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Frankreich

Fußball-Funktionärin: Homophobie in Stadien ist "Folklore"

Für die Chefin der französischen Fußballliga sind homophobe Sprechgesänge in Stadien kein Ausdruck von Hass, sondern ein kulturelles Erbe.


Nathalie Boy de la Tour ist seit Herbst 2016 Chefin der französischen Profiliga LFP

Nathalie Boy de la Tour, die Präsidentin der französischen Fußball-Profiliga (LFP), hat am Dienstag homophobe Sprechgesänge in Stadien verteidigt. "Das ist Folklore – Fußball-Folklore. Ich besuche mehr als 50 Spiele im Jahr. Das höre ich regelmäßig. Das bedeutet nicht, dass im Stadion so etwas zu akzeptieren ist, aber es ist ein Ausdruck der Inbrunst der Fans und muss als solcher betrachtet werden", sagte die 50-Jährige in einem Interview mit der Boulevardzeitung "Le Parisien". "Was man in einem Stadion hört, hört man nicht außerhalb, wenn man einkaufen geht. Wenn man das aus dem Zusammenhang herausreißt, ist das nicht akzeptabel."

Anlass für die Äußerung Boy de la Tours war eine Anregung der französischen Sportministerin Roxana Maracineanu, die gegen menschenverachtende Gesänge in Stadien vorgehen möchte. Die parteilose Politikerin erklärte, sie sei bei einem Besuch des Spitzenspiels zwischen Paris Saint-Germain und Olympique Marseille über rassistische und homosexuellenfeindliche Sprüche entsetzt gewesen.

SOS Homophobie: Ligachefin relativiert Homophobie

Die LGBTI-Organisation SOS Homophobie verurteilte die Aussage der Ligachefin scharf. "Wenn man sagt, dass homophobe Sprechgesänge in Stadien Teil der Folklore sind, bedeutet das, dass man Homophobie relativiert und toleriert", erklärte die in Paris ansässige Organisation.

Auch aus der Politik gibt es Kritik. Marlène Schiappa, die Staatssekretärin für Geschlechtergleichbehandlung, erklärte im Radiosender "France Info", dass "homophobe Sprechgesänge der Beginn eines Prozesses sind, der zu Gewalt führen kann". Sie verwies darauf, dass in den letzten Jahren mehr aus Homophobie begangene Übergriffe gemeldet worden seien.

Erst vor gut einer Woche sorgte der frühere französische Nationalspieler Patrice Evra für Schlagzeilen, als er die Spieler des Vereins Paris Saint-Germain als "Schwuchteln" beschimpfte (queer.de berichtete). (dk)



#1 JohannbAnonym
  • 27.03.2019, 09:51h
  • Da haben hasserfüllte Populisten ihr Ziel erreicht: man kann alles relativieren! ALLES! Sogar kann man heute den Spruch: Stadtluft macht frei! Relativieren und einen Zusammenhang leugnen..... Mir wird Angst; was kommt als nächstes?
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#2 Ralph
  • 27.03.2019, 10:04h
  • Dann möge man sich bitte auch nicht mehr über die Affenlaute aufregen, die rassistische Fußballfans regelmäßig anstimmen, wenn ein schwarzer Spieler den Ball bekommt. Ist doch nur Ausdruck der Inbrunst der Fans. - Nein, das ist keine Ironie, das ist Sarkasmus.
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#3 pas_de_folkloreAnonym
  • 27.03.2019, 10:23h
  • Quelle betise.
    C'est pas un folklore, c'est un probleme tres grand, Bourgeoisie de la Terriblement.
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#4 HyenadykeProfil
  • 27.03.2019, 11:26hKöln
  • Ich weiß schon, warum ich mit Folklore nie was anfangen konnte.

    Und manche Traditionen gehören einfach abgeschafft!
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#5 TraditionAnonym
  • 27.03.2019, 11:27h
  • Klebe das Etikett "Tradition" drauf und es wird unantastbar - egal wie scheiße es ist.
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#6 alter schwedeAnonym
  • 27.03.2019, 12:13h
  • Die kommen immer wieder
    die sind alle noch da
    die kommen alle immer schlimmer wieder
    die sind ganz ganz nah

    Heinz Rudolf Kunze - Eine Form von Gewalt
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#7 Gerlinde24Profil
#8 ElfolfProfil
  • 27.03.2019, 13:14hHamburg
  • Ich bin überrascht. Eine Frau mit dieser Einstellung gehört in ein Jahrhundert, in dem sie gefälligst Zuhause am Herd steht und sich nicht in die Angelegenheiten der Männer einzumischen hat. Oder misst da jemand mit zweierlei Maß? Die Frauenrechte, die andere für sie erkämpft haben selbst nutzen, aber andere in ihren Rechten beschränken.
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#9 Alexander_FAnonym
  • 27.03.2019, 14:22h
  • In einem Punkt hat sie leider Recht: diese Gesänge sind in der Hinsicht "Folklore", als dass sie in die Fußballkultur derartig eingewoben sind, dass die Fans sie kaum noch bemerken und allenfalls ihr Fehlen oder Kritik an ihnen so auffassen, als würde man sie um ihr geliebtes Erlebnis bringen wollen. Da mir auch dediziert linke Fußballfans bekannt sind, die dennoch im Eifer des Gefechts kein Problem haben, den Gegner mit homophoben Beleidigungen zu versehen, könnte durchaus etwas dran sein, dass sich viele Fans tatsächlich nicht bewusst sind, was sie da eigentlich sagen bzw. singen bzw. gröhlen.

    Dadurch beweist die Dame aber indirekt eher, wie schwer das Problem sitzt.
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#10 FaktencheckAnonym
  • 27.03.2019, 15:32h
  • Antwort auf #9 von Alexander_F
  • "Dadurch beweist die Dame aber indirekt eher, wie schwer das Problem sitzt."

    Das sehe ich genau so. Wenn gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (welcher Art auch immer) so selbstverständlich daherkommt, dass man sie nicht einmal als solche wahrnimmt, dann ist das Problem nicht kleiner, sondern eher größer.
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