Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?33169

Wegen Aussageverweigerung vor Gericht

Chelsea Manning in Beugehaft genommen

Die Whistleblowerin sollte letzte Woche die Fragen einer Grand Jury beantworten. Weil sie sich weigerte, verlor sie erneut ihre Freiheit.


Für manche ist Chelsea Manning eine Heldin für Bürgerrechte, andere sehen sie als Verräterin, die US-Soldaten in Gefahr bringt (Bild: Instagram / xychelsea87)

Seit Freitag sitzt die transsexuelle Whistleblowerin Chelsea Manning wieder hinter Gittern: Ein amerikanischen Gericht in Alexandria (US-Bundesstaat Virginia) hatte am Freitag Beugehaft gegen die 31-Jährige verhängt, weil sie sich zwei Tage vorher offenbar geweigert hatte, vor einer sogenannten Grand Jury (Geschworene in einem nichtöffentlichen Verfahren) über die Enthüllungsplattform Wikileaks auszusagen. Mehr Details über das geheime Verfahren sind nicht bekannt. Laut dem zuständigen Richter soll Manning in Haft bleiben, bis sie eine Aussage macht oder die Grand Jury ihre Arbeit beendet hat.

Kurz vor ihrer Festnahme hatte Manning auf Twitter angekündigt, zu ihren Prinzipen stehen zu wollen. Sie habe "ethische Einwände gegen das Grand-Jury-System", schrieb die Whistleblowerin. Sie habe sich mit Verweis auf mehrere Artikel in der US-Verfassung geweigert, die Fragen zu beantworten.

Twitter / xychelsea

Sieben Jahr in Militärgefangenschaft

Manning war 2010 verhaftet worden, weil sie als Obergefreiter (damals noch mit dem Namen Bradley) WikiLeaks Hunderttausende geheimer Dokumente zugespielt hatte. Diese zeigten unter anderem Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak-Krieg. Nach ihrer Verurteilung zu 35 Jahren Haft outete sich Manning 2013 als Transsexuelle und begann im Militär-Männergefängnis eine Geschlechtsanpassung.

Dass Manning nur sieben Jahren in Haft bleiben musste, verdankte sie Ex-Präsident Barack Obama: Drei Tage vor dem Ende seiner Amtszeit gab der Demokrat bekannt, dass er die Strafe der Whistleblowerin zum großen Teil erlassen werde. Sie wurde am 17. Mai 2017, dem Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie, aus der Militärhaft entlassen (queer.de berichtete).

In der US-Öffentlichkeit und der LGBTI-Szene ist Manning umstritten. Von vielen wird sie als Heldin angesehen, die in der Zeit von "Don't ask, don't tell" nicht mehr Verbrechen des US-Militärs decken wollte. 2014 wurde sie etwa zur Schirmherrin des CSDs in San Francisco ernannt, obwohl sie noch in Haft saß (queer.de berichtete). Unter Konservativen gilt sie aber als Landesverräterin: So wirft ihr die LGBTI-Gruppe innerhalb der Republikanischen Partei vor, das Leben amerikanischer Soldaten gefährdet zu haben (queer.de berichtete).

Manning engagierte sich zuletzt auch parteipolitisch: Sie bewarb sich letztes Jahr um einen Sitz im US-Senat für den Bundesstaat Maryland für die Demokratische Partei (queer.de berichtete). Bei den Vorwahlen unterlag sie aber dem amtierenden Senator Ben Cardin deutlich (Cardin: 80,4 Prozent, Manning: 5,7 Prozent). (cw)



#1 LorenProfil
  • 11.03.2019, 16:41hGreifswald
  • Angesichts der Widerstandskraft von Chelsea Manning wirkt der mutmaßlich kriminelle Egomane im Weißen Haus noch erbärmlicher.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 secret admirerAnonym
  • 11.03.2019, 16:50h
  • Antwort auf #1 von Loren
  • Ja. Auch ich bin voller Bewunderung dafür, wie aufrecht diese Frau all das übersteht, was ihr an Scheußlichkeiten in den vergangenen Jahren widerfahren ist.

    (Außerdem finde ich, dass sie auch in ihrem äußeren Erscheinungsbild richtig viel Stil und Klasse beweist.)
  • Antworten » | Direktlink »
#3 stride_for_justiceAnonym
  • 11.03.2019, 20:35h
  • Unglaublich, diese Machenschaften. Jedes Mal sind es Regierungen, die entweder korrupt handeln oder eigenartige "Regelungen" aufstellen, um eine Person zu demütigen oder unter Druck zu setzen. Aussageverweigerung ist übrigens erlaubt, auch in den USA.

