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Steinigung von Lesben und Schwulen

Wegen Todesstrafe: Auch Elton John boykottiert Brunei-Hotels

Der schwule Sänger schließt sich dem Boykott von George Clooney an. Brunei verteidigt die neuen Scharia-Gesetze. In Deutschland fordert die SPDqueer Neukölln, dem Sultan von Brunei das Bundesverdienstkreuz abzuerkennen.


Elton John will nicht mehr die Luxus-Hotels besuchen, die dem Sultan von Brunei gehören (Bild: Ludmila Joaquina Valentina Buyo / flickr)

Der Sänger Elton John ruft zum Boykott von Hotels im Besitz des Sultans von Brunei auf, weil in dem Land ab 3. April Homosexualität mit der Todesstrafe durch Steinigung bestraft werden soll. "Unsere Herzen sind bei den guten, hart arbeitenden Beschäftigten der Hotels des Sultans von Brunei, von denen wir wissen, das viele von ihnen homosexuell sind", schrieb er auf Twitter. Die Behandlung von Homosexuellen in Brunei sei "inakzeptabel". Deswegen hätten sich sein Mann David Furnish und er schon lange geweigert, in diesen Hotels zu nächtigen. "Wir hoffen, ihr schließt euch uns in Solidarität an." In dem Beitrag auf Twitter nennt er eine Liste der Hotels in London, Los Angeles, Beverly Hills und Paris, die dem Sultan gehören.

Twitter / eltonofficial

John lobte zudem den Boykott-Aufruf des Schauspielers George Clooney. Dieser hatte am Donnerstag in einer Kolumne darum gebeten, die Luxus-Hotels nicht mehr zu besuchen. Clooney schrieb, mit jedem Besuch dieser Hotels würde man dazu beitragen, die Ermordung unschuldiger Menschen zu finanzieren (queer.de berichtete).

Sultan Bolkiah: Scharia-Gesetz für den "Frieden"


Sultan Hassanal Bolkiah im Jahr 2002 (Bild: Corporal Kyle J. Cosner, USASOC PAO, Wikimedia)

Sultan und Premierminister Hassanal Bolkiah verteidigte unterdessen die neuen Scharia-Gesetze. "Brunei Darussalam ist ein souveränes islamisches und völlig unabhängiges Land und es hat, wie andere unabhängige Länder, seine eigenen Gesetze", heißt es in einem Statement des Premierministers. Es habe in Brunei immer ein duales Rechtssystem gegeben, bei dem die Scharia dazugehört.

Die neuen Gesetze ab 3. April werden "Frieden und Ordnung gewährleisten, und die Religion, Leben, Familie und die Menschen bewahren, ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Nationalität, Rasse oder ihres Glaubens", heißt es weiter. Die Scharia-Gesetze hätten zum Ziel, "die legitimen Rechte der Menschen, der Gesellschaft und aller Nationalitäten, Glaubensrichtungen und Rassen zu schützen". Sie kriminalisierten nur Handlungen, die gegen die Lehren des Islam verstoßen.

SPDqueer Neukölln will Verdienstkreuz aberkennen

In Deutschland reagierten weitere Politiker auf die angekündigte Todesstrafe. Die Landesarbeitsgemeinschaft SPDqueer Neukölln in Berlin sprach sich am Samstag dafür aus, dem Sultan Hassanal Bolkiah das Bundesverdienstkreuz abzuerkennen. Das Bundespräsidialamt hatte am Freitag auf Anfrage von queer.de bestätigt, dass Bolkiah der Orden am 30. März 1998 bei einem Staatsbesuch von dem damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog verliehen wurde.

Die SPDqueer Neukölln beschloss nun einen Initiativantrag. Mit diesem soll auf dem kommenden SPD-Landesparteitag beschlossen werden, dass sich die sozialdemokratischen Mitglieder der Bundesregierung dafür einsetzen, Bolkiah den Orden abzuerkennen.

In der Begründung heißt es: "Diese unmenschliche und jenseits von jeglicher Humanität anzusiedelnde neue Gesetzeslage ist in keiner Weise mit der Würde und den Werten des bundesrepublikanischen Verdienstkreuzes zu vereinbaren." Laut der Verdienstordenregelung, so heißt es, sei es möglich, eine Auszeichnung im Nachhinein abzuerkennen, wenn sich der Träger "unwürdig" verhalte.

Nachdem in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass Brunei zum 3. April die Todesstrafe für Homosexuelle einführen will (queer.de berichtete), hatte Michael Roth (SPD), Staatsminister im Auswärtigen Amt, dies verurteilt (queer.de berichtete).

