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"Welt"-Interview

SPD-Politiker Kahrs bezeichnet AKK als "reaktionär"

Der SPD-Sprecher für queere Themen erneuert seine Attacke auf die CDU-Chefin – und beteuert, dass seine Partei Kramp-Karrenbauer in dieser Legislaturperiode nicht zur Kanzlerin wählen werde.


SPD-Politiker Johannes Kahrs übt scharfe Kritik an CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer (Bild: Deutscher Bundestag / Werner Schüring)

Der SPD-Bundestagsabgeordneter Johannes Kahrs hat am Dienstag seine Kritik an CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer erneuert und ihr wegen ihrer homophoben Tiraden vorgeworfen, sie sei "reaktionärer als alles, was man sich vorstellen kann". Im Nachrichtensender "Welt" (früher N24) bekräftigte der Chef des konservativen Seeheimer Kreises und der Beauftragte für die Belange von Lesben und Schwulen in der SPD-Bundestagsfraktion auch, dass seine Partei in dieser Legislaturperiode Kramp-Karrenbauer nach einem Rücktritt Angela Merkels nicht zur Kanzlerin wählen werde.

"Wir haben einen Koalitionsvertrag mit der CDU und Frau Merkel. Frau Kramp-Karrenbauer war da nicht vorgesehen", so Kahrs. "Um eine Kanzlerin auszutauschen, braucht es die Zustimmung des Koalitionspartners." Er glaube, dass Merkel bis 2021 regiere. "Und wenn die Union was anderes vorhat, dann muss man ihr das nur rechtzeitig sagen, dass das nicht laufen wird." Die Union können dann "Jamaika reloaded" ausprobieren. "Aber ich persönlich glaube nicht, dass jemand, der politisch so reaktionär ist, Lesben und Schwule seit Jahren immer in die Ecke stellt, die Öffnung der Ehe ablehnt, irgendetwas mit Zukunft zu tun hat oder gar mit der Großen Koalition", sagte Kahrs.

Ausschnitt aus dem Interview mit Kahrs vom Dienstag. Quelle: Nachrichtensender "Welt"

Kramp-Karrenbauer hatte vor rund eineinhalb Wochen mit ihrem Auftritt vor dem Stockacher Narrengericht in Baden-Württemberg für Aufregung gesorgt, als sie erklärte, "Toiletten für das dritte Geschlecht" seien "für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette" (queer.de berichtete). Dafür erntete sie viel Kritik von SPD, FDP, Linkspartei und Grünen – und sogar auch von den Lesben und Schwulen in der Union (queer.de berichtete). Kahrs selbst hatte die CDU-Vorsitzende bereits vor wenigen Tagen als "Niete" bezeichnet (queer.de berichtete).

Twitter / seeheimer | Der Seeheimer Kreis geht auch bei anderen Themen hart mit AKK ins Gericht

FDP kann sich Koalition ohne Neuwahl vorstellen

Der Vorwurf gegen AKK, eine reaktionäre Grundhaltung zu haben, ist nicht neu: Bereits beim Dreikönigstreffen in Stuttgart hatte FDP-Chef Christian Lindner Kramp-Karrenbauer als "reaktionär" bezeichnet und dabei auf ihre homophoben Aussagen verwiesen (queer.de berichtete). Allerdings scheint der 40-Jährige ("Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren") inzwischen mit AKK weniger Probleme zu haben als mit Merkel: Er kündigte am Montag an, dass er sich eine Regierungsbeteiligung auch ohne Neuwahlen vorstellen könne. "Bei einem Angebot, das faire Zusammenarbeit und Profilbildung für jeden der Beteiligten ermöglicht, sind wir dabei. Das ist doch ganz klar", sagte der liberale Parteichef. (dk)



#1 Rollback-WatchAnonym
  • 12.03.2019, 14:23h
  • Dann hoffen mir mal, dass Kahrs und Gleichgesinnte in ihrer Partei Gehör finden. Bislang sind es ja eher die posten- und geldgeilen Nahles und Gabriels, die der im Übrigen schon heute reaktionären CDSU beim Rollback helfen. Durch politisches Rückgrat hat sich die SPD in den vergangenen Jahren ja nicht gerade ausgezeichnet.
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#2 Simon HAnonym
  • 12.03.2019, 14:42h
  • Da hat er vollkommen recht.

