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Kommentar

Vergesst die Hotels! Fragt lieber unsere Außenminister

Brunei boykottieren? Das ist ein Aufstand der Reichen. Entscheidend ist doch, was die Bundesregierung und die EU tun, damit die Todesstrafe abgeschafft wird.


Sultan Hassanal Bolkiah im Jahr 2016. (Bild: Kremlin.ru)

  • Von Markus Kowalski
    5. April 2019, 12:02h 22 2 Min.

Schön, dass Promis ihren guten Ruf nutzen, um sich für Menschenrechte einzusetzen. Der Schauspieler George Clooney hatte in der vergangenen Woche dazu aufgerufen, die Hotels im Besitz des Sultans von Brunei nicht mehr zu besuchen (queer.de berichtete). Da hatte Brunei gerade angekündigt, schwulen Sex künftig mit dem Tod durch Steinigung zu bestrafen. Dem Protest schlossen sich die Musiker Elton John, Dua Lipa und die Komikerin Ellen DeGeneres an. Ihre Boykott-Aufrufe wurden tausendfach geteilt. Am Donnerstag kündigte auch die Deutsche Bank an, dass ihre Mitarbeiter nicht mehr in den Hotels schlafen werden.

Auf Twitter diskutieren nun viele Menschen unter dem Hashtag #BoycottBrunei. Die Luxus-Hotels zu meiden ist aber kein wirksamer Protest. Wer kann sich schon eine Suite im Dorchester Hotel in London für 300 bis 4.000 Pfund pro Nacht leisten? Der Boykott-Aufruf ist ein Aufstand der Reichen. Er kann nicht viel bewirken, weil nur gut betuchte Promis überhaupt die Wahl haben, in welcher überteuerten Herberge sie nächtigen wollen. Ein Promi-Protest bringt Aufmerksamkeit, aber keinen politischen Druck.

Jetzt ist die Europäische Union gefragt

Dieser Druck muss von Europa kommen. In Deutschland hat das Auswärtige Amt die Botschafterin von Brunei am Montag einbestellt (queer.de berichtete). Das war ein erster, richtiger Schritt. In Großbritannien wird im Unterhaus debattiert, ob Brunei aus dem Commonwealth ausgeschlossen werden soll (queer.de berichtete). Solche diplomatischen Mahnungen kann der bruneiische Alleinherrscher Hassanal Bolkiah nicht überhören.

Die Europäische Union ist ein Symbol für Freiheit und Menschenrechte. Deswegen sollte sie hier mit einer Stimme sprechen und so politisch Druck machen. Am Mittwoch, als das neue Scharia-Strafrecht in Kraft trat, sagte ein Sprecher des Europäischen Auswärtigen Dienstes: "Manche Strafen in dem Strafgesetzbuch laufen auf Folter hinaus." Was der Sprecher nicht explizit sagte: Dass dies Schwule betrifft, denen der Tod durch Steinigung droht, und Lesben, die mit bis zu 40 Stockhieben rechnen müssen. Die Interessen von LGBTI namentlich zu erwähnen, ist aber wichtig. Denn erst dann können uns Despoten wie Sultan Bolkiah nicht mehr ignorieren. Außenminister Heiko Maas und seine EU-Kollegen könnten so eine öffentliche Erklärung leicht nachholen. Zum Beispiel beim nächsten Treffen der EU-Außenminister. Das ist bereits am kommenden Montag.

-w-

#1 KetzerEhemaliges Profil
  • 05.04.2019, 16:05h
  • Ich verstehe nicht ganz, weshalb man nun den wirtschaftlichen Boykott der Hotels lassen soll. Man sollte bitte die Wirkung einer Boykottandrohung durch reiche Prominente nicht unterschätzen (wie oft haben wir das überhaupt schon erlebt, dass Reiche wirklich Maßnahmen androhen, weil wir diskriminiert werden?) - beim Geld war und ist noch jeder Kapitalist zu packen.

    Natürlich ist es wichtig, dass die Politik ebenfalls Maßnahmen ergreift - aber im Zweifel glaube ich sogar mehr daran, dass ein finanzieller Boykott bei dem Herrn Sultan größere Spuren hinterlässt als die einen oder anderen vorsichtig, weil diplomatisch geäußerten Worte à la "Bitte, bitte, könnt Ihr nicht vielleicht doch die Schwulen leben lassen? Sonst sind wir ganz doll traurig." Bei Letzterem lachen solche brutalen Menschen doch nur.
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#2 hmmmAnonym
  • 05.04.2019, 16:47h
  • Antwort auf #1 von Ketzer
  • Das sehe ich auch so. Wenn da Zimmer bis 4000 Pfund die Nacht kosten und so ein Zimmer wird durch den Boykott nur jede zweite Nacht gebucht, fehlen dem Hotel pro Jahr nur für dieses eine Zimmer schon über 700000 Pfund. Wenn sie zwei Zimmer von der teuren Sorte haben, wären das über eine Million Pfund pro Jahr, nur für die zwei Zimmer. Und andere Zimmer werden bei so einem Boykott ja auch weniger gebucht, insbesondere die ganzen Veranstaltungen. Das kratzt die Hotels schon, denke ich.
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#3 Religioten-WatchAnonym
  • 05.04.2019, 16:52h
  • "Aufstand der Reichen". Interessant, wie man seine Verbündeten, die einen Stein antoßen und ins Rollen bringen, mit einem Kampfbegriff wie aus der ideologischen Mottenkiste degradieren kann.

    Die Solidarität der Clooneys, Johns und DeGeneres' sind 1. massenwirksam und 2. auch finanziell hilfreich, da sie LGBT*IQ-Organisationen unterstützen.

    Außerdem: Wenn man das eine tut, muss man das andere nicht lassen, Markus Kowalski.

    Oder sollte ich den Kommentar lieber noch einmal mit einem linksideologisch-urchristlichen Moralapostel-Unterton lesen?

    Dann würde allerdings so einiges schlüssig.
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