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Nach Kritik aus der Community

Kölner Polizei spricht nicht mehr vom "Homosexuellenmilieu"

Jahrzehntelang verwendeten Polizisten in Deutschland den diskriminierenden Begriff. Der Kölner Pressesprecher entschied jetzt, das Wort künftig zu meiden.


In Köln gibt es für die Polizei künftig kein "Homosexuellen-Milieu" mehr. (Bild: flickr / Eric Bauer / by 2.0)

Alles begann mit einem Raubmord. Im Februar wurde der 79-jährige Valentin Lennartz tot in seiner Wohnung in Köln-Deutz gefunden (queer.de berichtete). Der Senior, so zeigte die Obduktion der Leiche, wurde gewaltsam umgebracht. Deswegen will die Kölner Polizei den Fall öffentlich machen, um mehr Hinweise auf die letzten Lebensstunden des Opfers zu bekommen.

Schon wenige Stunden, nachdem Nachbar*innen die Leiche gefunden und die Polizei informiert hatten, schrieb Pressesprecher Thomas Held eine Pressemitteilung. "Wir standen unter Zeitdruck", sagte er gegenüber queer.de. Die Beamten hätten nicht ausschließen können, dass sich der schwule Rentner in der Nacht in queeren Szenekneipen oder auf dem Straßenstrich aufgehalten habe. Das wollte Held in der Pressemitteilung berücksichtigen. Um den Straßenstrich nicht explizit zu erwähnen, schrieb er: "Möglicherweise hat sich das Opfer im homosexuellen Milieu aufgehalten."

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Kritik vom Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen

Das Homosexuellen-Milieu, ein Begriff, mit dem Schwule und Lesben jahrzehntelang pauschal als Milieu bezeichnet wurden. Der Ausdruck, der Homosexuelle als potentiell kriminell diskriminiert, taucht immer wieder in Medienberichten und Pressemitteilungen auf.

Das kritisiert insbesondere Axel Bach, Vorstand beim Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ). Deswegen rief er Thomas Held an und konnte ihn überzeugen. "Wir wünschen der Polizei einen raschen Fahndungserfolg, sind aber der Meinung, dass eine konkrete Benennung der Umstände dabei mehr helfen könnte als der diskriminierende, verschwurbelte und falsche Begriff Homosexuellen-Milieu", sagte Bach. "Zudem sind wir gespannt, wie oft die Medien dieses Mal den unsinnigen und unsäglichen Begriff aus Polizeikreisen selbst verwenden werden." Tatsächlich übernahmen mehrere Medien die Bezeichnung, darunter der WDR, die "Rheinische Post" und die "Bild".

Polizeisprecher Held: Gespräche waren konstruktiv

Dass Journalist*innen die Pressemitteilung teilweise wortwörtlich übernahmen, hat auch Thomas Held überrascht. Es habe gezeigt, wie groß die Verantwortung der Polizei sei, solche Aufrufe korrekt zu formulieren. "Wir sprechen künftig nicht mehr vom 'homosexuellen Milieu'", so Held. Damit ist Köln die erste Polizeidienststelle in Deutschland, die ihr Umdenken öffentlich gemacht hat und den Begriff meiden will. Die Pressesprecher*innen der Kölner Polizei wollen zudem die Kolleg*innen der anderen Polizei-Pressestellen in Nordrhein-Westfalen überzeugen, den Begriff ebenso zu meiden.


Thomas Held sieht es nun positiv: "Durch meinen Fehler in der Pressemitteilung sind nun gute Kontakt zu schwul-lesbischen Organisationen entstanden", sagt er. Drei Menschen hätten sich über den Begriff beschwert, doch die Gespräche seien sehr freundlich und konstruktiv gewesen. "Wir wollen in Zukunft sensibler formulieren, um niemandem auf die Füße zu treten", sagt Held. Auch die Pressemitteilung wegen des Raubmords sei habe etwas gebracht. Es seien viele Hinweise eingegangen, die nun hilfreich für die Ermittlungen seien.

