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Kriminalroman

Tod eines rechten schwulen Hassbloggers

Im Berliner Kiez-Krimi "Schöneberger Steinigung" von Peter Fuchs wird ein suspendierter Priester ermordet, der vom Kurzzeit-Homohelden zum neuen Sprachrohr rassistischer Wutbürger mutierte.


Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Handlungen sind natürlich ganz, ganz zufällig: Der Krimi "Schöneberger Steinigung" von Peter Fuchs spielt im Berliner Regenbogenkiez am Nollendorfplatz (Bild: Oh-Berlin.com / flickr)

Vicky joggt am frühen Morgen durch den Volkspark Schöneberg, als sie sich plötzlich beobachtet fühlt. Doch das Auge, das sie auf sich gerichtet spürt, gehört zu einer im Gebüsch versteckten Leiche. Als die Polizei anrückt, wird ausgerechnet Max auf den Mordfall angesetzt, eine Bekanntschaft von Vicky aus dem gemeinsamen Schwimmkurs. Das ermöglicht ihr die weiteren Updates der Ermittlungen verfolgen zu können. Dabei gibt es vor dem Fall sowieso kaum ein Entrinnen, hält er doch den Kiez für die nächsten sieben Tage in Atem.

Als das übel zugerichtete Mordopfer wenig später als der berüchtigte rechtsradikale Ex-Priester und Hassprediger Dominik Nemec identifiziert wird, ist der Skandal perfekt. Der war deutschlandweit eine kleine Berühmtheit, wurde er nach einem One-Night-Stand mit einem anderen Mann zu einem Zwangsouting erpresst. Noch als Priester nutzte er die Gelegenheit, aufmerksamkeitswirksam gegen homophobe Diskriminierung innerhalb der katholischen Kirche zu protestieren. Die Suspendierung folgte ebenso wie Morddrohungen aus ultrakonservativen Kreisen.

Unterstützung erhielt Nemec von der queeren Community, die sein Engagement feierte. Das Blatt wendete sich jedoch wieder, als er begann, rassistisch und sexistisch zu bloggen und dafür Beifall von Rechtsaußen bekam. Nemec hatte also mehr als eine Handvoll Gegner*innen mit möglichem Motiv gesammelt. So geht es auch nach seinem Mord um sehr viel mehr als einen einfachen Mordfall.

Mord zur rechten Stimmungsmache missbraucht


"Schöneberger Steinigung" ist in der Reihe "Quer Criminal" erschienen

Geschrieben hat Autor Peter Fuchs "Schöneberger Steinigung" episodisch und aus allwissender Erzählperspektive. Die Handlung springt immer wieder zwischen den zahlreichen Figuren und Handlungsorten. Wie Nemecs Ehemann den Tod seines Gatten verarbeitet, wird ebenso verhandelt wie das weitere Familienleben von Vicky, Max' Ermittlungsfortschritte, Facebook-Posts eines ortsansässigen AfD-Politikers, der Alltag von Asylbewerber*innen im Flüchtlingsheim Staakener Straße und die taktischen Besprechungen von Jugendlichen der Antifa.

Zunehmend wird die politische Brisanz des Falls dabei immer offensichtlicher. Sobald die "Bild"-Zeitung erfährt, dass die Polizei vermutet, Nemec sei gesteinigt worden, wittert das rechte Spektrum Aufwind: Ein Geflüchteter wird's gewesen sein. Mit einer öffentlichen "Mahnwache" lässt sich der Fall wunderbar instrumentalisieren. Das, obwohl sich herausstellt, dass man sowohl von extrem Rechts wie Links stärker in den Mordfall verstrickt ist als zu Beginn ersichtlich.

Zwischen Lokalkolorit und dem World Wide Web

Wem nicht bereits eine Figurenbeschreibung vage bekannt vorgekommen ist, der wird sich spätestens bei der fortschreitenden Handlung des Romans an jüngere deutsche Geschichte erinnert fühlen. Das ist sicherlich auch einer der Reize von "Schöneberger Steinigung". Zum einen macht der Kiez-Krimi genau das, was er tun sollte: Lust darauf, die Orte nachzuvollziehen. Für viele Leser*innen dürften Cafés, in denen sich Figuren aufhalten, Straßenzüge und die allgemeine Lebenswelt der Figuren vertraut sein.

Zum anderen ist der Krimi sehr zeitgenössisch. Wenn die Hasskommentare nicht gar eins zu eins aus den sozialen Medien übernommen wurden, lässt sich sagen, dass Peter Fuchs den Ton des im Internet stattfindenden Diskurses treffend wiedergibt.

Und mindestens eine Vertrautheit gibt es für jedwede Leser*in dieser Rezension: Für einen kurzen Gastauftritt von queer.de, Zentralorgan der Homo-Lobby, blättere man auf Seite 96.

Am Samstag, den 11. Mai um 17 Uhr stellt Peter Fuchs seinen Krimi "Schöneberger Steinigung" im Mann-O-Meter (Bülowstraße 106, 10783 Berlin) vor. Der Eintritt ist frei.

Infos zum Buch

Peter Fuchs: Schöneberger Steinigung. Kriminalroman. 304 Seiten. Reihe Quer Criminal. Querverlag. Berlin 2019. Taschenbuch: 14 € (ISBN: 978-3-89656-272-2). Ebook: 9,99 €


#1 AndreasAnonym
#2 Ralph
  • 08.04.2019, 10:09h
  • Antwort auf #1 von Andreas
  • Oh ja... Schon Martin Walser schrieb vom Mord an einem Literaturkritiker, der verdächtig an Marcel Reich-Ranicki erinnerte. Solche Mordphantasien gegen lebende Personen sollte man sich sparen, auch wenn man sie noch so unsympathisch findet oder ihre Ansichten noch so wenig teilt.
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#3 vonderpfalzneuburgAnonym
  • 09.04.2019, 02:06h
  • In diesem Jahr wird 50 Jahre Christopher Street gefeiert. Im März ist mein "Stonewall" abgebrannt. Ich hoffe, dass es wieder so ähnlich aufgerichtet wird.

    Ich kann es nur wiederholen: in der Zeit, in der "Mann" an einem Pimmel rumfummelt, können keine Kommentare in irgendwelchen Internetforen verfasst werden. Außer es sei denn, "Mann" diente als reason why für was auch immer ...!!!
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