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Personenstandsrecht

Nur sehr wenige Anträge: Geschlecht "divers" kaum genutzt

Das Interesse an der dritten Geschlechtsoption hält sich in Grenzen, zeigen erste Zahlen aus den Ländern. In Schleswig-Holstein gab es weder einen Änderungswunsch eines Erwachsenen noch die Meldung eines Babys.


Im Rahmen der "Aktion Standesamt 2018" wurde im Oktober vergeblich für eine weitergehende Reform des Personenstandsrechts gekämpft (Bild: AktionStandesamt2018 / twitter)

Im Geburtenregister kann seit dem 1. Januar neben "männlich" und "weiblich" auch "divers" eingetragen werden – doch diese Möglichkeit wurde bislang kaum genutzt, ergaben Umfragen der Nachrichtenagentur dpa in mehreren Bundesländern. So hat in Standesämtern in Schleswig-Holstein weder ein Erwachsener einen entsprechenden Antrag gestellt noch wurden Neugeborene als divers gemeldet.

In den Standesämtern von Hamburg sind bisher zwei Anträge auf Nutzung der dritten Geschlechtsoption eingegangen. Bei den Vorgängen in den Standesämtern Altona und Nord handelte es sich nach Behördenangaben um Erwachsene, die eine Änderung wünschten.

Ähnlich sieht es in Baden-Württemberg aus: Bei den Standesämtern in Karlsruhe, Freiburg, Heidelberg und Ulm liegen bisher keine Anträge vor. Lediglich in Stuttgart und Mannheim wurde jeweils ein Antrag gestellt, in beiden Fällen von männlich auf divers.

In Bayern belegt Nürnberg mit fünf Antragen den Spitzenplatz. In Regensburg gibt es bisher drei entsprechende Anträge, in München sind es lediglich zwei. In Augsburg Würzburg, Fürth, Bamberg und Ingolstadt dagegen wurde das Geschlecht divers bisher nicht für Erwachsene ins Geburtsregister eingetragen. Den Standesämtern zufolge wurde noch kein Neugeborenes unter divers registriert.

Geringes Interesse gibt es auch in Nordrhein-Westfalen: In Köln liegen nach Angaben des Standesamtes bislang sechs Anträge vor. In Essen gibt es bislang zwei entsprechende Vorgänge, in Düsseldorf und Dortmund noch keine. Auch in Münster wurde das Geschlecht divers noch nicht ins Geburtenregister eingetragen.

Änderung des Geschlechts nur mit ärztlichem Attest

Der Bundestag hatte die Einführung einer dritten Geschlechtsoption Mitte Dezember beschlossen (queer.de berichtete). Damit setzte das Parlament eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem November 2017 um. Die bisherige Pflicht, einen Menschen dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuzuordnen, wurde darin als Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht und das Diskriminierungsverbot gewertet (queer.de berichtete).

Die Reform der großen Koalition stand von Anfang an in der Kritik von LGBTI-Verbänden sowie FDP, Linken und Grünen, weil eine Änderung im Geburtenregister auf Drängen der Union an die Vorlage eines ärztlichen Attests geknüpft wird (queer.de berichtete). Diese Regelung wurde in den Ausschussberatungen nur leicht abgeschwächt. Danach soll nun in wenigen Ausnahmefällen auch eine eidesstattliche Versicherung der Betroffenen ausreichend sein. (cw/dpa)



#1 DominikAnonym
  • 07.04.2019, 09:08h
  • Wenn alle Antragssteller im gesamten Bundesgebiet sich treffen würden, bliebe selbst der Gesellschaftsraum einer Dorfkneipe noch halbleer.

