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Imagewechsel

Von Bowie bis Conchita – Wenn sich Musiker neu erfinden

Da muss man schon zweimal hingucken: Conchita Wurst sieht heute ganz anders aus als früher. Musiker erfinden sich gerne neu. In der Pop-Geschichte gibt es berühmte Beispiele. Was steckt dahinter?


Kaum wiederzuerkennen: Tom Neuwirth alias Dragqueen Conchita präsentiert sich heute als Electro-Sänger WURST im silbergrauen Daddy-Look (Bild: Markus Morianz)
  • Von C. Bock und W. Herpell, dpa
    23. März 2019, 11:45h, 14 Kommentare

Als bärtige Dragqueen Conchita Wurst gewann Tom Neuwirth mit "Rise Like A Phoenix" den Eurovision Song Contest – eine Sensation. An den Erfolg von 2014 anzuknüpfen, ist schwer. Viele hatten daher schon länger erwartet, dass sich Neuwirth von seiner Kunstfigur verabschiedet. Damit spielt er nun bewusst und verändert sich – zu sehen beim Wiener Opernball, wo er mit Glatze auftauchte. Für sein neues Musikprojekt hüllte er sich in schwarzes Latex.

Jetzt gibt es den Österreicher in zwei Rollen – mal feminin, mal maskulin, als Diva Conchita und als Fetischburschen WURST, der von der Plattenfirma Sony als "Electro-Newcomer" vermarktet wird. "Identitätssuche als Marketing-Gag", schrieb die österreichische Zeitung "Der Standard" dazu. Im Video zur Single "Hit Me" ist Neuwirth kaum wiederzuerkennen: Bart und Haare in silber-blond, der Körper durchtrainiert.

Direktlink | Offizielles Musikvideo von WURST zu "Hit Me"

Vorbilder David Bowie und Madonna

Größere Verwandlungen haben auch viele andere Musiker hinter sich. Etwa Volksmusiker Heino ("Schwarzbraun ist die Haselnuß"), der auf seine alten Tage Rammstein und den Hardrock entdeckte. Oder Wolfgang Petry: Der nahm 2006 Abschied vom "Wolle"-Leben mit Mähne und Freundschaftsbändern. Zwischenzeitlich hieß er Pete Wolf und sang englisch – ein Flop. Im Herbst brachte er wieder einmal ein Schlageralbum raus, Fototermine vermied er dabei aber.

Ist jemand erst einmal so erfolgreich wie Helene Fischer, wird jede Veränderung registriert. Etwa wenn sie sich politisch äußert und die Fans dazu aufruft, ihre Stimme gegen Fremdenhass zu erheben. Für die "Vogue" ließ sich Deutschlands derzeit größter weiblicher Popstar von Peter Lindbergh ungewohnt ablichten. Die sonst so glatt-perfekte Fischer sah auf diesen kunstvollen Bildern ungeschminkt und damit ganz anders aus als sonst.

Verlässt man den deutschsprachigen Raum, in dem der Imagewandel oft mit dem Risiko behaftet ist, eine gewachsene Fan-Basis zu verprellen, dann werden die Karrierestrategien raffinierter. Das Spiel mit Veränderungen perfektioniert hatte einst Weltstar David Bowie (1947-2016), das "Chamäleon des Pop": rein äußerlich mit diversen Looks vom Folkie über den androgynen Glamrocker und schrillen Vogel bis zum reifen (Hetero-)Mann, aber auch mit stetig erneuerter Musik.


"Chamäleon des Pop": Auch David Bowie hat sich mehrfach neu erfunden (Bild: V&A Museum)

Nicht umsonst heißt einer von Bowies berühmtesten Songs "Changes". Bei dem Briten steckte dahinter nicht das Kalkül eines schlauen Managers – er war selbst so kreativ. "Sein Selbstwertgefühl war viel zu ausgeprägt, um sich auf eine Sache oder einen Look festzulegen", urteilte der bekannte Musikjournalist Paolo Hewitt. "Und genau das war ausschlaggebend für einen seiner größten Beiträge zum Pop-Zirkus: die Einführung der fortwährenden optischen Veränderung als ein wesentliches künstlerisches Element."

