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15 Kisten entdeckt

Schwules Museum übergibt "pädosexuelles Material" an Polizei

Wissenschaftler haben in dem Archiv des Museums Bilder gefunden, die Kindesmissbrauch zeigen. Nun übergab der Vorstand das Material an die Ermittlungsbehörden.


Der Eingang des Schwulen Museums in Berlin (Bild: KimSchneider / wikipedia)

Zu Update springen: (5. April 17:20) Polizei Berlin spricht von 38 Kisten

Wissenschaftler*innen haben im Archiv des Schwulen Museums pädosexuelles Material gefunden. Der Vorstand übergab das Material am vergangenen Freitag der Polizei. Darüber informierte der Vorstand am Mittwoch die Mitarbeiter*innen mit einer E-Mail, die queer.de vorliegt. Darin heißt es, dass das "strafrechtlich vermutlich relevante Material aus bisher unerschlossenen Beständen" des Archivs stamme. Auf Anfrage sagte Daniel Sander, Pressesprecher des Museums, es handele sich um 15 Kisten mit Fotos, Videos, gerahmten Bildern, Briefwechseln und Zeitschriften.

Im Schwulen Museum können Menschen namentlich oder anonym Briefe, Fotos, Kunstwerke oder sonstige Materialien abgeben, die für die Geschichte der LGBTI-Bewegung wichtig sein könnten. Durch diese Spenden wächst das Archiv stetig. "Wie Ihr auch wisst, haben wir nicht genug Personal, um das Material sofort zu erfassen. Deshalb können Bestände auch über einen längeren Zeitraum ungesichtet bleiben", heißt es in der Mitteilung des Vorstands weiter. So blieben auch im aktuellen Fall die Kisten jahrelang unbearbeitet.

Museum will Aufarbeitung unterstützen

Die Kisten wurden erst kürzlich durch zwei Wissenschaftler*innen entdeckt. Im Herbst 2018 fragte die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, die von der Bundesregierung bestellt wurde, beim Schwulen Museum an. Zwei Forscher*innen wollten Zugang zu dem Archiv erhalten. Mit Zustimmung des Museums hätten sie für die Vorstudie "Sexuelle Gewalt im Rahmen der so genannten Pädosexuellenbewegung in Berlin" recherchiert. Dem Museum sei die "Aufarbeitung von pädosexuellen Strömungen in der Bewegungsgeschichte" ein Anliegen, daher habe man der Recherche zugestimmt.


Im Archiv des Schwulen Museums.

Im März, als die Recherche der Wissenschaftler*innen beendet war, hätten sie den Vorstand auf die Materialien hingewiesen. Daraufhin habe der Vorstand die relevanten Kisten verschlossen und sich juristisch beraten lassen, sagt Sander. Die Materialien "haben wir nun den Ermittlungsbehörden zur Verfügung gestellt, denn strafbar ist bereits der Besitz kinderpornografischen Materials", heißt es in der Mitteilung des Vorstands. Die Kisten seien der Berliner Polizei am vergangenen Freitag übergeben worden.

Sprecher: Mitarbeiter haben nichts von Material gewusst

"Wir haben uns nichts zu schulden kommen lassen", sagt Sander. Die aktuell im Schwulen Museum engagierten Mitarbeiter*innen hätten bis zu dem Hinweis der Wissenschaftler*innen nichts von den Materialien gewusst. Vermutlich stamme das meiste Material von einer Person, die ihren Vorlass zwischen 2014 oder 2015 beim Schwulen Museum unter einem Pseudonym abgegeben habe.

"Natürlich hat uns das alles sehr erschreckt", schreibt der Vorstand. Man wolle aber nicht über reagieren, sondern abwarten, was die Polizei ermittele. "Wir müssen mit Anfeindungen aus Kreisen rechnen, die nur darauf warten, Homosexualität mit Pädophilie in Verbindung zu bringen, und die Gelegenheit für einen Angriff auf das Museum nutzen." Dem werde man jedoch mit Ruhe und Bedacht begegnen. "Wir sind überzeugt, dass Aufklärung richtig und wichtig ist, und dass wir gestärkt daraus hervorgehen." Am Donnerstag wurde die Öffentlichkeit mit einem Newsletter über den Fall informiert.

