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Schmalzserie

"Traumschiff" mit Klemmschwester

Am Ostersonntag steuert das ZDF-"Traumschiff" nach Sambia. Tim Morten Uhlenbrock spielt einen schwulen Tänzer, der seiner Mutter eine Passagierin als Fake-Freundin präsentiert. Natürlich gibt's ein Happy-End…


Sorry für den Spoiler aus dem Pressefoto-Pool: Nach der Aussprache mit seiner Mutter June (Sabine Postel, m.) kann Sam (Tim Morten Uhlenbrock, l.) endlich offen seine Liebe zu Ben (François Goeske, r.) zeigen (Bild: ZDF / Dirk Bartling)

Alle reden über Florian Silbereisen als neuen "Traumschiff"-Kapitän, doch der ist in der neuen Folge, die am Ostersonntag um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird, noch gar nicht dabei. Daniel Morgenroth steuert diesmal den Kreuzfahrtriesen als Erster Offizier Martin Grimm nach Sambia.

So können wir uns ganz auf das schwule Drama konzentrieren, das sich an Bord ereignet: Bei einem Tanzwettbewerb verliebt sich Passagierin Alice (Leonie Rainer) in ihren attraktiven, aber heimlich homosexuellen Tanzpartner Sam (Tim Morten Uhlenbrock). Als dieser sie spontan in das Hotel seiner Mutter June (Sabine Postel) einlädt, kann Alice ihr Glück kaum fassen.


Alice hat sich in Sam verliebt – und ahnt nicht, dass er schwul ist (Bild: ZDF / Dirk Bartling)

Sind nicht alle Tänzer schwul?

Trotz der Warnung ihrer besten Freundin Judith (Pia Stutzenstein), dass alle Tänzer schwul seien, nimmt Alice die Einladung an. Vor Ort wird sie herzlich von June begrüßt, die in ihr schon die potenzielle Schwiegertochter sieht, die ihren Sohn endlich dazu bringen wird, das Hotel zu übernehmen.

Am Ende muss Sam Alice allerdings reinen Wein einschenken, die daraufhin frustriert auf Schiff zurückkehrt. Und nach einer Aussprache mit seiner Mutter kann der schwule Sohn auch endlich offen seine Liebe zu seinem Freund Ben zeigen…

Das ZDF-"Traumschiff" stach erstmals am 22. November 1981 in See und steuerte damals die Bahamas an. Seitdem wurden 84 Episoden gedreht, die in über 50 verschiedenen Ländern spielen. (cw)



#1 KetzerEhemaliges Profil
  • 18.04.2019, 17:08h
  • Typisch weichgespülte ZDF-Story: Der Schauspieler Tim Morten Uhlenbrock ist 33. Ein Anfang 30-jähriger ist natürlich immer noch ungeoutet und bandelt relativ sinnloserweise mit Frauen an, damit sich die Mutter freuen kann, dass er "endlich das Hotel übernimmt" (denn das geht ja nur mit Frau an seiner Seite, gell).

    Vor 20 Jahren mag ein solcher Plot ja noch relativ aktuell gewesen sein - inzwischen kommt er einem_einer halt doch irgendwie ziemlich vorgestrig vor.

    Ist ja gut und nett, dass es ein Happy End geben soll; trotzdem vermisse ich (und hoffentlich nicht nur ich?) händeringend Plots mit emanzipierten, selbstbewusst auftretenden queeren Menschen und nicht so ein vorgestriges Herumgedruckse.
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#2 Ich glotz TVAnonym
  • 18.04.2019, 17:18h
  • Antwort auf #1 von Ketzer
  • Für die Zuschauergruppe des Traumschiffs ist das vermutlich schon radikale und ungewohnte Kost und sicher erzieherisch wertvoll! Man muss seine Klientel da abholen, wo sie noch steht, auch wenn einem das zuweilen wie eine Zeitreise vorkommen mag.
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#3 Bonifatius49Anonym
  • 18.04.2019, 18:27h
  • Antwort auf #1 von Ketzer
  • Vor 20 Jahren mag ein solcher Plot ja noch relativ aktuell gewesen sein - inzwischen kommt er einem_einer halt doch irgendwie ziemlich vorgestrig vor. " [..]