    Ich weiß, ich bin ein ganz böser Realist. Aber eben auch Realist. :)
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#2 Ralph
  • 07.04.2019, 10:17h
  • Antwort auf #1 von Dominik
  • Angesichts der Neigung von Eltern und Ärzten, ein Geschlecht festzulegen und wenn "nötig" herbeizuoperieren, kann das nicht verwundern. Abgesehen davon: Ein Grundrecht ist nicht abhängig von der Zahl seiner Träger. Und: Wie viele Schwule haben sich in den 30er, 40er oder 50er Jahren vor einer staatlichen Behörde geoutet? Gab es deshalb keine in Deutschland?
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#3 Patroklos
#4 Ja undAnonym
  • 07.04.2019, 11:16h
  • Ich glaube schon, dass die Zahl der sich Divers empfindenden sehr klein ist.
    Im Gegensatz dazu entsprechen wohl auch die wenigsten prototypisch 100 Prozent dem, was die Gesellschaft als männlich und was die Gesellschaft als weiblich bezeichnet. Fast jeder hat einige Eigenschaften an sich die nicht typisch dem angeborenen Geschlecht entsprechen, bzw. was die Gesellschaft dementsprechend vorgibt, die einen mehr die andern weniger. Trotzdem empfindet sich die absolute Mehrheit im persönlichen Gesamtbild als entweder Mann oder Frau. Auch die Transsexuellen sehen sich mehrheitlich einem Geschlecht zugehörig und nur eine Minderheit von denen bezeichnet sich als Divers. Auch Intersexuelle möchten nicht alle Divers genannt werden und es gibt genug, deren weibliche oder männliche Seite so stark ist, dass sie sich ihr zugehörig fühlen und sich als Mann oder Frau ansehen.

    Nichts desto trotz ist es für jeden einzelnen wichtig, der sich weder als weiblich oder männlich empfindet oder als was dazwischen, die Wahl zu haben Divers anzugeben.
    Die Größe einer Gruppe darf für sowas nicht entscheidend sein.
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#5 FrauAnonym
  • 07.04.2019, 11:22h
  • Wenn der Eintrag geändert wird, dann steht das auch so im Reisepass?
    Oder?
    Wenn ja, brauche ich wenig Phantasie um mir vorzustellen, weshalb ein Mensch auf eine Änderung verzichtet...
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#6 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 07.04.2019, 11:44h
  • Wundert mich nicht! Wer will schon in einem Land, in der "Eindeutigkeit" die Norm ist, sich bewusst auszugrenzen, sich als Außenseiter markieren? Ich würde auch nicht das "weiblich", für das ich so hart gekämpft habe, und für dass ich viele Opfer brachte, gegen ein "diverses" eintauschen.
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#7 NonBinaryAnonym
  • 07.04.2019, 13:36h
  • Wie auch? Die Möglichkeit wird ja noch ganz vielen Menschen vorenthalten.

    Sobald auch ich das "darf", werde ich den Antrag stellen. Aber da ich nicht inter bin, darf ich eben noch nicht. Da werden wohl noch mehrere Jahre ins Land gehen.

    Im übrigen dürfen Minderheitenrechte in der Tat nicht von der Größe der Minderheit abhängen. Menschenrecht ist Menschenrecht, auch wenn nur eine einzige Person davon betroffen wäre.
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#8 Vitus1203Anonym
  • 07.04.2019, 14:03h
  • Mich würde interessieren, ob es mit Anträgen den Personenstand von männlichen zu weiblich bzw Vice versa ändern zu lassen anders aussieht.

    Das ist immerhin auch eine Möglichkeit.
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#9 Ith_Anonym
  • 07.04.2019, 15:13h
  • Zum besseren Verständnis der dahinterstehenden Message würde ich erweiternd vorschlagen, eine solche Statistik bzgl. Inanspruchnahme der Homo-Ehe ebenfalls zu führen, und zwar insbesondere abseits von Großstädten.
    In Orten, in denen bislang anteilsweise zu wenig geheiratet wurde, wird's bestimmt auch niemanden stören, das lokal wieder abzuschaffen.