    Es geht ja nicht nur um die Verunglimpfung von Trans- und Intersexuellen in ihrer "Karnevalsrede".

    Sondern auch davor hat sie ja schon (ganz außerhalb des Karnevals) schwule und lesbische Paare mit Inzest oder sonst was verglichen. Und das auch auf Nachfrage mehrfach und immer wieder bestätigt.

    So eine Person kann man nicht im 21. Jahrundert zur Kanzlerin eines freiheitlich-demokratischen Staates machen.

    Und ich bin ehrlich:
    ich erwarte auch vor den nächsten Wahlen von allen Parteien eine klare Aussage, ob sie mit einer Union unter einer Kanzlerkandidatin AKK eine Koalition eingehen (also AKK zur Kanzlerin wählen) oder nicht.
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#3 TuriAnonym
  • 12.03.2019, 14:48h
  • Aber immer schön das "diese Legislaturperiode" betonen, man möchte sich ja keine Steine in den Weg legen für die GroKo 2021 nicht war. Die Gefahr, dass dieser Bluff eingefordert wird, ist ja zum Glück niedrig, Merkel wird schon noch bis 2021 Kanzlerin bleiben.

    Die Aussage "Mit AKK als Kanzlerkandidatin gibt es keine Koalition mit der CSU, unter keinen Umständen." wäre die einzige akzeptabel.
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#4 TomDarkProfil
  • 12.03.2019, 15:01hHamburg
  • Nicht nur gesellschaftspolitisch ist AKK reaktionär, sondern auch was die Europa- und Außenpolitik betrifft.

    Die EU-Reformpläne von Macron lehnt sie ab, befürwortet Rüstungsexporte und eine härtere Migrations-und Asylpolitik.

    Die SPD wäre für sie nur ein Klotz am Bein.

    Ich fürchte, die Frau ist so geil auf den Posten der "mächtigsten Frau der Welt", dass ihre populistischen Sprüche nicht zuletzt Taktik waren, um zukünftig die Koalitionsbereitschaft mit der AfD zu signalisieren.
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#5 Ralph
  • 12.03.2019, 15:25h
  • Ich glaub Herrn Kahrs ja, dass das, was er sagt, auch das ist, was er denkt. Ich erinnere mich aber auch, dass er sich in der vorigen Wahlperiode mit nichts in seiner Partei und Fraktion durchsetzen konnte, was mit LSGBTI-Themen zu tun hatte.

    Sollte Frau Merkel in der Mitte der jetzigen Wahlperiode von ihrer Partei gestürzt werden, wäre die einzige Chance der SPD, AKK nicht zur Nachfolgerin zu wählen und deren Machtergreifung mit Hilfe von FDP und Grünen zuzuschauen (wenn die Grünen denn tatsächlich eine Rechtsradikale zur Kanzlerin machen würden). Dann und nur dann könnte die SPD hoffen, bei der nächsten regulären Bundestagswahl glimpflich davonzukommen oder gar Scharen empörter Grünen-Anhänger an sich zu ziehen. Ich vermute aber, dass die Sozialdemokraten die Landtagswahlen dieses Jahres abwarten werden. In Sachsen besteht die Gefahr, dass die SPD aus dem Landtag fliegt und/oder die CDU die AfD in die Regierung holt. Dann müsste die SPD die Koalition sowieso beenden.
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#6 SehrGutAnonym
  • 12.03.2019, 15:32h
  • Danke an Kahrs und diejenigen, die sich nun klar gegenüber AKK distanzieren.
    Diese Distanz ist auch gegenüber der gesamten CDU wichtig. Denn Spahn ist einer, der nicht nur Gutes tut. Und die CDU als solche blockiert unsere Rechte seit Jahrzehnten.

    Deshalb ist es ganz fragwürdig, wenn die FDP mit der CDU koalieren möchte.

