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Vielfaltsbarometer 2019

Religion in Deutschland unbeliebter als LGBT

Eine repräsentative Studie der Robert Bosch Stiftung gibt teilweise überraschende Aussagen zur Einstellung der Bevölkerung zu sieben verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen.


Die Akzeptanz nimmt zu: Teilnehmerinnen beim Dyke*March 2016 in Hamburg mit Bier und Regenbogenfahnen (Bild: Franziska Neumeister / flickr)

Gesellschaftliche Vielfalt ist in Deutschland relativ gut akzeptiert. Die Mehrheit der Deutschen empfindet das Zusammenleben mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen als bereichernd und weniger als Gefahr. Gleichzeitig gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern und den unterschiedlichen Gruppen. So ist die Offenheit gegenüber Menschen mit Behinderung sowie LGBT-Personen, aber auch gegenüber Menschen aus anderen Herkunftsländern sehr hoch, die Akzeptanz religiöser Vielfalt hingegen deutlich niedriger. Zu diesen Ergebnissen kommt das Vielfaltsbarometer 2019 der Robert Bosch Stiftung, das die Einstellung der Bevölkerung zu sieben gesellschaftlichen Gruppen auf Bundes- und Länderebene untersucht.

Für die repräsentative Studie wurden deutschlandweit über 3.000 Personen befragt. Forscher der Jacobs University Bremen haben die Studie im Auftrag der Stiftung durchgeführt und die Ergebnisse mit vorhandenen soziodemografischen und sozioökonomischen Daten in Beziehung gesetzt. Das Vielfaltsbarometer bündelt die Ergebnisse in einem Vielfaltsgesamtindex. Auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten liegt der Mittelwert für die Akzeptanz von Vielfalt in Deutschland aktuell bei 68 Punkten und damit klar im positiven Bereich.

Direktlink | Die wichtigsten Ergebnisse der Studie als Video

Akzeptanz von Menschen mit Behinderung besonders hoch

Neben regionalen Unterschieden zeigt das Vielfaltsbarometer, in welchen Bereichen Vielfalt mehr oder auch weniger akzeptiert ist. So stehen die Deutschen Menschen mit Behinderung (83 Punkte) sowie LGBT (77 Punkte), aber auch Menschen mit anderer ethnischer Herkunft (73 Punkte) offen gegenüber.


Mit diesen vier Fragen wurde die Einstellung gegenüber LGBT-Menschen abgefragt (Infografik: Robert Bosch Stiftung)

Auch bei Menschen eines anderen Lebensalters (70 Punkte) oder eines anderen Geschlechts (69 Punkte) ist die Akzeptanz vergleichsweise hoch. Die größten Vorbehalte gibt es gegenüber sozioökonomisch Schwachen (58 Punkte) und gegenüber Religion und religiöser Vielfalt (44 Punkte).

"Beim Thema Religion ist die deutsche Bevölkerung zerrissen", sagt Professor Klaus Boehnke von der Jacobs University Bremen. "Allerdings legen die Ergebnisse nahe, dass es sich dabei nicht um ein Votum zu einzelnen Religionen wie dem Islam handelt. Vielmehr zeigt sich in der geringen Zustimmung eine allgemeine Distanz gegenüber religiösen Lebensweisen und Traditionen."

West-Ost- und Nord-Süd-Gefälle

Der bundesweite Vergleich zeigt sowohl ein relativ deutliches West-Ost- als auch ein Nord-Süd-Gefälle. Besonders offen gegenüber Vielfalt sind die Menschen in Hamburg (72 Punkte), Schleswig-Holstein (71 Punkte), Bremen (71 Punkte), Berlin (71 Punkte) und Niedersachsen (70 Punkte). Im Mittelfeld finden sich die verbleibenden Länder der alten Bundesrepublik. Skeptischer gegenüber Vielfalt zeigen sich die Bürgerinnen und Bürger in den ostdeutschen Bundesländern, die mit Punktzahlen zwischen 65 und 61 Punkten die hinteren Plätze im Ranking einnehmen.