    Ich werd mich hier jetzt nicht soweit auskotzen, wie ich das vielleicht könnte, selbst antisoziale WoW-Dungeons machen da mehr Spaß. Das Ausmaß an Outing, das ein solcher Eintrag ungefragt und überall bedeutet, wo Personalien erfasst werden, kann sich ein Schwuler oder eine Lesbe, die sich im Lebenslauf mit "verheiratet" ohne weitere Angaben theoretisch noch bedeckt halten können, überhaupt nicht vorstellen.

    Das Gesetz beinhaltet übrigens nicht bloß den Eintrag selbst. Sondern u.a. auch das Recht darauf, lediglich den Vornamen anzupassen.

    Und dass ihr gewisse Leute zu diesen Themen hier überhaupt kommentieren lasst, ist mal wieder ein trauriger Hinweis darauf, dass ihr mit dem Artikel wohl genau das bezweckt, was die AfD vor einigen Monaten erreichen wollte, als sie vorschlug, die Zahl von LGBT*IQA-Personen doch einfach mal konkret zu erfassen.

    Ein Verstoß gegen Menschenrechte sollte auch dann nicht in Ordnung sein, wenn "nur" einer einzigen Person Gewalt angetan wird.

    Im Hinblick auf die dadurch ermöglichte Ärztewillkür ist das Gesetz eine Schande. Und nicht bloß für uns Trans*-Personen, die wohlweislich nichtmal in den Schlagworten genannt werden - offenkundig, weil man hier dahintersteht, dass die Dritte Option für uns auch gar nicht sein soll, aka, Seehofers Sprech entweder von vornherein mitgetragen oder inzwischen übernommen hat. Die Ärztewillkür ist insbesondere mit Blick auf diejenigen Inter*-Personen unerträglich, denen gegen ihren Willen und/oder unter bewusst falscher Patientenaufklärung mit dem Ziel einer Einwilligung unter Vorspiegelung falscher Tatsachen von diesem Berufsstand körperliche Gewalt angetan wurde.

    Wer hat diese Aufstellung/Auskunft eigentlich veranlasst/eingeholt? Die AfD mal wieder, dieses Mal beim Stochern im Nest mit "erfreulicherem" Ergebnis als bei der Erfassung der Vornamen von Messerstechern? Oder seid ihr selbst auf die Idee gekommen?
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#10 FruggeAnonym
  • 07.04.2019, 15:16h
  • Ist doch prima, dass man nun wählen kann.

    Außerdem ist es super, dass ein drittes Geschlecht amtlich anerkannt worden ist.

    Die Diskussion über die Dritte Option hat auch viel gebracht. Sie hat gewisse Leute enttarnt und anderen vor Augen geführt, dass eine binäre Geschlechtseinteilung bloße Konvention ist, der Realität aber keineswegs entspricht - nie entsprochen hat.

    Als Mutter würde ich mich fragen:
    Was hat es für Konsequenzen mein Kind "divers" eintragen zu lassen? Damit ist es geoutet - und Kinder können echt grausam miteinander umgehen. Haben die meisten von uns das nicht selbst erlebt?

    Außerdem steht es in allen offiziellen Dokumenten darunter Personalausweis und Reisepass. Einige Länder in denen "divers" einreisen will, dürften wohl Probleme machen. Viele wollen nur Mann und Frau (aner)kennen.
    Wie ist es in solchen Ländern zum Beispiel mit deren Regel, dass ein Mann eine Frau entehren kann (und ihr damit ein übles Schicksal beschert) nur dadurch, dass er sie berührt - etwa durch einen Handschlag, der bei uns üblich ist. Ist noch nicht lange her, dass man unsere frühere Außenministerin für einen Mann hielt.

    Divers steht vielen von uns, denen es eigentlich zustehen würde, nicht so ohne weiteres zur Verfügung, d.h. es kann nicht in Anspruch genommen werden. Das Gesetz ist von gewissen Leuten vermurkst worden.

    Welche Aussage haben Nutzerzahlen in diesem Zusammenhang?
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