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Porträt
Putin-Kritikerin und wichtige Stimme für LGBTI-Rechte
Die lesbische Journalistin Masha Gessen ist eine scharfe Kritikerin von Präsident Wladimir Putin. Jetzt wird sie für ein Buch über Russland mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet.

Masha Gessen siedelte 2013 wegen der zunehmenden Homophobie in Russland von Moskau nach New York City. Im selben Jahr erhielt sie den schwedischen Tucholsky-Preis für Schriftsteller, die im eigenen Land verfolgt oder bedroht werden und daher im Exil leben müssen (Bild: MIT Media Lab / flickr)
- 17. März 2019, 09:50h 2 Min.
Die russisch-amerikanische Schriftstellerin Masha Gessen gilt als eine der wichtigsten Stimmen zum Thema Homosexualität und Menschenrechte in Russland. Bekannt wurde sie mit Büchern über den russischen Präsidenten Wladimir Putin, die feministische Punkgruppe Pussy Riot sowie den Attentätern vom Boston Marathon.
Gessen lebt offen lesbisch und hat die gegen LGBTI gerichtete Politik Russlands mehrfach scharf kritisiert. Gessen erhält an diesem Mittwoch den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2019. Sie wird für ihr Buch "Die Zukunft ist Geschichte. Wie Russland die Freiheit gewann und wieder verlor" (Amazon-Affiliate-Link ) ausgezeichnet.
Solidarisch mit schwulen Aids-Opfern
Geboren wurde die Autorin 1967 als Maria Alexandrowna Gessen in Moskau und wanderte 1981 als Jugendliche mit ihren Eltern in einer der letzten jüdischen Emigrationswellen in die USA aus. Ihre Mutter arbeitete als Literaturkriterin, ihr Vater als Computeringenieur. Gessen pendelte zwischen San Francisco, Boston und New York und befasste sich als Journalistin zunehmend mit HIV und dem Kampf der Gay-Community gegen die Infektionskrankheit. 1996 kehrte sie nach Moskau zurück, um dort als Journalistin zu arbeiten.
2004 wurde bei Gessen der Gendefekt BRCA1 festgestellt, der das Risiko auf Brust- und Eierstockkrebs deutlich erhöht. 2005 ließ sie sich daraufhin beide Brüste abnehmen. Ihren Entscheidungsprozess veröffentlichte sie als Tagebuch beim Online-Magazin "Slate". Die Debatte um Erbgut griff sie 2008 auch in ihrem Buch "Blood Matters: A Journey Along the Genetic Frontier" auf.
Flucht aus Russland zurück in die USA
Wegen der zunehmenden LGBTI-Feindlichkeit in Russland und aus Angst vor politischer Verfolgung zog Gessen 2013 erneut in die USA. Sie ist in zweiter Ehe mit einer Frau verheiratet und hat drei Kinder. Ihren Adoptivsohn lernte sie als Baby in einem Waisenhaus für HIV-Kinder im russischen St. Petersburg kennen, ihre erste Tochter bekam sie bald darauf nach jahrelangen Versuchen, sich künstlich befruchten zu lassen.
Zu Gessens bekanntesten Titeln zählt heute "Der Mann ohne Gesicht" über Präsident Putin. Ihn bezeichnete sie im Magazin "Vanity Fair" als "aufstrebenden Schurken", mit dessen Vereidigung die "Rückwärts-Evolution Russlands" begonnen habe. Gessen hat zudem unter anderem für die "New York Times", die "International Herald Tribune" und den "Guardian" geschrieben. Zu ihrer Arbeitsroutine sagte sie 2016: "Ich stehe mittags auf. Ich arbeite bis vier Uhr morgens." (cw/dpa)
Links zum Thema:
» Masha Gessen auf Twitter
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