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Heimkino
Hohe Ambitionen mit der Schönheit des Nackten
In seinem Film "Adonis" zeigt Hongkongs Skandalregisseur Scud fast nur nackte, gut gebaute Männer in erotischen Posen und beim Sex – dennoch ist er kein Porno. Jetzt ist er auf DVD erschienen.

Scuds Film "Adonis" handelt von einem Operndarsteller aus Peking, der unter dem Pseudonym Adonis Schwulenpornos dreht und sich als Sexarbeiter für einflussreiche Kunden verdingt (Bild: Edition Salzgeber)
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7. April 2019, 10:02h 4 Min.
Kann ein Film, der bestens gebaute Männer zu locker 75 Prozent der Zeit komplett nackt und in erotischen Posen einzeln und im Spiel miteinander zeigt, etwas anderes als ein Porno sein? "Adonis", der jüngste und gerade in der Edition Salzgeber auf DVD erschienene Film des queeren Hongkonger Skandalregisseurs Scud, versucht es.
Verbundenen werden hier, wie es in der Filmbeschreibung der Edition Salzgeber heißt, eine "berührende sexuelle Erweckungsgeschichte eines jungen Mannes von makelloser Schönheit mit drastischen pornographischen Motiven und buddhistischer Symbolsprache." Und das klingt nach einem anspruchsvollen Projekt, jedenfalls sicher nicht nach einem 08/15-Gay-Porno.
Hohes ästhetisches Niveau
Ein Porno ist dieser Film auch nicht, wenngleich er mit größtmöglicher Stringenz die Schönheit männlicher Körper und insbesondere die seines Protagonisten Ke zelebriert. "Adonis" Ke (gespielt von Adonis He – kein Joke!), ursprünglich ein Opernsänger, verdingt sich als Darsteller in Pornofilmen und Sexarbeiter für ausgefallenere Wünsche wohlhabender schwuler Kunden. Hier geizt der Film nicht mit Anschauungsmaterial. Die diesbezüglich eindringlichste Szene ist sicher diejenige, in der Ke auf ein weißes Kreuz gefesselt von einer größeren Gruppe in schwarze Regenmäntel gehüllter Männer brutal penetriert wird.

Adonis lässt sich von Männern in schwarzen Regenmänteln missbrauchen (Bild: Edition Salzgeber)
Zu den großen Stärken des Films gehört dabei das hohe ästhetische Niveau der komponierten Körperbilder, die nicht selten schon als kleine Kunstwerke für sich stehen könnten. Regisseur Scud schafft es hier, eine hohe erotische Spannung mit der ambitionierten Sprache seiner bis ins Detail durchgestylten Bild-Licht-Ton-Arrangements aufzubauen – und dies gelingt nicht nur, weil der Film ständig so viel makellos schönes Männerfleisch zeigt, sondern weil hier eine konsequente filmästhetische Gestaltungskraft deutlich wird, die diesen Bildern erst ihre Intensität verleiht. Schon die traumartige und zunächst ohne Ton eingespielte Eingangsszene des Films im Wald schafft eine Spannung, bei der selbst die Bilder von den tropfnassen Bäumen erotische Strahlkraft erhalten.
Beeinflusst von Pasolinis "Die 120 Tage von Sodom"

Die Edition Salzgeber hat "Adonis" mit deutschen Untertiteln auf DVD veröffentlich
Überschattet wird dieses sinnliche Strahlen nahezu durchgängig durch die Präsenz einer dunkleren, aggressiv-destruktiven Energie, die selbst in den Szenen, die scheinbar gänzlich gewaltfrei sind, atmosphärisch durchschimmert. Die, wenn man es mit dem alten Freud sagen will, untrennbare Verbindung von "Eros" als dem Sexualitätstrieb und "Thanatos" als dem Todestrieb kennzeichnet die Phänomenologie des gesamten Films.
Der Einfluss vom Pasolini-Film "Die 120 Tage von Sodom" ist hier unübersehbar. Gleichzeitig erreicht "Adonis" allerdings entfernt nicht die verstörende Intensität des Pasolini-Klassikers. Zu viel wirkt hier aufgesetzt; und auch wenn der Film immer wieder mit dem Artifiziellen spielt und es zu einem durchgängigen Element seiner Ästhetik macht, fehlt es ihm entschieden an Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft.
So bleibt etwa die dramatische Entwicklungsgeschichte von Ke schal. Die vielen eingewobenen Szenen aus seiner Vergangenheit mit seiner Mutter und einer Wahrsagerin, wirken zum größeren Teil künstlich. Dies gilt für den spirituellen Anspruch des Films insgesamt. Er wird nicht substanziell eingelöst, sondern in fassadenhafter Form aufgesetzt. Selbst das brutale und ebenfalls von der Anlage her stark religiös symbolgeladene Ende des Protagonisten bleibt trotz aller Röte des fließenden Bluts so blass, dass es vollkommen anders als das Ende der "120 Tage" spurlos an einem vorüberziehen kann.
Wenn die Obsession zum Verhängnis wird

