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Konferenz in Neuseeland

ILGA stellt Bericht über staatlich geförderte Homophobie vor

Die weltweit agierende queere Dachorganisation zeigt in ihrem neuesten Bericht, dass staatliche Homo- und Transphobie noch lange nicht überwunden ist.


So sieht es laut der neuen ILGA-Landkarte mit LGBTI-Rechten in Europa und den angrenzenden Gebieten aus (Bild: ILGA)

Die International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) hat am Mittwoch bei ihrem Treffen mit 500 Aktivisten aus 100 Ländern im neuseeländischen Wellington die neueste Ausgabe des Berichtes "State Sponsored Homophobia" (PDF) vorgestellt. Auf über 500 Seiten wird der jeweilige staatliche Umgang mit sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten in den 193 UN-Mitgliedsstaaten analysiert. In einer neu veröffentlichten Landkarte (PDF) wird außerdem die Situation in allen Ländern grafisch dargestellt. Die ILGA World Conference findet in der Regel alle zwei bis drei Jahre statt – die letzte Treffen gab es im Herbst 2016 in Bangkok.

"Im März 2019 kriminalisieren noch immer 70 Länder einvernehmliche gleichgeschlechtliche Aktivitäten. In 44 dieser Länder wird das Gesetz unabhängig vom Geschlecht angewandt", erklärte Berichterstatter Lucas Ramón Mendos. "In den letzten zwei Jahren gab es einschneidende Fortschritte: Indien, Trinidad und Tobago sowie Angola sind die neuesten Länder, die derartige Gesetze abgeschafft haben. Hoffentlich wird dies auch zu Reformen in anderen Ländern dieser Region beitragen. Allerdings gibt es diese Fortschritte nicht ohne Rückschlag: So hat der Tschad 2017 gleichgeschlechtliche Akte zur Straftat gemacht. Das ist ein besorgniserregendes Beispiel einer Rückwärtsbewegung."

Twitter / ILGAWORLD | Die ILGA kämpft seit inzwischen über 40 Jahren für queere Menschenrechte

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Mehrere Länder bedrohen Homosexuelle mit dem Tod

Weitere zentrale Ergebnisse des Berichtes: Sechs UN-Mitgliedsstaaten verhängen im Strafgesetzbuch die Todesstrafe auf Homosexualität (Landesweit: Iran, Saudi-Arabien, Jemen, Sudan, regional: Somalia, Nigeria). In fünf weiteren Staaten ist diese Strafe theoretisch möglich (Pakistan, Afghanistan, Vereinigte Arabische Emirate, Katar und Maurentanien). 32 Staaten schränken die Redefreiheit um Fragen der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität ein; 41 Staaten behindern die Gründung von LGBTI-Organisationen.

Twitter / ILGAWORLD | Mehr als ein Drittel der UN-Mitgliedsstaaten kriminalisieren Homosexualität

Auf der anderen Seite gibt es 73 Staaten, die Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund des Merkmales sexuelle Orientierung verbieten; neun Staaten haben diese Antidiskriminierung sogar in ihrer Verfassung verankert. 26 Staaten haben die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet, 27 Staaten bieten immerhin eine begrenzte Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Ein weiteres Ergebnis: Bislang verbieten nur drei Länder pauschal den Versuch der Homo-"Heilung". Ein derartiges Gesetz soll nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in den nächsten Monaten auch in Deutschland beschlossen werden (queer.de berichtete).

Die ILGA war 1978 in England gegründet worden. Dem Dachverband gehören mehr als 1.300 LGBTI-Organisationen aus aller Welt an, allein aus Deutschland sind es rund 50. Seit 2011 wird die ILGA von den Vereinten Nationen offiziell anerkannt (queer.de berichtete). (dk)



#1 Simon HAnonym
  • 21.03.2019, 15:00h
  • Wieder mal ein hervorragend recherchierter und wichtiger Bericht der renommierten ILGA.
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#2 HeckmeckAnonym
  • 21.03.2019, 15:59h
  • Ist das die ILGA, die vor drei Jahren David Berger mit ihrem LGBT-Kulturpreis ausgezeichnet hat?

