaysias atemberaubende Natur, seine warmherzigen, multikulturellen Völker und seine außergewöhnliche, abwechslungsreiche Küche" (O-Ton ITB-Chef David Ruetz) bleiben so vom diesjährigen Partnerland der Tourismus-Börse in Erinnerung, sondern eklatante Menschenrechtsverletzungen und der dreiste Versuch der Regierung, sich ein weltoffenes Image zu erkaufen und Homophobie und Antisemitismus mit schönen Bildern und Slogans zu übertünchen.

Auch nicht-queere und nicht-jüdische Menschen werden sich nun hoffentlich fragen, ob ein Land, das Lesben und Schwule auspeitscht und bis zu 20 Jahre ins Gefängnis steckt, das Menschen mit israelischem Pass nicht einreisen lässt, ja wo selbst die harmlosen Homo-Szenen aus "Bohemian Rhapsody" zensiert werden, ein ideales Urlaubsparadies ist.



#1 michael008
  • 08.03.2019, 13:56h
  • Auch ganz unabhängig von der LGBTI Problematik würde ich ein Land nicht betreten, welches israelischen Staatsbürgern aufgrund ihres Passes pauschal die Einreise verweigert.
    Das gilt auch für den IRAN.
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#2 goddamn liberalAnonym
#3 michael008
#4 WadimAnonym
  • 08.03.2019, 14:41h
  • Man kann den Leuten nicht vorschreiben, nach welche Länder sie reisen dürfen und nach welche nicht.
    Trotzdem ärgert es mich, dass viele LGBTI sich überhaupt keine Gedanken darüber machen, ob das Land antidemokratisch und homophob ist. Noch schlimmer ist, dass sie diesen Ländern sogar Werbung machen, in dem sie Fotos und begeisterte Kommentaren veröffentlichen.
    Ich persönlich meide soweit es möglich sogar die Ware aus China oder der Türkei zu kaufen, obwohl es nicht so leicht ist.
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#5 JanekAnonym
  • 08.03.2019, 15:03h
  • Dass SPD, Grüne und Linke als in Berlin (dem Land Berlin gehört zu über 99% die Messe Berlin) regierende Parteien nichts unternommen haben, um dem Land wenigstens den Partnerstatus zu entziehen, ist ein Armutszeugnis.

    Und dass die grüne Senatorin, obwohl schon seit einem halben Jahr darauf hingewiesen, nichts anderes tut, als nicht hinzugehen und auch das erst, nachdem der mediale Aufschrei zu groß war, ist nicht minder armselig.
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#6 Mal ne FrageAnonym
#7 gute FrageAnonym
#8 goddamn liberalAnonym
#9 AFD-WatchAnonym
  • 08.03.2019, 18:20h
  • "It's not our culture"? Komisch, dass man sich der lateinischen Schrift und einer Religion bedient, die ebenfalls nicht ihrer Kultur entstammen...
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#10 tchantchesProfil
  • 08.03.2019, 21:19hNaseweishausen
  • Antwort auf #5 von Janek
  • Sie hätte besser hingehen und auf dem Messestand laut und deutlich Klartext reden sollen.

    Das wäre nach allem die richtige Reaktion gewesen, aber so einen Eklat herbeizuführen trauen sich nicht einmal die Grünen.
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