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Klares Bekenntnis blieb aus
LGBTI-Aktivisten treffen den zweiten Mann im Vatikan
Eine Gruppe von Anwälten forderte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin auf, sich für die Entkriminalisierung von Homosexualität einzusetzen. Dieser reagierte verhalten.

Kurienkardinal und amtierender Staatssekretär des Vatikan: Pietro Parolin (Bild: Kremlin.ru)
- 6. April 2019, 08:24h 3 Min.
Rund 50 Menschenrechtsanwälte und LGBTI-Aktivisten forderten den Vatikan am Freitag auf, sich mit einer Stellungnahme klar gegen die Kriminalisierung von Homosexualität auszusprechen. Dies sagte die Gruppe bei einem Treffen mit Pietro Parolin, dem amtierenden Staatssekretär des Vatikan. Er gilt nach dem Papst als wichtigster Vertreter des Kirchenstaats. Die Gruppe wurde von Helena Ann Kennedy, Menschenrechtsanwältin und Labour-Politikerin aus Großbritannien, vertreten.
Nach dem Treffen sagte Kennedy, Parolin sei sehr zugänglich für das Anliegen der Gruppe gewesen. Sie habe sich bei Papst Franziskus dafür bedankt, Mitgefühl und Verständnis für die Anliegen der LGBTI-Community gezeigt zu haben. "Natürlich gibt es weiterhin dogmatische Differenzen, aber ich denke dass Parolin verstanden hat, dass es hier darum geht, dass die Kirche Respekt für die Würde des Menschen predigen muss."

Anwältin Helena Ann Kennedy (Bild: Guy Aitchison / Wikimedia)
Momentan ist es in der katholischen Kirche Lehrmeinung, dass homosexuelle Orientierung nicht Sünde sei, homosexuelle Handlungen hingegen schon. Die Kirche sagt aber auch, dass die Würde von Homosexuellen respektiert und verteidigt werden müsse (queer.de berichtete).
Aktivist: Noch deutlichere Stellungnahmen nötig
"Wir brauchen ein klares Bekenntnis von der römisch-katholischen Kirche, dass die Kriminalisierung von Homosexualität falsch ist", sagte Leonardo Javier Raznovich, ein Wissenschaftler, der eine Studie über die Sitation von Homosexuellen in der Karibik erstellt hat. Die Studie wurde bei dem Treffen an Parolin übergeben. Sie soll im Februar kommenden Jahres veröffentlicht werden, berichtet das Online-Portal "Vatican Insider". Die Studie sei mit Unterstützung der International Bar Association und einem UN-Institut, das sich mit Kriminalität und Justiz in Lateinamerika befasst, erstellt worden.
Im Jahr 2008 hatte sich der Vatikan bereits für eine Entkriminalisierung von Homosexualität ausgesprochen. Gleichzeitig lehnte er immer wieder nicht-bindende UN-Resolutionen zu dem Thema ab. "Die Kirche braucht eine klare Haltung in dieser Frage, wenn sie an die Menschenrechte glauben, wenn sie an die Würde des Menschen glauben, wie sie immer predigen", sagte Raznovich. "Sie müssen dafür sorgen, dass die Kirche auf der ganzen Welt dieselbe Haltung hat."
In einer Stellungnahme des Vatikan heißt es: "Parolin sprach in einem Grußwort zu den Anwesenden, in dem er die Position der katholischen Kirche wiederholte, er sprach sich für die menschliche Würde und gegen jede Form von Gewalt aus." Francis DeBernardo, Chef der New Ways Ministry, einer US-amerikanischen katholischen LGBTI-Gruppe, sagte, das Treffen mit dem Vatikan sei "ein großer Schritt, um die Beziehung zwischen der LGBTI-Community und der katholischen Kirche zu verbessern". Es seien jedoch deutlichere Stellungnahmen und Maßnahmen nötig. (cw)














