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Kinostart

Schock: Jetzt heiraten auch noch zwei Frauen

Die französische Komödie "Monsieur Claude und seine Töchter" war ein großer Erfolg. Nun kommt die Fortsetzung ins Kino. Doch ist Teil 2 noch so lustig wie der erste Film?


Ausschnitt aus dem französischen Originalposter: Nicole (Claudia Tagbo, li.) und Viviana (Tatiana Rojo) wollen heiraten (Bild: UGC)
  • Von Cordula Dieckmann, dpa
    28. März 2019, 10:09h, 2 Kommentare

2014 fanden es Millionen Franzosen sehr komisch, als ein erzkonservativer Familienvater im Kino reaktionäre Sprüche schwang, weil seine vier Töchter heiraten wollten. Die Auserwählten entsprachen so gar nicht seinem Weltbild: ein Chinese, ein Muslim, ein Jude und ein Schwarzer. "Monsieur Claude und seine Töchter" nannte sich die auch in Deutschland erfolgreiche Komödie mit Chantal Lauby und Christian Clavier, die sich fröhlich über jede politische Korrektheit hinwegsetzte und trotz aller Differenzen versöhnlich endete. Nun folgt "Monsieur Claude 2". Darin wollen die Töchter mit ihren Familien ins Ausland ziehen, denn ihre Männer fühlen sich in Frankreich ausgegrenzt. Mit allen Tricks versuchen Claude Verneuil und seine Frau Marie, den jungen Paaren das Leben in Frankreich wieder schmackhaft zu machen.

Anders als Teil 1 ist die Fortsetzung nicht so vergnüglich. Viele Witze sind bemüht, oft klamaukig und platt. Ärgerlich macht den Film aber etwas anderes. Die Schwiegersöhne David, Rachid, Charles und Chao begründen ihre Umzugspläne mit dem Gefühl, in Frankreich als Minderheiten nicht willkommen zu sein. Dass sie tatsächlich Opfer von Alltagsrassismus werden, ist jedoch nicht zu spüren. Und falls doch, könnte es auch einfach nur daran liegen, dass sie überempfindlich sind, so die Botschaft des Films. Ein Thema kommt hinzu, das für viele immer noch als Tabu gilt: Homosexualität. Charles' Schwester Viviane will ihre Freundin Nicole heiraten. Was für eine Aufregung, denn wie sollen sie das bloß ihrem Vater an der Elfenbeinküste klarmachen?

Als Plädoyer für Vielfalt gedacht


Auf dem deutschen Poster zum Film fehlt das lesbische Paar

Regisseur und Drehbuchautor Philippe de Chauveron schrieb den Film während der Wahlkampagne zur Präsidentschaftswahl 2017. "Ich fühlte um mich herum die Angst vor den Extremen", sagt er. "Ich hörte Leute sagen, dass sie Frankreich verlassen würden, wenn eine dieser Parteien die Wahl gewinnen würde. Außerdem stellte ich fest, dass viele Bürger mit Migrationshintergrund über Diskriminierung klagten." Die Antwort des Films: "Wir leben alle im gleichen Land, umso mehr sollten wir versuchen, dass alles gut geht und jeder hier glücklich sein kann!".

Ein berechtigtes Anliegen. Doch de Chauveron macht es sich zu leicht, indem er die Schwierigkeiten übertüncht, zumal seine Protagonisten dank ihrer Bildung, finanziellen Mittel und familiären Verflechtungen ohnehin in der Mitte der Gesellschaft verwurzelt sind. Härter trifft die Diskriminierung in diesen politisch aufgeheizten Zeiten Menschen am Rande der Wohlstandsgesellschaft, doch die kommen im Film eigentlich nicht vor. Nur ein afghanischer Flüchtling taucht auf, ein Lehrer, der im stattlichen Landsitz der Verneuils die Gartenarbeit macht. Weil Claude davon erst nichts weiß, kommt es zu absurden Szenen, an deren Ende der Afghane so reagiert, wie es sich wohl viele nationalistisch Gesinnte wünschen würden: Er will zurück nach Kabul.

Platte Witze in Bilderbuchfrankreich

Völlig unverständlich auch, wie naiv die Schwiegersöhne, aber auch deren Frauen dargestellt werden. Da wollen sie alle auswandern, nach Israel, China oder Algier. Doch ernsthaft beschäftigt mit diesen Plänen und ihren Wunschländern haben sie sich offenbar nicht. Sonst würden sie sich nicht so leicht verunsichern lassen. In Israel fallen tatsächlich hin und wieder Raketen vom Himmel? Nein, ernsthaft? Und die chinesischen Banken stehen vor dem Kollaps. Ach so…

Am Ende sind sich wieder alle einig, vor allem darin, dass Frankreich das schönste Land der Welt ist. Und dass diese Sache mit dem Rassismus ja eigentlich gar nicht so schlimm ist, wie alle immer sagen; vor allem auf dem Land ist die Welt zwischen Buchsbaumhecken, Wasserschlössern und malerischen Dorfplätzen noch in Ordnung. Zumindest in der schönen, gut situierten Welt der Verneuils gibt es nichts, was sich nicht mit französischer Lebensart bei einem Aperitif hinweglächeln ließe: "Auf Frankreich!".

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Monsieur Claude 2. Originaltitel: Qu'est-ce qu'on a encore fait au Bon Dieu. Komödie. Frankreich 2019. Regie: Philippe de Chauveron. Darsteller: Christian Clavier, Chantal Lauby, Ary Abittan, Medi Sadoun, Frédéric Chau, Noom Diawara, Frédérique Bel, Julia Piaton. Laufzeit: 98 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 0. Verleih: Neue Visionen. Kinostart: 4. April 2019


#1 HyenadykeProfil
  • 28.03.2019, 12:29hKöln
  • Schon der erste Teil hinterließ bei mir einen faden Nachgeschmack ob der (groß-) bürgerlichen Vive-la-France Botschaft.

    Bezeichnend ist aber, dass der deutsche Filmverleih im Jahr 2019! (nicht 1959 oder so) es sich nicht nehmen lässt, das lesbische Pärchen unsichtbar zu machen.
    Aber "Homos" kommen im deutschen Film immer noch ausschließlich in "Komödien" vor, die scheinheilig vorgeben "Vielfalt" darzustellen und dennoch nichts anderes als eine Ansammlung peinlicher Klischees sind.
    Obwohl, das würde dann doch ganz gut zu "Monsieur Claude" passen ...
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#2 Alexander_FAnonym
  • 28.03.2019, 13:20h
  • Der erste Teil lief letztlich unter dem Motto: hey, eigentlich sind ja die Araber, Neger, Chinesen und Juden auch alle rassistisch, genau wie wir. Ist doch voll witzig, oder?

    Wenn der zweite Teil dasselbe Prinzip auf sexuelle Minderheiten anwendet, weiß ich zumindest schonmal ganz genau, welchen Film ich mir nicht ansehen muss.

    Da kann man wirklich nur, um mit dem französischen Originaltitel zu sprechen, fragen:
    Qu'est-ce qu'on a encore fait au bon dieu?
    'Womit haben wir das nur wieder verdient?'
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