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"Verlorene Mitte"

Studie: Homophobie nimmt ab, Abneigung gegen Asylsuchende nimmt zu

Die Deutschen haben laut einer neuen Studie weniger Vorurteile gegen Schwule und Lesben, allerdings nimmt die Abneigung gegenüber anderen Minderheiten in teils erschreckendem Ausmaß zu.


Die Studienreihe der Friedrich-Ebert-Stiftung wird bereits seit 2002 durchgeführt (Bild: Friedrich-Ebert-Stiftung)

Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung warnt in ihrer am Donnerstag veröffentlichten neuen Studie "Verlorene Mitte – feindselige Zustände" (PDF) vor einer Verfestigung rechtspopulistischer Einstellungen in Deutschland, die mit einer Zunahme des Hasses auf bestimmte Minderheiten einhergeht ("gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit"). Positiv vermerkt die Studie, dass die Abneigung gegenüber Homosexuellen weiter gesunken ist, ebenso wie sexistische Einstellungen. Die Ablehnung von Transpersonen blieb auf stabilem Niveau.

Der Studie zufolge stimmen 8,3 Prozent der deutschen Bevölkerung abwertenden Äußerungen gegenüber Homosexuellen zu. Bei der letzten "Mitte"-Studie der Ebert-Stiftung 2015 hatten noch fast zehn Prozent homophobe Aussagen befürwortet (queer.de berichtete). Bei der ersten Erhebung im Jahr 2005 hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung sogar bei 21,6 Prozent der Deutschen Hass auf Schwule und Lesben festgestellt. Die Forscher maßen die Homophobie anhand der Aussagen "Es ist ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen" und "Homosexualität ist unmoralisch".

Die Abneigung gegenüber Trans*Menschen ist höher als die gegenüber Schwulen und Lesben: Nach neuesten Zahlen haben 12,3 Prozent der Bevölkerung abwertende Ansichten über geschlechtliche Minderheiten. Damit liegt die Zahl fast genau gleich wie bei der ersten Erhebung zu diesem Thema im Jahr 2015 (12,5 Prozent). Die Abwertung von Trans*Menschen wurde anhand der Aussage "Ich finde es albern, wenn ein Mann lieber eine Frau sein will oder umgekehrt, eine Frau lieber ein Mann" gemessen.


(Bild: Friedrich-Ebert-Stiftung)

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Jüngere und Ältere homophober als Menschen mittleren Alters

Insbesondere Männer haben negative Vorurteile gegenüber LGBTI – so ist die Ablehnung von Trans*Personen bei Frauen nur halb so hoch wie beim angeblich starken Geschlecht. Bei der Altersverteilung zeigen sich vor allem die mittleren Jahrgänge als tolerant – bei den 31- bis 60-Jährigen äußerten sich nur sechs Prozent abwertend über Homosexuelle. Bei Jüngeren (16 bis 30) oder Älteren (über 60) teilen hingegen mehr als doppelt so viele Personen – jeweils 13 Prozent – homophobe Einstellungen.

Besonders erschreckend an der neuen Studie ist eine zunehmende Abneigung der Bevölkerung gegenüber geflüchteten Menschen. 2014 hatten sich noch rund 44 Prozent der Befragten negativ über Asylsuchende geäußert. Während der sogenannten Flüchtlingskrise stieg dieser Wert in der Befragung auf knapp 50 Prozent an. In der jüngsten Befragung erreicht er mit 54 Prozent den höchsten Wert seit Beginn der Untersuchungsreihe vor 17 Jahren. Abneigung gibt es auch gegenüber anderen Minderheiten: So äußern sich jeweils ein Viertel abwertend über Sinti und Roma sowie Juden, ein Fünftel empfindet Hass gegenüber Muslimen – alle drei Werte haben gegenüber 2016 leicht zugenommen.

Rechtspopulismus setzt sich in Mitte der Gesellschaft fest

Die Studienautoren warnen, dass sich derzeit rechtspopulistische Einstellungen verfestigten. Sie zeigten sich zwar seit mehreren Jahren stabil bei rund einem Fünftel der deutschen Bevölkerung, würden sich allerdings bis in die Mitte der Gesellschaft hinein normalisieren. Die Autoren weisen auf eine starke Korrelation zwischen rechtspopulistischen Einstellungen und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit hin.

