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TV-Herzensbrecher

"Dornenvögel"-Star Richard Chamberlain wird 85

Mit dem TV-Vierteiler "Die Dornenvögel" rührte Richard Chamberlain das Fernsehpublikum zu Tränen. Fast 70-jährig hatte der schwule Frauenschwarm sein Coming-out. Mit 85 sagt er immer noch kleine Rollen zu.


Richard Chamberlain als Pater Ralph de Bricassart in "Die Dornenvögel" (Bild: ABC)
  • Von Barbara Munker, dpa
    25. März 2019, 08:02h, 8 Kommentare

Er war der TV-Herzensbrecher schlechthin: Strahlendes Lächeln, blonde Haare und markante Gesichtszüge machten Richard Chamberlain über Jahrzehnte hinweg zu Hollywoods "Prinz Charming". "Unglaubliches Glück" habe er als junger Schauspieler gleich mit einer seiner ersten größeren Rolle in "Dr. Kildare" gehabt, sagte Chamberlain im Januar in einem Interview mit dem Radiosender KCCA.

Chamberlain, der am Sonntag (31. März) seinen 85. Geburtstag feiert, wurde 1961 als strahlender Titelheld in der US-Ärzteserie über Nacht zum Teenageridol. "Alle meine Träume gingen damals in Erfüllung. Schon als Kind wollte ich unbedingt Schauspieler werden", erzählt der gebürtige Kalifornier. Die Schule habe er nicht gemocht, am liebsten sei er ins Kino gegangen.

Klingt nach einer Traumkarriere: Den ersten Golden Globe gewinnt er 1963 als Dr. Kildare in der Sparte "Bester TV-Star". Die nächste Trophäe folgte als bester TV-Drama-Darsteller in der Abenteuer-Serie "Shogun" (1980). Den dritten Globe gab es vier Jahre später für "Die Dornenvögel". In dem TV-Vierteiler spielte er den charismatischen Pater Ralph de Bricassart, der sich gegen alle Konventionen in die schöne Farmerstochter Meggie verliebt. Mehr als 200 Millionen Zuschauer hingen gebannt am Bildschirm, vor allem weibliche Fans waren von dem verführerischen Star hingerissen.

Seine Homosexualität hielt er lange geheim

Zahlreiche Affären wurden dem attraktiven Junggesellen nachgesagt – etwa mit seiner "Dornenvögel"-Partnerin Rachel Ward oder mit "Denver"-Star Linda Evans. Erst viel später gab Chamberlain sein gut gehütetes Geheimnis preis. In seiner 2003 erschienenen Biografie "Shattered Love" machte er fast 70-jährig seine Homosexualität und die Partnerschaft mit seinem damaligen Lebensgefährten öffentlich .

Es sei früher unmöglich gewesen, offen schwul zu sein, blickte er mit 80 Jahren im "New York Times"-Interview auf seine Jugend und die Anfänge in Hollywood zurück. "Ich dachte, dass etwas fürchterlich falsch mit mir war. Und auch als ich berühmt wurde, war dieses Gefühl noch da." Er habe später viele Jahre in Therapie verbracht und sich spirituellen Studien gewidmet. Mehr als drei Jahrzehnte lang lebte Chamberlain mit einem Partner auf Hawaii zusammen.

Noch 2010 riet Chamberlain homosexuellen Prominenten von einem Coming-out ab. "Es ist kompliziert. Es gibt nach wie vor eine signifikant große Homophobie in unserer Kultur. Das ist unverzeihlich, dumm und unmoralisch, aber so ist es nun mal", sagte er dem LGBTI-Magazin "The Advocate". Schauspieler, die ganz oben stehen und dort bleiben wollten, könnten diese Tatsache nicht einfach ignorieren (queer.de berichtete).

Als Bösewicht und Seemann im Unruhestand

Der TV-Star, der auch Kunst und Gesang studiert hatte, stand häufig auf der Theaterbühne und immer wieder vor der Filmkamera, etwa in "Die drei Musketiere" oder in dem Katastrophendrama "Flammendes Inferno". Diese Bösewichtrolle sei einer seiner liebsten Filmauftritte gewesen, erzählte er im Januar beim Radiosender KCCA. "Darin war ich ein richtig fieser Kerl." Im Fernsehen habe ihm die Abenteuerrolle des Seemannes John Blackthorne in der Bestsellerverfilmung "Shogun" am besten gefallen.

Auch mit 85 Jahren hat sich Chamberlain nicht ganz aus dem Geschäft verabschiedet. "Ich dachte eigentlich, ich bin im Ruhestand", witzelte der Schauspieler. Doch er sei viel unterwegs und stehe gelegentlich noch vor der Kamera. Im vorigen Sommer drehte er mit Max von Sydow in Griechenland Szenen für den Film "Echoes of the Past". 2017 spannte ihn Regisseur David Lynch für mehrere "Twin Peaks"-Folgen ein.

