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Streit um den Lehrplan

England: Radikale Muslime verhindern LGBTI-Unterricht

Auf Druck von religiösen Aktivisten haben mehrere Schulen in Birmingham LGBTI-Unterricht eingestellt. Sogar das Unterhaus debattiert jetzt darüber, ob Homosexualität an Schulen erwähnt werden soll.


Amir Ahmed erklärt, er glaube nicht an Homosexualität, daher sei das Thema aus dem Unterricht zu verbannen (Bild: Screenshot BBC)

  • 20. März 2019, 16:14h 25 3 Min.

Mehrere Grundschulen in der britischen Millionenstadt Birmingham haben laut der BBC auf Druck von mehrheitlich muslimischen Eltern Unterrichtsstunden des sogenannten "No Outsiders"-Projekts vorerst beendet. Das Projekt soll Kindern Toleranz gegenüber anderen Gruppen – etwa Menschen mit anderem ethnischen Hintergrund, einem anderen Geschlecht oder einer anderen sexuellen Orientierung – beibringen. Einer der Anführer der homophoben Proteste ist Amir Ahmed, der seine Abneigung gegenüber Homosexuellen mit seinem muslimischen Glauben verteidigt.

"Wir haben traditionelle Familienwerte. Wir akzeptieren Homosexualität moralisch nicht als berechtigte sexuelle Beziehung", so Ahmed gegenüber der BBC. Er lehnte es trotz dieser Worte aber ab, als homophob bezeichnet zu werden. "Das ist so, als ob man einen, der nicht an den Islam glaubt, beschuldigt, islamophob zu sein." Ahmed erklärte weiter, er und seine Community seien "respektvoll und tolerant" gegenüber britischen Werten, man fühle sich aber wegen des Unterrichts als Opfer.

Bereits Anfang des Monats hatte eine Schule, in der 98 Prozent der Kinder aus muslimischen Haushalten kamen, den Toleranz-Unterricht eingestellt. Diese Woche folgten vier weitere Schulen. Eine der Schulen erklärte, man habe diesen Unterricht bis zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan eingestellt, der am 4. Juni endet.


Protestaktion gegen das "No Outsiders"-Projekt in Birmingham

Das "No Outsiders"-Programm war von einem Rektor aus Birmingham 2014 ins Leben gerufen worden. Es wurde von der regionalen Schulaufsichtsbehörde Ofsted genehmigt.

Der ebenfalls in Birmigham ansässige muslimische LGBTI-Aktivist Khakan Qureshi erklärte, das "No Outsiders"-Projekt sei wichtig: "Ich und viele andere wussten schon vom frühen Alter an, dass wir anders waren. Wir hätten uns gewünscht, einen solchen Unterricht zu haben." Er erklärte weiter, dass er nicht glaube, dass die gesamte muslimische Community homophob sei. Derzeit gebe es aber Agitatoren, die andere aufpeitschten.

Kampf gegen neuen Lehrplan

Auch radikale Christen kämpfen in Großbritannien gegen die Erwähnung von Homo- oder Transsexualität im Unterricht. Mehrere christliche Organisationen wehren sich gegen einen vom Bildungsministerium entwickelten neuen Lehrplan, nach dem sich Grundschüler in England künftig mit verschiedenen Art von Familien beschäftigen sollen. Eine Petition an das Unterhaus, die zum Ziel hat, diesen Unterricht zu verhindern, wurde Anfang des Jahres von mehr als 114.000 Menschen unterzeichnet.

Vergangenen Monat veranstaltete die homophobe Organisation "Christian Concern" vor dem Unterhaus eine Demonstration mit 100 Teilnehmern gegen den neuen Lehrplan. Die Aktivisten behaupteten, die Erwähnung von Homosexualität im Unterricht würde Elternrechte beschneiden.

LGBTI-Unterricht war Thema im Unterhaus

Der Streit um Toleranz an Schulen erreichte am Mittwoch sogar das Unterhaus während der Fragestunde der Premierministerin. Der offen schwule Labour-Abgeordnete Lloyd Russell-Moyle erinnerte Regierungschefin Theresa May daran, dass sie einst selbst das homophobe Gesetz Section 28 unterstützt habe, eine Art Homo-"Propaganda"-Gesetz an Schulen aus der Thatcher-Ära, das erst 2003 abgeschafft wurde (queer.de berichtete).

Homosexuelle wie er selbst seien wegen dieses Gesetzes nur angsterfüllt in die Schule gegangen. Mit Blick auf aktuelle homophobe Äußerungen aus der konservativen Fraktion fragte Russell-Moyle: "Werden Sie die Fanatiker verurteilen, die nicht wollen, dass LGBT an Schulen gehört werden? Wollen Sie die Schulaufsichtsbehörde unterstützen, dass es gute LGBT-Bildung an unseren Schulen gibt?"

/ BBCPolitics | Russell-Moyle kritisierte, dass die konservative und homophobe Politikerin Andrea Leadsom in einem Radiointerview gesagt hatte, dass sie Aufklärung an Schulen unterstütze, Eltern aber entscheiden sollten, wann Kinder diesen "ausgesetzt" würden
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May antwortete ausweichend auf die Frage und erklärte, sie werde dem Labour-Politiker Informationen zu den Grundlinien der Schulpolitik zukommen lassen. Bei ihrer Antwort waren aus den Oppositionsbänken Zwischenrufe zu hören – Labour-Abgeordnete brüllten "Schande" und "Das ist erbärmlich". (dk)

-w-

#1 ChristineAnonym
#2 Sven100Anonym
  • 20.03.2019, 17:51h
  • Die Entwicklung geht in Richtung Parallelgesellschaften. Auch in deutschen Großstädten gibt es Schulen mit über 90 % Moslems. Diese Kinder und ihre Eltern wird man nicht mit Aufklärung oder mit Demonstrationen erreichen können.
    Ich sehe keine Lösung für dieses Problem...
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#3 goddamn liberalAnonym
  • 20.03.2019, 17:59h
  • Antwort auf #1 von Christine
  • Ja, das ist sicher so.

    Viele dieser Protestierer haben einen pakistanischen Background und das ist leider nicht gerade die Speerspitze des Fortschritts in der sog. islamischen Welt.

    Die Briten haben auch aufgrund ihrer nicht aufgearbeiteten brutalen Kolonialvergangenheit oft Hemmungen, solche Reaktionäre in die Schranken zu weisen, die ja in ihrem Verständnis britischer sind als Zuwanderer aus Kontinentaleuropa.

    Zudem gibt es in diesem durch den Brexit isolierten Land mit Staatskirche einschließlich königlichem Oberhaupt keine laizistische Tradition wie in Frankreich oder auch der Türkei.
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