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Liebesromanze

Ein schwules Social-Media-Märchen: "#ichwillihnberühren"

Fast zu süß, um wahr zu sein: Ein schüchterner Student teilt auf der App Jodel mit, dass er sich in seinen Kumpel verliebt hat. Immer mehr fiebern mit, bis zum Happy-End. Jetzt gibt es die Geschichte als Buch.


Das Herz-Logo zum Buch gibt es auf der Webseite zum Download

"Ich (m) hab mich in einen Kumpel verliebt und jetzt liegt er in Boxershorts neben mir im Bett. #folter #ichwillihnberühren #kannmichnichtmehrzurückhalten" – diese kurze, anonyme Nachricht hat gereicht, um im Herbst 2017 ein Social-Media-Phänomen zu begründen. Geschrieben hat der Student aus Frankfurt den Satz auf Jodel, einer vor allem bei Studierenden beliebten App.

Immer mehr Nutzer haben den OJ (das steht für Original Jodler – seinen echten Namen kennen wir nicht) ermutigt, ihm Tipps gegeben und vor allem mitgefiebert. Schwulenfeindliche Kommentare gab's so gut wie nicht. Tausende haben die Geschichte verfolgt, OJ hat über weitere Treffen und vor allem seine Unsicherheit berichtet. Online-Medien haben angefangen, über die Geschichte zu schreiben.

Eine Romanze, die es ohne Jodel wohl nicht gäbe


Jetzt – warum erst jetzt? – ist die Geschichte von OJ als Buch erschienen. Darin schreibt er die Geschichte hinter den Jodels (so heißen die einzelnen Nachrichten), Rückblicke über die erste Begegnung der beiden, wie anziehend er ihn von Anfang an fand. Und über seine Unsicherheit.

Es ist ein beeindruckendes Dokument, persönlich und ehrlich. OJ beschreibt, wie sehr er sein Verhalten dem Kumpel gegenüber kontrolliert, wie er jedes Wort, jede Geste hinterfragt, um auf keinen Fall sein Interesse zu zeigen. Zu viel Angst hat er vor der Zurückweisung.

Das soziale Netzwerk Jodel gibt dem schüchternen Studenten Antrieb und Motivation. Im Buch werden einige Nachrichten zitiert. Unglaublich, so schreibt es OJ selbst, was für eine Unterstützung die Jodel-Community aufbringt, obwohl niemand sich kennt, und es sich um eine schwule Romanze handelt. Ob es die Beziehung der beiden ohne Jodel überhaupt geben würde?

Plötzlich hat jeder Smiley von ihm eine Bedeutung

So beweist die Geschichte von OJ einerseits, wie schwer es auch heute noch ist, als Mann seine Gefühle einem anderen Mann gegenüber zu offenbaren. Die Angst vor Zurückweisung macht OJ verrückt. Aber sie beweist auch, dass soziale Netzwerke wirklich sozial sein können.

OJ und Er – beide bleiben anonym – treffen sich immer wieder, sie kochen gemeinsam, kommen sich auch irgendwie näher. Die Tollpatschigkeit von OJ ist unheimlich süß, man kann sich seine unbeholfenen Flirtversuche unfassbar gut vorstellen. Wie eine Rom-Com, nur besser, weil wahr. Und viele werden OJs Gedanken – und davon macht er sich natürlich viel zu viele – nachvollziehen können. Wenn er sogar jeden Smiley von Ihm mit Bedeutung auflädt, dann muss das Verliebtheit sein.

75 Prozent des Gewinns gehen ans Aktionsbündnis gegen Homophobie

Besonders gelungen ist der Perspektivwechsel: Wir erfahren nicht nur OJs Sicht auf die Dinge, sondern auch die von ihm. Und auch die im Nachhinein so absurde Erklärung, wieso Er sich in Boxershorts aufs Bett seines Kumpels gelegt hat. So unterschiedlich beide sein mögen, OJ ziemlich schüchtern, Er eher ein Draufgänger, so sehr vereint sie doch dieselbe Unsicherheit. Wie zeige ich einem anderen Mann, von dem ich nicht mal weiß, ob er auf Typen steht, dass ich ihn gut finde?

Dazu kommen WhatsApp-Chats von Ihm und einer eingeweihten Freundin, die mindestens genauso lustig, da authentisch, sind wie die komischen Sätze von OJ, der mal wieder vor lauter Unsicherheit vergisst, wie schlagfertig und cool sein geht.