 Update  5. April 17.20h: Polizei Berlin spricht von 38 Kisten
Die Polizei Berlin bestätigt, dass das Material von der Rechtsanwältin des Schwulen Museums abgegeben wurde. Allerdings handele es sich nicht um 15 Kisten, wie vom Sprecher des Schwulen Museums angegeben, sondern um 38 Kisten. So sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage: "Am 29.03.2019 wurden der Polizei von einer vom Schwulen Museum beauftragten Rechtsanwältin 38 Kisten aus dem Archiv des Museums übergeben. Die Kisten sind unter anderem gefüllt mit Druckerzeugnissen, Fotos, Videokassetten und Super-8-Filmen. Es besteht der Verdacht, dass sich unter diesem Material auch Kinderpornografie befinden könnte." Das Material müsse noch beim LKA 131 gesichtet werden. Die Ermittlungen dauerten an.



#1 Patrick SAnonym
  • 04.04.2019, 12:19h
  • Entschuldigung, aber wenn man Kistenweise Material von Pädophilen in seinem Archiv lagert, braucht man sich auch nicht wundern, wenn da von unsortierten Menschen Linien zwischen Homos und Pädos gezogen werden. Das Museum heist eben Schwules Museum.
    Erschreckend zu lesen, dass man sogar Bilder von Kindesmissbrauch rahmt. Ich bin maximal angewidert.
    Ich hoffe, dass das schnell aufgeklärt wird und das Museum keine bleibenden Schäden davon trägt.
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#2 DominikAnonym
  • 04.04.2019, 12:29h
  • Da kann man nur hoffen, dass die polizeilichen Ermittlungen die Darstellung des Museums bestätigen werden. Sonst wär's wirklich ein ganz dickes Ei und könnte das Ende dieses Museums bedeuten. Hoffe ich nicht.
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#3 ElfolfProfil
  • 04.04.2019, 12:34hHamburg
  • Sehr engagierte Mitarbeiter. Schaffen es über Jahre nicht, eingeliefertes Material zumindest erstmal grob zu sichten. Da werden Kartons einfach angenommen und beiseite gestellt. Ich kann da nur mit dem Kopf schütteln.
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#4 olfwobAnonym
  • 04.04.2019, 13:15h
  • Auch wenn das nicht direkt komplett bearbeitet werden kann, sollte man evtl. nicht trotzdem bereits bei der Entgegennahme eine grobe Sichtung des Materials durchführen? Hat da wirklich niemand wenigstens einen kurzen Blick in die Kisten geworfen schon alleine um sicher zugehen, dass nicht irgend eine Verrückter einen Brandsatz einschleust.
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#5 daVinci6667
  • 04.04.2019, 13:41h
  • Antwort auf #4 von olfwob
  • Genau das habe ich auch gedacht. Als schwules Museum müsste man doch wissen, dass es da draussen viele Verrückte gibt die denen und uns allen womöglich was anhängen wollen.

    Besonders jetzt wo breit bekannt ist dass man denen anonym irgendwelche Kisten mit unbekanntem Inhalt einfach so ungeprüft übergeben kann ist die Gefahr gross. Also bevor irgendwas angenommen wird muss zumindest ab sofort eine Grobkontrolle gemacht werden.

    Über solche extrem grobfahrlässige Naivität kann man sich nur massiv wundern. Wer sicher sein will muss leider immer vom schlimmsten ausgehen.
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#6 LotiAnonym
  • 04.04.2019, 13:59h
  • Also ich verstehe die Aufregung hier tatsächlich nicht. Im Artikel ist unter anderem nachzulesen, dass das Schwule Museum unter Personalmangel leidet. Zudem haben die Verantwortlichen bei Bekanntgabe der Funde vollkommen korrekt reagiert, sich juristischen Rat eingeholt und sogleich alles der Polizei übergeben. Da es sich vermutlich um eine anonyme Spende handelt, ist nun die Polizei am Zug, herauszufinden wem dieses Material zuzuordnen ist. Fingerabdrücke z.B. lassen sich vielleicht ermitteln. Dem Museum jetzt Vorhaltungen zu machen, finde ich einfach nicht richtig. Alles weitere wird die Ermittlung ergeben.
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#7 swimniAnonym
  • 04.04.2019, 14:21h
  • Antwort auf #6 von Loti
  • ich habe 4 jahre in einem Museum gearbeitet.