    Alles klar!
  • Antworten » | Direktlink »
  • Anm. d. Red.: Nein. Der Preis stammte von einem "International Lesbian and Gay Cultural Network" ohne Bezug zur ILGA.
#3 interessantAnonym
  • 21.03.2019, 19:02h
  • Freut mich, die aktuelle Situation weltweit dargestellt zu sehen.
    Fazit: es sieht nicht gerade rosig aus :-/

    Nur ganz wenige Staaten haben die LGBT Rechte staatlich geschützt (dunkelblau dargestellt).
    Dabei ist es aber bezeichnend, dass Nepal und die Mongolei deutlich weiter sind als Deutschland :-) Das dürfte für unsere Regierung peinlich sein.
    Vielleicht löst das ja mal ein positives Handeln aus.
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#4 AnaNymAnonym
#5 seb1983
  • 21.03.2019, 21:45h
  • Antwort auf #3 von interessant
  • Der deutsche Michel mal wieder....

    Was Rechtstaatlichkeit angeht belegen Nepal und die Mongolei naja durchwachsene Plätze.
    Übersetzt: Was im Gesetz steht interessiert doch ohnehin niemanden.
    Auf einer Polizeiwache eine Anzeige wegen homofeindlicher Verbrechen machen? Dann eine Verurteilung vor Gericht erwarten? Inzwischen öffentlich geoutet und lächerlich gemacht werden?

    Selbst in Deutschland oft schwierig. In vielen der aufgelisteten Länder fast unmöglich
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#6 michael hnkAnonym
  • 21.03.2019, 22:54h
  • Antwort auf #3 von interessant
  • Ich rate dazu, solche (unwissenschaftlichen) Berichte von interessensgeleiteten Organisationen grundsätzlich kritisch zu lesen, selbst wenn man mit der NGO und ihren Zielen sympathisiert.

    Nepal und die Mongolei sind in Sachen LGBT-Rechte ganz sicher nicht weiter als die Bundesrepublik Deutschland, wie auch beispielsweise die Rechtslagen in Dänemark und Italien der Karte zum Trotz keine schlechteren sind als in Rumänien, Bulgarien und anderen Staaten des Balkans. Glaubt man der Grafik, so müsste es auch in Mexiko besser um LGBT-Rechte bestellt sein als in den USA und sogar Kanada. Mit Verlaub, das ist großer Quatsch.

    Erstens bringt es nicht viel, Diskriminierung tatsächlich nur anhand formalrechtlicher Kriterien festzumachen. Rumänien und Mexiko könnten die tollsten Gleichstellungsgesetze der Welt haben (was definitiv nicht der Fall ist); es würde aber nicht viel nützen, wenn die Akzeptanz in der Gesellschaft auf breite Ablehnung stößt und Homosexualität in Rumänien und Mexiko noch ganz anders tabuisiert ist als in Dänemark und Kanada (was eindeutig der Fall ist).

    Zweitens neigen solche, meist auch kapitalismuskritischen Organisationen dazu, sowohl sekundär bedeutsame Rechtsdefizite in westlichen Industriestaaten als auch (leider) kaum relevante vereinzelte Lichtblicke in Entwicklungsländern viel zu hoch zu gewichten. Sowohl (beispielsweise) die Hijra-Kultur in Nepal als auch das, was bei uns irgendein Paragraf 23 Absatz 4a PStG regelt, wird dann zu DEM Akzeptanz-Indikator schlechthin erklärt und schwuppdiwupp findet sich Deutschland im "Transgender-Rechte-Ranking" folgerichtig hinter Nepal und anderen, mit unserem Rechtssystem nicht kompatiblen Staaten wieder. Eine solche Vorgehensweise, wonach einzelne Indikatoren einfach losgelöst von allem andern ins Gewicht fallen, führt zu verfälschten Ergebnissen. Auch dieser Bericht und die dazugehörige Grafik sind nicht frei davon.
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#7 nervAnonym
  • 21.03.2019, 23:20h
  • Antwort auf #6 von michael hnk
  • >Ich rate dazu, solche (unwissenschaftlichen) Berichte von interessensgeleiteten Organisationen grundsätzlich kritisch zu lesen, selbst wenn man mit der NGO und ihren Zielen sympathisiert.