    Wohl wahr, wohl wahr...

    Nicht mehr zeitgemäß in Deutschland und eine Story, die vor 20 Jahren hätte spielen können, aber mittlerweile derart "überholt," das einem beim Zuschauen wohl eher schlecht wird.

    Wenn ein 16/17 jähriger, der gerade noch im Coming-Out steckt, auf dem Traumschiff sein Coming Out hat, das wäre okay. Aber sicherlich nicht ein 30jähriger Mann aus Deutschland, da muss schon sehr sehr viel schief "gelaufen" sein, damit das Coming Out in Deutschland erst mit 30 Jahren stattfindet (beispielsweise islamische Migrationsfamilie aus Nordafrika... die aber wiederum hätte nicht das Geld, um auf dem Traumschiff mitzufahren). ABER in einer reichen deutschen Familie, die sich das Traumschiff leisten kann, hat ein 30jähriger schwuler Mann längst das Coming-Out in der Familie "hinter sich."
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#4 DamienAnonym
  • 18.04.2019, 19:23h
  • Antwort auf #3 von Bonifatius49
  • " ABER in einer reichen deutschen Familie, die sich das Traumschiff leisten kann, hat ein 30jähriger schwuler Mann längst das Coming-Out in der Familie "hinter sich."

    du glaubst, dass sich z. b. im Hause bevernfoerde oder von storch derzeit jemand in dem alter outen würde (wenn es denn dort einen schwulen/lesbischen spross gäbe) und seine mama dem berechtigten spott aussetzen würde? und im hochkatholischen milieu dürfte es in diversen familien "rumgedruckse" geben.
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#5 LidercAnonym
  • 18.04.2019, 20:26h
  • Antwort auf #1 von Ketzer
  • Mann, das ist Traumschiff...! Ich finde es schon mal einen Riesen Fortschritt, dass in dieser Weichspüler-Welt das Thema zentral und positiv vorkommt. Aber natürlich sind dann Tänzer sowieso schwul (eh klar) lol

    Wobei, wer den Plot vom Alter des jungen Mannes her unrealistisch findet, ist mEn weltfremd. Besonders in so konservativ-reichen Familien ist der Druck auf die Kinder, in jeder Hinsicht konform zur Familientradition zu sein, oft sehr groß. Berufswahl, Sicherung des Familenfortbestandes ...

    Von dem unsäglichen Wort Klemmschwester sollte man sich aber echt bitte verabschieden. Erstens ist der Mann keine Schwester (Alltagssprache für Tunte), zweitens nicht automatisch verklemmt. Das verharmlost auch finde ich die ganzen komplexen CO Situationen und die individuellen Grenzen zwischen Privatsphäre, Selbstschutz oder tatsächlicher Verleugnung.
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#6 Lübbers-WatchAnonym
  • 18.04.2019, 20:38h
  • Antwort auf #5 von Liderc
  • "Wobei, wer den Plot vom Alter des jungen Mannes her unrealistisch findet, ist mEn weltfremd."

    Das ist halt typisch für TimmJohannesLukas08/15-4711 aus Wolkenkuckucksheim, der meint, im Namen aller anderen sprechen zu können.
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#7 Bonifatius 49Anonym
  • 19.04.2019, 01:31h
  • Antwort auf #4 von Damien
  • "hochkatholisches Milieu"....

    Im Jahre 2019 in Deutschland, da muss ich fast lachen, welche linken Phantasiewelten von Damen ausgebrütet werden. Wenn selbst Bischöfe wie Bode im Bistum Osnabrück Segnungsgottesdienste für homosexuelle Ehepaare fordern, und die Caritas in Hamburg Familienberatung für Regenbogenfamilien anbieten, ist das auch nicht mehr zeitgemäß von hochkatholischen Milieus zu schreiben, wo 30jährige Männer sich nicht trauen, ihr Coming- Out umzusetzen. Auch da wird einem eher schlecht, weil es vor 20 Jahren noch filmbar in Bayern gewesen wäre. Aber im Jahre 2019 in Deutschland hat sich auch die Katholische Welt von Familien in Deutschland positiv im Bereich LSBTI Rechte verändert.
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#8 KetzerEhemaliges Profil
  • 19.04.2019, 02:29h
  • Antwort auf #5 von Liderc
  • Nur weil mir ausnahmsweise mal ein Herr L. teilweise (und ansonsten sehr zweifelhaft) zustimmt, heißt das noch lange nicht, dass ich in seinen oder ähnlichen Kreisen anzusiedeln wäre.