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#1 tchantchesProfil
#2 Patroklos
  • 01.04.2019, 20:21h
  • Mal sehen, wie lange die Kölner Polizei sich daran hält, den Begriff nicht mehr zu nennen.
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#3 niccinicciAnonym
  • 01.04.2019, 22:42h
  • dann schreiben die eben schwulenszene. genauso ok. kann mich an diskussion hier erinnern und es hat kaum jemand gestört. aber gut, das es mal erwähnt wurde.
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#4 Homonklin44Profil
  • 02.04.2019, 05:01hTauroa Point
  • Schön, dass man das im Polizeimilieu verstanden hat, äh....ja dann lassen wir das mal.

    Mit Dank an das Heterosexuellenmil...ich meine...ach ihr wisst schon. ;o) Schulterklopf für's Protect&Serve.

    Ach ja, und lasst die Motorradstaffel bitte wieder in Lederkombi fahren. Rrrr. Okay, das war jetzt OT.
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#5 KerzmanProfil
  • 02.04.2019, 05:56hPrinceton
  • Erinnert mich an die Sängerin Daliah Lavi, die uns 2004 im Kindergarten Armon Melech nahe Haifa besuchte, uns einen kurzen Vortrag über loshen harah (üble Rede) hielt und dann ein hebräisches Lied sang, das im deutschen Text als Worte zerstören, wo sie nicht hingehören übersetzt worden war (Meine Art, Liebe zu zeigen, das ist ganz einfach schweigen - kann sich jemand von Euch daran erinnern?). Das hat uns allen einen großen Eindruck bereitet, und wir haben sogleich gelernt, wie wichtig es ist, seine Wortwahl zu beachten, um niemanden verbal zu verletzen, so wie es die Vokabel Schwulenmilieu tut. Hoffentlich macht die Entscheidung der Kölner Polizei die Runde in Deutschland, und das Wort Schwulenmilieu erfährt ganz einfach Schweigen.
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#6 stephan
  • 02.04.2019, 07:58h
  • Nicht zu fassen, dass das Wort "Homosexuellenmilieu" immer noch verwendet wurde! Es ist schon Jahre her, dass der KHK Alfons Hettmar in der Sendung Aktenzeichen xy dieses Unwort naserümpfend verwendete und damals war ich sicherlich nicht der einzige Zuschauer, der sich mit deutlichen Worten darüber beschwert hat. Seitdem habe ich dieses Wort nirgendwo mehr gehört, dachte auch, dass dieses Kapitel endlich erledigt sei. ... Bedenklich ist, dass 2019 ein Aussage der Polizei zur Nicht-Verwendung dieses Wortes noch eine Nachricht sein muss!
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#7 BLSJ eVAnonym
#8 Ralph
  • 02.04.2019, 10:48h
  • Antwort auf #6 von stephan
  • Ja, Stephan, kaum eine Fernsehsendung hat den Begriff des Homosexuellenmilieus so in die Öffentlichkeit getragen wie xy, ob mit oder ohne ausdrückliche Verwendung dieses Wortes. Ich erinnere mich gut, dass in meiner Kindheit und Jugend immer dann, wenn mal wieder ein Mord an einem schwulen Mann nachgestellt wurde, die Stimme aus dem Off peinlich berührt raunte: "Eine homophile Veranlagung zwingt ihn zu einem Doppelleben." Und die Konsequenz war dann halt der gewaltsame Tod, am besten durch seinesgleichen. In einer Zeit, als derartige Sequenzen fast die einzigen öffentlichen Erwähnungen von Homosexualität waren, hat das mein Selbstbild als Unperson und mein Grauen vor dem weiteren Leben geprägt. Davon mussten sich viele Schwule später erst mal befreien.
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#9 TheDadProfil