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Neu im Albino Verlag

Wenn der schwule Protagonist hetero sein muss

Stephan Phin Spielhoffs Debütroman "Der Himmel ist für Verräter" erzählt vom Versuch eines Drehbuchautors, sich der Liebe zu seinen veränderten Figuren und zu seinem Freund zu stellen.


Stephan Phin Spielhoff, geboren 1983 in Bremen, studierte Philosophie und lebt heute als Texter in Berlin (Bild: Albino Verlag)
  • Von Alkis Vlassakakis
    10. April 2019, 08:32h, 1 Kommentar

Irgendwann am Ende der ersten Staffel zitiert Fitz, die Hauptfigur in Stephan Phin Spielhoffs Roman "Der Himmel ist für Verräter", den legendären Komiker Steve Martin. Dessen Satz "Warum wissen wir nicht, wann Liebe anfängt, aber immer, wann sie endet" passt recht treffend auf die Geschichte, die mit der Rettung einer kleinen Katze auf Kreta ins Rollen kommt. Dort sind Fitz und Marek aus beruflichen Gründen zu Gast. Fitz wird von Anfang an als ein etwas verhaltensorigineller Sonderling beschrieben. Er stammt aus gutem Hause, er hat einen ihn liebenden Freund, eine vielversprechende Karriere in der Werbebranche und – so erfahren wir recht bald – ein paar Dämonen der Vergangenheit.

Fitz schmeißt die Karriere hin, um seine Dämonen zu zähmen. Eine Fernsehserie soll es werden, eine epische. Etwas, was man in Deutschland noch nicht produziert hat. Und er hat die gesamte erste Staffel bereits geschrieben. Er trifft auf Produzenten, die ihm schnell klar machen, dass seine Liebe zu seinen Protagonisten löblich ist, er aber den Massengeschmack bedienen muss und es wohl Änderungen geben wird.

Vergessene Ideale für den Erfolg

Und dann ist da noch Sandra, die der Sender ihm als Co-Autorin zur Seite stellt. Sie macht sich daran, das Drehbuch zu überarbeiten, es für den deutschen Massengeschmack tauglich zu machen. Nur widerwillig geht Fitz den Pakt mit dem Sender ein, seine Figuren hat er im Stich gelassen, die große Liebesgeschichte in seinem Drehbuch wird hetero.

Die Serie wird ein überragender Erfolg und mit ihr auch Fitz bekannt, auch wenn er sich mit Händen und Füßen gegen den Ruhm wehrt. Er will seine Geschichte nicht persönlich den Medien erzählen, er habe doch schon seine Geschichte in Form des Drehbuchs erzählt. Gleichzeitig passieren einige Dinge in seinem Privatleben, die den Protagonisten ordentlich aus der Bahn werfen.

Drei Staffeln, dann ist Schluss


"Der Himmel ist für Verräter" ist im Albino Verlag erschienen

Über den Zeitraum der Entstehung der Serie und über die drei Staffeln ihrer Ausstrahlung, verfolgen die Leser Fitz' Leben, immer wieder begleitet von Mitch, der kleinen hässlichen Katze aus Kreta. Recht bald wird die Vergangenheit des Protagonisten zum Thema, sie ist es, die seine Handlungen vorantreibt.

Der frühe Verlust seiner Jugendliebe Theo, die Leere und die Einsamkeit danach, das sind die Dämonen, die Fitz sich in seiner Fantasy-Serie von der Seele schreibt, während ihm sein Freund Marek den Rücken freihält.

Während Fitz bereits recht früh seinen durchaus komplexen Charakter zeigen kann, entblättert Spielhoff erst langsam die Charaktere des Universums rund um den egomanischen Autor. Spät gewinnen Freund Marek oder Co-Autorin Sandra an Kontur, so als ob die Konzentration des Protagonisten auf sich selbst sich in der Sichtweise des Autors auf den Rest des Personals widerspiegelt.

Sprachlich ausgeklügelte Fremdschäm-Situationen

Nebenbei stellt Spielhoff die noch immer brisanten Fragen an die Mediengesellschaft: Warum darf eine Hauptfigur selbst heute noch nicht einfach selbstverständlich schwul oder lesbisch sein, ohne dass die Sexualität eine Rolle im Plot spielt. Sind Shitstorms schon abendfüllende Nachrichten? Im Leben sterben Menschen jeden Tag sinnlose Tode, warum dürfen sie das in Serien nicht?

Mittendrin ein fast empathieloser Mann, der sich selbst ständig ein Bein stellt. Manche Situationen sind so elendig, dass man Fitz sehr fest umarmen möchte, damit er sich nicht tiefer in die Bredouille reitet. Andere Szenen wirken versöhnlich und vertraut.

Stephan Phin Spielhoff hat ein Händchen für sprachlich ausgeklügelte Fremdschäm-Situationen, charmant, aber schonungslos nimmt er die Leser*innen mit in das enge Universum des Fitz von Lilienthal, das gefüllt ist mit Verweisen zur Pop-Kultur. Und am Ende ist die Liebe da, wo sie immer war, oder?

Am Donnerstag, den 11. April um 20 Uhr stellt Stephan Phin Spielhoff sein Buch in der Berliner Buchhandlung Hundt Hammer Stein (Alte Schönhauser Straße 23-24, Mitte) vor. Mehr Infos auf Facebook.

Infos zum Buch

Stephan Phin Spielhoff: Der Himmel ist für Verräter. Roman. 230 Seiten. Albino Verlag. Berlin 2019. Taschenbuch: 18 € (ISBN: 978-3-86300-276-3). Ebook: 12,99 € (ISBN 978-3-86300-279-4)


#1 Ith_Anonym