"Adonis" feiert die Schönheit des Nackten (Bild: Edition Salzgeber)
Hier wäre deutlich mehr möglich gewesen. Der Film zeigt an vielen Stellen, dass Scud weit mehr als einen schwulen Porno oder einen seichten Eros-Schocker drehen kann. Was im Interview mit Axel Schock (queer.de veröffentlichte) als schönes Bonmot rüberkommt: "Meine Obsession ist, keine Besessenheit für Kleidung zu haben."
Diese Obsession ist Scud vielleicht auch ein wenig zum Verhängnis geworden. Die obsessive Neigung zur Darstellung der Schönheit des perfekten nackten Männerkörpers dominiert diesen Film denn doch so stark, dass die anderen versprochenen Dimensionen leider ein wenig auf der Strecke bleiben. Dabei müssten sie der Schönheit des Nackten gar keinen Abbruch tun.
Adonis. Erotik-Drama. China/Hongkong 2017. Regie: Scud. Darsteller: Adonis He, Susan Shaw, Nora Miao, Justin Lim, Eric East, Alan Tang, Amanda Lee, Yu Sheng Ting, Cici Lee, Katashi und Daniel Benjamin. Laufzeit: 97 Minuten. Sprache: kantonesische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 18. Edition Salzgeber
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Mehr zum Thema:
» Interview mit Scud: "Ich will nur die schönsten Männer für meine Filme" (10.03.2019)
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22:45h, One:
Maurice
Der erfolgreiche Börsenmakler Maurice versucht vergeblich gegen seine Homosexualität anzukämpfen.
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Das mag jetzt etwas aus dem Kontext gerissen klingen, weil ich hier nicht in der Tiefe auf spirituell-religiöse Hintergründe eingehen möchte, aber:
Doch.
Buddhistische und taoistische Spiritualität arbeiten in ihrer Praxis zu einem guten Teil mit sexueller Energie. Anspannung, die die Körperlichkeit bewusst außen vor lässt, aus körperlicher Sicht würde man sagen: vernachlässigt.
Man kann entweder den Körper dem Geistigen unterstellen und die Energie in Sprituelles investieren, oder den Geist dem Körper. Die Fokussierung auf materielle Schönheit beinhaltet bereits ein Bekenntnis zum Körperlichen, das annähernd ausschließen dürfte, dass da noch Potential für Geistiges bleibt.
In einem atheistischen/religionsfreien Umfeld, christlich angehaucht evtl, könnte sowas funktionieren. Besonders im Buddhismus ist es aber nunmal so: Entweder Sex oder Erleuchtung.
Das Zölibat ist da keine politische Lösung, wie sie ein wirtschaftlich mächtiger Katholizismus erforderlich machte, um ein drohendes Erbrecht innerhalb der Kirche abzuwenden. Die Abkehr vom Materiellen, bis hin zum bewussten Befassen mit dem Nicht-Schönen ist Teil der religiös-spirituellen Praxis.
Man kann's natürlich auch einfach ganz platt und monotheismus-tauglich ausdrücken: Wenn ein Regisseur eine Vorliebe dafür hat, sich schöne Körper anzusehen, braucht man sich nicht wundern, wenn die Seele zu kurz kommt. Wer sich für den Teil des Menschen interessiert, der über das Aussehen hinausgeht, sieht nicht in erster Linie auf die Kleidung eines Menschen, sondern in seine* Augen.