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"Schwule gehören zum Feindbild"

"Queergida": Jan Feddersen provoziert einen Shitstorm

Der "taz"-Journalist schreibt über einen angeblichen Rollback in der LGBTI-Community, der schwule Männlichkeit ausgrenze. LSVD-Vorstand Pantisano bezeichnet den Kommentar als "braunen Dreck".


Jan Feddersen auf der Leipziger Buchmesse im Jahr 2014 (Bild: Molgreen)

Mit einem Kommentar im Magazin "Mannschaft" hat "taz"-Journalist Jan Feddersen einen Shitstorm in der LGBTI-Community provoziert. Am Samstag schrieb Feddersen über eine angeblich existierende "Queergida", die schwulen Männern ihre Identität verbiete. Es gäbe einen "Zirkel, der die meisten ausschliesst. Ich nenne sie: 'Queergida'. Wie Pegida, der Mob von rechts gegen die liberale Republik. Schwule Männer, die partout sich äusserlich nicht weiblicher machen wollen als sie innerlich – wie alle Menschen, Männer sowieso – ohnehin sind: Die gehören zum Feindbild."

Queere Aktivist*innen formulierten nun einen Rollback "gegen alle jene, die in den vergangenen 50 Jahren bürgerrechtliche Fortschritte erkämpft haben", heißt es weiter im Kommentar. Diese "Queergida" möchte, "dass alle geschlechtlich sich auflösen – und exkommuniziert schon mal alle Penisträger, abgesehen von jenen, die eine trans Identität ihr eigen nennen."

Kritik kam von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld: "'Queergida' ist eine schlimme Wortschöpfung: Sie verharmlost die sog. Pegidabewegung, diskreditiert LSBTTIQ-Emanzipations- und Bildungsarbeit und konstruiert eine schwule Opfergruppe, die es so überhaupt nicht gibt", schrieb der geschäftsführende Vorstand Jörg Litwinschuh auf Twitter.

Twitter / mhstiftung

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LSVD-Vorstand Pantisano: "Brauner Dreck"

Alfonso Pantisano, Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes, sagte auf Facebook: "Wer die Forderungen nach Visibilität unserer Leute, der Queer Nations, mit Pegida gleichsetzt, ist auf beiden Augen blind geworden! Wie man die eigene Lebensleistung so mit braunem Dreck bewerfen kann, bleibt mir schleierhaft! Wahnsinn…" Pantisano wurde erst kürzlich in den LSVD-Bundesvorstand gewählt und versprach, sich auch künftig lautstark für die Rechte von LGBTI einzusetzen (queer.de berichtete).

"Ist David Berger gestorben – oder auf wessen Position bewirbt sich Jan Feddersen da?", schrieb der Verleger Koray Yılmaz-Günay auf Facebook. Der studentische Arbeitskreis que(e)r_einsteigen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg schrieb auf Twitter: "Aus dem queerfeministischen Ansatz, Geschlecht zu hinterfragen und biologistische Ansätze zu verwerfen, wird stattdessen eine 'rechte Bewegung' namens Queergida konstruiert. Ein peinlicher Versuch, sich wichtig zu machen und Feindbilder zu erschaffen."

Twitter / queereinsteigen

Jan Feddersen ist Vorstand im Verein Queer Nations, der jährlich das Jahrbuch Sexualitäten herausbringt (queer.de berichtete). Im Jahr 2015 hatte er die Entscheidung des NDR verteidigt, den Sänger Xavier Naidoo zum Eurovision Song Contest zu schicken, obwohl Naidoo Rechtspopulismus vorgeworfen wurde (queer.de berichtete).

