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Gedichtband bei Männerschwarm

Schwules Begehren in 14 Versen

Die Lyrik August von Platens wurde auch von zeitgenössischen Kritikern bewundert – mit Ausnahme jener Sonette, die sich dem mann-männlichen Begehren widmen. Jetzt gibt es diese gesammelt als Buch.


August von Platen, 1796 in Ansbach geboren, gilt als einer der bedeutensten Lyriker seiner Zeit; hier um 1830 auf einem Ölgemälde von Moritz Rugendas (Bild: Johann Moritz Rugendas / wikipedia)
  • Von Alkis Vlassakakis
    14. April 2019, 12:04h, 1 Kommentar

August von Platen war gerade einmal 39 Jahre alt, als er in seinem selbstgewählten Exil starb, sein Oeuvre umfasst sieben Theaterstücke, vor allem aber zahllose Gedichte, Balladen und Sonette.

Sonette, das sind streng gegliederte Gedichte, die aus exakt 14 Verszeilen bestehen und – je nach Entstehungsort und -zeit – in verschieden langen Strophen zusammengefasst sind. Dieses enge Korsett der Gliederung machten Sonette zu einer beliebten Fingerübung für die Dichter der Deutschen Romantik Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts. Neben den Sonetten des Shakespeare-Übersetzers August Wilhelm Schlegel, waren es vor allem Platens Sonette, die die Lyrik zu jener Zeit maßgeblich prägten.

Diesen Sonetten widmet der Männerschwarm Verlag jetzt einen Sammelband, in dem sämtliche der verstreut veröffentlichten Sonette zu finden sind, ergänzt mit einem spannenden Nachwort von Werner Heck.

Schwärmerische Liebe und unerfülltes Begehren


Der Platen-Gedichtband "Die Sonette" ist im Männerschwarm Verlag erschienen

Platen war bereits in früher Jugend für eine Militärlaufbahn vorgesehen und blieb auch nach seinem Studium in Würzburg und Erlangen Teil des Infanterie-Regiments. Im Alter von 17 Jahren wurde er sich seiner Homosexualität bewusst, und die Schwärmerei für seine Freunde füllte fortan seine Tagebuchseiten.

Seine Sonette beinhalten die üblichen Themen: Widmungen an lebende und tote Künstler, die Künste im Allgemeinen und Venedig. Und eben auch ganze Zyklen, die an die unerfüllten Lieben in seinem Leben gerichtet sind: Studienkollegen, die sein Begehren nicht nur nicht erwiderten, sondern ihn auch fallen ließen, wenn er ihnen seine Liebe gestand.

Die Sonette sind Zeugen schwärmerischer Liebe voller Enttäuschung. Vielleicht zum ersten Mal in der deutschen Literatur wird die Hoffnungslosigkeit des unerfüllten homosexuellen Verliebtseins in Verse gefasst. Und Platen macht klar, wem das Begehren gilt. Das Geschlecht seines Angebeteten wird nicht ambivalent gehalten. Es sind junge Männer, denen er sein Herz schenkt.

Ein Revolutionär seiner Zeit

Die seinen Freunden gewidmeten Sonette brachten ihm massive Kritik ein. Heine zum Beispiel verriss Platen und sein Werk aus moralischen Gründen. Der schwule Dichtr verließ Deutschland und verbrachte den Rest seines kurzen Lebens in Italien, wo er 1835 starb.

Doch die Sonette, wie auch die Lebensgeschichte Platens, inspirierten andere Künstler. Thomas Manns "Der Tod in Venedig" wäre ohne sie kaum vorstellbar, und Hubert Fichte bezeichnete ihn wegen dieser Sonette als Revolutionär.

Was können Platens Sonette heute? Das schwärmerische Begehren, das ziellose jugendliche Verliebtsein zum heterosexuellen Jugendfreund ist auch heute noch ein Thema im Leben und in der Kunst, auch wenn – im Gegensatz zu Platens Zeitgenossen – nicht die platonische Liebe die höchste Erfüllung bedeutet.

Infos zum Buch

August von Platen: Die Sonette. Mit einem Nachwort von Werner Heck. Lyrik. 160 Seiten. Männerschwarm Verlag, Salzgeber Medien. Berlin 2019. Gebundene Ausgabe: 26 € (ISBN: 978-3-86300-270-1). Ebook: 18,99 € (ISBN: 978-3-86300-280-0)


#1 Alexander_FAnonym
  • 14.04.2019, 15:37h
  • Platen...wohl wirklich eine der traurigsten Gestalten der deutschen Literaturgeschichte. Nicht in dem Sinne, dass es ihm an Talent gemangelt hätte, aber seine Auseinandersetzung mit Heine gehört mit zu dem Dämlichsten und Unnötigsten, was dieser Zeit geschah: Ein Jude und ein Schwuler zerreißen sich in der Öffentlichkeit einander mit jeweils antisemitischen bzw. homophoben Beleidigungen, in einem Streit, der sich an einigen dummen Witzchen entzündete, und am Ende sind beide die Dummen und müssen auswandern.
    Man kommt auch noch über zweihundert Jahre später um ein Facepalm nicht umhin.
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