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Kindesmissbrauch

Homophober Kardinal muss sechs Jahre in Haft

Einer der mächtigsten katholischen Würdenträger der letzten Jahre muss in Australien ins Gefängnis, weil er Chorknaben sexuell missbraucht hatte.


George Kardinal Pell streitet alle Vorwürfe ab – und hat bereits Berufung gegen das Urteil eingelegt (Bild: Kerry Myers / wikipedia)

Ein Gericht in Melbourne hat George Kardinal Pell am Mittwoch wegen Kindesmissbrauchs zu sechs Jahren Haft verurteilt. Pell, als Finanzchef des Vatikans die Nummer drei in der Kirchenhierarchie, war bereits im Dezember für schuldig befunden worden, in den Neunzigerjahren zwei damals 13-jährige Chorknaben sexuell missbraucht zu haben (queer.de berichtete).

Der 77-Jährige ist der hochrangigste Kirchenvertreter, der je wegen Missbrauchs verurteilt wurde. Allerdings fiel das von Richter Peter Kidd gesprochene Urteil relativ mild aus – Pell hatten nach dem Schuldspruch bis zu 50 Jahre Haft gedroht.

Twitter / SkyNewsAust | Die Verurteilung wurde live im australischen Fernsehen übertragen

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, hat Pell nach drei Jahren und acht Monaten die Möglichkeit, einen Antrag auf vorzeitige Entlassung zu stellen. Der Kurienkardinal streitet jedoch sämtliche Vorwürfe ab und hat bereits Berufung gegen das Urteil eingelegt. Ein Prozess ist für Juni anberaumt.

Pell machte jahrzehntelang Stimmung gegen Schwule und Lesben

Pell war in Australien stets auch eine politische Figur, der unter anderem den Klimawandel für eine Lüge hielt. Seit Jahrzehnten machte er auch Stimmung gegen sexuelle Minderheiten. Bereits 1990 sagte er zur Homosexualität: "Wir wissen, dass sie existiert. Wir glauben, dass eine solche Aktivität falsch ist und zum Wohle der Gesellschaft nicht dazu ermutigt werden sollte." In einer Messe weigerte er sich 2002, schwulen und lesbischen Gläubigen, die mit Regenbogenschleifen zum Gottesdienst erschienen waren, die Kommunion zu erteilen: "Gott hat Adam und Eva erschaffen und nicht Adam und Steve", sagte er in der Messe. Homosexuelle Aktivitäten seien gegen das Naturrecht.

Vor seinen Wechsel nach Rom galt Pell als einer der größten Kämpfer gegen die rechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren in Australien. Die Ehe gehöre nicht dem Staat, sondern sei eine "Erfindung der Natur", sagte er. Es sei ein "schweres Unrecht", wenn Kinder "einem Vater und einer Mutter entzogen" würden. Das Recht auf Ehe sei ein Menschenrecht, das aber beschränkt sei auf eine Verbindung aus Mann und Frau, die Kinder hervorbringe.

Propagadaschlacht in den australischen Medien

In Australien schlug der Prozess gegen den katholischen Würdenträger hohe Wellen. In konservativen Medien, die zum großen Teil vom australischstämmigen US-Medienmogul Rupert Murdoch ("Fox News Channel") kontrolliert werden, wurde er als Opfer einer Verschwörung dargestellt. Seit Monaten hagelte es Vorwürfe gegen Geschworene, das Gericht und das Justizsystem des Landes. Unterstützung erhielt Pell dabei auch von zwei ehemaligen Premierministern: John Howard (1994-2007) attestierte dem Kardinal "einen exemplarischen Charakter", Tony Abbott (2013-2015) sprach ihm öffentlich das Vertrauen aus. Beide Mitglieder der konservativen "Liberal Party" einen auch viele politische Ansichten mit dem Kardinal – etwa die pauschale Ablehnung von LGBTI-Rechten.

Die katholische Kirche steht derzeit in mehreren Ländern wegen Missbrauchsvorwürfen unter Druck. Viele hochrangige Katholiken, darunter etwa auch der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, lehnen jedoch jegliche Verantwortung für die Straftaten ab und machen pauschal Homosexuelle für den Missbrauch verantwortlich.

Das führt zu teils bizarren Statements aus der Kirche: So verlangte die katholische Diözese im amerikanischen Brooklyn am Montag eine Entschuldigung von den Machern der Sketchshow "Saturday Night Live", weil Komiker Pete Davidson darin Katholiken mit Fans des Sängers R. Kelly verglichen hatte, der ebenfalls wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht steht. Es gebe, so Davidson, nur einen Unterschied zwischen den beiden Gruppen – eine Seite mache bessere Musik. In einer Pressemitteilung schrieb das Bistum am Montag empört zum SNL-Scherz: "Es ist wahrscheinlich, dass keine andere Institution als die katholische Kirche mehr dafür getan hat, sexuellen Missbrauch zu bekämpfen und zu verhindern." (dk)