Wöchentliche Umfrage

» Werden weiße Cis-Männer in der LGBTI-Community ausgegrenzt?
    Ergebnis der Umfrage vom 08.04.2019 bis 15.04.2019


#1 Ralph
  • 08.04.2019, 10:52h
  • Jan Feddersen ist nicht völlig unumstritten. Dass íhm aber nicht sachlich erwidert wird, dass da nicht argumentativ gegen ihn aufgetreten wird, dass er nicht in der Sache wiederlegt oder angezweifelt, sondern persönlich diffamiert wird, das stimmt mich doch sehr bedenklich. Hier setzt sich offenbar eine Unkultur der Auseinandersetzung durch, die an fundamentalistische Sektierer erinnert. In Bezug auf den Stil kann ich nur feststellen, dass Jan Feddersen offenbar nicht ganz falsch liegt.

    Was mich persönlich betrifft, geht mir das "Hinterfragen" der Geschlechtsidentität dort, wo jemand nicht transident und auch nicht zwischengeschlechtlich ist, zunehmend auf die Nerven. Da fühle ich mich als Mann in der Tat langsam nicht mehr akzeptiert. Ich empfinde durchaus so, wie man das auf Grund überkommener Vorstellungen als eher weiblich verortet, aber dennoch fühle ich mich als Mann und hatte nie Drang oder Bedürfnis, das zu ändern. Das Bekenntnis zu männlichen Geschlecht (auch zum schwulen männlichen Geschlecht) wird von manchen Queer-Ideologen und mehr noch Queer-Ideologinnen als Sakrileg gesehen. Dieses Eindrucks kann ich mich in den letzten Jahren nicht mehr erwehren.
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#2 jochenProfil
  • 08.04.2019, 10:57hmünchen
  • Haben die nichts Besseres zu tun, als mit solchen , in meinen Augen, komplett bescheuerten Themen solche abgedrehten Diskussionen zu führen?

    Ich bin mir sicher, den meisten Schwulen und Lesben hier geht dieses ,meines Erachtens , Geschwätz am Arsch vorbei.
    Die haben - wenn sie ausserhalb von westdeutschen Großstädten und Berlin leben, eher zu kämpfen mit Akzeptanz am Arbeitsplatz, Karriere, Verein, Familie und bei Adoption....usw.

    Mein Eindruck ist , dass da eine kleine Gruppe sich in Spähren akademisch hochonaniert mit Themen , die für die meisten Schwulen und Lesben in ihrem normaln Leben oft keine Rolle spielt.

    Die Communitiy sollte aufpassen und sich nicht in diesen Strudel des Streits reinziehen lassen, sonst geht es ihnen wie den linken Gruppen und Parteien in Deutschland: Sie streiten und zerfleischen sich untereinander, und richten politisch kaum etwas aus. Die konservativen und anderen haben dadurch ein leichteres Spiel. Obwohl linke , soziale Politik gerade heute in Deutschland so von Nöten wäre.
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#3 HeckmeckAnonym
  • 08.04.2019, 11:15h
  • Mal abgesehen davon, dass "Queergida" eine unnötige polemische Zuspitzung ist, stimme ich der Kritik von Feddersen inhaltlich zu. Es beunruhigt, wie der weiße schwule Mann zum neuen Feindbild erhoben wird, weil er mit diesem ganzen Blödsinn von Geschlechterauflösung und non-binären Gehabe nichts anfangen kann und einfach nur "schwul" sein will, wofür er Jahrzehnte gekämpft hat und Diskriminierung und Strafandrohung über sich ergehen lassen musste. Wer Männern mit solch einer Biografie ständig vorhält, sie seien priviligiert, missachtet ihre jahzehntelange gesellschaftliche Ächtung.

    Mir ist es völlig egal, wie andere Leute sich definieren. Das soll jede/r so halten, wie sie/er das will. Aber man möge mich doch einfach "schwul" und "männlich" sein lassen. Und das ist bitteschön kein Zustand, für den ich mich per se schämen müsste.

