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Homophobie

Brasilianischer Politiker: Gleichgeschlechtliche Küsse obszön und strafbar

Nach der Amtsübernahme des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro wird die Atmosphäre für sexuelle Minderheiten rauer. Sogar schwule Küsse seien illegal, behauptete jetzt ein Gefolgsmann Bolsonaros.


Der Parlamentsabgeordnete Coronel Tadeu (rechts) hält den gleichgeschlechtlichen Kuss auf dem linken Bild für illegal – hinter den Jungs rechts sitzt Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (im roten Hemd)

Ein Politiker der Partei von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat auf Twitter erklärt, dass gleichgeschlechtliche Küsse obszön seien und daher mit bis zu einem Jahr Haft bestraft werden könnten. Coronel Tadeu, ein 53-jähriger Parlamentsabgeordneter aus São Paulo, postete in dem Tweet das Bild zweier Männer, die sich bei einem Event vor dem sichtlich amüsierten früheren Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva geküsst hatten. Tadeu zeichnete einen Pfeil zum sozialdemokratischen Ex-Staatschef und schrieb dazu: "Bevorzugen Sie einen Präsidenten, der obszöne Akte (nach Artikel 233c Strafgesetzbuch mit sechs Monaten bis einem Jahr Haft zu bestrafen) bekämpft oder einen, der diese als Kunst ansieht?"



Tadeu bezieht sich in diesem Eintrag auf Präsident Bolsonaro, der vor einer Woche auf Twitter ein Video mit einer drastischen öffentlichen Sexszene vom Straßenkarneval veröffentlicht hatte. Darin war unter anderem zu sehen, wie ein Mann auf einen anderen uriniert – Kritiker warfen dem rechtsextremen Staatschef darauf vor, Homophobie zu schüren (queer.de berichtete).

Wird Brasilien das neue Russland?

LGBTI-Aktivisten befürchten nun, dass die neue Regierung versuchen könnte, Homosexuelle mit Hilfe des Strafgesetzbuches ähnlich wie in Russland in der Öffentlichkeit unsichtbar zu machen. Sie befürchten einen großen Rückschlag für das Land, das Homosexualität bereits 1830 legalisierte und in dem seit 2013 landesweit Ehe-Schließungen für gleichgeschlechtliche Paare möglich sind.

Jair Bolsonaro, der immer wieder mit homofeindlichen Äußerungen aufgefallen ist, hatte das Präsidentenamt zu Jahresanfang angetreten (queer.de berichtete). Seine Gegner prangern bereits seit längerem seine rassistischen, frauen- und homofeindlichen Äußerungen an. Sie kritisieren zugleich das unverblümte Lob des 63-Jährigen für die Militärdiktatur in Brasilien (1964 bis 1985).

Bolsonaro ist bereits lange in der Politik aktiv: Zwischen 1991 bis zu seiner Wahl zum Präsidenten gehörte er dem brasilianischen Parlament an. Er forderte unter anderem, eine heterosexuelle Pride-Parade abzuhalten und ein Gesetz gegen die Diskriminierung von Heterosexuellen zu etablieren. International bekannt wurde er durch sein Interview mit Stephen Fry in dessen Dokumentation "Out There" vor sechs Jahren, in dem er die Existenz von homophober Gewalt in Brasilien leugnete und verkündete, dass kein brasilianischer Vater jemals Stolz auf einen schwulen Sohn wäre.

Direktlink | Ausschnitt aus der Doku, in der Stephen Fry auf Bolsonaro traf

International hat Bolsonaro zumindest einen großen Fan: Das Weiße Haus in Washington kündigte kürzlich an, dass der brasilianische Staatschef am 19. März US-Präsident Donald Trump besuchen wird. (dk)



#1 Rollback-WatchAnonym
  • 12.03.2019, 14:30h
  • "Das neue Russland" stimmt nicht, weil es in Russland weiterhin bergab geht dank Putin und den orthodoxen Christen.

    Brasilien wird wohl eher "ein weiteres Russland", dort mit Unterstützung der katholischen Christen.

    Die USA müssen aufpassen, dass sie nicht ebenfalls "ein weiteres Russland" werden durch Agitprop und Lobbyarbeit der evangelischen Christen.
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#2 Simon HAnonym
  • 12.03.2019, 14:43h
  • Das passiert, wenn solche Leute an die Macht kommen. Dann sind sogar schon Küsse strafbar.
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#3 Ralph
#4 lindener1966Profil
  • 12.03.2019, 17:42hHannover
  • Antwort auf #1 von Rollback-Watch
  • In Brasilien sind es aber vor allem die evangelikalen Christen, die ihre extrem freudlose und unmenschliche Ideologie aus den USA dorthin tragen. Diese Gruppen haben in den letzen Jahren enorm an Einfluss gewonnen. Damares Alves z.B. ist zur Ministerin des neu geschaffenen Ministeriums für Familie, Frauen und "Menschenrechte" geworden. Eine knallharte Evangelikale.
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#5 AKK-47Anonym
  • 12.03.2019, 19:37h
  • Währenddessen fällt ebenso in Deutschland eine langjährige Politikerin, mit großen Ambitionen auf das Amt der Regierungschefin, immer wieder durch homophobe Äußerungen auf...

    Erschreckende Parallelen!!!
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#6 ElfolfProfil
  • 13.03.2019, 04:30hHamburg
  • Ich habe von Heteros gehört, wenn die sehen wie sich zwei junge nackte Frauen küssen sind die sowas von erregt, vor lauter Empörung. Wenn wahre Sexualität nur noch unter Ehepaaren im Dunkeln stattfinden darf, muss man neunzig Prozent der Weltbevölkerung wegsperren. Aber sicherheitshalber in Einzelzellen mit den Händen auf dem Rücken. Diese Besessenheit von der Sexualität anderer Menschen hat schon krankhafte Züge.
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#7 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 13.03.2019, 06:54h
  • (Religiöse) Faschisten an der Macht wollen nur eines: Von den eigenen Fehlern durch Sündenböcke ablenken. Und in einem katholisch geprägten Land wie Brasilien, eignen sich Homosexuelle, Transsexuelle, sowie "aufmüpfige" Frauen dazu besonders.
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#8 Gerlinde24Ehemaliges Profil
#9 Rollback-WatchAnonym
#10 ArchivAnonym
  • 13.03.2019, 16:21h
  • Antwort auf #8 von Gerlinde24
  • "Wer die Sexualität der Menschen kontrolliert, kontrolliert den Menschen. Ein sicheres Machtinstrument."

    Das ist eine interessante Bemerkung von einer Userin, die keine einzige Gelegenheit auslässt, Aktfotografien und angeblich allzu offene erotische oder sexuelle Darstellungen zu kritisieren und vom ach so "ästhetischen" Schamgefühl der fünfziger Jahre zu schwärmen.
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