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"Giftschrank"

Pädo-Material: Weitere Ermittlungen wegen des Schwulen Museums

Nach Recherchen von queer.de hat die Berliner Polizei ein zweites Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie eingeleitet. Im Archiv des Museums gibt es weitere fragwürdige Bilder.


Im Archiv des Schwulen Museums soll es neben einem verschlossenen "Giftschrank" mit pädosexuellen Materialien auch öffentlich zugängliche Porno-Zeitschriften mit Fotos minderjähriger Jungen geben, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter (Bild: SMU)

Die Berliner Polizei hat ein weiteres Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Schwulen Museum wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie eingeleitet. Das bestätigte ein Sprecher am Freitag. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch Recherchen von queer.de. Konkret geht es um den sogenannten "Giftschrank" des Schwulen Museums.

"Seit Jahrzehnten gibt es eine Sammlung von pädosexuellem Material im Archiv", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter, dessen Namen queer.de aus Sicherheitsgründen nicht nennt. Das kinderpornografische Material werde seit Jahrzehnten in dem "Giftschrank" verschlossen gelagert. Nur der Archivleiter habe einen Schlüssel. Seit 1985 seien immer wieder Schenkungen an das Museum gegangen. Dabei sei bedenkliches Material in dem Schrank verstaut worden.

Dass es den Schrank im Archiv gibt, sei unter den Mitarbeiter*innen des Museums "kein großes Geheimnis", sagt er. In Diskussionen im Museums-Vorstand sei immer wieder darüber gesprochen worden, wie man mit dem Material aus diesem Schrank umgehen soll. So wurde überlegt, wie man die pädosexuellen Strömungen der Schwulenbewegung historisch aufarbeiten könne. Mitglieder des Vorstands hätten schon lange ein Interesse daran gehabt, eine Forschungsstelle einzurichten, die die bislang unsortierte Pädo-Sammlung des Museums aufarbeitet, so der Hinweisgeber.

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Polizei: Es gibt keine Sondergenehmigung

Neben diesem "Hardcore-Material", das der Öffentlichkeit nicht zugänglich sei, gebe es weitere bedenkliche Archivbestände, die aber weniger eindeutig kinderpornografisch seien. So lagerten im öffentlich zugänglichen Archiv "Pornobücher aus den USA der Sechzigerjahre", so der ehemalige Mitarbeiter. Er habe unverdächtig wirkende Zeitschriften durchgeblättert und Fotos von Jungen gefunden, die nicht volljährig aussähen.

"Da muss man schon genau hinschauen, aber bei manchen Bildern denkt man: Die Jungs sind niemals volljährig", sagt er. Diese Zeitschriften lagerten immer noch dort. Es handele sich um mindestens 20 verschiedene Titel mit jeweils fünf bis 100 Heften. Es könne sein, dass in manchen dieser obskuren Zeitschriften offensichtlich Minderjährige zu sehen sind. "Das zeigt, dass die Zeitschriftenmacher damals nachlässig gehandelt haben."

Im Zuge der Recherchen sprach sowohl der ehemalige Mitarbeiter als auch ein Mitglied des aktuellen Vorstands von einer "Ausnahmegenehmigung", die das Museum für den "Giftschrank" habe. Daher fragte queer.de bei der Pressestelle der Polizei nach, ob diese Genehmigung für den Schrank vorliege. Daraufhin meldete sich eine Polizeibeamtin des Landeskriminalamts bei dem Journalisten. Sie sagte, die zuständige Polizeidienststelle sei durch die Anfrage "gezwungen, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten". Dies bestätigte der Polizeisprecher am Freitag. Die Ermittlungen liefen in Absprache mit der Staatsanwaltschaft. "Eine Sondergenehmigung erteilt die Polizei grundsätzlich nicht", so der Sprecher. Sie liege daher auch im aktuellen Fall nicht vor.


Fassade des Schwulen Museums in der Berliner Lützowstraße (Bild: KimSchneider / wikipedia)

Auf Anfrage bestätigt das Schwule Museum, dass es einen nicht-öffentlichen Schrank im Archiv gibt. "Es gibt einen Sonderbestand, also forschungsrelevantes Material zum Thema Pädosexualität, das der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht wird", so Sprecher Daniel Sander. "Auf dem dort gelagerten Material finden sich aber keine Darstellungen von Kindesmissbrauch."

Museum verlässt sich auf Gutachten

Im Jahr 2010 habe das Museum die Archivbestände bereits von einem Juristen prüfen lassen, sagt Sander. Damals seien keine Darstellungen von Kindesmissbrauch gefunden worden. "Fragwürdige, aber nach damaliger Rechtssprechung legale Inhalte wie etwa Posing-Bilder sind in den Sonderbestand gekommen", so der Sprecher. Zu diesem habe nur die Archivleitung direkten Zugang, geöffnet werden dürfe er nur für wissenschaftliche Zwecke.

