Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?33413

"Tag des Schweigens"

St. Petersburg: LGBTI-Aktivisten bei friedlichem Protest festgenommen

Mit zugeklebten Mündern und Plakaten hatten die Aktivisten auf Ausgrenzung und Unsichtbarmachung und ihre Folgen aufmerksam machen wollen. Sie wurden stundenlang in einem Polizeibus festgehalten.


Eine der 13 Festnahmen

Die Polizei von St. Petersburg hat am Mittwoch rund ein dutzend LGBTI-Aktivisten bei stillen und friedlichen Einzelprotesten festgenommen und teilweise noch bis spät in der Nacht in einem Polizeibus und auf einer Wache festgehalten.

Rund 40 größtenteils junge Menschen hatten sich in der Innenstadt versammelt, um im Rahmen eines "Tag des Schweigens" mit zugeklebten Mündern und Plakaten unter anderem auf die negativen Auswirkungen des Gesetzes gegen "Homo-Propaganda" hinzuweisen. Bereits seit zehn Jahren machen LGBTI in St. Petersburg mit dem Tag nach amerikanischen Vorbild darauf aufmerksam, wie Politik, Medien und Gesellschaft über Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt gegenüber LGBTI hinwegsehen.

Direktlink | Aufnahmen der Aktionen, Festnahmen und von homophober Aggression

In den Vorjahren konnten die Aktionen in der Regel ungestört verlaufen. Auch am Mittwoch hatten die Aktivisten einzeln und in Abstand zueinander protestiert, wie es das russische Gesetz ohne vorherige Demo-Anmeldung ausdrücklich erlaubt.

Offenbar vom berüchtigten St. Petersburger Anti-LGBTI-Aktivisten Timur Bulatow alarmiert, tauchte am Mittwoch jedoch schnell die Polizei auf und begann, Aktivisten festzunehmen. Ein Teilnehmer berichtete, dass die Beamten offenbar jeden festnahmen, den sie mit zugeklebtem Mund antrafen.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Insgesamt 13 Personen wurden festgenommen und zu einer Wache gebracht, darunter vier Minderjährige, die später den Eltern übergeben wurden. Laut OVD Info wurden die Aktivisten stundenlang in einem Bus vor der Wache festgehalten und ihnen der Zugang zu einer Toilette verwehrt. Einer während der Festnahme erkrankten Person wurde erst nach Stunden eine Entlassung in einen Rettungswagen gewährt, während ein Anwalt nicht zu der Gruppe gelassen wurde. Erst gegen Mitternacht, nach rund fünf Stunden, wurden alle Personen bis auf eine freigelassen.


Mittlerweile Tradition: Stolze Bilder der Festgenommenen aus dem Polizeiwagen. Man sei stolz für jeden, der trotz der Risiken mutig protestiert habe, so die Gruppe Straights for Equality. Das gebe Hoffnung für die Zukunft.

Laut den Festnahmenprotokollen werden den Festgenommenen Verstöße gegen das Versammlungsrecht im Rahmen eines Gruppenprotests vorgeworfen, was mit einer Geldstrafe geahndet werden kann. Die Organisatoren der Gruppe "Straight for Equality" betonten gegenüber Medien, dass ihr Protest gegen kein Gesetz verstoßen habe und die Festnahmen unrechtmäßig gewesen seien. Unter den 13 Festgenommenen seien zwei völlig unbeteiligte Passanten sowie zwei junge Leute, die die LGBTI-Aktivisten homophob beschimpft hatten.

Proteste von LGBTI werden in Russland oft durch Behörden vorab untersagt – häufig mit Verweis auf das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" – und enden oft in Festnahmen der Teilnehmer und späteren Bußgeldbescheiden aufgrund von angeblichen Verstößen gegen das Versammlungsrechts oder Widerständen gegen Polizeibeamte. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und europäische Organisationen haben das Vorgehen wiederholt kritisiert.

Direktlink | Weitere Video-Eindrücke des Tages

In St. Petersburg konnten LGBTI-Festivals oder -Demonstrationen, etwa zum 1. Mai, zum CSD oder zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie, in einigen Jahren ungestört und manchmal gar von der Polizei geschützt stattfinden, in anderen Jahren kam es zu Festnahmen oder Gewalt durch Gegendemonstranten. Aktivisten beklagen, dass die Stadt in den letzten Jahren repressiver geworden sei. Erst im letzten August wurden fast 30 Personen beim CSD festgenommen (queer.de berichtete). (nb)

Ein Wort in eigener Sache
Hinter gutem Journalismus stecken viel Zeit und harte Arbeit – doch allein aus den Werbeeinnahmen lässt sich ein Onlineportal wie queer.de nicht finanzieren. Mit einer Spende, u.a. per Paypal oder Überweisung, kannst Du unsere wichtige Arbeit für die LGBTI-Community sichern und stärken. Abonnenten bieten wir ein werbefreies Angebot. Jetzt queer.de unterstützen!


#1 stromboliProfil
  • 19.04.2019, 07:57hberlin
  • was für wunderbar mutige menschen!
    Das lässt mich vergessen, mit was für kleinlauten leuten ich manchmal hier umgeben bin!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 FinnAnonym