    Ich bitte die SPD um kritische Auseinandersetzung mit der CDU für die aktuelle Legislaturperiode, denn die Ziele und Vorhaben gewisser CDUler sind eher benachteiligend für die Gesellschaft als dass sie Verbesserungen bringen.

    Vielleicht gibt es in der SPD eine Person, die als Kanzler/in geeignet ist (zum Beispiel Barley). Auch die Grünen und LINKE können sich entsprechend aufstellen.
    Jedenfalls müssen sie stark bleiben, damit Deutschland sozialer wird und nicht nach rechts kippt.
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#7 GerritAnonym
  • 12.03.2019, 16:03h
  • Aber auch Herr Kahrs betont (wie alle in der SPD) nur, dass es IN DIESER Legislaturperiode keine Wahl von AKK zur Kanzlerin durch die SPD geben wird.

    Was nach der nächsten Wahl oder nach vorgezogener Neuwahl sein wird, hält die SPD sich wieder mal offen. Daran erkennt man, dass die nicht generell eine Koalition unter AKK ablehnen, sondern nur für diese Legislaturperiode taktieren. Es geht nicht um Überzeugungen, sondern nur um Taktik.

    Wenn die SPD wirklich der Meinung ist, dass eine reaktionäre Person wie AKK nicht zur Kanzlerin geeignet ist, sollte sie eine Koalition unter AKK generell ausschließen. So lange sie das nur temporär macht, ist das wieder mal Wählerverarsche.
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#8 GerritAnonym
  • 12.03.2019, 16:07h
  • Antwort auf #2 von Simon H
  • Volle Zustimmung.

    Ich möchte nicht eine Regierungschefin haben, die mich mit Inzest und anderen kriminellen Machenschaften vergleicht, nur weil ich mit einem Mann zusammen lebe.

    Und entsprechend ist für mich nicht nur die Union tabu, sondern ich kann auch keine Partei wählen, die unter der Bedingung mit der Union koalieren würde und dann AKK zur Kanzlerin wählen würde.

    Aus diesem Grund erwarte ich von allen Parteien, dass sie klar und unmissverständlich Farbe bekennen. Wer AKK zur Kanzlerin wählen würde oder sich nicht dazu äußert, ist für mich unwählbar.

    Ich kann nur Parteien wählen, die es definitiv und unter allen Umständen ablehnen, AKK zur Kanzlerin zu wählen.
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#9 Mein Gott WalterAnonym
  • 12.03.2019, 16:45h
  • Antwort auf #8 von Gerrit
  • Findest Du es wirklich in Ordnung Inzest mit "anderen kriminellen Machenschaften" zu vergleichen oder meinst Du nicht auch, dass Du Dich da mit schnellem Schritt AKK's Niveau annäherst?
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#10 Julian SAnonym
  • 12.03.2019, 16:45h
  • Antwort auf #8 von Gerrit
  • Auch ich werde bei der nächsten Wahl meine Entscheidung davon abhängig machen, welche Parteien eine Wahl AKKs zur Kanzlerin definitiv ausschließen und welche das nicht tun oder sich gar nicht festlegen.

    Und wenn das keine der Bundestags-Parteien tun sollte (was ich nicht glaube, mindestens die Linke wird das ausschließen, hoffentlich auch die Grünen) werde ich denen nicht den Gefallen tun, gar nicht zu wählen, sondern würde immer noch eher eine chancenlose Splitterpartei wählen. Das verändert zwar nicht die Zusammensetzung im Parlament, aber zumindest die Parteien-Finanzierung und das trifft die dann. Außerdem weiß dann jeder, dass ich nicht aus Faulheit nicht wählen war, sondern wirklich Protest kundgetan habe.

    Aber wie gesagt:
    ich gehe davon aus und hoffe, dass mindestens 1-2 Bundestagsparteien die Wahl AKKs zur Kanzlerin ausschließen. Und nur die werden für mich in die engere Auswahl kommen.

    PS:
    Wäre gut, wenn auch der LSVD das in seine nächsten Wahlprüfsteine aufnehmen würde, ob eine Partei eine reaktionäre Person wie AKK zur Kanzlerin wählen würde oder nicht.
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