Im Auswärtigen Amt heißt es dazu auf Anfrage: "Die Haltung der Bundesregierung zur Todesstrafe ist bekannt. Sie ist eine menschenverachtende und grausame Form der Bestrafung, die die Bundesregierung ablehnt. Eine Verfolgung von Menschen auf Grund ihrer sexuellen Orientierung ist vollkommen inakzeptabel." Man beobachte die Entwicklungen in Brunei mit Sorge und werde dies in den Gesprächen mit Brunei erneut zum Ausdruck bringen.

Unterdessen sprach sich auch der CDU-Abgeordnete Uwe Schummer, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe der Unionsfraktion im Bundestag, gegen die Todesstrafe für Homosexuelle in Brunei aus. Er schrieb auf Twitter: "Staaten wie Brunei sind eine Schande für den Islam. Beim Weg von der Barbarei in die Zivilisation sind sie stehen geblieben: In der Barbarei."

Twitter / UweSchummer | CDU-Abgeordneter Uwe Schummer verurteilt die Scharia-Gesetze als "Barbarei".

Mehrere Petitionen fordern zudem politische Konsequenzen. Auf OpenPetition fordern Aktivisten, dass dem Sultan Bolkiah das Bundesverdienstkreuz aberkannt wird. In der Schweiz fordert eine Petition den Außenminister Ignazio Cassis auf, eine diplomatische Demarche zu überbringen.



#1 twgfdggdAnonym
  • 31.03.2019, 13:16h
  • Soso, der Sultan von Brunei, der Schwule steinigen lässt, hat also für seine "besonderen Verdienste" das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse erhalten?

    Das ist doch ein unfassbarer Skandal!
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#2 TimonAnonym
  • 31.03.2019, 13:53h
  • Schön, dass auch er sich dem Boykott anschließt.

    Und die Bundesregierung schweigt weiterhin statt dem endlich das Bundesverdienstkreuz abzuerkennen.
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#3 DominikAnonym
  • 31.03.2019, 13:56h
  • Zwei Dinge sollten wir nicht vergessen:

    1. Wer den Kleinstaat Brunei wegen seiner LGBT-feindlichen Gesetze boykottiert, sollte dann bitteschön auch so konsequent sein und kein Erdöl und keine anderen Produkte mehr aus Saudi-Arabien, dem Iran und ein paar anderen Schurkenstaaten beziehen, wo Homosexuelle schon seit Jahren und Jahrzehnten brutal verfolgt und grausam hingerichtet werden. Ich hoffe, Elton John hat das für sich geklärt, sodass seine schicken PKWs, Flieger und Yachten auch wirklich nicht mit Benzin aus Saudi-Arabien oder dem Iran angetrieben werden..?

    2. Die Todesstrafe, insbesondere aber so grausame Hinrichtungs- und Verstümmelungsmethoden wie Steinigung oder Amputationen bei vollem Bewusstsein sollte die zivilisierte Welt grundsätzlich, auch weit über das Thema Homosexualität hinaus, total ächten und mit den allerschärfsten Sanktionen belegen. Alles andere ist nur inkonsequent und ein gutes Stück weit auch verlogen.
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#4 swimniAnonym
  • 31.03.2019, 15:21h
  • leider ist zu beobachten, dass dort wo der Islam als staatsreligion alle anderen Strömungen innerhalb einer Gesellschaft verdrängt, verhöhnt er die empirische Naturwissenschaft und die damit einhergehende aufklärende geistige Erneuerung des menschen schlechthin. daraus resultiert eine archaische, selbstverliebte und intolerante Gesellschaft, die aufgrund ihrer folgerichtigen Grausamkeit sich dem bösen an sich verschreibt. das ist das was in Brunei passiert. ähnlich schlimm wie im Iran beispielsweise. da gibt es seitens des Staatschefs gar nichts zu verteidigen, ausser dass er dem bösen die tore öffnet wollte. man kann nur hoffen, dass dieses islamverständnis sich nicht maskiert und scheinheilig in Europa ausbreitet. oder tut es das zum teil schon?
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#5 daVinci6667
  • 31.03.2019, 15:58h
  • Antwort auf #4 von swimni
  • Tut es leider zumindest teilweise.

    Dies ist deshalb möglich, weil wir unserer Religion dem Christentum, ebenfalls immer noch viel zu viele Sonderrechte gewähren. Das muss endlich aufhören!

    Wir brauchen eine strikte Trennung von Religion und Staat und ein starkes Zurückdrängen der Religion im Alltag. Der christlichen, jüdischen, muslimischen oder wie auch immer gearteten Religion, wohlverstanden. Alles derselbe hirnverbrannte Schrott.

