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Pinkwashing

Homo-Gurke für die IGLTA

Der Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin hofiert homofeindliche Verfolgerstaaten – dennoch wird sie jetzt von der International LGBT+ Travel Association ausgezeichnet.


Hauptsache das Geld fließt: Die ITB drückt bei der Verletzung von Menschenrechten in ihren offiziellen Partnerländern beide Augen zu (Bild: Messe Berlin)

Die Empörung war groß, dass ausgerechnet Malaysia – ein Staat, der Lesben und Schwule auspeitschen lässt – in diesem Jahr offizielles Partnerland der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) war. Berlins Bürgermeisterin und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte deshalb ihren Messebesuch ab, und Politiker*innen der rot-rot-grünen Regierungsfraktionen fordern für die Zukunft die Einhaltung verbindlicher Menschenrechtsstandards (queer.de berichtete). Der malaysische Tourismusminister behauptete auf der ITB dann auch noch allen Ernstes, es gebe keine Homosexuellen in seinem Land (queer.de berichtete).

Die landeseigene Messe Berlin GmbH hat bis heute keinen Fehler eingeräumt, pocht stattdessen auf ihre politische Neutralität und will weiterhin an Oman als ITB-Partnerland für 2020 festhalten, wo Homosexuelle drei Jahre hinter Gittern landen können. Dennoch wird sie jetzt ausgerechnet aus der queeren Community geehrt: Für ihrer "kontinuierliche und international erfolgreiche Positionierung des Segments LGBT+ Travel" erhält die Tourismus-Börse den "Vanguard Award" der International LGBT+ Travel Association (IGLTA). Die Übergabe soll Ende April bei der Annual Global Convention in New York City erfolgen.

Pink Dollar statt Menschenrechte im Blick

Natürlich ist es zu begrüßen, dass die Berliner Reisemesse mit ihrem "LGBT Travel Pavillon" seit 2010 eine Vorreiterrolle belegt. Doch hinter den paar Regenbogenfahnen in Halle 21b steckte von Beginn an nur das Interesse, ein neues lukratives Marktsegment zu erschließen. Würde die ITB die Menschenrechte von queeren Menschen ernst nehmen, hätten Verfolgerstaaten wie die Malediven (2016), Botswana (2017) oder Malaysia (2019) niemals offizielle Partnerländer werden dürfen.

Damit sich diese für die selbsternannte Regenbogenhauptstadt Berlin hochpeinliche Auswahlpolitik endlich ändert, braucht es weiterhin öffentlichen Druck. Hier wäre allen voran die IGLTA als Fachverband und langjähriger Aussteller auf der ITB gefragt. Doch stattdessen fällt die internationale queere Reiseorganisation der Community in den Rücken und zeigt, dass es ihr offensichtlich selbst nur um den Pink Dollar geht.

Aus diesem Grund erhält die International LGBT+ Travel Association unsere Homo-Gurke!



#1 zundermxeAnonym
  • 17.04.2019, 21:45h
  • Verdient hätten die mehr als die Homo-Gurke...

    doch eigentlich lässt sich auch ganz einfach die Erkenntnis ziehen, dass auch für die Mehrheit der bunten Gemeinschaft der Bauch vor der Moral kommt. Zumindest da gibt es wohl kaum noch nen Unterschied zur Mehrheitsgesellschaft.

    Gleiche Rechte für alle und überall - na klar doch - dafür kämpfen wir gerne bis zur letzten Wimperntusche alljährlich aufm CSD. Doch mit der Solidarität wollen wir mal nicht übertreiben - wollen doch nicht radikal sein. Urlaub ist schließlich immer noch Urlaub.
    Außerdem wäre es doch sooo naiv zu meinen, dass es irgend ner armen Wurst helfen würde, wenn der Zuckerarsch nicht am tollsten Stand in die Sonne gehalten werden kann. Und queerer Tourismus fördert doch ganz nebenbei die Entwicklung zum besseren im Lande.

    Wer hat die Sprüche nicht schon x-fach gehört?!
    Kommentieren, bloggen, teilen, posten und liken beherrschen wir auf Erstliga-Niveau.
    Aber im Real Life handeln, sich gar einschränken. Das wär doch nu wirklich total abgedreht, oder?
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#2 godamn liberalAnonym
  • 18.04.2019, 07:07h
  • Antwort auf #1 von zundermxe
  • Ich fahr nur dorthin in Urlaub, wo ich gleichberechtigt bin und meide urlaubsmäßig sogar das Land, in dem Wiking-Jugend-Strache Vizekanzler ist.

    Die Homo-Gurke ist natürlich verdient.

