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Homophobie
Jaroslaw Kaczynski: LGBTI-Rechte bedrohen die Existenz Polens
Der Chef der polnischen Regierungspartei hält LGBTI-Rechte für ein ausländisches Konzept, das die Zukunft der Republik gefährde.

Jaroslaw Kaczynski gilt als starker Mann der Regierungspartei PiS (Bild: Screenshot TVP Info)
- 25. April 2019, 15:23h 3 Min.
Jaroslaw Kaczynski, seit 2003 Vorsitzender der rechtspopulistischen polnischen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS), hat am Mittwoch bei einer katholischen Konferenz in der Großstadt Wloclawek LGBTI-Rechte als Gefahr für das Fortbestehen Polens bezeichnet und erklärt, dass es unpatriotisch sei, die Position der katholischen Kirche zu hinterfragen. Die Konferenz trug den Namen "Polnischsein – Stolz und Verantwortung" und wurde vom Bistum Wloclawek organisiert.
"Die LGBT- und Gender-Bewegung bedroht unsere Identität und unsere Nation. Sie bedroht unseren polnischen Staat", so Kaczynski. Der 69-Jährige sagte weiter, LGBTI-Rechte und Religionsfreiheit seien unvereinbar. Er kritisierte die Lage in England, da dort "Homosexuellen Kinder gegeben werden" müssten. Wenn Homo- und Transsexuelle Rechte erhielten, sei das eine "Attacke auf die Familie" und würde Kindern generell Schaden zufügen.
Ohnehin sei das Konzept von LGBTI-Rechten aus dem Ausland importiert worden, behauptete Kaczynski weiter. Diese Argumentation wird immer wieder von LGBTI-Gegnern in Osteuropa und in Regierungskreisen in Russland verwendet, die Homo- und Transsexualität als westeuropäischen Phänomen bezeichnen. In afrikanischen Ländern stellen homophobe Regierungen die Existenz von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten gerne als Folge des Kolonialismus dar.
Kaczynski: Kritik an Kirche ist "unpatriotisch"
Bei der Konferenz stellte sich Kaczynski auch bedingungslos hinter die katholische Kirche. Unabhängig vom eigenen Glauben sei es "unpatriotisch, die Position der katholischen Kirche in Polen zu hinterfragen", so der PiS-Chef. In Polen ist die Amtskirche derzeit scharfer Kritik ausgesetzt, weil sie den Missbrauchsskandal nur schleppend aufarbeitet, obgleich auch dort Priester offenbar jahrzehntelang ungestraft Kinder sexuell missbrauchen konnten.
Beim Thema LGBTI-Rechte sind Kaczynski und die Kirche auf einer Linie: Erst vergangenen Monat veröffentlichte die polnische Bischofskonferenz eine Erklärung, in der sie davor warnte, dass die Gleichbehandlung von Homo- oder Transsexuellen die Zivilisation in Europa gefährden könne (queer.de berichtete). Anlass für die Erklärung war die Unterzeichnung einer Regenbogen-Erklärung durch Warschaus Bürgermeister Rafal Trzaskowski, mit der sich die Stadt unter anderem zu umfassender Sexualaufklärung an Schulen verpflichtet, die auch queere Themen aufgreift. Die PiS wettert im beginnenden Europawahlkampf verstärkt gegen LGBTI-Rechte.
In Polen regierte die Partei zwischen 2005 und 2007 und ist erneut seit 2015 am Ruder. In den letzten Jahren versuchte die rechtspopulistische Partei, das Land grundlegend umzubauen – so sollte etwa die Justiz entmachtet werden, was zu einer Auseinandersetzung mit der Europäischen Union führte.
Kaczynski war selbst im letzten Jahrzehnt über ein Jahr lang Ministerpräsident und gilt als starker Mann in der Partei. Er fiel immer wieder durch homophobe Tiraden auf. Sein ebenfalls homophober Bruder war von 2005 bis zu seinem Tod im Jahr 2010 polnischer Staatspräsident. (dk)














de.wikipedia.org/wiki/Karol_Szymanowski
Die Rechtsgeschichte Polens auch nicht. Während unsereiner in den USA, in UK und natürlich auch in Nazi-Deutschland eingekerkert wurde, wurde im Polen der Zwischenkriegszeit Homosexualität nach dem Vorbild der verbündeten französischen Republik entkriminalisiert.