    Falsche Toleranz im Namen der Religionsfreiheit kann sehr, sehr gefährlich sein!
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#6 DominikAnonym
  • 31.03.2019, 17:02h
  • Antwort auf #5 von daVinci6667
  • Ohne pauschales Christen-Bashing geht's wohl selbst im Brunei-Thread nicht...!?

    Außerdem weiß ich auch inhaltlich nicht, was du eigentlich willst. In Deutschland gilt ein Grundgesetz und keine religiöse Schrift als allgemeinverbindliche Rechtsgrundlage. Dafür kennen wir hierzulande aber auch so etwas Großartiges wie Kirchenasyl. Schon mal was von gehört..?
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#7 Patrick SAnonym
  • 31.03.2019, 18:15h
  • Das ist natürlich wichtig und richtig, dass Megastars wie John und Clooney darauf aufmerksam machen, aber ein Hotelboykott schmerzt den Sultan von Brunei natürlich überhaupt nicht.
    Der Mann ist der zweitreichste Monarch der Welt und gehört zu den reichsten Erdbürgern überhaupt, der seinen Reichtum auf Erdöl- und Erdgas begründet.
    Es wäre also die Politik gefragt, die bei diesen Ressourcen ja bekanntlich völlig versagt und diese schon immer über fundamentale Menschenrechte gestellt hat.
    Siehe Saudi Arabien, Lybien (damals sogar Gaddafi hofiert), Russland (Tschetschenien und trotzdem bauen wir gerade die Pipeline), usw usw usw...
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#8 KrichenasylAnonym
  • 31.03.2019, 18:51h
  • Antwort auf #6 von Dominik
  • "so etwas Großartiges wie Kirchenasyl. Schon mal was von gehört..?"

    Es reicht nicht davon gehört zu haben, man muss es auch verstanden haben. Über den Asylantrag entscheidet eigentlich das Land, in dem der Antragsteller zuerst europäischen Boden betreten hat. Wenn er nach seiner Ankunft z. B. in den Niederlanden sofort nach Deutschland reist und dort einen Antrag stellt, wird er in einer bestimmten Frist (ich glaube, es sind ein paar Monate) in die Niederlange gebracht, da die NIederländer für sein Verfahren und seine Unterbringung zuständig sind. Durch das Kirchenasyl werden diese Fristen immer überschritten mit dem Ergebnis, dass viele Asylsuchende nicht mehr in die Länder gebracht werden können, die eigentlich für ihre Verfahren und ihre Unterbringung zuständig sind, und Deutschland daher viel zu viele unnötige Asylverfahren durchführen muss, weil Kirchens mal wieder (natürlich auf Kosten des Steuerzahlers) Asylsuchenden ein Verfahren in Deutschland zukommen lassen und sich auch noch damit brüsten.

    Für Asylgewährung ist im Übrigen ausschließlich der Staat zuständig. Nur weil Christen mal wieder übergriffig werden, Asylsuchende dem vorgeschriebenen staatlichen Verfahren entziehen und sich mit einem erfundenen Wort schmücken, heißt das nicht, dass das nicht die meisten durchschauen. Die Zeche zahlt mal wieder der Steuerzahler für viele viele Asyl- und Gerichtsverfahren in Deutschland, die eigentlich in einem anderen EU-Staat stattfinden müssten.
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#9 daVinci6667
  • 31.03.2019, 18:54h
  • Antwort auf #6 von Dominik
  • ...........
    In Deutschland gilt ein Grundgesetz und keine religiöse Schrift als allgemeinverbindliche Rechtsgrundlage.
    .............
    Leider nicht so ganz richtig.
    Was ich will? Das hier zum Beispiel abschaffen:

    de.m.wikipedia.org/wiki/Arbeitsrecht_der_Kirchen

    oder Jungs vor Genitalverstümmelung schützen.

    Oder endlich sämtliche Konversionstherapien verbieten.

    Es gibt leider noch mehr was geändert werden müsste und der Gesetzgeber falsche Rücksicht auf religiöse Befindlichkeiten nimmt. Diese drei Beispiele jedoch gehören als erstes abgeschafft, beziehungsweise komplett und ausnahmslos verboten.
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#10 keine ExtrwürsteAnonym
  • 31.03.2019, 19:56h
  • Antwort auf #6 von Dominik
  • Es gibt kein "Kirchenasyl".

    Bei dieser Erfindung handelt es sich um die Behinderung weltlicher Vorgänge und die Aktivistinnen machen sich strafbar. Dass sie nicht zur Verantwortung gezogen werden, liegt lediglich an der unverhältnismäßigen Sonderbehandlung, die Religiotinnen in der Kirchenrepublik Deutschland über Gebühr genießen.

    Damit wird aber dankenswerterweise zunehmend häufig staatlicherseits aufgeräumt.
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