Direktlink | Bericht über die Entschuldigungsforderung an SNL



#1 Patroklos
  • 13.03.2019, 09:56h
  • Der Katholischen Kirche wird einmal mehr wieder bewußt, daß sie nicht über dem Gesetzt steht und Eminenz wird nun für sechs Jahre hinter Schloß und Riegel verbringen!
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#2 Ralph
  • 13.03.2019, 10:03h
  • Ich halte die Strafe für angemessen, alllerdings sehe ich für eine vorzeitige Freilassung keinen Grund. Ich gratuliere der australischen Justiz, dass sie der Franziskusbande unmissverständlich klar macht, auch sie steht nicht über dem Gesetz.
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#3 Religioten-WatchAnonym
  • 13.03.2019, 10:16h
  • Antwort auf #1 von Patroklos
  • Das ist richtig, allerdings stehen diese christlichen Anführer nur außerhalb Deutschlands nicht über dem Gesetz. In der Kirchenrepublik Deutschland gehen solche christlichen Verbrecher nicht in den wohlverdienten Knast, sondern werden vom poiltischen Arm der Christen den Opfern als Ansprechpartner zur nicht gewollten "Aufarbeitung" zugemutet!

    www.kirchenaustritt.de
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#4 Carsten ACAnonym
  • 13.03.2019, 10:23h
  • Da sieht man wieder mal zwei Dinge:

    1. Die Skandale der Kirche reichen bis in die obersten Etagen hinein. Wir kennen wohl bisher nur die Spitze des Eisbergs.

    2. Die hetzten nur gegen andere, um von sich selbst abzulenken.
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#5 GerritAnonym
  • 13.03.2019, 10:45h
  • Wie sagte mir mal ein ehemaliges Mitglied der Kinderschänder-Sekte:
    "Ich bin aus diesem unchristlichen Verein ausgetreten, gerade WEIL ich Christ bin."

    Normalerweise sollte man meinen, dass die jetzt ganz kleine Brötchen backen und froh sind, dass sie überhaupt noch Dumme finden, die nicht angewidert davonlaufen. Aber nein, dann legt dieser geld- und machtgeile Verein auch noch eine Arroganz an den Tag, dass man sich fragt, ob die jetzt komplett jeden Realitätssinn verloren haben...
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#6 Julian SAnonym
  • 13.03.2019, 10:59h
  • Antwort auf #5 von Gerrit
  • Ich verstehe eh nicht, warum die überhaupt noch "Schäfchen" haben, die mit ihrer Mitgliedschaft deren Machenschaften ideologisch und finanziell fördern. Haben deren Mitglieder gar kein Gewissen mehr?

    Es geht ja nicht nur um massenhaften Kindesmissbrauch und dessen systematische Vertuschung. Sondern es geht auch um dubiose Finanz- und Immobiliendeals, etc. etc. etc.

    Aber wie sagt man so schön:
    Um ein gutes Mitglied einer Schafherde zu sein, muss man vor allem eines sein - ein Schaf.
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#7 LorenProfil
#8 KaktusAnonym
  • 13.03.2019, 17:17h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Bis zu 50 Jahre hätte der bekommen sollen. Für Kindesmißbrauch kann eine Strafe nicht hoch genug ausfallen. Die Kinder/Jugendliche werden solche grausamen Erlebnisse nie vergessen und müssen den Rest ihres Lebens damit fertig werden. Die Justiz war diesen perversen viel zu gnädig. Da gibt es nichts zu gratulieren. Informiere dich erst einmal darüber was Opfer durch machen und mach dir mal darüber Gedanken bevor du so ein dummes Zeug schreibst. Das war wirklich voll daneben.
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#9 sanscapote
  • 13.03.2019, 19:24h
  • Alle mögen das Buch SODOMA von Frédéric Martel lesen, das im vergangenen Mont erschien. Es unterrichtet schonungslos über die Machenschaften der Priesterschaft im Vatican.
    Es entlarvt die gesamte Cathosekte als menschenverachtend und menschenschädlich. Martel schreibt 80% aller Priester seien schwul. Ich erhöhe auf 99%. Es gibt das Buch allerdings nicht auf deutsch.
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#10 MarthaAnonym
  • 14.03.2019, 08:01h
  • Das Urteil ist- wie befürchtet, eine Farce. Blanker Hohn gegenüber den Opfern. Aber daran sieht man, wie tief das korrupte Verhältnis zws. Staat und Kirche ist. Und der Staat braucht die Kirche unbedingt für ihre Propaganda-Zwecke: Damit das Volk ja schön zusammengehalten wird- so kann man es besser steuern. Genaugenommen leistet z.B. in Deutschland der Staat durch die Kirchensteuereintreibung, Beihilfe zur Finanzierung und Vertuschung einer kriminellen Vereinigung die sich der systematischen Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig gemacht hat. Auf internationaler Ebene gehört der Papst-als Anführer einer Sekte, schon längst vor dem Menschengerichtshof gestellt. Aber natürlich wird das nie passieren, weil die Justiz der Handlanger der Politik ist und genauso korrupt ist. Von wegen unabhängig...Das Ganze ist bitter für die Opfer und nur schwer zu ertragen.
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