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Kindesmissbrauch
Homophober Kardinal muss sechs Jahre in Haft
Einer der mächtigsten katholischen Würdenträger der letzten Jahre muss in Australien ins Gefängnis, weil er Chorknaben sexuell missbraucht hatte.

George Kardinal Pell streitet alle Vorwürfe ab – und hat bereits Berufung gegen das Urteil eingelegt (Bild: Kerry Myers / wikipedia)
- 13. März 2019, 08:51h 3 Min.
Ein Gericht in Melbourne hat George Kardinal Pell am Mittwoch wegen Kindesmissbrauchs zu sechs Jahren Haft verurteilt. Pell, als Finanzchef des Vatikans die Nummer drei in der Kirchenhierarchie, war bereits im Dezember für schuldig befunden worden, in den Neunzigerjahren zwei damals 13-jährige Chorknaben sexuell missbraucht zu haben (queer.de berichtete).
Der 77-Jährige ist der hochrangigste Kirchenvertreter, der je wegen Missbrauchs verurteilt wurde. Allerdings fiel das von Richter Peter Kidd gesprochene Urteil relativ mild aus – Pell hatten nach dem Schuldspruch bis zu 50 Jahre Haft gedroht.
/ SkyNewsAust | Die Verurteilung wurde live im australischen Fernsehen übertragenJustice Peter Kidd at the sentencing of Cardinal George Pell to other victims of clerical or institutional sexual abuse:
Sky News Australia (@SkyNewsAust) March 12, 2019
'This sentence is not and cannot be a vindication of your trauma.'
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Sollte das Urteil rechtskräftig werden, hat Pell nach drei Jahren und acht Monaten die Möglichkeit, einen Antrag auf vorzeitige Entlassung zu stellen. Der Kurienkardinal streitet jedoch sämtliche Vorwürfe ab und hat bereits Berufung gegen das Urteil eingelegt. Ein Prozess ist für Juni anberaumt.
Pell machte jahrzehntelang Stimmung gegen Schwule und Lesben
Pell war in Australien stets auch eine politische Figur, der unter anderem den Klimawandel für eine Lüge hielt. Seit Jahrzehnten machte er auch Stimmung gegen sexuelle Minderheiten. Bereits 1990 sagte er zur Homosexualität: "Wir wissen, dass sie existiert. Wir glauben, dass eine solche Aktivität falsch ist und die Gesellschaft zu ihrem eigenen Wohl nicht dazu ermutigt werden sollte." In einer Messe weigerte er sich 2002, schwulen und lesbischen Gläubigen, die mit Regenbogenschleifen zum Gottesdienst erschienen waren, die Kommunion zu erteilen: "Gott hat Adam und Eva erschaffen und nicht Adam und Steve", sagte er in der Messe. Homosexuelle Aktivitäten seien gegen das Naturrecht.
Vor seinen Wechsel nach Rom galt Pell als einer der größten Kämpfer gegen die rechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren in Australien. Die Ehe gehöre nicht dem Staat, sondern sei eine "Erfindung der Natur", sagte er. Es sei ein "schweres Unrecht", wenn Kinder "einem Vater und einer Mutter entzogen" würden. Das Recht auf Ehe sei ein Menschenrecht, das aber beschränkt sei auf eine Verbindung aus Mann und Frau, die Kinder hervorbringe.
Propagadaschlacht in den australischen Medien
In Australien schlug der Prozess gegen den katholischen Würdenträger hohe Wellen. In konservativen Medien, die zum großen Teil vom australischstämmigen US-Medienmogul Rupert Murdoch ("Fox News Channel") kontrolliert werden, wurde er als Opfer einer Verschwörung dargestellt. Seit Monaten hagelte es Vorwürfe gegen Geschworene, das Gericht und das Justizsystem des Landes. Unterstützung erhielt Pell dabei auch von zwei ehemaligen Premierministern: John Howard (1994-2007) attestierte dem Kardinal "einen exemplarischen Charakter", Tony Abbott (2013-2015) sprach ihm öffentlich das Vertrauen aus. Beide Mitglieder der konservativen "Liberal Party" einen auch viele politische Ansichten mit dem Kardinal – etwa die pauschale Ablehnung von LGBTI-Rechten.
Die katholische Kirche steht derzeit in mehreren Ländern wegen Missbrauchsvorwürfen unter Druck. Viele hochrangige Katholiken, darunter etwa auch der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, lehnen jedoch jegliche Verantwortung für die Straftaten ab und machen pauschal Homosexuelle für den Missbrauch verantwortlich.
Das führt zu teils bizarren Statements aus der Kirche: So verlangte die katholische Diözese im amerikanischen Brooklyn am Montag eine Entschuldigung von den Machern der Sketchshow "Saturday Night Live", weil Komiker Pete Davidson darin Katholiken mit Fans des Sängers R. Kelly verglichen hatte, der ebenfalls wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht steht. Es gebe, so Davidson, nur einen Unterschied zwischen den beiden Gruppen – eine Seite mache bessere Musik. In einer Pressemitteilung schrieb das Bistum am Montag empört zum SNL-Scherz: "Es ist wahrscheinlich, dass keine andere Institution als die katholische Kirche mehr dafür getan hat, sexuellen Missbrauch zu bekämpfen und zu verhindern." (dk)
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