    Danke - auf den 1. Kommentar à la "Aber das ist doch ein Riesenfortschritt" habe ich schon gewartet. War mir allerdings auch klar, dass ich nicht ALLZU lange darauf warten müsste.

    Wenn es übrigens weltfremd ist, als zwangsläufige Standardsituation im Jahre 2019 NICHT vorauszusetzen, dass ein über 30jähriger Schwuler noch ungeoutet ist und mit Pseudo-Freundinnen herumtändelt, dann bin ich supergerne weltfremd.

    Emanzipatorisch zu denken und zu handeln, bedeutet also, weltfremd zu sein. Die Welt zu kennen, bedeutet im Gegensatz dazu, auch mit über 30 noch sich, seine eigene Person, sein eigenes Leben zu verleugnen und letztlich auch zu vergeuden, weil die Familie allmächtig ist. Jo, schon klar.

    Ich hab' dann mal eben schallend gelacht. Ich hatte mein Coming-Out gegenüber meiner Familie unter widrigsten Umständen mit 25, im Jahr 1990. Stockkonservative Heimatstadt, extremst prüde Familie, Druck seitens der Mutter ohne Ende, um ein perfekt funktionierendes Kind hervorzubringen.

    Selbst ich habe es 1990 (also vor fast 30 Jahren, als die Welt noch eine völlig andere war) geschafft, meinen Befreiungsschlag mit 25 zu landen und dabei in Kauf nehmen müssen, ab sofort als peinlicher Makel der Familie zu gelten, der bitte niemanden wissen lassen darf, dass er schwul ist. Also war es ganz offenbar schon vor 30 Jahren möglich, auch ohne jegliche Vorbilder im Fernsehen, auch ohne jegliche Vernetzungsmöglichkeiten wie Internet etc. etc. selbst zu erkennen, dass man einfach nicht mehr weiterleben kann, ohne offen und öffentlich man selbst zu sein.

    Ich habe das schwer büßen müssen - mich hat das die Unterstützung maßgeblicher Teile der Familie gekostet, einen wichtigen Teil meiner Familie habe ich verloren, meine berufliche Karriere ist völlig anders (exponentiell schlechter) verlaufen als geplant (und das bei einem 1,1er Abitur), und noch Jahrzehnte später wurde z.B. mein Vater von einem seiner Schwager gefragt, ob er denn wirklich mit dem Makel klarkomme, einen schwulen Sohn zu haben. Das war kurz vor meines Vaters Tod 2017.

    ABER mir war spätestens 1990, übrigens nach einem inneren Coming-out 1988, klar geworden, dass ich ab sofort VOLLSTENS zu mir selbst stehen MUSS, weil ich damals sonst einfach durchgedreht wäre. Ich konnte all das Versteckspiel, all die Verlogenheit, die Verdruckstheit, die 500. Ausrede auf die Frage "Na? Wann zeigst Du uns endlich Deine erste Freundin?" einfach nicht mehr aushalten, und obwohl ich wusste, dass es ein sehr schwieriger Weg werden würde, habe ich mich für diesen entschieden, weil er WENIGSTENS bedeutete, dass ICH ICH sein konnte und keine leere Fassade eines pseudo-heterosexuellen jungen Mannes aufrecht erhalten bzw. täglich neu aufbauen musste, um den Schein zu wahren, ich sei ja doch irgendwie ein "brauchbares", weil ja so "normales" Kerlchen.

    Nein, ich war KEIN "brauchbares" Kerlchen mehr. Auf einmal war ich vom Vorzeige-Sohn zum schwarzen Schaf, zur personifizierten Peinlichkeit, zur Unperson geworden, die man ab sofort besser totschweigt.