    Es ist typisch für unseren Selbsthass, dass wir sogar dankbar sind, wenn wir irgendwo unser Geld lassen DÜRFEN.
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#3 Ralph
  • 18.04.2019, 12:08h
  • Ein schwuler Blogger (ich bin nicht sicher, aber ich glaube, es war Rainer Hörmann oder Johannes Kram) bedachte mal die Frage, warum er nicht Urlaub in einem islamischen Land machen wolle, mit der Antwort: aus dem selben Grunde, warum man als Jude nicht Urlaub im Dritten Reich mache. Diese simple Tatsache erkennt die IGLTA offenbar nicht mehr an. Vielleicht wäre es hilfreich, den Verantwortlichen einen Urlaub in einem malaysischen Gefängnis zu spendieren, mit vorangehender öffentlicher Auspeitschung, damit sie eigene Erfahrungen mit der dortigen Gastfreundschaft machen können.
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#4 goddamn liberalAnonym
  • 18.04.2019, 13:39h
  • Antwort auf #3 von Ralph
  • "warum er nicht Urlaub in einem islamischen Land machen wolle, mit der Antwort: aus dem selben Grunde, warum man als Jude nicht Urlaub im Dritten Reich mache."

    Das ist für jeden Menschen mit Überlebenswillen völlig logisch.

    Wobei ich liebend gerne in die Türkei fahren würde, wenn dort die gute alte CHP wieder den Präsident stellen sollte.
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#5 MatainaAnonym
  • 19.04.2019, 10:46h
  • Hier stehen wir wieder vor der generellen Frage: grenzen wir alle anderen, die nicht genauso denken oder (fortschrittliche Gesetze haben) wie wir aus und verteufeln sie - oder halten wir die Diskrepanz mal einen Moment aus und versuchen die andere Seite zu verstehen und kennenzulernen, um aus dieser Kommunikation dann eine Veränderung in Gang zu bringen. Eins ist doch nun mal klar, wenn man alle Anderen, die nicht so sind wie man selbst, ausgrenzt, wird die Welt verdammt klein und es ändert sich wenig bis nichts. Ich habe gerade in den Ländern, die international immer verteufelt wurden (Südafrika in wegen Apartheit, Chile in den 80ern wegen Pinochet, den Emiraten) die spannensten Eindrücke gemacht, die mein Weltbild erweitert und teils krass differenziert und korrigiert. Die Dinge sind häufig viel komplexer als aus unserer eurozentristischen Sicht. Und LGBTs gibt es überall und die brauchen unsere Unterstützung, gerade vor Ort. Und was die Ausgrenzung angeht, sollten wir als Schwule eigentlich aus eigener Erfahrung gelernt haben, dass das kein guter Weg ist. Ich bin für Kommunikation und ein Aufeinanderzugehen. Wandel braucht halt seine Zeit.
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#6 Ralph
  • 19.04.2019, 11:29h
  • Antwort auf #5 von Mataina
  • Na dann fahr doch mal nach Saudi-Arabien, Malaysia, Brunei oder in den Iran, küss und knutsch dort einen Mann und lass dich dann von den spannenden Eindrücken überraschen, die auf dich zukommen werden.

    Nein, tut mir leid, da haben wir nichts zu tolerieren, und da haben wir auch auf niemanden zuzugehen, und wir haben auch niemanden zu verstehen. Mord und Folter an Schwulen sind jenseits der Grenze, bis zu der kulturelle Unterschiede ausgehalten werden müssen.

    Und zu deinen Beispielen: Chile war ein zivilisiertes Land, in dem ein Verbrecherregime eine Diktatur errichtet hatte. In Südafrika wurden Schwarze vom Staat benachteiligt und nicht als gleichwertig anerkannt, aber nicht systematisch wegen ihrer Hautfarbe ermordet. Beides lässt sich nicht mit Regimen gleichsetzen, die auf Grund von Rechtsordnungen aus einer Zeit, da bei uns die Merowinger regierten, unter dem Jubel ihrer Untertanen foltern und morden.
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#7 FinnAnonym
  • 19.04.2019, 11:30h
  • Business ist dann doch wichtiger als Grundrechte.

    Solche LGBTI-Organisationen braucht kein Mensch...
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#8 TheDadProfil
  • 19.04.2019, 13:09hHannover
  • Antwort auf #5 von Mataina
  • ""Hier stehen wir wieder vor der generellen Frage: grenzen wir alle anderen, die nicht genauso denken oder (fortschrittliche Gesetze haben) wie wir aus und verteufeln sie - oder halten wir die Diskrepanz mal einen Moment aus und versuchen die andere Seite zu verstehen und kennenzulernen, um aus dieser Kommunikation dann eine Veränderung in Gang zu bringen.""..