Auch viele Anhänger demokratischer Parteien pflegen laut der Studie rechtspopulistische Einstellungen – am verbreitetsten sind diese im demokratischen Spektrum unter FDP-Anhängern (23 Prozent), am wenigsten verbreitet unter Anhängern der Grünen (acht Prozent). 75 Prozent der AfD-Fans sind rechtspopulistisch eingestellt. Das Gefährliche am Rechtspopulismus sei laut den Studienautoren "erstens die Gewöhnung daran, und zweitens die dann offene Flanke zum Rechtsextremismus in altem wie neuem Gewand".

Für die Studie hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung rund 1.900 repräsentativ ausgewählte deutsche Staatsangehörige befragt.



#1 Simon HAnonym
  • 25.04.2019, 16:36h
  • "Jüngere und Ältere homophober als Menschen mittleren Alters"

    Das zeigt leider, dass in kommenden Generationen die Homophobie wieder zunimmt.

    Wenn wir jetzt nicht sehr aufpassen und nicht auch endlich die Politik die Ursachen bekämpft, dann wird das noch ein schlimmes Problem werden...
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#2 ursus
  • 25.04.2019, 17:32h
  • Antwort auf #1 von Simon H
  • "Das zeigt leider, dass in kommenden Generationen die Homophobie wieder zunimmt."

    Nicht notwendigerweise. Homophobie war schon immer bei jungen Menschen, vor allem Männern, besonders hoch, die mit der eigenen Identitätsentwicklung noch unsicher sind. Homofeindliches Verhalten und Sprechen ist (unter anderem) auch eine Strategie, die eigene Unreife zu überspielen und eine Fassade der Sicherheit aufzubauen. Und sie ist oft ein wichtiger Teil zwischenmännlicher Sozialisation, die in der Jugend oft sehr wichtig ist, aber mit fortschreitendem Alter an Bedeutung etwas nachlässt. Mit zunehmender Reife verschwindet diese "Jungmänner-Homophobie" natürlich leider nicht immer vollständig, aber doch zumindest teilweise.

    Das soll natürlich keine Entwarnung sein, sondern eher ein Argument dafür, dass auf unterschiedliche Gesellschafts- und Altersgruppen mit unterschiedlichen Strategien Einfluss genommen werden sollte, um gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu bekämpfen (und möglichst schon im Keim zu vermeiden).
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#3 JuNiAnonym
  • 26.04.2019, 11:59h
  • Komme gerade mit meiner Frau aus dem Urlaub zurück (in Deutschland) und war geschockt über die Rempler und Blicke (Nein, das war keine Einbildung!). Kenne so ein Verhalten zu Hause nur als Ausnahmefälle. Das ist natürlich rein subjektiv, deshalb wundert mich die Studie (abnehmende Homophobie).
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#4 WitoldAnonym
#5 JuNiAnonym
#6 NachfrageAnonym
#7 JuNiAnonym
  • 26.04.2019, 15:43h
  • Antwort auf #6 von Nachfrage
  • Auf einer sehr bekannten deutschen ostfriesischen Insel. Die Insel bestand zu unserer Reisezeit überwiegend aus Touris.
    Sind nur ganz geschockt, dass sich überwiegend Familienväter und -mütter vor ihren Kindern so verhalten haben!
    Wir sind lediglich Hand in Hand spazieren gegangen und haben sie null beachtet.
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#8 Homonklin44Profil
  • 26.04.2019, 17:54hTauroa Point
  • Wenn man gut hört, nicht unaufmerksam ist und nicht gut weghören kann, bekommt man diese abfälligen Bemerkungen ja auch mit, die nicht mal zielgerichtet wen Bestimmtes meinen müssen, und das ist definitiv mehr geworden. Sowohl, wenn es Flüchtlinge oder Leute abwertet, die von wo anders zu stammen scheinen, als auch gegen Trans* oder Homo.

    Das hängt aber meines Erachtens auch damit zusammen, dass die Leute wieder offener ihre Abneigungen nennen, und über vermeintliche Nachteile klagen, die sie von "zu vielen" Einwanderern/Flüchtlingen spüren. Auf dem Land ist das nochmal ein anderes Reden darüber, und diese rechtslängs liebäugelnden Charaktere nehmen kein Blatt vor den Mund dazu, was sie mit "Lesbierinnen" oder "Schwuchteln" alles anstellen würden, könnten sie, wie sie es wollten. Man kann froh sein, dass die dann meist den Schneid dazu nicht finden, und einem auch nicht anmerken, dass man anders sein könnte.

    Bei den ganz Jungejn scheint das aber auch eine gewisse Normalverteilung in der Ausdrucksweise zu sein. Wie bei den "Ghetto-Kids" typisch, die Hiphop /Rap hören, da ist "schwul" einfach das Synonym für alles Abwertige.
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