Im Herbst 2018 hätten zwei Wissenschaftler*innen im Museumsarchiv recherchiert. Sie forschten für die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Die Wissenschafter*innen hätten dabei auch den sogenannten Sonderbestand geprüft. Am aufschlussreichsten seien für sie aber die noch unerschlossenen Bestände gewesen. Am Ende hätten sie das Museum auf alle vermutlich strafrechtlich relevanten Materialien aufmerksam gemacht und eine Übergabe an die Polizei empfohlen. Dem sei das Museum, auch unterstützt von einer Rechtsberatung, nachgekommen. "Wir verlassen uns auf die juristischen und wissenschaftlichen Gutachten", sagt Sander.

Fragwürdig ist nun, wieso es nach dieser Übergabe immer noch nicht-öffentliche Bestände in dem Archiv gibt, die "fragwürdige" Inhalte zeigen. Und wieso die öffentlich zugänglichen Kisten mit pornografischen Zeitschriften nicht auf illegale Inhalte hin untersucht wurden.

Der Sprecher bestätigte, dass das Museum in den letzten Jahren die Möglichkeit einer Ausstellung zu den pädosexuellen Strömungen in der Schwulenbewegung diskutiert habe. "Wann und ob sie stattfinden wird, ist aber im Moment noch nicht abzuschätzen", sagt Sander. Zu Anträgen auf Fördermittel für eine solche Ausstellung wollte sich das Museum nicht äußern. Klar sei aber, so Sander, dass das Museum die Forschung zu dem Thema Pädosexualität weiter unterstütze und das Interesse habe, diese Ergebnisse öffentlich zu machen.

In der vergangenen Woche hatte das Museum in einer Pressemitteilung (PDF) darüber informiert, dass es pädosexuelles Material aus dem eigenen Archiv an die Polizei übergeben hat. Insgesamt 38 Kisten mit mutmaßlich strafrechtlich relevantem Material werden nun von der Polizei ausgewertet (queer.de berichtete).



#1 ElfolfProfil
  • 13.04.2019, 08:43hHamburg
  • Ich denke mal, heute wird der Begriff Pornografie wesentlich strenger ausgelegt, als früher. Wenn ich an die Bilder von Wilhelm von Gloeden denke, nackte Kaben in griechischen Gewändern oder die früher frei verkäuflichen FKK Magazine, so geht es heute fast in eine Art Hysterie, sobald dort ein Jugendlicher auftaucht. Für mich gibt es immer noch einen Unterschied zwischen Fotos von nackten Jungs und der explizit sexuellen Abbildung. Ich gehe davon aus, dass die damals vom Juristen begutachteten Fotos der ersten Kategorie angehören.
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#2 marcocharlottenburgAnonym
  • 13.04.2019, 08:49h
  • Wenn das bekannt war und unter den Mitarbeitern ein offenes Geheimnis, dann muss der Rechtsstaat durchgreifen. Sorry, aber das geht ja gar nicht! Bereits der Besitz von Kinderpornografie ist strafbar und da soll, was auch völlig egal wäre, keiner kommen, er hätte das nicht gewusst. Das dürfte das Ansehen des Museums schaden und im Übrigen der Community im Allgemeinen auch.
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#3 marcocharlottenburgAnonym
  • 13.04.2019, 09:00h
  • Antwort auf #1 von Elfolf
  • Es wurde ein Jurist befragt und das soll dann der Legitimation dienen, dass man das fragwürdige Material behält? Es gibt da ein Spruch: Zwei Juristen, drei Meinungen. Da hätte man sich eher einen Gefallen getan, die Bestände den Strafverfolgungsbehörden zu melden und wenn man das okay von dort schriftlich gehabt hätte, dann wäre als in Ordnung gewesen... Und was bitte heißt keine Bilder von Mißbrauch? Hat die Kinder jemand gefragt, dass sie nackt fotografiert und dann in Printmedien abgedruckt werden?
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#4 goddamn liberalAnonym
#5 FredericAnonym
  • 13.04.2019, 10:09h
  • Hieß es nicht letztens noch, dass man nicht wusste was in den Kisten war und jetzt sei angeblich ein Giftschrank ein offenes Geheimnis?