    Ich rate dazu, nicht einfach Fake-News- bzw. Unwissenschaftlichkeits-Vorwürfe ins Blaue hinein zu erheben und stattdessen etwa einfach mal die Beschreibung der Länderkarte zu studieren, wofür das Blau steht, wofür das Rot, und was alles in dieser Farbgebung nicht enthalten ist. Die einzelnen Landesberichte sind dafür recht ausführlich.

    >interessensgeleiteten Organisationen
    Niemand sonst erstellt so etwas.

    Ansonsten: Auch Trans-Rechte sind wichtig und hier hinkt Deutschland hinterher. Antidiskriminierungsrecht mit seinen Ausnahmen für Kirchen ist auch kein Brüller.
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#8 michael hnkAnonym
  • 22.03.2019, 00:04h
  • Antwort auf #7 von nerv
  • > und was alles in dieser Farbgebung nicht enthalten ist. <

    Genau das ist mein Kritikpunkt. Die einzelnen Farben stehen nur für einzelne Indikatoren, bilden in sich aber keine Indikatorenanalyse (inkl. der wechselseitigen Beziehungen verschiedener Indikatoren) ab.

    Mal beispielhaft gesprochen: Hast du als mexikanischer Staat den Anti-Diskriminierungsschutz für LGBT formal in deiner Verfassung drin, ist aber dummerweise die Mord- und Gewaltrate gegen LGBT in deinem Land 100x höher als in Kanada, ist dir als Mexiko das Dunkelblau trotzdem sicher und Kanada muss sich mit dem helleren Blau begnügen. Das stellt die tatsächliche Diskriminierungslage im Vergleich dieser beiden Länder nicht wirklich korrekt dar.
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#9 JanekAnonym
  • 22.03.2019, 09:11h
  • Man sieht wieder mal sehr deutlich, wo LGBTI frei leben können und wo nicht. Skandalös, dass solche Staaten auch noch Hilfsgelder bekommen, um so weiter machen zu können...
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#10 Ralph
  • 22.03.2019, 10:16h
  • Diesem Bericht lassen sich allenfalls Grundtendenzen zu besonders gut und besonders schlecht entnehmen. Wie hier schon zu Recht kritisiert, kann niemand ernsthaft behaupten, die Lage in Rumänien oder Bulgarien sei besser als die in Italien, auch dann nicht, wenn man -was im Hinblick auf eine überzeugende Gesamtbeurteilung gar nicht zielführend sein kann- nicht die gesamtgesellschaftliche Situation betrachtet, sondern ausschließlich Regierungspolitik und Gesetzgebung, und die noch ohne ihre tatsächliche Auswirkung auf das Alltagsleben von Schwulen und Lesben. Wichtig ist immerhin, dass sämtliche Länder, in denen Schwulen noch immer die Ermordung durch den Staat droht, dem sog. islamischen Kulturkreis angehören und in diesem Kreis auch noch solche sind, die ihre Rechts- und Gesellschaftsordnung mit besonderem Nachdruck auf den Islam stützen. Das darf man nicht außer Acht lassen, wenn man z.B. die Agitation von Muslimen gegen Aufklärungsunterricht in Birmingham betrachtet oder die allgemein bei Muslimen verbreitete Intoleranz gegenüber Schwulen und Lesben, wie sie z.B.immer wieder von der türkischen Ditib kultiviert wird.
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