    wenn man etwas entgegennimmt, muss es kurz gesichtet werden. entwerder man macht ein Museum oder eben nicht. bei allem Verständnis für personalmangel. gerade weil man weiss, man könnte auch angefeindet werden, ist es schon allein aus Sicherheitsgründen nötig, die spenden einzuschgätzen. klarer fall von zu ausgeprägter Laissez-faire-Mentalität. blöd! so leid es mir tut!!!
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#8 daVinci6667
  • 04.04.2019, 14:27h
  • Antwort auf #6 von Loti
  • Personalmangel rechtfertigt nichts. Sicherheit muss oberste Priorität haben. Hier hat eindeutig das Management des Museums klar versagt.

    Wo leben wir denn? Wo alle lieb und freundlich miteinander sind?

    Die Realität ist, unsere Einrichtungen sind Terroranschlagsziele von Verrückten aller Art, von Nazis, Islamisten usw.

    Das konnte man schon vor dem Anschlag auf den schwulen Nachtclubs Pulse mit 49 Toten und Dutzenden Schwerverletzten wissen.

    Und die nehmen ungeprüft von Anonymen kistenweise irgendwelche Materialien entgegen?
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#9 LotiAnonym
  • 04.04.2019, 14:33h
  • Antwort auf #5 von daVinci6667
  • Einerseits stimme ich mit Deiner Aussage überein, dann hat, wer immer diese Kisten angenommen hat es versäumt einen groben Blick reinzuwerfen. Nur für den Fall einer Bombe. Soweit so richtig.
    Ich war 25 Jahre im Postdienst tätig und habe in jeder meiner Nachtschichten mit meinen Kolleg*innen tausende Sendungen in der Hand gehabt und bearbeitet. Gut kann ich mich noch an ein Vorfall erinnern, wo ein Din A4 Brief, ca. 5mm dick auf meinen Arbeitsplatz landete. Dieses Schreiben ging an den damaligen Bundespräsidenten Rau. Ich drehte den Brief um und da stand auf der Rückseitegeschrieben: Dies ist keine Bombe. Ich wollte es persönlich meinem Schichtleiter zur weiteren Verarbeitung übergeben, doch sein Büro war nicht besetzt. Also legte ich das Schreiben an seinem Platz. Nicht lange und wir mußten unseren Arbeitsplatz verlassen. Schon nach kurzer Zeit kam die Entwarnung. Der Schichtleiter war so geschockt über den Brief, das er sogleich das Sprengstoffkommando herbeirief. Als diese schon nach kurzer Zeit feststellte, das es sich tatsächlich nur um ein wirres Schreiben handelte, meinte die Ermittlerin zu meinem Schichtleiter, er möge doch beim nächsten mal etwas genauer hinschauen.
    So, nun meine Frage, hat der Schichtleiter richtig gehandelt oder war er nur paranoid?
    Wir alle in der Schicht mußten uns dann später einen Vortrag darüber anhören. Und was glaubst Du wohl wem die Schuld zugeschoben worden ist? Dreimal darfst Du Raten. Jahre Später gab es einen Verdacht auf Antrax in Briefsendungen. Uns wurde erst auf beharrliches verlangen stinknormale Atemmasken und Latexhandschuhe zugeteilt. Soviel zum Thema Sicherheit am Arbeitsplatz. Will damit nur andeuten, das es auch zu Fehlern im Schwulen Museum kommen kann.
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#10 LotiAnonym
  • 04.04.2019, 14:42h
  • Ok Leute, sorry für mein Vorpreschen. War ein Fehler des Museums, Punkt. Es ist nichts dergleichen passiert und die Kisten lagen Jahrelang unentdeckt herum.
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