Es ist schwer, das Buch – von dem der junge Verlag Ach je 75 Prozent des Nettoreingewinns an das Aktionsbündnis gegen Homophobie spendet – aus der Hand zu legen. Die Geschichte ist so unheimlich schön romantisch, dazu berührend und anschaulich geschrieben, dass man unbedingt wissen möchte, wie gut es denn ausgeht.

Natürlich gibt es ein Happy-End. Als Leser spürt man das Kribbeln bei der ersten, sehr sachten Berührung wahrscheinlich genauso sehr wie OJ und Er selbst. Wer ein schwules Märchen im digitalen Zeitalter schreiben wollte: zu spät. Die Geschichte gibt es schon!

Infos zum Buch

OJ & Er: #ichwillihnberühren. Erzählung. 172 Seiten. Ach je Verlag. Berlin 2019. Hardcover-Ausgabe 12,99 € (ISBN 978-3-947720-34-79, limitiert auf 250 Exemplare). Taschenbuch: 9,99 € (ISBN 978-3-947720-33-0). Ebook: 6,99 €


#1 FelixAnonym
  • 12.04.2019, 10:13h
  • Heißt "limitiert auf 250 Exemplare" bei der Taschenbuchausgabe, dass selbst bei einem riesigen Erfolg nicht nachgedruckt wird?

    Das fände ich sehr schade, da ich dem Buch viel Erfolg wünsche.

    Oder ist das die 1. Auflage, der bei Bedarf noch eine 2. Auflage bzw. ein Nachdruck der 1. Auflage folgen wird?
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#2 Carsten ACAnonym
  • 12.04.2019, 10:25h
  • Ich kenne diese Situation nur zu gut:
    Ich war in meinem Studium 2 mal unsterblich in einen Kumpel verliebt. Beide male habe ich lange gebraucht, es ihm zu gestehen und beide male ist es leider negativ ausgegangen und war dann auch das Ende der Freundschaft. Und die Auswirkungen merke ich leider bis heute.

    Aber auch wenn es bei mir leider schlecht ausgegangen ist:
    ich wünsche den beiden ganz viel gemeinsames Glück, dass sie zusammen glücklich werden und dass ihre Beziehung lange hält.
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#3 Ach je VerlagAnonym
#4 WayneAnonym
  • 12.04.2019, 17:09h
  • Habe das Buch als ebook nach diesem Artikel gekauft, nun die Hälfte durch und komme aus dem Lachen nicht mehr raus. Herrlich leicht geschrieben und unfassbar süß. Danke für die Empfehlung.
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#5 SofortAnonym
  • 13.04.2019, 01:08h
  • Ich mag eure Buchbesprechungen und habe nicht gezögert mit dem Kindl. Das verhält sich allerdings eigenartig und fängt nach ein paar Kapitel an zu spulen. Auf einem zweiten Gerät kommt dann ER dran, aber jetzt spult es dort auch. Seit wann wird ein eBook nur unvollständig geliefert? Soll ich es löschen und neu laden? Ich will wissen, ob sie sich kriegen!
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#6 Ralph
  • 13.04.2019, 11:51h
  • Es gibt aber auch Tragödien wie die von mir erlebte: Bei einem Klassentreffen kam spät am Abend über einen MItabiturienten und mich die Redseligkeit, und wir merkten, dass wir beide als 18jährige unsagbar ineinander verliebt, aber zu ängstlich gewesen waren, das einander zu sagen. - Ich bin gespannt auf das Buch.
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#7 FelixAnonym
  • 13.04.2019, 12:28h
  • Antwort auf #3 von Ach je Verlag
  • Vielen Dank für die Information.

    Gut, das zu hören, denn es gibt ja nach wie vor viele Leute, die ein Buch lieber gedruckt lesen als auf einem Bildschirm (aus ganz vielen verschiedenen Gründen). Und es ist auch nur so in ein Bücherregal zu stellen.
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#8 FelixAnonym
#9 BjörnAnonym
#10 FelixAnonym
  • 13.04.2019, 17:21h
  • Antwort auf #9 von Björn
  • Jetzt tu mal nicht so abällig. Es ist schon traurig, wenn man sich irgendwann im Leben bewusst wird, dass man reale Chancen verpasst hat und sich immer fragen muss: was wäre gewesen wenn...

    Man sagt nicht umsonst:
    wahrhaft glücklich sind die Menschen, die nichts im Leben bereuen.
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