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Weltweiter Aufschrei

Deutsche Bank boykottiert Hotels des Sultanats Brunei

Wegen der Steinigung von Schwulen will die größte deutsche Bank die Hotels des Sultans nicht mehr nutzen. Die Sängerin Dua Lipa und die Komikerin Ellen DeGeneres rufen ebenso zum Boykott auf.


Eine Moschee in Brunei (Bild: Bernard Spragg. NZ / flickr)

  • Von Markus Kowalski
    5. April 2019, 08:55h 12 4 Min.

Mitarbeiter*innen der Deutschen Bank dürfen ab sofort nicht mehr in Hotels übernachten, die dem Sultanat Brunei gehören. Dies teilte die Bank am Donnerstag mit. "Die von unseren Mitarbeitern nunmehr nicht mehr zu buchenden Hotels der Dorchester Collection sind über eine staatliche Investment-Agentur im Eigentum des Sultanats", hieß es in einer Stellungnahme der Bank. "Die von Brunei eingeführten neuen Gesetze verletzen grundlegende Menschenrechte. Es ist unsere Pflicht als Unternehmen, uns gegen Menschenrechtsverletzungen zu stellen", erklärte Stuart Lewis, zuständiges Vorstandsmitglied der Bank.

In Brunei gelten seit Mittwoch neue Scharia-Gesetze. Schwuler Sex kann mit dem Tod durch Steinigung bestraft werden. Frauen, die gleichgeschlechtlichen Sex haben, müssen mit einer Höchststrafe von 40 Stockhieben oder zehn Jahren Gefängnis rechnen (queer.de berichtete).

Mehrere große deutsche Unternehmen handeln mit Brunei, wie die "Bild"-Zeitung am Donnerstag berichtete. Die Lufthansa schicke einzelne Pilot*innen "im Rahmen einer 18-monatigen Arbeitnehmerüberlassung" nach Brunei. Flüge in das Land bieten die Airlines der Lufthansa Group demnach nicht an. "Aktuell sind drei Piloten und neun Techniker in Brunei. Die Mitarbeiter entscheiden sich freiwillig für den Einsatz dort", sagte ein Sprecher der Zeitung.

Nach einem Gespräch könnten Flugbegleiter*innen Flüge in Länder mit homophoben Gesetzgebungen verweigern. Die eingesetzten Lufthansa-Pilot*innen werden den Angaben zufolge vor der Abreise in den Staat geschult. Es gäbe zudem regelmäßigen Kontakt zu ihnen und der Deutschen Botschaft. Die Lufthansa betont, dass ihr Diversität sehr wichtig sei: "Wir tolerieren keinerlei diskriminierendes Verhalten, sei es gegenüber Mitarbeitern, Kunden oder Lieferanten. Jeglicher Form von Diskriminierung gehen wir konsequent nach."

Außerdem handelten der Autohersteller Volkswagen und die rheinland-pfälzische Pharmafirma Boehringer Ingelheim mit Brunei. Der Industriekonzern Thyssen-Krupp baue in dem Land seit 2017 eine Düngemittelfabrik. Ein Sprecher des Konzerns sagte, man unterstütze aber die diplomatischen Bemühungen Deutschlands, auf eine Verbesserung der Menschenrechtslage hinzuwirken.

Boykott-Aufrufe auf Twitter: #BoycottBrunei

Auf Twitter riefen weitere Prominente zum Boykott der Hotels des Sultanats Brunei auf. Die britische Sängerin Dua Lipa schrieb, die Rechte von Homosexuellen seien Menschenrechte. "Boykottiert die Unternehmen und Menschen, die an die unmenschlichen Anti-LGBT-Gesetze glauben. Positioniert euch heute und für immer und zeigt Unterstützung. Dieser Kampf wird nie zu Ende sein, und wir kratzen nur an der Oberfläche, aber wir müssen lauter als jemals zuvor sein."