    Eine Frage die sich nicht stellt..
    Nun sind ja LGBTTIQ*-Menschen nicht diejenigen, die das Gros der Touristen stellen, und dann Ländern wie Brunei, dem Oman und auch Saudi Arabien und Dubai einen "touristischen Boom" bescheren..

    Nun geht es aber auch nicht um einen "Moment des Aushaltens", denn die Verfolgung in Brunei besteht auch nicht erst seit der Einführung der Scharia als "alleinige Rechtsnorm"..
    Das passiert seit Jahrzehnten, in anderen Ländern seit Jahrhunderten..
    Da gibt es nichts mehr "abzuwarten" und auch keine "Momente" mehr "auszuhalten"..

    Wer dagegen ernsthaft denkt, man könne über eine Kommunikation ein Umdenken dieser Staaten erreichen, und damit Veränderungen in Gang setzen die sich dereinst dahingehend auswirken, daß Staaten wie Brunei in eine Jahrtausende alte Gesetzes-Sammlung wie die Scharia eingreifen, und Strafvorschriften einfach mal so streichen, der befindet sich einfach auf einem Irrweg..

    Denn Teil der Idee des Islam ist es sich ganz bewußt über eine andere Ausformung der Gesellschaft vom "Westen" abzusetzen, sich "eigene" Menschenrechte zu formulieren, was nichts anderes heißt als, diese Staaten haben die Heteronormativität der "Religion" zur Staatsform erhoben, und es gibt für sie keinen nachvollziehbaren Grund, davon abzurücken..

    Der ägyptische Präsident Abd al-Fattah Said Husain Chalil as-Sisi, bekannt als Abdel Fatah El-Sisi, hat auf dem treffen der EU mit den Arabischen Staaten sinngemäß die Aussage getroffen :
    "ihr habt eure auffassung von menschenrechten, wir haben unsere"..

    Die islamisch geprägten Gesellschaften sehen also gar keine Veranlassung dazu sich den "Normen" und den Auffassungen der anderen Ländern anzuschließen, denn neben der oft mangelhaften demokratischen Ausformung der Staaten fehlt es auch an einem Willen eine gleichberechtigte&gleichgestellte Gesellschaft zu formen, denn den Mehrheiten in diesen Ländern fehlt es ja an nichts, so lange sie sich nur an die Gesetze halten, und dazu sind diese Mehrheiten ganz offensichtlich bereit..

    ""Die Dinge sind häufig viel komplexer als aus unserer eurozentristischen Sicht.""..

    Ein bemerkenswerter Satz, der dann einfach außer Acht läßt, man kann so viel mit diesen Ländern oder deren führenden Politikern "offen kommunizieren" wie man will, an der Grundauffassung können solche Kommunikationen nichts ändern..

    Und so bleibt jedes "mal einen Moment aushalten" auch nichts weiter, als ein warten auf weitere Opfer..

    Will man also dort etwas erreichen, dann muß man wirtschaftliche Zwänge aufbauen, und diese Staaten vom internationalem Handel wie auch von internationalem Gewinn abkoppeln, und exakt dazu gehört es solche Staaten nicht zu "Partnerländern" einer Messe für Tourismus zu erklären..
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#9 zundermxeAnonym
  • 20.04.2019, 07:15h
  • Antwort auf #5 von Mataina
  • Jeder Standpunkt ist begründbar.
    Was Du schreibst ist die Logik der Tourismusindustrie. Ebenso die Logik großer Sportverbände und Teile der Politik.
    Letztlich geht es aber für viele Staaten, Organisationen und Firmen schlicht ausschließlich um Geld.
    Hat es irgendetwas gebracht Putin jedes große Sportereignis zu geben?
    War die Teilnahme an Hitlers Spielen also doch richtig?
    Hat Ägypten die Lebenssituation für einheimische LGBTI über die Jahrzehnte nachhaltig verbessert?
    War der Boykott vieler gegen Südafrika als es noch für Rassentrennung stand also kontraproduktiv?

    Ja, die Welt würde erstmal klein werden wenn wir die fundamentalen Lebensfreiheiten, die wir für uns selbst beanspruchen, bei der Wahl unserer Reiseziele berücksichtigen würden.

    Für eurozentrisch halte ich eher die Vorstellung, dass wir meinen jedes Jahr mehrmals durch die Welt zu fliegen und dann auch noch glauben wir würden außer uns selbst noch irgendwem anderes damit etwas gutes tun.
    Aber wir fliegen mit grünen Airlines, gell?!
    Die ganzen Billig-Arbeitsplätze in und um den Massentourismus sind ein Segen für Mensch und Umwelt?!
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