    Mein Eindruck ist auch, dass die Stimmung langsam kippt. Die Leute können diesem elitären Gehabe nicht mehr folgen und fragen sich, was sie denn eigentlich noch sein dürfen oder nicht sein dürfen, was sie noch sagen dürfen oder besser nicht mehr sagen, ob es jetzt LGBT lautet oder vielleicht doch LGBTI oder LGBTTI* oder LGBTTIQ* oder LGBTIIQ*PoC. Die ganze Nummer nimmt ja langsam Formen einer Realsatire an, insbesondere wenn die Aktivist*innen dieser Bewegung damit beginnen, sich gegenseitig zu zerfleischen und einen regelrechten Überbietungswettbewerb starten, wer denn nun politisch korrekter ist. Es reicht nicht mehr, dass man LGBTI politisch als seine Brüder und Schwestern betrachtet, mit denen man solidarisch ist und Empathie empfindet, man muss als weißer Schwuler zugleich auch das queerpolitische Büßerhemd tragen und soll sich schämen, weiß und männlich zu sein.
    Diese Bewegung ist eine einzige Blase, sie ist akademisch, elitär und dreht sich zunehmend nur noch um sich selbst.
    Ich kann hier nicht für alle schwulen Männer sprechen, aber in meinem Freundes- und Bekanntenkreis kriege ich mit, wie sich immer mehr schwule Männer mit Kopfschütteln davon abwenden. Einige lesbische Frauen übrigens auch.
    Ich finde das nur noch abschreckend!
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#4 goddamn liberalAnonym
  • 08.04.2019, 11:28h
  • Das war ziemlich daneben und diffus.

    Man muss die Dinge schon beim Namen nennen.

    Der eine Name ist Jasbir Puar, die den Antisemitismus und die Homophobie (jeweils durchaus mit mörderischem Anklang) in die Queer studies eingebracht hat.

    Hierzulande wäre dann zumindest eine notorisch übellaunige norddeutsche Apothekertochter zu nennen, die zwar nicht antisemitisch ist, der aber das tödliche Schicksal von tausenden schwulen weißen Cis-Männern in Nazi-Deutschland nach '33 und im Iran nach '79 ziemlich egal ist:

    de.wikipedia.org/wiki/Hengameh_Yaghoobifarah


    Sie ist übrigens der einzige Mensch mit iranischem Migrationshintergrund, den ich kenne, der sich unter die 'People of Color' einreiht. Normalerweise fühlt man sich da sehr indoeuropäisch. Was ja auch sprachgeschichtlich stimmt.
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#5 goddamn liberalAnonym
  • 08.04.2019, 11:31h
  • Antwort auf #3 von Heckmeck
  • "Es beunruhigt, wie der weiße schwule Mann zum neuen Feindbild erhoben wird"

    'Linke' Homophobie ist wie 'linker' Antisemitismus ja nichts Neues.

    In Deutschland ist das aber besonders geschichtsvergessen.

    Aber gerade hierzuland gehört Niedertracht ja zur Grundausstattung einer ideologieverliebten und menschenfeindlichen Mentalität.
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#6 LorenProfil
  • 08.04.2019, 11:34hGreifswald
  • Label oder Schubladen wie "Cis-Mann/-Frau" oder "Queergida" sind oberflächliche Vereinfachungen der Realität, die offensichtlich provokant zu Feindbildern aufgeblasen werden können und Aufmerksamkeit gerieren. Schwarz-Weiß war noch nie mein Ding, daher kann ich solchen Begriffen, mit denen platte Zuschreibungen zusammengefasst werden sollen, nichts abgewinnen. Für mich bedeutet Emanzipation weiterhin die Selbstbestimmung jedes Individuums, egal wie es sich selbst definiert oder von anderen gelabelt wird (wobei idealerweise Interaktionen zwischen solchen selbstbestimmten Individuen auf gegenseitigen Respekt basieren sollten).
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 08.04.2019, 11:48h
  • Antwort auf #6 von Loren
  • "Für mich bedeutet Emanzipation weiterhin die Selbstbestimmung jedes Individuums, egal wie es sich selbst definiert oder von anderen gelabelt wird."

    So ist es.

    Und interessanterweise wird bei der ganzen unfreiwillig komischen Rassifizierung die Klassenfrage gerne übersehen.

    Zufall?
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#8 MitchProfil
#9 LotiAnonym
#10 Ulli_2mecsProfil