Sängerin Dua Lipa setzte sich immer wieder für die Rechte von LGBTI ein (Bild: Justin Higuchi / flickr)

Am Donnerstag schrieb die TV-Komikerin Ellen DeGeneres auf Twitter, man solle wegen der "schrecklichen Situation in Brunei" aktiv werden.

/ TheEllenShow
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Viele Nutzer schlossen sich unter dem Hashtag #BoycottBrunei dem Aufruf an. Am Mittwoch regierte die Hotelkette "Dorchester Collection Hotels" auf die Boykott-Aufrufe, indem sie ankündigte, ihre Accounts in den sozialen Netzwerken zu deaktivieren. Betroffen seien das Beverly Hills Hotel in Los Angeles und The Dorchester in London. Zuletzt hatten Prominente wie Elton John (queer.de berichtete) und George Clooney zum Boykott der Hotel-Kette aufgerufen (queer.de berichtete).

Britischer Außenminister verteidigt Sultan als guten Freund

Im britischen Unterhaus verteidigte Außenminister Mark Field (Tories) den bruneiischen Alleinherrscher Hassanal Bolkiah: "Der Sultan von Brunei ist seit vielen Jahren ein großer Freund dieses Landes. Er ist, denke ich, mit dem Alter ein bisschen frommer geworden." Dies sei ein Grund für die Einführung der Scharia-Gesetze. Field sagte, er hoffe, dass man den "positiven und konstruktiven Dialog zu diesem Thema" fortsetzen könne.

/ foreignoffice | Die Erklärung des britischen Außenministers Mark Field zur Situation von LGBTI in Brunei
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Brunei gehört zum britischen Commonwealth. Abgeordnete hatten vorgeschlagen, das Land aus dem Staatenverbund wegen der Einführung der Scharia-Gesetze auszuschließen. Dies lehnte Field ab. Trotzdem verurteilte er die neuen Gesetze als Verstoß gegen die Menschenrechtsverpflichtungen des Landes.


Ist besorgt über die homosexuellen Soldaten in Brunei: Großbritanniens Verteidigungsminister Gavin Williamson (Bild: Chris McAndrew)

Der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson zeigte sich besorgt über die homosexuellen Soldaten Großbritanniens, die in Brunei stationiert sind. Wie die "Times" berichtet, sagte er: "Das Außenministerium hat sofort Gespräche mit der Regierung von Brunei gestartet, um sicherzustellen, dass unsere Truppen davon nicht betroffen sind", sagte Williamson. Aktuell seien rund 2.000 britische Soldat*innen in Brunei stationiert.

-w-

#1 Simon HAnonym
  • 05.04.2019, 16:57h
  • Richtig so.

    Es ist zwar skandalös, dass z.B. unsere schwarz-rote Bundesregierung inkl. des zuständigen Außenministern Heiko Maas schweigend wegsieht.

    Aber gut, dass wenigstens Unternehmen und Promis zu Boykotten aufrufen.
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#2 nichtgenugAnonym
  • 05.04.2019, 17:38h
  • Das ist eine erfreuliche Nachricht der Deutschen Bank.

    Nun rückt unsere Regierung in ein dunkles Licht und das ist wieder typisch!
    Ist ja gut, dass Herr Maaß die Botschafterin von Brunei zu sich zitierte, aber viel wird er dadurch nicht bewirken.

    Es müssen wieder Leute aus dem Ausland laut werden und unsere Regierung hüllt sich in Schweigen!

    Es nervt.
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#3 Simon HAnonym
  • 05.04.2019, 18:10h
  • Antwort auf #2 von nichtgenug
  • Ja, es zeigt sich immer wieder, dass Ermahnungen, Appelle, etc. gar nichts bringen. Nur echte politische und wirtschaftliche Sanktionen bringen etwas. Spätestens, wenn es ums Geld geht, ist das die Sprache, die alle verstehen.
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