Wandlungen wichtiges Merkmal von Popkultur

Das Vorbild Bowie vor Augen, hat auch Madonna in ihrer fast 40-jährigen Karriere viele Imagewechsel durchlaufen – zuerst als "Material Girl", später im Marilyn-Monroe-Look, mit "Sex"-Fotos, als Disco-Queen und Schwulen-Ikone, "Evita", Aerobic-Performerin und Mädchen vom Lande. In ihrer Musik war die im vergangenen Jahr 60 Jahre alt gewordene Sängerin ebenfalls flexibel – nicht zuletzt diese stilistische Offenheit hat Madonna in den Pop-Olymp gebracht. Ohne das selbstbewusste Role-Model aus den USA wäre die nicht ganz unähnliche Karriere der Australierin Kylie Minogue kaum denkbar.

Ob Conchita Wurst, David Bowie oder Madonna: Solche Wandlungen seien ein wichtiges Merkmal von Popkultur, sagt Prof. Udo Dahmen, Direktor der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Bowie ist für ihn das Paradebeispiel. "Er hat damit auch immer eine neue Phase eingeläutet." Typisch sei auch das Spiel mit den Geschlechtern – wie jetzt bei Neuwirth. Dahmen verweist dabei auch auf Mick Jagger, der in seinen jungen Jahren weicher und androgyner aussah.

Dass Musiker ihr Aussehen immer dann ändern und sich neu erfinden, wenn die Plattenverkäufe runter gehen, würde Dahmen nicht unterstellen. Doch wer steckt hinter dem Wandel? Bei den vielen Gesichtern von Lady Gaga mag es ein Team gewesen sein, das bei den früher noch schillernderen Auftritten mitgemischt hat – wie etwa bei dem Fleischkleid, das ein richtiges Kunstwerk war. Im Kern sei es aber der Künstler, der dafür den Impuls gebe, meint der Pop-Prof.

Verwandlung nur für den Kommerz?

Die oft recht bissigen Verfasser des "Lexikons der Pop- & Rock-Musik" trauen dem Zauber krasser Imagewechsel indes nicht: "Als Musterbeispiel lebensfremden Schwachsinns hat Madonna wohl alle denkbaren, teilweise völlig gegensätzlichen Trends durchlaufen. Im Gefolge soll sich der Fan mit irgendwelchen aufgesetzten Attributen identifizieren und vor allem: kaufen."


So brav sah Miley Cyrus als "Hannah Montana" aus (Bild: Disney Channel)

Der Verdacht, optische oder stilistische Wandlungsfähigkeit ziele vor allem auf neue Hörer- und Käuferschichten, wird auch im aktuellen Pop gern geäußert. Britney Spears' Wechsel vom "Girl next door" zur Sexbombe in Leder wirkte für viele angesichts sinkender Popularität arg kalkuliert. Ähnlich irritierend: Miley Cyrus' Metamorphose von der braven "Hannah Montana" zum Nackedei auf der Abrissbirne. Oder Justin Biebers Mutation vom blonden Posterboy zum Tattoo-Rowdy.

Für eine dauerhaft erfolgreiche Chamäleon-Karriere wie bei Bowie und Madonna reichen solche kurzfristigen Imagemanöver wohl nicht. Aber Spears (37), Cyrus (26), Bieber (25) und auch Neuwirth/Wurst (30) haben ja genug Zeit, sich noch einige Male neu zu erfinden.



#1 NichtNurAnonym
  • 23.03.2019, 12:52h
  • Nicht nur Musiker erfinden sich neu. Das tritt auch in anderen Bereichen der Gesellschaft auf.
    Nicht bei allen ist es eine Neuerfindung. Manche entdecken einen Teil ihrer Persönlichkeit und zeigen das dann durch ihre äußerliche Veränderung.

    Miley Cyrus lebte früher sehr angepasst - heterogenormt. Erst als sie erkannte, dass sie pansexuell ist, entdeckte sie ihre Persönlichkeit. Das hat sich dann bei ihr auch äußerlich bemerkbar gemacht.

    Dann gibt es Künstler wie Prince, der hetero war, aber seine kreative künstlerische Seite mit seinem Beruf auslebte.

