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Tag der lesbischen Sichtbarkeit

Schwule Senioren fordern Solidarität mit lesbischen Frauen ein

Anlässlich des Tages der lesbischen Sichtbarkeit fordern auch schwule Aktivisten, dass die LGBTI-Community gemeinsam für gleiche Rechte kämpfen und sich nicht in internen Grabenkämpfen verlieren sollte.


BISS: "Wir fordern von der Community eine Zusammenarbeit, die den Namen verdient und Differenzen aushält" (Bild: Charlie Nguyen / flickr)
  • 26. April 2019, 09:07h 7 2 Min.

In der Presse und in privaten Gesprächen wird der CSD gerne als "Schwulenparade" bezeichnet, die Ehe für alle gilt als "schwule Ehe". Lesben fallen dabei gerne unter den Tisch. Seit elf Jahren wird darum am 26. April der Tag der lesbischen Sichtbarkeit begangen, um die Wahrnehmung in der Bevölkerung und auch in der Community zu verändern. Bislang ist der Tag in Deutschland zwar kaum im öffentlichen Bewusstsein angekommen – abgesehen von einigen Events etwa in Frankfurt oder Berlin.

Anlässlich des Tages fordert die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS) mehr Solidarität der Community mit lesbischen Frauen. Die Organisation bezog dazu zu vier Themen Stellung.

So wiesen die Aktivisten im Bereich Rehabilitierung und Entschädigung darauf hin, dass nicht nur Schwule staatlich verfolgt wurden, auch wenn der Paragraf 175 offiziell nur für Männer galt. Viele wüssten auch nicht, dass die DDR jahrzehntelang Lesben mit dem Paragraf 151 strafrechtlich verfolgen ließ und Opfer dieses Unrechts nach dem 2017 beschlossenen "Gesetz zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach dem 8. Mai 1945 wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen verurteilten Personen" entschädigt werden können.

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Im Bereich Erinnerungspolitik erinnerte BISS daran, dass auch lesbische Frauen "im Nationalsozialismus verfolgt und in Konzentrationslagern, beispielsweise im KZ Ravensbrück, ermordet" worden waren. "Wir fordern daher ein eigenes Gedenken für die lesbischen Opfer des Nationalsozialismus im KZ Ravensbrück durch die Berücksichtigung der Gedenkkugel", heißt es in dem Text. Die Errichtung der Gedenkkugel war letztes Jahr im Streit gescheitert (queer.de berichtete).

Beim Thema Wohnen im Alter appellierten die Aktivisten ebenfalls, dass lesbische Aktivstinnen und schwule Aktivisten zusammenarbeiten sollten, anstatt sich zu zanken. "Lesbische Frauen fordern für sich Lesbenwohnprojekte. Dabei ist es ein berechtigtes Interesse lesbischer Frauen ihre eigenen Forderungen zu artikulieren und hierfür von der Politik gehört zu werden", heißt es. Hintergrund ist ein mit harten Bandagen geführter Streit um öffentliche Förderung von Wohnprojekten für Schwule und Lesben in Berlin, bei dem sich ein schwuler Aktivist über "Krawalllesben" beschwert haben soll (queer.de berichtete).

Um derartigen Streitereien aus dem Weg zu gehen, empfiehlt BISS Community-Building, um mit einer Stimme zu sprechen. "Gruppeninterne Kämpfe" hätten den "gesamtgesellschaftlichen Zielen" der Aktivistinnen und Aktivisten geschadet und die gesamte Community geschwächt. "Wir fordern von der Community eine Zusammenarbeit, die den Namen verdient und Differenzen aushält", erklärte BISS. (cw)

-w-

#1 Berliner_BärchenAnonym
  • 26.04.2019, 17:47h
  • Aus dem Text: . "Gruppeninterne Kämpfe" hätten den "gesamtgesellschaftlichen Zielen" der Aktivistinnen und Aktivisten geschadet und die gesamte Community geschwächt.

    Das sehe ich genauso. Besonders die (pseudo-) akademischen "Diskurse" der letzten Jahre haben Narben und Misstrauen hinterlassen. Produktive Diskussionen erweitern den Horizont - auch wenn man auf keinen gemeinsamen Nenner kommt.

    Die hysterisch-aggressiven Streitereien, die besonders in Berlin zu florieren scheinen, haben bestenfalls den Autoren fragwürdiger Texte ein stattliches Zubrot beschert. Die "Vordenker" haben versagt; hoffentlich kommen zukünftig wieder vermehrt Menschen zu Wort, die Konflikte lösen wollen anstatt sie aus Eigeninteresse am Köcheln zu halten.
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#2 Still_IthEhemaliges Profil
  • 28.04.2019, 17:27h
  • Antwort auf #1 von Berliner_Bärchen
  • "Die hysterisch-aggressiven Streitereien, die besonders in Berlin zu florieren scheinen, haben bestenfalls den Autoren fragwürdiger Texte ein stattliches Zubrot beschert."

    Das floriert nicht nur in Berlin.
    Es ist bloß im Umfeld zahlenmäßig kleinerer Communities insofern schlimmer, dass sich da obendrein die Alternativen bzw. Ausweichmöglichkeiten in Grenzen halten. Und da die Oberhand für gewöhnlich bei den Leuten liegt, die's hinbekommen, sich als ausgrenzende Mehrheit zu etablieren, beschränken sich die Wahlmöglichkeiten ziemlich genau darauf, das zu ertragen und immer und immer wieder live vorgeführt zu bekommen, dass man immer höchstens als dieser lästige Dorn im Schuh gelten wird, den man gern los wäre.. oder sich die Kraft sparen, und auch physisch fern zu bleiben.
    Teil der Szene wird man unter der Herrschaft solcher Leute nie sein.
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#3 Berliner_BärchenAnonym
  • 30.04.2019, 12:23h
  • Antwort auf #2 von Ith_
  • Vielleicht war es auch meine Hoffnung, dass sich Teile der LGBTI-Gemeinde nur hier so destruktiv und unversöhnlich verhält. Obwohl ich dazu sagen sollte, dass ich, wenn ich in der Gay-Gemeinde unterwegs bin, kaum bis nie ein derart ablehnendes Verhalten erlebe obwohl ich als pummeliger, älterer, eher femininer und leicht mobilitätseingeschränkter Mann ausreichend Projektions- und Angriffsfläche biete. Da komme ich schon manchmal ins Grübeln ob ich eine "rosa Brille" aufhabe oder ob es einem zahlenmäßig relativ kleinen aber einflussreichem Zirkel gelingt, die veröffentlichte Meinung zu dominieren.

    Ich selbst hatte meine Coming-Out in den späten 70igern in der Provinz und habe dort viel Zusammenhalt und Unterstützung erfahren. Auch haben sich ältere Mitglieder der Community um die Jüngeren gekümmert und ihnen z.B. beim Coming Out geholfen. Das erlebe ich hier nur noch in institutionell organisierten Vereinen. Wie auch immer, ich hoffe sehr, dass du auch gute Erfahrungen in deinem Wohnort machen kannst.
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