    Chelsea beweißt jedenfalls Aufrichtigkeit und Selbstbewusstsein. Respekt. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, wenn sie nach ihrer ersten Entlassung in ein anderes Land eingereist wäre, um mehr Schutz zu haben(?) Aber ich kann verstehen, dass sie das nicht wollte: schließlich ist es ihre Heimat und sie hat im Prinzip nichts falsch gemacht. Da muss eher die Regierung unter die Lupe genommen werden, wenn sie Menschenrechtsverletzungen verschweigen, die von Soldaten umgesetzt wurden und evtl. von höchster Ebene "erlaubt" wurden(!)

    You've got all my best wishes and I hope you will be supported by an organization like amnesty international. You're a very brave person.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Gerlinde24Profil
  • 12.03.2019, 04:01hBerlin
  • Ich bewundere ihren Mut, und bin in vielen einer Meinung mit ihr. Nur, hier hätte sie reden sollen. Wikileaks hat ne Menge Schaden angerichtet, ihr haben wir unter anderem Donald "ich grabsche jede Pussy" Trump zu verdanken.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Gerlinde24Profil
  • 12.03.2019, 04:09hBerlin
  • Antwort auf #3 von stride_for_justice
  • In Deutschland wie den USA kann ein Richter jemand in Beugehaft nehmen, wenn er glaubt, dass die Aussage wichtig für den Prozess ist. Und hier scheint das so der Fall zu sein.
    Das Geschworenensystem in den USA, unter dem auch ich einmal leiden musste, hat Lücken, weil oft nicht die reinen Fakten, sondern Vorurteile, Ängste und Rassendenken das Urteil der Geschworenen mitbeeinflussen. Doch ein besseres System gibt es momentan in den USA nicht.
    Sie hätte reden sollen. Ein wenig Wahrheit mit vielen nicht nachweisbaren Lügen. Sie hat wie ich für die "Firma" gearbeitet. Sie WEIß, wie so etwas funktioniert! Dann wäre sie nicht mehr im Knast!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 LeonAnonym
  • 12.03.2019, 14:02h
  • Antwort auf #2 von secret admirer
  • Man darf aber nicht vergessen dass sie mit fragwürdigen Leuten zutun hat/ hatte. Ihre Nähe zu Wikileaks und zum Populismus/ sowie Stichwörter wie Verschwörung, Cernovich, und Pizzagate denen gegenüber sie positiv gestimmt war, würde man hier wohl der politischen Querfront zuordnen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 stride_for_justiceAnonym
#8 TheDadProfil
  • 12.03.2019, 23:13hHannover
  • Antwort auf #5 von Gerlinde24
  • Unter "Firma" versteht man hier die CIA..
    Der offizielle Arbeitgeber von Chelsea Manning war nach offiziellen Angaben die United States Army..

    Beugehaft ist in der BRD auf maximal 6 Monate begrenzt..

    In den USA kann sie aber so lange anhalten, wie eine solche "Grand Jury" arbeitet, und das kann Jahre dauern..

    Ausgehend von den Erfahrungen die sie in der Militär-Haft gemacht hat würde ich eine solche Erfahrung nicht wiederholen wollen..
    Dafür gebührt ihr allerhöchsten Respekt..
  • Antworten » | Direktlink »
#9 LorenProfil
  • 12.03.2019, 23:58hGreifswald
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • "In den USA kann sie aber so lange anhalten, wie eine solche "Grand Jury" arbeitet, und das kann Jahre dauern.."

    In diesem Fall offenbar nicht.

    "Manning's attorney, Moira Meltzer-Cohen, said she would likely appeal the order by Judge Claude M. Hilton, and that Manning could be held behind bars for the term of the grand jury but not longer than 18 months. Asked if Manning was prepared to stay imprisoned for 18 months, Meltzer-Cohen said, 'We are not there yet.'"

    edition.cnn.com/2019/03/08/politics/chelsea-manning-detained
    -contempt-wikileaks/index.html


    "Dafür gebührt ihr allerhöchsten Respekt.."

    Das sehe ich genauso.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Gerlinde24Profil
  • 13.03.2019, 07:08hBerlin
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • Unteranander bezeichneten wir die NSA immer als "No such agency". Das hat auch etwas damit zu tun, dass CIA und NSA wie böser Hund gegen böse Katze waren. Wir konnten einander nicht ausstehen!
    In Deutschland der Siebziger beispielsweise, machte die NSA die ganze operative Arbeit, die CIA bekam dafür aber den ganzen Lohn und ein höheres Budget.
    In Bayern, Wiesbaden, Frankfurt und Berlin war niemand deswegen gut auf die CIA zu sprechen.
  • Antworten » | Direktlink »