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Kirchliches Arbeitsrecht
Katholischer Generalvikar: Homophobie "kostet Glaubwürdigkeit"
Der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer, macht sich für schwule und lesbische Kirchenmitarbeiter stark. Auf ihre Ressourcen dürfe die Diözese nicht verzichten.

Peter Beer, Jahrgang 1966, ist seit 2010 Generalvikar der Erzdiözese München und Freising (Bild: Sankt Michaelsbund)
- 16. März 2019, 15:32h 3 Min.
Mit Blick auf geringer werdende personelle und finanzielle Ressourcen hat der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer, dazu aufgerufen, jetzt entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft vorzunehmen. "Wir sind nicht nur für uns verantwortlich, sondern auch für die nach uns", sagte Beer bei der Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken am Samstag in Oberschleißheim.
Als eine Herausforderung nannte es Beer, kirchliche Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. "Ich muss Menschen ernst nehmen in ihrer Eigenverantwortung. Es kommt keiner mehr in den kirchlichen Dienst, wenn wir Loyalitätsverpflichtungen haben, die als willkürlich erlebt werden", betonte Beer. Auf Landes- und Bundesebene werde bereits daran gearbeitet, zu einem neuen kirchlichen Arbeitsrecht zu kommen. Leitgedanke dürften nicht mehr die Voraussetzungen sein, die Menschen erfüllen müssten, um bei der Kirche zu arbeiten, sondern umgekehrt, welche Ressourcen Menschen mitbrächten und im kirchlichen Dienst einbringen könnten.
Beer: Homosexuelle machen gute Arbeit
Kirche müsse sich auch überlegen, wie sie beispielsweise mit schwulen und lesbischen Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen umgehen wolle, "die bei der Kirche sind, sich engagieren, sich einbringen, bei denen wir aber so tun, als gebe es sie nicht. Das kostet Glaubwürdigkeit!" Die Realität sei, dass homosexuelle Menschen als Priester und in anderen Berufsfeldern gute Arbeit machten, sagte der Generalvikar: "Man muss das benennen können, sonst verlieren wir Menschen, die sich sehr stark identifizieren, die sich einbringen wollen."
Regelmäßig treffe er homosexuelle Mitarbeiter zum Austausch, sagte Beer. "Es macht mich traurig, wenn sie zu mir sagen, sie trauen sich nicht zu sagen, wie sie veranlagt sind, weil es auch Pfarrgemeinden gibt, wo sie mit Nachteilen zu rechnen haben, weil ihre Veranlagung vorurteilsbehaftet ist." Hier müsse Kirche gegensteuern. Bereits im vergangenen Jahr hatte Beer die "unerträgliche Diskriminierung" von Homosexuellen in der innerkirchlichen Missbrauchsdebatte kritisiert (queer.de berichtete).
"Grundlegende Wandlung" gefordert
Es gehe nun darum, eine gemeinsame Strategie zu erarbeiten, "die möglichst von allen getragen oder zumindest akzeptiert wird", sagte der Generalvikar. "Wir müssen zusammenführen, zusammenhalten, um weiterzukommen." Der Wille zu gestalten sei da, nun gehe es um mutige Veränderungen. "Wir glauben, dass Gott uns auf unserem Weg begleitet", so Beer. "Dann können wir, dann müssen wir zuversichtlich in die Zukunft schauen." Zur Glaubwürdigkeit der Kirche gehöre wesentlich auch, "wie wir mit Wandel umgehen: Sind wir zur Wandlung bereit, zu einer grundlegenden Wandlung, damit wir auch die Welt verwandeln können?"
Schwerpunkt der Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats unter dem Titel "Quo vadis, Erzdiözese?", zu der rund 170 Teilnehmer aus den Pfarrgemeinderäten und Verbänden in Oberschleißheim zusammenkamen, war die zukünftige Entwicklung der Erzdiözese München und Freising. Der Diözesanrat ist das oberste Laiengremium. (cw/pm)