Würde er jungen Leuten die Schauspielerei empfehlen? Besser nicht, wenn man sich einen anderen Job vorstellen könnte, erklärte Chamberlain im Januar. Nur wer es absolut nicht lassen kann, sollte sich auf dieses Wagnis einlassen. Mit etwas Glück könne es "sehr aufregend und erfüllend" sein. Da sprach der Schauspieler wohl aus eigener Erfahrung.



#1 FredericAnonym
  • 25.03.2019, 09:05h
  • Ich kann mich erinnern, dass damals jeder wusste, dass er schwul war, als die Serie im Fernsehen lief.
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#2 Patroklos
#3 Ralph
  • 25.03.2019, 11:16h
  • Antwort auf #1 von Frederic
  • Daran erinnere ich mich nicht. Erst bei späterer Wiederholung gab es die These, die Serie verstoße gleich doppelt gegen ein katholisches Tabu, nämlich durch die Darstellung einer Liebe zwischen einem Pfarrer und einer Frau (noch dazu mit nichtehelichem Kind der beiden) und dadurch, dass der Darsteller schwul sei. Ich glaube aber, das war erst nachdem Chamberlain es selbst öffentlich gemacht hatte. - Grundsätzlich halte ich nicht viel von Spitzensportlern und Spitzenkünstlern, die erst nach Karriereende und/oder im höheren Alter ihre Homosexualität zugestehen. Allerdings muss ich einräumen: Hätte er das schon in den 60ern oder 70ern getan (in den USA wohl auch noch in den 80ern), wäre er weg vom Fenster gewesen bzw. nie ans Fenster gelangt. Man denke an Peter Wynegard, der als Hauptdarsteller in der Krimiserie "Department S" weltweit erfolgreich war und gefeuert wurde, als seine Homosexualität bekannt geworden war. In Deutschland genügte schon eine Ehescheidung, damit ein Schauspieler oder Showmaster beruflich erledigt war, öffentlich gewordene Homosexualität hätte ihn bis 1969 ins Gefängnis gebracht. Den Bann gebrochen hat in Deutschland erst Rosa von Praunheim mit seinem -für die beiden folgenlosen- Outing von Alfred Biolek und Patrick Lindner. In den USA dürfte das geschehen sein, als sich Elizabeth Taylor und Doris Day demonstrativ hinter Rock Hudson stellten, als dessen Homosexualität (und Erkrankung an AIDS) bekannt geworden war. Allerdings war es gerade die Koppelung an AIDS, die dann doch viele vom Going-public weiter abgehalten hat, denn in den 80ern war das Bekanntwerden der AIDS-Erkrankung geradezu ein Marker für die so lange verheimlichte oder bestrittene Homosexualität des Kranken. Davor dürfte Chamberlain nachvollziehbarer Weise Angst gehant haben.
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#4 FredericAnonym
  • 25.03.2019, 11:27h
  • Ich kann mich erinnern, dass meine Eltern immer meinten, dass der Pfarrer ein "175er" sei. Ggf. war es eine Wiederholung und nicht die Erstausstrahlung, aber definitiv in den 80er Jahren. Gut, vielleicht war es auch nur ein Gerücht in meinem Umfeld und den anderen Zuschauern war die Tatsache unbekannt.
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#5 BerichtigungAnonym
#6 Ralph
#7 Anjin-sanAnonym
  • 25.03.2019, 21:12h
  • Die Serie war mir zu, ähm, sentimental? Meine katholische Mutter fand die damals toll, während mein Vater jedesmal seinen zynischen Rappel beim Auftauchen vom frömmelnden "Ralf de Frikassee" kriegte. Auf Shogun konnten wir uns alle einigen.

    Aber Richard Chamberlain hätte mit Sicherheit keine von beiden Rollen bekommen, wenn er sich vorher offiziell geoutet hätte.

    Happy Birthday auch von mir, live long and prosper.
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#8 MandalorianAnonym
  • 26.03.2019, 11:31h
  • Da kommt mir die Szene in den Sinn, als ihm in Shogun von Mariko eine Bettgefährtin angeboten wird. Und er dies ablehnt, da er heimlich Mariko begehrt. Sie aber erwidert, dass es für einen Mann ungesund sei so lange auszukommen ohne das Kopfkissen zu teilen. Dann fragt sie vollkommen unschuldig ob er lieber einen Jungen möchte. Woraufhin er dann ausrastet und wutschäumend brüllt, er sei doch kein Päderast. Er hat sich in diese Szene vor der Kamera quasi selbst verleumdet. Immer wieder rümpfen die Europäer die Nase in Anbetracht der sexuellen Gepflogenheiten der Japaner. Diese waren sehr offen und ausgeprägt bevor man westliche Normen in der Meiji-Restauration einführte um den Rückstand der nationalen Entwicklung gegenüber den Westmächten aufzuholen.
    Die Serie war in vielerlei Hinsicht beeindruckend, insbesondere weil die kulturellen Unterschiede sehr anschaulich demonstriert und von der Hauptfigur zunehmend offen angenommen wurden. Immer wieder stellte sich die Frage wer eigentlich der Barbar ist, die Europäer oder die Japaner.

    Bevor hier wieder wer was durcheinander bringt und Päderastie mit Pädophilie gleichsetzt, sollte er sich zunächst informieren.
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