Zur Aussage, dass es ekelhaft sei, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen, gab es in den Bundesländern sehr unterschiedliche Antwortraten (Bild: Robert Bosch Stiftung)

Mentalität und persönliche Einstellung entscheidend

Die Studie zeigt, dass vor allem individuelle und persönliche Aspekte für die Akzeptanz von Vielfalt entscheidend sind. Je mehr sich Menschen von anderen Gruppen bedroht fühlen, desto geringer fällt die Zustimmung aus. Ist hingegen die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, stark ausgeprägt, liegt die Akzeptanz höher.

Zudem gibt es eine deutliche Korrelation zwischen Offenheit, politischer Überzeugung und Einstellung zur Globalisierung. Je stärker sich Menschen politisch links verorten und die Globalisierung als Bereicherung sehen, desto besser ist es um die Vielfaltsakzeptanz bestellt. Ökonomische und strukturelle Faktoren wie der eigene Wohlstand oder die Arbeitslosenquote in der Region sind hingegen nachrangig.

Akzeptanz von Vielfalt stärkt gesellschaftlichen Zusammenhalt

Darüber hinaus belegt das Vielfaltsbarometer, dass neben dem Vertrauen in Institutionen und Mitmenschen die Akzeptanz von Vielfalt eine entscheidende Stellschraube ist, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Dort, wo Vielfalt akzeptiert wird, ist auch der gesellschaftliche Zusammenhalt stärker und umgekehrt.

"Nicht Vielfalt an sich ist die Herausforderung für gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern die Frage, wie wir mit ihr umgehen", erklärte die Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, Sandra Breka, zur Studie. "Die Daten des Vielfaltsbarometers sprechen dafür, dass der konstruktive Umgang mit Vielfalt erlernbar ist. Vor allem persönliche Begegnungen können die Empathie stärken und das Unbehagen gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen abbauen."

In der Nachbarschaft große Offenheit für Vielfalt

Begegnungen in der Nachbarschaft kommt eine große Bedeutung zu. Hier stehen die meisten Menschen beispielsweise Homosexuellen, Sozialhilfeempfängern oder religiösen Moslems noch einmal deutlich offener gegenüber, als die allgemeine Einstellung zu diesen Gruppen vermuten lässt.

"Die Zivilgesellschaft kann es sich zur Aufgabe machen, solche Begegnungen zu initiieren. Nicht weniger bedeutend ist aber die Rolle von Politik und Medien, die durch ihre Art der Kommunikation den Grundton legen, wie über gesellschaftliche Vielfalt in Deutschland gesprochen wird", so Breka. (cw/ots)



#1 gastAnonym
  • 05.04.2019, 10:42h
  • Die positive Einstellung gegenüber LGBT Personen konnte man kürzlich erst wieder auf Facebook u. Twitter nachlesen. Da gab´s " "Likes" und "Herzchen" zuhauf bei der Nachricht, dass gleichgeschlechtlicher Sex im Sultanat Brunei nun mit der Todesstrafe per Steinigung bestraft wird.
    Ach ich liebe diese Meinungsforschungsinstitute mit ihren tollen Analysen, die haben ja so recht ...
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#2 Ralph
  • 05.04.2019, 10:46h
  • Ich wage die These, dass wer eine vielfältige Gesellschaft befürwortet, geradezu naturgemäß jedweder Religion kritisch gegenüberstehen muss. Das liegt ganz einfach daran, dassl Religionen einen Rahmen erstellt haben, innerhalb dessen Menschen sich zu bewegen haben, widrigenfalls sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden; in der Regel beschränken Religionen sich dabei nicht auf sich selbst, sondern fordern, ihr Rahmen müsse für die Gesamtgesellschaft gelten und auch die staatliche Gesetzgebung leiten. Solch ein Programm läuft Freiheit und Vielfalt zuwider.
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#3 Ralph
  • 05.04.2019, 11:09h
  • Antwort auf #1 von gast
  • Die Leute, die auf den asozialen Netzwerken unterwegs sind, bilden nicht die Mehrheit derjenigen, die nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten representativ für eine Umfrage ausgewählt werden, und die religiösen und politischen Fanatiker, von denen Du sprichst, schon mal gleich gar nicht.
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#4 TheDadProfil
#5 JosephMartinProfil
  • 05.04.2019, 13:18hBraunschweig
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Mir fallen dazu spontan mal wieder die Worte von Karl-Heinrich Ulrichs, dem Begründer der Schwulenbewegung (und patriotischem Hannoveraner), ein:

    Unsere Stellung ist überall auf der Seite der vergewaltigten und geschmahten: mögen sie heißen: Pole, Hannoveraner, Jude, Katholik, oder sei es ein unschuldiges Geschopf, das den Leuten anrüchig ist, weil es so sittenlos war, außerehelich geboren zu werden, wie wir ja so unsittlich waren, mit der Urningsnatur ausgestattet geboren zu werden. ... Wir, die wir wissen. Wie es thut, vergewaltigt und gemartert zu werden: wir können so recht von Herzen die Partei jener ergreifen, die wir in ähnlicher Lage erblicken.
    Naturgemäß sympathisieren wir demnach mit einer Rückziehung des Arms der Gewalt von Polen und von Hannover. Neben dem Juden stehen wir, sobald ein übermüthiger Katholik ihn beschimpft, neben dem Katholiken, sobald ein intoleranter Liberaler ihn um seines Glaubens willen schmäht. Wir verteidigen nicht heuchlerisches Augenverdrehn, wohl aber das Recht, Katholik zu sein, das Menschenrecht, für glauben oder nicht glauben sich zu verantworten vor dem eigenen Gewissen und nicht vor schmähsüchtigen Parteien. Mit Characteren sympathisieren wir, mit jedem freien Menschen.

    (Zitiert nach der Homepage des Kirchenkreises Burgdorf)
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#6 RainerWAnonym
  • 05.04.2019, 13:47h
  • Antwort auf #1 von gast
  • Nicht zu vergessen die vielen Lachsmileys bei dem FB Artikel. Es ist immer ein Unterschied zwischen dem, was Menschen in einer öffentlichen Umfrage sagen und dem, was sie wirklich denken
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#7 provokantAnonym
#8 sehrgutAnonym
  • 05.04.2019, 17:57h
  • Na das ist doch mal was :-)
    Viel muss ich dazu nicht sagen, nur folgendes:

    Selbst schuld. Wer so dermaßen über uns ablästert und uns alles unmögliche unterstellt, hat es nicht anders verdient!
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#9 Gerade in OzAnonym
  • 06.04.2019, 01:09h
  • Ich finde es sehr überraschend, dass LGBT* so stark akzeptiert werden.
    Was mich jedoch etwas verwirrt ist die Akzeptanz des anderen Geschlechts.
    Demnach sind LGBT*'s mehr akzeptiert als Frauen? (Wenn man von den befragten Männern ausgeht)
    Mit einen Unterschied von 77 zu 69 Punkten sogar erheblich.
    Ich finde irgendwas stimmt da nicht.
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#10 sehrgutAnonym
  • 06.04.2019, 12:52h
  • Antwort auf #9 von Gerade in Oz
  • 69% eines anderen Geschlechts.
    Das können dann Frauen ODER AUCH Männer sein.

    Und wieso sollte da was nicht stimmen?
    So ganz "aus dem Oz" ist es nicht.

    Ich erlebe es oft, dass Hetero-Frauen Homosexualität gegenüber sehr viel mehr positiv gestimmt sind, als sie es öffentlich zugeben.
    Als Lesbe wird man oft von Hetero-Frauen angeschrieben und sie sind zu mehr als der Hälfte mit ihrer Hetero-Beziehung nicht zufrieden und nicht glücklich.
    Insofern kann die Prozentzahl 69 durchaus zutreffen.

    Und solche Umfragen werden immer positiver beantwortet als zugegeben wird.
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