    Und dann gibt es Künstler*innen, die beides miteinander verknüpfen. Einerseits das künstlerische kreative ausleben plus die äußerliche Veränderung durch das Entdecken der eigenen Identität und/oder der Zugehörigkeit oder nicht-Zugehörigkeit eines Geschlechts.
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#2 KetzerEhemaliges Profil
  • 23.03.2019, 13:19h
  • Conchitas Charme ist verschwunden und wurde ersetzt durch eiskalte, unsympathische Ausstrahlung. Bei aller Liebe - dieser "Electro-Newcomer" ist gar nicht nach meinem Geschmack. Ich brauche was fürs Herz und keine maskulinisierte Variante der Eiskönigin, mag sie auch noch so durchtrainiert sein.
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#3 andreAnonym
  • 23.03.2019, 14:45h
  • Ich finde es besser, als die "Diva-Nummern", wobei mir das vorige Video besser gefiel. Mir gefällt nicht, daß er, von Anfang bis Ende mit einem gewaltigen Hohlkreuz herumstolziert. Aber er hat HighHeels an. Glaube, da läuft man so schräg. Gebe zu, mir gefällt überhaupt nicht, wenn Männer, übertrieben feminin, laufen. Schon immer nicht.
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#5 daVinci6667
  • 23.03.2019, 16:37h
  • Antwort auf #3 von andre
  • Einer meiner Herzenswünsche wäre dass sich schwule Jungs an ihren Schulen endlich keine unnötigen Gedanken mehr darüber machen ob sie auf andere zu schwul wirken. Einfach sein wie man ist und wie man sich gerade fühlt.
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#6 rbnfhgfnfAnonym
  • 24.03.2019, 07:43h
  • Gut. Nun können also Tom Neuwirth oder Bill Kaulitz ihr Outfit nach belieben verändern.. . Aber ich bin kein Schlagerstar aus dem internationalen Jetset, der mit Chauffeurslimousine verkehrt, sondern bekomme meine Tantiemen von meinem Erzeuger, welcher die örtliche Armenküche mit Spenden unterstützt (Franziskanerkloster unweit vom Rathaus) und möchte auch gerne weiterhin eine Bibliothek, eine Tagung oder etwa die Hannovermesse Industrie besuchen können. Dann ist kein Piercing oder Herrenrock möglich.
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#7 TheDadProfil
#8 giliatt 2Anonym
  • 25.03.2019, 00:34h
  • Hier war damals aus meiner Feder zu lesen, dass ich Conchita Wurst rundweg ablehnte. Fand, dass sie eine "Krawallschwuchtel" sei, die unbedingt in die Öffentlichkeit will. Fand ihren Künstlernamen überaus unappetitlich. Schiet-Wurst. Scheißwurst. Fäkalie.
    "Weit gefehlt, giliatt2", musste ich mir eingestehen. Aber erst beim auf ihren Erfolg anschliessenden ESC in Wien. Als Co-Moderatorin von Lena-Lisa Müller-Vorhaut (oder wie hieß die schreckliche Dame aus der kunstlosen Sateliten- Finanzküche des hämischen Metzgers eigentlich?) brillierte sie. Brillierte mit Vielsprachigkeit. Akzentfrei sprach sie englisch, französisch u.a. und redete keinen Müll.
    Sie sang in Australien vor ausverkauftem Haus in der legendären Konzertmuschelbude. Und plöztlich - irgendwann - sprach sie über ihre Krankheit. HIV positiv. Vordem verschwand sie von der Bühne. Erschien bekennend unspekrakulär. Der Damenbart ist weg. Erblondet ist sie. Verloren hat Conchita Tom Wurst Neuwirth die Stimme nicht. Eine unvergleichliche Stimme. In Klarheit und Volumen unvergleichlich, aber vergleichbar mit Whirthney Houston. Welch ein Käse! Vergleichbar mit HEINO? Vergleichbar mit MADONNA? Man muss sich nicht selbst beweihräuchern, um Schlagzeilen zu machen. Nein.
    Tom ist Tom.
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#9 EternalAlmanAnonym
#10 MaaartinAnonym