    Kann man sich direkt wieder beim "Museum" bedanken, dass Schwule mit Pädophilen gleichgesetzt werden. Danke für euren "wissenschaftlichen" Bärendienst.
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#6 Elmar KraushaarAnonym
  • 13.04.2019, 10:22h
  • Verstehe ich das richtig? Queer.de erfährt von dem Pädo-Giftschrank im Schwulenmuseum und fragt umgehend bei der Polzei nach: Liebe Polizei, wissen Sie davon? Und dürfen die das? Und schon werden neue Ermittlungen gestartet. Was für eine Art von Journalismus ist das? Investigativ? Denunziatorisch? Polizei-Helferlein? Ich weiß, queer.de wird mir meine Fragen nicht beantworten, wahrscheinlich nicht einmal diesen Kommentar veröffentlichen. Ich habe zum Schluß noch eine ganz private Bemerkung: In meinem Besitz befinden sich u.a. auch Homo-Magazine aus den 1970er Jahren, Hefte wie Don, Du und ich oder Him. Ich gehe davon aus, dass nicht alle darin abgebildeten nackten Jungen Männer zum Zeitpunkt der Aufnahmen volljährig waren. Was mache ich jetzt? Gehe ich damit reumütig zur Polizei? Oder überlasse ich diese Arbeit vertrauensvoll einem queer.de-Kollegen?
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#7 DominikAnonym
  • 13.04.2019, 10:37h
  • Wenn sich dieser neue Informationsstand als wahr erweist, so wäre dies wirklich ein Skandal. Strafrechtlich relevantes Material gehört nicht in einen "Giftschrank", erst recht nicht jahre- oder jahrzehntelang dorthin versteckt, sondern unverzüglich den Strafverfolgungsbehörden übergeben. Möglicherweise hätte man sich ja dann auch der Strafvereitelung schuldig gemacht.

    Ich bin gespannt auf den abschließenden Bericht der Polizei und darauf, ob die Staatsanwaltschaft Anklage erheben wird oder nicht.
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#8 EmreAnonym
  • 13.04.2019, 10:45h
  • Antwort auf #6 von Elmar Kraushaar
  • So wie ich den Artikel verstanden habe, geht es neben diesen streitbaren Zeitschriften/ Posingbildern von Jugendlichen, um einen Giftschrank mit pädosexuellem Hardcorematerial...also sexuellen Missbrauch von Kindern.
    Das jetzt hier welche ankommen und so kommentieren als würde es nur um knapp volljährige aus irgendwelchen Zeitschriften ohne sexuelle Handlungen gehen, war so was von klar. Das wird dann gerne in Kommentaren benutzt um alles als nicht schlimm und maximal graubereichsmäßig darzustellen.
    Eben darum geht es nicht nur, sondern wie gesagt, auch um die hardcore- Darstellung von sexuellem Missbrauch von Kindern und wie man das noch mit fadenscheinigen Verharmlosungen herunterspielen kann, ist mir schleierhaft.
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#9 Brian CohenAnonym
  • 13.04.2019, 10:53h
  • Antwort auf #7 von Dominik
  • Interessant zu sehen, wie hier sofort Bärte, große Flache und eine Tüte Kies zurechtgelegt werden.

    Es geht hier nicht um aktuellen Kindesmissbrauch oder Verbreitung von Kinderpornographie. Bevor man hier also die absolute Empörungswelle startet, sollte man erst mal nachdenken und das Ganze einordnen, was tatsächlich passiert ist.
    Strafverfolgung von Verstorbenen dürfte sich als schwierig gestalten.
    Und in der Bewertung der Schwere einer potentiellen Straftat würde ich das unter Verschluss halten 50 Jahre alter Materialien durchaus anders beurteilen als die Produktion und das Verbreiten.

    Aber hier scheint es einigen am Wichtigsten zu sein, dass der Schaum vorm Mund fließen kann.

    Jehova.
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#10 Patrick SAnonym
  • 13.04.2019, 11:09h
  • Hardcorematerial, dass im Giftschrank verschlossen wurde. Eindeutiger geht es ja kaum. Und die Mitarbeiter wussten davon.

    Ich wünsche mir, dass das Museum und auch die Mitarbeiter die volle Härte des Gesetzes trifft. Wer Kinderpornografie bagatellisiert und besitzt und auch noch in einer Einrichtung arbeitet, die "homo" im Namen trägt, obwohl die Community seit Jahrzehnten kämpft, dass wir nicht im selben Satz mit Pädos genannt werden, hat sich jedes Verständnis und jede Milde verwehrt.
    Ungeheuerlich, wie man so krank sein kann, solches Material wie einen Schatz aufzubewahren und wegzuschließen und ungeheuerlich wie dreist man sein kann, dass auch noch wissentlich mit der Queeren Community in direkte Verbindung zu bringen.
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