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15 Kisten entdeckt
Schwules Museum übergibt "pädosexuelles Material" an Polizei
Wissenschaftler haben in dem Archiv des Museums Bilder gefunden, die Kindesmissbrauch zeigen. Nun übergab der Vorstand das Material an die Ermittlungsbehörden.
- Von Markus Kowalski
4. April 2019, 10:06h 3 Min.
Zu Update springen: (5. April 17:20) Polizei Berlin spricht von 38 Kisten
Wissenschaftler*innen haben im Archiv des Schwulen Museums pädosexuelles Material gefunden. Der Vorstand übergab das Material am vergangenen Freitag der Polizei. Darüber informierte der Vorstand am Mittwoch die Mitarbeiter*innen mit einer E-Mail, die queer.de vorliegt. Darin heißt es, dass das "strafrechtlich vermutlich relevante Material aus bisher unerschlossenen Beständen" des Archivs stamme. Auf Anfrage sagte Daniel Sander, Pressesprecher des Museums, es handele sich um 15 Kisten mit Fotos, Videos, gerahmten Bildern, Briefwechseln und Zeitschriften.
Im Schwulen Museum können Menschen namentlich oder anonym Briefe, Fotos, Kunstwerke oder sonstige Materialien abgeben, die für die Geschichte der LGBTI-Bewegung wichtig sein könnten. Durch diese Spenden wächst das Archiv stetig. "Wie Ihr auch wisst, haben wir nicht genug Personal, um das Material sofort zu erfassen. Deshalb können Bestände auch über einen längeren Zeitraum ungesichtet bleiben", heißt es in der Mitteilung des Vorstands weiter. So blieben auch im aktuellen Fall die Kisten jahrelang unbearbeitet.
Museum will Aufarbeitung unterstützen
Die Kisten wurden erst kürzlich durch zwei Wissenschaftler*innen entdeckt. Im Herbst 2018 fragte die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, die von der Bundesregierung bestellt wurde, beim Schwulen Museum an. Zwei Forscher*innen wollten Zugang zu dem Archiv erhalten. Mit Zustimmung des Museums hätten sie für die Vorstudie "Sexuelle Gewalt im Rahmen der so genannten Pädosexuellenbewegung in Berlin" recherchiert. Dem Museum sei die "Aufarbeitung von pädosexuellen Strömungen in der Bewegungsgeschichte" ein Anliegen, daher habe man der Recherche zugestimmt.

Im Archiv des Schwulen Museums.
Im März, als die Recherche der Wissenschaftler*innen beendet war, hätten sie den Vorstand auf die Materialien hingewiesen. Daraufhin habe der Vorstand die relevanten Kisten verschlossen und sich juristisch beraten lassen, sagt Sander. Die Materialien "haben wir nun den Ermittlungsbehörden zur Verfügung gestellt, denn strafbar ist bereits der Besitz kinderpornografischen Materials", heißt es in der Mitteilung des Vorstands. Die Kisten seien der Berliner Polizei am vergangenen Freitag übergeben worden.
Sprecher: Mitarbeiter haben nichts von Material gewusst
"Wir haben uns nichts zu schulden kommen lassen", sagt Sander. Die aktuell im Schwulen Museum engagierten Mitarbeiter*innen hätten bis zu dem Hinweis der Wissenschaftler*innen nichts von den Materialien gewusst. Vermutlich stamme das meiste Material von einer Person, die ihren Vorlass zwischen 2014 oder 2015 beim Schwulen Museum unter einem Pseudonym abgegeben habe.
"Natürlich hat uns das alles sehr erschreckt", schreibt der Vorstand. Man wolle aber nicht über reagieren, sondern abwarten, was die Polizei ermittele. "Wir müssen mit Anfeindungen aus Kreisen rechnen, die nur darauf warten, Homosexualität mit Pädophilie in Verbindung zu bringen, und die Gelegenheit für einen Angriff auf das Museum nutzen." Dem werde man jedoch mit Ruhe und Bedacht begegnen. "Wir sind überzeugt, dass Aufklärung richtig und wichtig ist, und dass wir gestärkt daraus hervorgehen." Am Donnerstag wurde die Öffentlichkeit mit einem Newsletter über den Fall informiert.
Update 5. April 17.20h: Polizei Berlin spricht von 38 Kisten
Die Polizei Berlin bestätigt, dass das Material von der Rechtsanwältin des Schwulen Museums abgegeben wurde. Allerdings handele es sich nicht um 15 Kisten, wie vom Sprecher des Schwulen Museums angegeben, sondern um 38 Kisten. So sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage: "Am 29.03.2019 wurden der Polizei von einer vom Schwulen Museum beauftragten Rechtsanwältin 38 Kisten aus dem Archiv des Museums übergeben. Die Kisten sind unter anderem gefüllt mit Druckerzeugnissen, Fotos, Videokassetten und Super-8-Filmen. Es besteht der Verdacht, dass sich unter diesem Material auch Kinderpornografie befinden könnte." Das Material müsse noch beim LKA 131 gesichtet werden. Die Ermittlungen dauerten an.
















Erschreckend zu lesen, dass man sogar Bilder von Kindesmissbrauch rahmt. Ich bin maximal angewidert.
Ich hoffe, dass das schnell aufgeklärt wird und das Museum keine bleibenden Schäden davon trägt.