    Ratet, weshalb ich 1990 ersten Kontakt zu politischen Emanzipationsgruppen gesucht habe. Ratet, weshalb ich seit damals dafür eintrete, dass Menschen ein RECHT darauf haben, ALS SIE SELBST durchs Leben zu gehen, ohne der Gesellschaft jahre- oder gar jahrzehntelang absurdes Theater vorspielen zu müssen.

    Nicht, weil ich wollte, dass es allen nach ihrem Coming-Out genauso schlecht ergeht wie mir. Sondern genau im Gegenteil: weil ich wollte und will, dass unsere Gesellschaft sich endlich fundamental weiterentwickelt.

    Von einer solchen fundamentalen Weiterentwicklung sind wir Lichtjahre entfernt, wenn ein solcher ZDF-Film nun als "Riesen Fortschritt" bezeichnet wird. Rosa von Praunheim und Martin Dannecker hätten es 1971 wohl kaum fassen können, dass wir 2019 wieder bzw. noch über fast die gleichen Grundsatzprobleme diskutieren müssten wie diejenigen, die im berühmten Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" angesprochen und gezeigt werden.

    Ich kämpfe für fundamentale Fortschritte der Emanzipation, wenn möglich, noch zu meinen Lebzeiten. Ich habe keine Zeit, nochmal 30 oder 50 Jahre zu warten, bis eine Zeit kommen wird, in der solche Filme hier nicht mehr als "Riesen Fortschritt" bezeichnet werden. Ganz abgesehen davon, dass Johannes Kram in seinem Nollendorfblog ganz richtig festgestellt hat: "Wir haben die Sicherheit verloren, dass alles immer besser wird." (8.2.19)

    Wer mich ob eines solchen persönlichen Erfahrungshintergrundes und der Tatsache, dass ich seit Jahrzehnten politisch-soziologische Entwicklungen mit ansehen muss und analysiere, als "weltfremd" bezeichnet, sollte doch bitte sein_ihr eigenes moralisches Kompasssystem einer Neujustierung zuführen.

    Und bevor mir jetzt jemand damit kommt, dass ich ja nicht jede Lebenssituation selbst erlebt haben kann: natürlich nicht. Wer könnte das schon? Aber ich kann mit offenen Augen durchs Leben gehen und sehr genau wahrnehmen, was auch außerhalb meines eigenen Dunstkreises vor sich geht. Und ich kann meine Schlüsse daraus ziehen - und auch meine politischen Forderungen.

    Und so bleibe ich abschließend bei der politischen Forderung, auch im ZDF emanzipierte queere Persönlichkeiten zu zeigen statt vorgestriges Herumgedruckse. Und ich weigere mich, anzuerkennen, dass selbst dies bereits ein "Riesen Fortschritt" sei. Das ist höchstens ein kleiner Fortschritt innerhalb einer Taktik von "zwei Schritte zurück, einer vor".

    Mir reicht das nicht.
    Und ich habe das gute Recht, das hier kundzutun und mir ketzerischerweise in aller Öffentlichkeit eine wesentlich emanzipatorischere Marschrichtung sowohl der Community als auch der Gesamtgesellschaft zu wünschen.

    Wenn ich so alt werde wie mein Vater, habe ich noch 26 Jahre. Das ist gesellschaftspolitisch gesehen, nicht viel mehr als ein Wimpernschlag. Und ich würde diese Welt gerne zumindest mit der Idee verlassen, dass sich noch etwas mehr getan hat, als 2019 einen solchen Film als "Riesen Fortschritt" bezeichnet zu haben.

    Danke fürs Gespräch.

    ***
    Doch noch zwei kurze Ergänzungen: wer sich mit Tuntenfeindlichkeit schmückt, hat aus meiner Sicht argumentatorisch nicht gerade die besten Karten.

    Und @#6: ich meine NIE, im Namen aller anderen sprechen zu können. Aber ich erlaube mir, emanzipationspolitische Forderungen aufzustellen, von deren Umsetzung alle profitieren können.
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#9 LidercAnonym
#10 Lübbers-WatchAnonym